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Moralinstrument

Die herrschende Moral will stets nur unterdrücken und wird deshalb auch nicht an jedem Menschen durchgesetzt, sondern nur an der Mehrheit der Menschen.

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Die Moral

Die Moral, diese billige und willige Hure für den religiösen und auch den atheistischen Sonntag, sie wird von denen hochgehalten, die sich in ihrem Leben nicht weiter von ihr vom Tun abhalten lassen; nur, um damit jene zu beeindrucken und zu beeinflussen, die wegen solcher Moralprediger schon längst nicht mehr an sie glauben können.

Moral

„Die Moral ist für Dumme und Sklaven geschaffen“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „für Menschen, die nicht bemerken können, dass sich ihre Herrscher niemals daran gebunden fühlen. Wer die Moral in sich aufnimmt, nicht um sie zu hassen, sondern um danach zu leben, wird zwangsläufig verdummt und versklavt“.

Wie schön es doch sein könnte

Wie viel schöner doch das Leben sein könnte, wenn die moralgeknuteten Menschen sich für ihre Habgier aufs peinlichste schämten und dafür ihre Sexualität lebensfroh begrüßten und keine Gelegenheit ausließen, sie auszuleben! Und. Wie anders die Sprache und das von ihr mitgeformte Denken doch wären, wenn aus den Schamlippen endlich wieder „Lustlippen“ würden, und aus dem Geldbeutel endlich wieder ein „Schambeutel“! Die Entfesselung der Habgier als gesellschaftsbegründend und die gleichzeitige Abwehr der Sexualität als unanständig, unterdrückungswürdig und regulierungsbedürftig — übrigens zwei moralische Haltungen, die prächtig zusammen mit der jeweils quasistaatlichen Religion gehen, und zwar mit jeder quasistaatlichen Religion — arbeiten in die gleiche beklagenswerte Richtung, zerstören die Lebens- und Lustmöglichkeiten der Mehrzahl der Menschen und führen direkt in den Faschismus.

Das moralische Problem

Das größte Problem mit der bürgerlichen (gern auch als biblisch begründete) Moral ists, dass sie ausschließlich aus Verbotsschildern besteht, so dass die größte Tugend der davon Gehirnkastrierten eben ist, was sie nicht tun.

Dessen Moral keine Zahlungsmoral war

Der, dessen Moral keine Zahlungsmoral war, musste feststellen, dass man seine Rechnungen nicht davon bezahlen kann, dass man ein guter Mensch ist, und er hat deshalb damit aufgehört. Die Rechnungen zu bezahlen.

Auswärtiges Denken

Es geht immer darum, ein abstraktes, angeblich allgemein verbindliches Prinzip an die Stelle der konkreten, auf die Situation bezogenen Gewissensregung zu setzen. Von dieser Substitution profitieren aber vor allem die Reichen und Mächtigen, die selbst allerdings zumeist nicht durch besonders aufgeprägte Moralität auffallen. Denn die Moral substituiert nicht nur das Gewissen, sondern sie beeinträchtigt auch den Verstand, indem sie das kritische Denken unterdrückt. Wer sich beispielsweise unter Wert verdingt, obwohl sein Lohn, wenn überhaupt, kaum Hartz-4 übersteigt, der handelt nicht nur unwirtschaftlich, sondern er betrügt sich selbst, weil er aufgrund seiner Moral nicht mehr in der Lage ist, sein absurdes Verhalten rational zu reflektieren

Dr. Hans Ulrich Gresch auf Pflasterritzenflora

Bettina

Sollte es wirklich einmal dazu kommen, dass ein Politiker seine bevorzugte Hure heiratet, so ist dabei immerhin klar, wer von den beiden den ehrenwerteren und menschlicheren Beruf hat. Und das. Ist nicht der Politiker.

Selbstamputation

Strenge Moralisten sagen: Um glücklich zu sein, muß man alle Leidenschaften aus sich verdammen. Dieser Rat ist ungefähr so gut, als wie wenn man einem, der über enge Stiefel klagt, sagt, er soll sich beide Füße amputieren lassen, damit er kein Verdruß mehr mit dem Schuster hat.

Johann Nepomuk Nestroy

Die Substanz der Moral

Der Chrakter der religiösen Moral erklärt sich aus der Substanz, aus der sie entstanden ist. In Jahrzehnten der Unterdrückung sexuellen Fühlens ist nun alten Männern das Sperma in das Gehirn gestiegen und hat sich ihr Adrenalin in Missgunst verwandelt, und so ist ein Denken entstanden. Die behandelten moralischen Fragen haben eine leicht wahrnehmbare Fixierung auf die Genitalien, während andere Bereiche des menschlichen Miteinanders mit großer Lässigkeit betrachtet werden. Von der Unterdrückung der Sexualität bis zur Perversion ist es eine wohlgebahnte, breite Straße, und viele Pfaffen sind es, die auf ihr wandeln.

Die Gutes und die Böses tun

Zeitgenosse: „Findest du nicht, dass die Religion einen Wert hat, dass sie immerhin Menschen dazu bringt, Gutes zu tun, für wohltätige Zwecke zu spenden, die Welt erträglicher zu machen?“

Nachtwächter: „Nein. Ganz im Gegenteil. Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Menschen, der aus eigener Einsicht das so genannte ‚Gute‘ tut und einem anderen Menschen, der es tut, um einem Gotte zu gefallen oder sich einen spirituellen Vorteil mit seinem Tun zu verschaffen, denn bevorzuge ich den Menschen mit der eigenen Einsicht. Und wenn ich die Wahl habe zwischen einem Menschen, der aus eigener Einsicht das so genannte ‚Böse‘ tut und einem anderen Menschen, der es tut und Frömmigkeit heuchelt und allerlei Luftschlösser baut, um es als religiöse Gerechtigkeit hinzustellen, denn bevorzuge ich auch beim so genannten ‚Bösen‘ den Menschen mit eigener Einsicht. Religion ist nicht einmal ansatzweise ein Ersatz für Bewusstsein, Selbstreflektion und Verantwortung. Religion ist die bückgeistige Abgabe der eigenen Möglichkeiten an eine Institution, auch um den Preis, dass man damit dümmer und manipulierbarer wird. Es gibt keine Alternative zum eigenen Bewusstsein.“

Was an der Schule gelehrt wird

Wir müssen auf der Schule Sozialkunde und politische Wissenschaft lehren. Aber müssen wir das? Nein, da ist kein Müssen, denn es ist eine harter Fakt, dass wir in der Schule gar nicht Politik und Sozialkunde lehren können! Der Lehrer, der es versuchte, er sähe sich bald ohne Schüler, ohne einen Cent in der Tasche auf der Straße, wenn nicht sogar auf der Anklagebank, wo er sich verteidigen müsste, während eine gestelzte Anklageschrift wegen seines Aufruhrs gegen die Ausbeuter gegen ihn stünde. Unsere Schulen lehren die Moral eines Adels, der durch das Geschäftssystem verdorben ist; und sie erheben diese militärischen Eroberer, diese Raubritter und diese Großverdiener zu Vorbildern des Ruhmes und des Erfolges.

George Bernhard Shaw, Back to Methuselah (1921)