Die sich auf antiker Offenbarung berufenden, monotheistischen Religionen der Menschheit kennen in ihrem allgemeinen Trockenrausch, was den Umgang mit andersgläubigen Menschen angeht, nur eine einzige geschichtlich konstante Formel: „Du musst dran glauben, oder du wirst ‚dran glauben‘!“. Der inhärente Absolutheitsanspruch aller dieser Religionen wird bei der erstbesten Möglichkeit wieder dazu führen, dass das Glauben der Menschen mit mörderischer Gewalt erzwungen wird. Das einzige Mittel dagegen ist, dass dieser Absolutheitsanspruch immer wieder durch entschiedenes und zuweilen Todesmut erforderndes Widersprechen in kulturell erträgliche Schranken gewiesen wird, dass ihm seine allgemeine Verbindlichkeit für alle Menschen immer wieder abgesprochen wird. Vom staatlich bis hin zum allgemeinen Tanz- und Vergnügungsverbot erzwungenen „Feiertag“ einer vorherrschenden Religion hin zum „heligen“ Krieg gegen Andersgläubige führt eine gerade Linie der Toleranz gegenüber einer Intoleranz, die ihr mörderisches Potenzial in der bisherigen Geschichte viel zu häufig zeigen durfte.