Tag Archive: Mission


Über Gott reden

Also auch ihr: wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Lk. 21,31

Jene Menschen, die unbedingt „über Gott reden“ wollen, aber nicht über die Menschenrechte, sie sind in dieser Geste die satanischen Mitvorantreiber der organisierten Entrechtung, Verarmung und Versklavung eines Großteils der Menschen und machen im Spiegelbild ihrer Mission deutlich, wem ihr Gott nützt und wem er schadet, bis zum Verlust des Lebens schadet. Freilich wird ihnen ihre bückgeistige Identifikation mit dem nützlichen Götzen der Zwingherren auch nicht das begehrte Leben auf der besseren Seite einer zerrissenen Welt geben.

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Von der Religion

Und der Nachtwächter sagte, nach der Religion gefragt: Ich habe nichts dagegen, wenn jemand in sich etwas Höheres, Unverstandenes fühlt, mit dem er in Beziehung kommen will, wie immer er dies Höhere nennt und wie immer seine Versuche aussehen, damit in Beziehung zu kommen. Es ist sein Recht als Mensch, und wenn er in diesem Streben echt und selbst ist, kann dieses Streben Beachtliches hervorbringen. Aber ich habe etwas gegen die Religion, die immer eine Massenerscheinung ist, gar nicht unähnlich der indivudellen Erscheinung einer Neurose, und die einen dogmatisch genormten Maßstab für dieses Fühlen an allen Menschen anzulegen sucht und es bei hinreichender gesellschaftlicher Macht mit ermüdender Regelmäßigkeit verboten sehen möchte, dass dieser Maßstab von Menschen hinterfragt und kritisiert werde; gegen die Religion, die an die Stelle einer vernünftigen Begründung für diesen weitgefassten Anspruch nichts setzt als alte Überlieferung — ganz so, als sei jede neue Erkenntnis und jeder mögliche Fortschritt nullwertig — ergänzt um anekdotische Erlebnisse Einzelner, so sie diese alte Überlieferung zu stützen scheinen und ihr nicht widersprechen; gegen die Religion die mit so dürren Belegen ihrer weit reichenden Behauptungen einen autoritären Anspruch an jeden Menschen formuliert und in dieser Sonderlichkeit auch noch einen gesellschaftlichen, geschützten und staatlich geförderten Sonderstatus einfordert. Selbst noch der von Paulus verblendetste Christ, ein Freund der weltweiten Mission mit Zuckerbrot erst nach dem Tod und Höllenangst, er würde mir hierin zustimmen müssen: Wenn ein Mensch, wie man ihn hier immer noch in der Mentalität des Herrenmenschen als „primitiven Menschen“ verunglimpft, die geistige Sackgasse seiner Zivilisation verlässt und sein aus Holz geschnitztes Idol wegschmeißt, denn tut er dies nicht, weil er plötzlich nicht mehr glaubte, dass es etwas Höheres als ihn selbst gäbe, sondern, weil er erkannt hat, dass dieses Höhere, das er die ganze Zeit dumpf fühlte, anders ist als eine hölzerne Figur nach traditionellem Muster; und nachdem er diese Einsicht erst einmal hatte, fällt es ihm auch wie Schuppen von den Augen und er sieht die Lächerlichkeit des Kultes, dem er durch diese Einsicht entkommen ist. Und. Er kann dieses Sehen auch mit der angemessenen Deutlichkeit auf den Punkt bringen, so dass die Lachtränen nur so aus den Augen schießen. Genau dieses Recht, erkennen zu dürfen und andersgläubig zu werden und zu sein, fordere ich für mich selbst und für jeden anderen Menschen gegenüber der überlieferten, staatstragenden und mit viel andersgläubigem Blut besudelten Religion, und es ist genau die Forderung nach einer Beschränkung und Abschaffung dieses Rechtes, die immer wieder als religiöse Forderung formuliert und von allen Menschen — auch allen Andersgläubigen — eingefordert wird. Und zwar. Von Vertretern aller Religionen, die nichts anderes als ihre alten Überlieferungen haben, die sie über jede gegenwärtige Einsichtsmöglichkeit gesetzt sehen wollen — womit die Vertreter dieser Religionen ganz nebenbei belegen, dass sie rückwärtsgewandt sind und jede Möglichkeit eines Fortschrittes verneinen, wenn sie können, gar mit Folter, Knast und Maschinengewehr verneinen. Deshalb habe ich etwas gegen die Religion, weil mir ihr ein friedliches Miteinander nicht möglich ist, und ich wollte, es wäre anders. Wer Ohren hat zu hören, der höre!