Tag Archive: Massenmedien


Prominenz

„Prominent zu werden ist unter den Bedingungen des Journalismus und des Fernsehens gar nicht mehr schwierig“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „man muss nur immer schön viel für Kleingeister machen und darf sich dabei weder für die Dummheit noch für Peinlichkeiten schämen“.

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„Der war irre“, sagt der Irrsinn

Nachdem — anders als es von der medialen Kriegspropaganda der täglich in die Hirne gestreuten Islamangst gewünscht war — völlig klar ist, dass der Mörder von Oslo und Utøya kein armer und leicht fanatisierbarer Moslem mit geringer individueller Lebensaussicht, sondern ein vermögender und offenbar gebildeter Christ mit extrem konservativer Weltsicht war, ist klar, was die nächste Strategie in der medialen Darstellung sein wird: Der Mörder wird wortreich zum Psychopathen erklärt werden, zum irren Einzeltäter, damit auch nicht ein Gedanke an den sozialen und politischen Kontext verschwendet werden muss, in dessen Schatten eine derartige Mordlust erblühen konnte. Denn das. Ist beinahe eine Konstante in der medialen „Aufbereitung“ politischer Gewalt: Die Täter aus dem „linken“ politischen Spektrum und seit zehn Jahren auch jene mit islamisch-religiösen Hintergrund sind organisierte und gefährliche Terroristen, denen gegenüber ein so gewaltiger und nach Möglichkeit auch gewaltsamer Präventivstaat aufgebaut werden muss, dass darunter bürgerliche Freiheitsrechte zu ersticken drohen; die anderen Täter hingegen, deren Tat sich als ein vergrößerendes Zerrbild des „konservativen“ Wertekanons darstellt, sind irrsinnige Einzeltäter.

Übrigens: Der offene Rassist Thilo Sarrazin ist übrigens immer noch Mitglied der SPD und wird immer noch von einem Medienapparat umhätschelt, der ihm die Möglichkeit gewährt, sich und die von ihm offensiv vertretene Ideologie in Szene zu setzen — neuerdings sogar ausgerechnet aus der Opferrolle… dokumentiert und gesendet im Zweiten Deutschen Fern-Sähen.

Überwachung

Glaube nicht an irgendetwas einfach nur, weil du es gehört hast. Glaube nicht an irgendetwas einfach nur, weil viele darüber sprechen. […] Glaube nicht an irgendetwas nur wegen der Autorität deiner Lehrer und der Alten. Glaube nicht an Traditionen, weil sie über viele Generationen überliefert worden sind. Wenn du aber beobachtet und analysiert hast, wenn du zu der Auffassung gelangt bist, dass etwas vernünftig ist und zum Guten hinführt und dem einzelnen und der Allgemeinheit nützt, dann akzeptiere es und lebe dementsprechend.

Buddha zugeschrieben

Das überforderte Auge — Die von der classe politique so gern vertretene Idee, dass ein Mehr an allgemeiner Überwachung zu einem Mehr der Sicherheit führe und die damit verbundene Forderung nach ständiger Ausweitung der Überwachung, sie ist populistisch und dumm. Sie ist es, weil sie übersieht, dass Menschen die Ergebnisse der Überwachung beurteilen müssen, und dass diese Menschen dann das Resultat der umfassenden Überwachung bewerten müssen. In der anschwellenden Flut der mechanisch erfassten Daten ertrinkend, bleibt ihnen dabei als Hilfsmittel nichts weiter als der „gesunde Menschenverstand“, der im Wesentlichen eine Ansammlung von allgemeinen Vorurteilen und verbreiteten Fehlkonzeptionen ist. Was diesen menschlichen Betrachtern hinter dem allgegenwärtigen Auge der Überwachung auf dieser dürren Grundlage auffällt, wird zum scheinbar objektiven Kompass polizeilicher Tätig- und Tätlichkeit gemacht, ist aber in Wirklichkeit das hinter einem technischen Apparat verschanzte Stammtischhirn eines Spießers, der vor allem alldas für bedrohlich und gefährlich hält, was anders und bunter und lebendiger aussieht als er selbst. Aber wie sehr muss derjenige, der eine Steigerung der Sicherheit durch Überwachung für billig und machbar hält, von einem kalten Größenwahn der Allmachbarkeit durchdrungen sein.

Nur nicht auffallen — Die Menschen werden unter der Bedingung einer allgegenwärtigen Überwachung des öffentlichen Raumes dazu erzogen, den beobachtenden und wertenden Menschen am anderen Ende des „Objektivs“ nicht aufzufallen, ihren unausgesprochenen, aber zur autoritären Kontrolle des Andersseins führenden Erwartungen so weit wie möglich zu entsprechen. Ein Teil dieses Prozesses ist bereits jetzt in der Praxis der in den letzten zehn Jahren recht häufig gewordenen, polizeilichen Personenkontrollen sichtbar. Was den Streifenpolizisten „auffällt“ und zum Anlass der Machtdemonstration einer Personenkontrolle wird, das ist der Ausländer, der Obdachlose, der nichtkonform aussehende und ungewöhnlich lebende Mensch und jeder, der den öffentlichen Raum nicht kaufsüchtig durcheilt, sondern ihn dazu nutzt, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Schon dieses in Uniform gekleidete, Norm gebende Vorurteil des im Streifenwagen durch die Straßen schleichenden Polizisten hat zu einer Zurückdrängung der früheren urbanen Vielfalt und zu einer Verödung des städtischen Straßenbildes geführt. Die damit einher gehende, übergeordnete Botschaft an alle Menschen ist, dass die öffentlichen Plätze nur der Bewegung von der Wohnung zum Kaufhaus oder zum Arbeitsplatze geweiht seien und dass sich jede Äußerung der Lebendigkeit in die vier Wände des Wohnquaders zurückzuziehen habe. Stadteile, in denen diese Zurückdrängung jeglichen Lebens in die Privatheit und Unsichtbarkeit nicht gelingt, werden als „problematisch“ und unsicher betrachtet. Das Leben selbst wird kriminalisiert. Mit einer ständig ausgeweiteten, technisch durchgeführten Überwachung greift diese unsichtbare Hand des geforderten Konformismus und des getarnten Rassismus in immer abstrakterer Form in einen immer größer werdenden Lebensraum hinein und erzwingt Anpassung durch den ständigen Blick und die Haltung, jeden Menschen, der in diesem Rahmen auffällt, mit einer persönlichen Kontrolle klar zu machen, dass er jenseits der geforderten Norm lebt. Der „große Bruder“, der dies zu tun scheint, ist die Larve des kleingeistigen Spießers mit seiner irrationalen Angst vor dem Leben selbst.

Gefühlte Sicherheit — Den populistisch geforderten Maßnahmen zur „Erhöhung der Sicherheit“ steht keine besondere Unsicherheit gegenüber, sondern eine lediglich gefühlte Unsicherheit, die übrigens jeden Tag massenmedial in reißerischer Aufbereitung extremer Einzelfälle angeheizt wird, da seit Zimmermanns „Aktenzeichen XY ungelöst“ wohlbekannt ist, dass sich der in den Alltag ragende Horror gut verkauft. Sie ist nicht einmal eine „gefühlte“ Unsicherheit, sie ist eine „gefühlt gemachte“. Das Entsetzliche der Reportagen und Meldungen muss nur ja schön grell und geil sein, damit die eigentliche Botschaft der Massenmedien, das konsumistische Evangelium der Reklame, umso bunter und leuchtender erstrahlt. Das so geschaffene subjektive Gefühl des Bedrohtseins wird als Grund für die objektive Beschränkung von Grundrechten genommen. Die zentral organisierten Massenmedien mit ihrem Titti- und Infotainment töten nicht nur den Lebenswillen ihrer Konsumenten ab, indem sie diese bewegungslos aufgeregt in den Fernsehsessel bannen, sie beschneiden in indirekter Auswirkung auch noch die Lebensmöglichkeiten jener Menschen, die ganz prächtig ohne dieses Stammhirnfutter leben könnten und das auch versuchen. Es nimmt nicht Wunders, dass gerade die Auswürfe von Jornaille und Schundfunk immer wieder dazu dienen, die Forderung einer Ausweitung der Überwachung zu transportieren, denn unter ihren gebannten, jeden Tag psychisch manipulierten und emotional kastrierten Nutzern sitzen jene Menschen, bei denen solche Forderung keine Einschränkung des eigenen „Lebens“ zur Folge hätte und bei denen die zur Durchsetzung einer solchen Forderung erforderliche Angst jeden Tag aufs Neue geweckt wird. Die „Demokratie“ unter den breit wirksamen, zentral organisierten Massenmedien ist eine Demokratur jener paar Handvoll Milliardäre, welche durch Anwendung ihrer Geldmacht die in diesen Medien transportierten Inhalte kontrollieren können.

Freimachen! — Kaum etwas macht die unverschämte Grenzenlosigkeit des zurzeit erstrebten Maßes der Überwachung so deutlich, wie die allen Ernstes geforderte, mechanische Demütigung der Menschen durch Nacktscanner. Während den Menschen einerseits durch das gesellschaftlich etablierte, religiöse Tabu und andererseits durch die Kriminalisierung der Nacktheit eine verklemmte Scham vor ihrem baren, körperlichen Sein eingeimpft wird, sollen sie sich andererseits von staatlichen Beamten allesamt und grundlos technokratisch ausziehen lassen, ganz im Namen der „Sicherheit“, versteht sich. Nichts könnte deutlicher machen, mit welcher Verachtung des einzelnen Menschen, mit welcher Freude an der Herabsetzung und erzwungenen Entblößung jede Forderung nach einer Ausweitung der Überwachung einher geht. Noch zwei bis drei Jahre tägliche Angstnachrichten, nach denen sich die zentral gesteuerte Angst richten soll, und die Menschen sind auch bereit genug, dass sie so eine Zumutung ohne nennenswerten Widerstand über sich ergehen lassen.

Die Unbewachten — Eine Gruppe von Menschen wird bei der Forderung nach Ausweitung der Überwachung immer wieder vergessen, und das sind jene Menschen, die in irgendwelchen Kontrollräumen sitzen und die Überwachung durchführen. Was werden es wohl für Spanner und Träger einer unterdrückten, perversen Herrschlust sein, die sich zu so einer wenig erfreulichen Tätigkeit hinreißen lassen, die ja auch nicht gerade gut entlohnt wird? Welche Ereignisse werden wohl ihre besondere Aufmerksamkeit bei diesen aus der technologischen Anonymität heraus zuschauenden Menschen finden? Schon diese kleine Überlegung macht klar, dass man sich von diesen Leuten nicht begaffen lassen will; es ist schon schlimm genug, welche fragwürdigen Charaktere den Polizeidienst attraktiv finden.

Rechtsfreier Raum — Gern wird von den demokratorischen Populisten, die ihre Rede für eine Ausweitung der Überwachung in die Hand nehmen, davon gesprochen, dass es nirgends „rechtsfreie Räume“ geben dürfe. Beim Nachdenken über die geforderte Überwachung zeigt sich aber, dass diese Populisten mit dieser Wortfaust einen stetig wachsenden rechtsfreien Raum erboxen wollen, einen Raum, der frei ist von elementaren Menschen- und Bürgerrechten wie der Freiheit zur friedlichen Versammlung, dem Recht auf ein Leben ohne rassisistische, weltanschauliche oder religiöse Diskriminierung und dem wegen seiner Selbstverständlichkeit nirgends kodifizierten Recht, sich selbst ohne den fressenden Blick anonym bleibender Spanner entfalten zu können. Wer eine Ausweitung der Überwachung fordert, fordert damit einen Abbau grundlegender Rechte.

Nichts zu verbergen — Die vielen Idioten, die so bereitwillig jedem, der sich nicht jede Zumutung des ausgeweiteten Überwachungswahns wortlos bieten lassen will entgegen, dass sie doch nichts zu verbergen hätten, wären darin sehr viel überzeugender, wenn sie sich zum Beleg dieses dummdreisten Wortes auf der Stelle nackt auszögen.

Sicherheit macht unfrei!

Steuersünder

Wer ist bei der deutschsprachigen Journaille eigentlich auf die Idee gekommen, Menschen, die Steuern hinterziehen mit dem im Spiegel des Reklamegebrauches des Wortes „Sünde“ geradezu nach Genuss klingenden Schönsprech von den „Steuersündern“ zu bezeichnen, während gleichzeitig immer wieder die äußerste Härte gegen jene Menschen eingefordert wird, die Sozialleistungen beziehen und in diesem Bemühen auch nicht davor zurückgeschreckt wird, den Bezug von Sozialleistungen mit haufenweis falschen Daten in die Nähe des Betruges zu stellen?

An der kollektiven Verwendung dieses propagandistischen Nebeneinanders durch die gesamte deutschsprachige Journaille hindurch zeigt sich, wessen Stimme in der deutschsprachigen Journaille (und in den sonstigen Massenmedien) hörbar wird und gegen welche Menschen sich diese kalte Stimme richtet. Wer Ohren hat zu hören, der höre dort weg!

Richtung und Garheit

Experts say an asteroid may destroy the Earth in 30 years. Tonight, get an early preview.

Programmankündigung NBC-TV für eine Sendung am 29. März 1998

Mitreden — Die dummen Menschen finden immer allerhand Rationalisierungen, um ihre selbstgemachte Dummheit zu rechtfertigen. Immer wieder höre ich von irgendwelchen Zeitgenossen die Frage, warum ich mich so sehr über den Auswurf der Contentindustrie aufregen kann, wo ich ihn doch eher indirekt mitbekomme, und gern wird diese Frage mit der „Feststellung“ gewürzt, dass ich als Verweigerer der Massenmedien zu diesem Thema gar nicht mitreden könne. Ganz so. Als ob einer selbst geisteskrank sein müsste, um die Krankheit zu erkennen und zu benennen.

Quellenvorteil — Unter allen Orten, von denen Pseudowissenschaft, Aberglaube und sonstiger verdummender, irrationaler bullshit in die Welt und schließlich in die Hirne der Menschen gehen, haben nur wenige ein größeres Budget als die großen Fernsehsender. Einer der Orte mit noch größerem Budget sind die Traumafabriken zu Hollywood.

Tolle special effects — Es ist doch seltsam, dass alle diese außerirdischen Angreifer und sonstigen Katastrophen der unterhaltsamen Apokalypse aus der Content-Industrie dermaßen häufig und zielstrebig New York als besonderen Ort der Zerstörung finden. Wer heiter genug ist, möchte denken, dass die Massenmordanschläge vom 11. September 2001, die ja ebenfalls in erster Linie massenmediale Wirksamkeit entfalten sollten, von Jahrzehnten solcher für die „Unterhaltung“ gemachten Produktionen vorbereitet, ja, vorgezeichnet und vorherbestimmt wurden.

Stempel — „Es ist alles nur show„, sagte er, und meinte damit die Darbietung in den Medien, insbesondere auch die politische Darbietung. Aber als ich ihn mir anschaute, als ich seine immer wieder zu affektive Stimme hörte, seine Gesten sah, die etwas gröber und ausholender als nötig waren, in aller Ruhe auf seine Kleidung und seine ganze Fassade blickte, da dachte ich mir, dass er damit auch sein Lebensmotto ausgesprochen haben könnte.

Stille — Hat sich eigentlich schon einmal jemand darüber gewundert, dass wir so viele aufwändige Produktionen der science fiction mit ihren typischen dramatischen Fehlern gesehen und gehört haben, so dass als Ergebnis dieser Massenstanze die meisten Menschen es inzwischen falsch fänden, wenn die Fortbewegung im Weltraum unter völliger Geräuschlosigkeit vonstatten ginge? Denn genau das wäre im realen Vakuum des Raumes der Fall. Aber es scheint unvorstellbar, dass jemand einmal eine solche Darstellung wagte.

Stars — Eine ganze Generation von Menschen ist herangewachsen, die kein Leben außerhalb der ständig beleuchteten Städte kennengelernt hat. Diese Menschen haben nicht einmal nächtens nach oben geblickt und dabei den richtigen mit Sternen übersprenkelten Himmel gesehen, ihnen ist gerade der Anblick jener fünfzig bis hundert helleren Objekte vertraut, deren Licht noch durch den unentwegten Leuchtedunst dringen kann. Sie kennen den Anblick eines Nachthimmels im besten Falle aus dem Kino, wenn ein solcher Anblick wieder einmal aus romantischen Gründen in einen Film verbaut wird. So einfach lässt sich die Wirklichkeit durch ein Surrogat ersetzen, natürlich durch ein kostenpflichtiges.

Ufologie — Der moderne volkstümliche Mythos von den „fliegenden Untertassen“ wäre von seiner psychologischen Kraft her nicht lange lebensfähig gewesen, wenn er nicht auf die Massenmedien eingewirkt hätte, und wenn die Massenmedien ihrerseits diesen Mythos nicht immer wieder psychologisch gefüttert und kostenpflichtig bedient hätten. Ein Nichts hat sich durch einen gesellschaftlichen Prozess in den wenigen Jahrzehnten seit Adamskis initialier Sichtung zu wirkmächtiger Existenz aufgebläht, so sehr, dass heute wohl jeder Mensch zu sagen können glaubte, wie ein UFO aussieht und es als so etwas wie eine „fliegende Untertasse“ beschriebe, obwohl er ein derartiges Objekt noch nie als wirkliche Erscheinung gesehen hat. (Was. Daran liegt, dass solche Objekte keine Existenz außerhalb der Psyche haben.) Und nicht nur das, ferner werden allerlei an sich menschliche Eigenschaften in diesen kollektiven psychischen Konstrukt projiziert, ja, sogar regelrechte Erwartungen individueller und globaler Erlösung. Wer immer schon einmal wissen wollte, wie eine Religion entsteht, muss sich nur anschauen, wie die fluchtvollen Träume der Einzelmenschen mit ihrem beschädigten Dasein von einem überpersonalen gesellschaftlichen Prozess integriert werden und damit den Prozess erhalten — und den Lebensschaden für viele.

Verschwörung — Es gibt unglaublich viele Sites im Internet, die mir und anderen Lesern erzählen wollen, dass eine Verschwörung globalen Ausmaßes im Gange ist und dass nahezu alle Medien und viele Persönlichkeiten in den Händen der Verschwörer sind und dass wir alle fehlinformiert werden. Und weil diese Aussage. Für sich betrachtet. Ein wenig geisteskrank klänge, wird sie auch mit allerlei Belegen belegt, und zwar mit Belegen aus ausgerechnet jenen manipulierten Medien der Verschwörer, denen doch misstraut werden sollte.

Ökonomie — Es ist eine Verschwendung beschränkter geistiger Kraft, sich mit jedem Detail des ganzen bullshits zu beschäftigen. Es reicht hin, die Kernaussagen zu erkennen, sich auf diese zu konzentrieren, diese in aller Klarheit zu widerlegen und sich nebenher nicht darum zu kümmern, dass von solcher Widerlegung unbeachtet immer mehr künstliche Details zur Verblendung des Publikums hervorgebracht werden. Bei denen, die vom bullshit leben, ist die Erzeugung von künstlichen Details ein geradezu automatischer Vorgang geworden, sie sind sehr geübt darin. Worin sie hingegen überhaupt nicht geübt sind, das ist, Einsicht in die eigenen Fehler zu bekommen und daraus zu lernen. Nur. Wer sich in solcher Ökonomie des Denkens übt und sich deshalb nicht mehr im Unsinn der künstlichen Detais verheddert, der gewinnt viel frei-werdende geistige Kraft — zum Denken, zum Lieben, zum Hassen und zum Leben jenseits des alles erstickenden bullshits.

Das Hochhaus zu Babel — Nicht nur für Individuen in ihrer körperlichen Beschaffenheit, auch für ganze Gesellschaften mit allen ihren Strukturen gilt diese einfache Wahrheit über den Selbstmord durch Sprung aus großer Höhe: Es ist nicht der Fall der tötet, es ist der plötzliche Stopp, der Aufprall. Ich wünsche weiterhin einen guten Flug und eine rechtzeitige Ankunft! :mrgreen:

Lobotomie

Die Psychochirurgie erreicht ihre Erfolge, indem sie die Phantasie zerschmettert, die Gefühle abstumpft, das abstrakte Denken vernichtet und ein roboterähnliches, kontrollierbares Individuum erschafft.

Walter Freeman, Psychiater, über seine eigene Arbeit

Wer wissen will, was die so genannten „Menschenrechte“ und das Gefasel von der so genannten „menschlichen Würde“ in irgendwelchen Sonntagsreden wert sind, der braucht sich nur anzuschauen, wie unverbindlich derartige Werte dort werden, wo sich Menschen nicht mehr verwirtschaften lassen und keinen Widerstand gegen das zu leisten vermögen, was ihnen zwangsweise widerfahren gemacht wird.

Das heute vielen jüngeren Menschen eher unbekannte Wort „Lobotomie“ bezeichnet einen chirurgischen Eingriff in das Gehirn eines Menschen, bei dem die Nervenbahnen zwischen dem Thalamus und dem Stirnhirn zusammen mit Teilen der grauen Substanz zerstört werden. Bei diesem gleichermaßen recht schnell und einfach durchzuführenden und auf andererseits irreversibel tiefen Eingriff kommt es zu einer Veränderung der Persönlichkeit bei gleichzeitiger Vernichtung der Emotionalität und jeglichen Antriebes. Das Verfahren wird heute nicht mehr angewendet. (Denn es gibt heute andere, reversiblere Verfahren mit einem ähnlichen Effekt, aber dazu später etwas mehr.) Als jedoch in den 1940er Jahren der Psychiater und Leiter der Psychiatrischen Klinik zu Washington D.C., Walter Freeman, ein einfach anzuwendendes chirurgisches Verfahren für die Lobotomie entwickelte, da wurde dieses zu einer Standardtechnik der Psychiatrie, das bis zur Mitte der 1950er Jahre vor allem in den englischsprachigen Staaten, aber auch in vielen anderen Staaten sehr häufig an solchen Menschen durchgeführt wurde, die man für psychisch krank hielt. Es wird geschätzt, dass das Freeman-Verfahren weltweit an einer Million Menschen angewendet wurde — genaue Daten sind nicht ermittelbar, weil sie niemals erfasst wurden.

Dies ist im Zusammenhang damit zu sehen, dass es infolge der Wirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieges mit seinen psychischen Traumatisierungen zu einem plötzlichen Anstieg psychischer Erkrankungen kam, die damals nicht medizinisch behandelt werden konnten. Die übliche „Behandlung“ bestand darin, dass die Patienten zwangsweise aus der menschlichen Gemeinschaft herausgenommen, weggesperrt, in engen Zimmern zusammengepfercht wurden und Elektroschocks erhielten.

Als der Yale-Absolvent Walter Freeman aus durchaus humanitären Gründen nach einer Therapie für diese medizinischen „Fälle“ suchte, stieß er auf eine Arbeit des portugiesischen Arztes Egaz Moniz, der für seine darin dargelegte Idee und die Entwicklung eines ersten Verfahrens übrigens im Jahre 1949 den Nobelpreis für Medizin verliehen bekam, und der in ebendieser Arbeit die Auffassung vertrat, dass man viele psychische Krankheiten heilen könnte, indem man im Gehirn die Nervenstränge vom Stirnlappen zum Thalamus durchtrennt. Offenbar war die Zeit für diese Form der „Behandlung“ psychischer Krankheiten so „reif“, dass es jahrzehntelang niemandem auffiel, dass es keine Studien über die Wirksamkeit und mögliche unerwünschte Wirkungen eines solchen Verfahrens gab.

Die besondere Leistung Freemans bestand darin, ein sehr einfach anzuwendendes Verfahren zur Durchführung dieses Eingriffes zu finden und dieses Verfahren zu propagieren und in mehreren tausend Fällen selbst anzuwenden. Das Propagieren Freemans war dermaßen beflissen, dass er Operationen nach dem Freeman-Verfahren in Hörsälen und sogar im Fernsehen vorführte, um seine „optimale Behandlungsform“ zu demonstrieren und mit einem Wohnwagen, den er als „Lobomobil“ bezeichnete, von Klinik zu Klinik fuhr, um dort zu „operieren“ und sein Verfahren zu lehren. Das Verfahren war in seiner Durchführung dermaßen einfach, dass Freeman zwei Dutzend Menschen am Tag lobotomieren konnte. Dieses offensive Auftreten führte dazu, dass die damaligen Zeitungen voll mit den Berichten über die „Wunderheilungen“ Freemans waren — offenbar deckte sich der „Erfolg“ der Freeman-Methode mit den Vorstellungen und Wünschen jener Menschen, die ihre verquarzte Gedankenwelt mittels einer Rotationsmaschine auf tote Bäume stempeln konnten und können und so zur Deinung der Massen machen konnten und können.

Beim Freeman-Verfahren der Lobotomie wird keine spezielle neurochirurgische Qualifikation benötigt. Auch die erforderlichen Instrumente sind preisgünstig und stellen keine besonderen Anforderungen an ihre Fertigung; Freeman verwendete anfangs einen Eispickel, später ein speziell gefertigtes Instrument, das einem Eispickel nachempfunden war. Dieses Instrument, welches man in solcher Verwendung eher in einer mittelalterlichen Folterkammer als in einen Operationsaal vermuten würde, wurde unter meist lokaler Anästhesie am Auge vorbei geführt, um mit einem leichten Stoß den dünnen Knochen im oberen Bereich der Augenhöhle zu durchstoßen und so in das Innere des Schädels, in das Gehirn eingeführt werden zu können. Hierzu musste nur ein Augenlid angehoben werden, um die Spitze des „chirurgischen Instrumentes“ am Auge vorbeiführen zu können. War auf diese Weise der Weg in das Gehirn gebahnt, so wurde nach dem Erreichen einer vom Arzt subjektiv bewerteten, „richtigen“ Eindringtiefe durch strokelnde, rotierende Bewegungen der „kranke“ Teil des Gehirnes zerstört. Dieser Eingriff war nicht nur so einfach, dass er auch von Menschen ohne chirurgische Ausbildung ausgeführt werden konnte und auch ausgeführt wurde, er galt überdem als besonders schonend, musste doch nicht eigens der Schädel von oben geöffnet werden. Es blieb nicht einmal eine Narbe zurück, nur ein Bluterguss am Auge legte für einige Wochen Zeugnis davon ab, dass ein Eingriff in das Gehirn vorgenommen wurde. Und. Natürlich auch die irreversibel vernichtete Persönlichkeit des so „operierten“ Menschen.

Kaum war ein solches, billig, einfach und am Fließband anzuwendendes Verfahren verfügbar, schon fanden sich auch viele „Krankheiten“, die damit „behandelt“ werden konnten. Mit einer Lobotomie wurden immer wieder auch ganz bestimmte „Krankheiten“ „geheilt“, wie etwa Kommunismus, Homosexualität, „asoziales Verhalten“ oder auch einfach nur eine Unwilligkeit oder Unfähigkeit, den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen Genüge zu tun. In der Tat lösten sich diese „Krankheiten“ oft in Nichts auf, wenn aus einer lebhaften Persönlichkeit ein emotionsloser, sedierter und zu keiner eigenen Lebensäußerung mehr fähiger Funktionsmensch gemacht wurde. Und auf die gleiche Weise lösten sich auch alljene Krankheiten auf, die man heute noch als Krankheiten bezeichnen würde, etwa bestimmte Formen der Depression, Zwangsstörung und des posttraumatischen Belastungssyndroms. Sie verschwanden einfach zusammen mit der erkrankten Persönlichkeit, während die entkernte Hülle eines Menschen als noch verwertbares Formfleisch zurückblieb. Dass die so behandelten Menschen nicht gerade um Erlaubnis befragt wurden, sondern durch die Verfügung anderer Menschen der als Wissenschaft und Medizin getarnten Barbarei überantwortet wurden, versteht sich von selbst. Niemand, der noch bei Troste ist, lässt das. Mit sich machen.

Über ein Jahrzehnt lang konnte Walter Freeman seine Methode der Lobotomie anwenden und lehren, ohne dass es von medizinischer Seite, von staatlicher Seite oder von der Journaille und anderen Massenmedien zu einem Versuch kam, ihn daran zu hindern. Es gab keine Studien über die Erfolge und mögliche unerwünschte Auswirkungen des Verfahrens, nur subjektiv gefärbte Erfolgsberichte, die vor allem von Befürwortern und Praktizierenden der Lobotomie gesammelt wurden; es gab keine Spur von einer Wissenschaft, die diesen Namen verdient hätte. Es war einfach nur barbarische Willkür, ein am Fließband betriebener Mord am Kern der Persönlichkeit mit der Absicht, den Körper dabei möglichst in einem eher mechanischen Sinn lebendig, also weiterhin funktionsfähig und verwertbar zu halten.

Das eingangs gegebene Zitat Freemans ist übrigens frei von jeder Selbstkritik, er hat seine „medizinischen“ „Erfolge“ wirklich so gesehen, wie sie waren. Und. Genau in dieser Form für gut befunden.

Die massenhafte Lobotomie hörte erst in der Mitte der 1950er Jahre auf, als mit dem Neuroleptikum Chlorpromazin unter dem Markennamen Thorazine das erste wirksame Psychopharmakon in den USA verfügbar wurde — und seitdem werden hinter den Mauern, an denen die so genannten „Grundrechte“ enden, in den psychiatrischen Kliniken, auch immer wieder schwer in den Stoffwechsel des Gehirnes eingreifende Medikamente verabreicht, um Menschen auf diese Weise sediert und gefügig zu halten. Es ist bitter, dass man diesen Medikamentenmissbrauch durch Ärzte als einen Fortschritt betrachten muss, wenn man nur ein paar Jahrzehnte zurückschaut.

Doch auch nach der Erfindung der Psychopharmaka wurde von US-amerikanischen Ärzten immer wieder die Lobotomie als eine günstige „Lösung“ bestimmter Probleme vorgeschlagen.

Als es im Jahre 1967 in Detroit (Michigan) nicht nur das Henry-Ford-Museum, das Labor von Thomas Edison und die alte Werkstatt der Gebrüder Wright gab, sondern auch vorübergehende, aber schwere Rassenunruhen, da wurde im Journal of the American Medical Association ein Leserbrief der nicht nur am Kittel weißen Harvard-Autoren V. Mark, F. Ervin und W. Sweet abgedruckt. Diese sahen eine „fokale Gehirnstörung“ als Ursache der Ausstände, und um weitere Unruhen zu verhindern, sollte es nach Meinung dieser Ärzte völlig ausreichen, diese „Ursache“ operativ zu entfernen. Zwei dieser Autoren, Mark und Ervin, veröffentlichten im Jahre 1970 ihr Buch Violence and the Brain, in welchem sie die Lobotomie als final solution (!) für das Gewaltproblem vorschlugen, zum Beispiel zur Behandlung von Häftlingen, die sich nicht resozialisieren lassen. Auch, wenn dies nicht explizit erwähnt wurde, ist wohl nicht davon auszugehen, dass nach Meinung dieser ganz besonderen Menschenfreunde die so zu verkrüppelnden Menschen vorher um Erlaubnis gefragt werden sollten. Wo die Humanität das ärztliche Eingreifen erfordert, muss der von solchen Ideen besessene Arzt eben tätig und tätlich werden — das ist, um es mit den Worten des Psychiaters L. G. West zu dieser faschistoiden Idee zu sagen, eben ein „biosozialer Humanismus“. Später wurden solche „Argumentationen“ — dem sich ändernden Zeitgeist entsprechend — noch um wirtschaftliche Betrachtungen angereichert; als etwa im Jahre 1979 der Psychiater H. Brown die Lobotomie zur „Rehabilitation“ jugendlicher Straftäter empfahl, da wurde dieser Vorschlag unter besonderer Betrachtung der Tatsache diskutiert, dass eine solche „Wiedereingliederung in die Gesellschaft“ doch mit einem Aufwand von 6.000 Dollar wesentlich kostengünstiger sei als eine lebenslange „Verwahrung“, die im Schnitt 100.000 Dollar kostet.

Wer angesichts dieses Rückblickes glaubt, dass die heutige Medizin frei von Barbarei sei, ist ein Traumtänzer — wie kommenden Generationen die jetzigen Zustände in der so genannten „Pflege“; in der (meist nicht stattfindenden) Palliativmedizin bei Sterbenden, die sich darauf beschränkt, die Menschen in ihrem angstvollen und ungelindert schmerzhaften Verrecken bis zum letzten Atemzug zu verwirtschaften; oder auch immer noch in der Psychiatrie erscheinen werden, das kann man heute schon sehen, wenn man einfach nur hinschaut.

Was es wohl bedeuten mag, dass nach einem Bericht des „Spiegel“ (im Artikel „Abschied vom Kettenhemd“ der Ausgabe 52/2002) die meisten Ärzte ihren Verwandten keine hochpotenten Neuroleptika verordnen würden, kann sich jeder selbst denken; vielleicht hilft solches Denken auch, anderen ärztlichen Verordnungen gegenüber angemessen kritisch zu sein und sich stets selbst zu informieren. Dass es zur Wirkungsweise von Neuroleptika kaum Grundlagenforschung gibt und dass zudem beinahe die gesamte Forschung ausschließlich durch die Hersteller der Medikamente finanziert wird, erinnert angesichts der breiten Anwendung dieser Medikamente alarmierend genug an den „wissenschaftlichen“ Hintergrund bei der massenhaften Durchführung der Lobotomie.

Und wer wirklich glaubt, dass die so genannten „Menschenrechte“ auch für jene Menschen eine Bedeutung und Wirksamkeit hätten, die unter der direkten oder — wegen existenzieller wirtschaftlicher Abhängigkeit — mittelbaren Verfügungsgewalt anderer Menschen stehen, sollte einmal nachschauen, ob er nicht zwischendurch selbst das Opfer einer Lobotomie geworden ist. Das zeitgemäße Verfahren der „Lobotomie durch Fernsehen und Massenmedien“ scheint — wie ich immer wieder bei meinen Zeitgenossen feststellen muss — von verheerender Wirksamkeit zu sein.

Die moderne Partnersuche

Lonely Hearts - Verlieben per SMS und Telefon - Die moderne Partnersuche!

Ohne Worte.

Quelle des Scans: Hallo Sonntag Hannover vom 26. Juli 2009

Vom Wegwerfen der Menschen

Es ist schon ein bemerkenswerter Zug dieser Gesellschaft, dass jene (inzwischen recht wenigen) Menschen, die sich dem allgemeinen Konformismus verweigern; die nicht in die vorgefertigten Schubladen passen wollen; die einfach nur sie selbst sein wollen; dass jene von den anderen Menschen so sehr ausgegrenzt werden, dass sie nur noch an sich selbst und an ihrem Verstand zweifeln können, ja, dass jene Individuuen irgendwann — und seien sie auch die fröhlichsten und lichtvollsten Gemüter — ihr Dasein als einen stinkenden Kadaver betrachten müssen, von dem sie sich durch einen Freitod befreien wollen. Menschen sind nun einmal soziale Wesen und gehen im Irrsinn ein, wenn man sie mitten unter anderen Menschen isoliert. Hier werden jeden Tag Menschen aus banalsten Gründen weggeschmissen, die einen wegen einer Zahnlücke oder einer Tätowierung, und die anderen wegen ihrer Kleidung. Und das. Fängt bereits in der Schule an. Jeder, der sich weigert, sein Sein und Schein an die industriell erstellten Vorbilder der Massenstanze der Massenmedien anzupassen, wird abgestraft, wird mit sozialem Druck dazu gedrängt, konform zu gehen, wird schließlich bei fortgesetzter Verweigerung ausgeschlossen, aus der Wahrnehmung ausgeblendet, weggeworfen, als Unperson betrachtet, durch die Verweigerung des Gedankens an seine Existenz gedanklich getötet.

Und. In den flackernden Evangelien des Konsumismus und von jeder Plakatwand herab wird die Ekstase des Genusses, die Freiheit und die durch Produktkauf erreichbare Individualität verkündet.

Das unverstandene Netz

Incivile est eum salutare, qui reddit urinam aut alvum exonerat […]

Erasmus von Rotterdam

Bei den älteren Medien, die ihre heutige Meinungsvormacht weniger den heute so oft als Reklame erwähnten qualitativen Vorzügen und mehr einem früheren Oligopol verdanken, das über die Produktionsanlagen zum massenhaften Bestempeln toter Bäume mit Meldungen und Werbung verfügte, scheint niemand das Internet so recht zu verstehen. Vor allem scheint dort niemand zu verstehen, dass das Internet nicht einfach nur ein weiterer Vertriebskanal ist, wie es bei bisherigen zentral organisierten Medien wie dem Rundfunk der Fall war; dass es deutlich mehr ist, als einfach nur eine weitere Möglichkeit, die vertraute Struktur der Kommunikation mit neuer, aber in ihrem Einbahnstraßencharakter vertrauter Technik fortzusetzen.

Die heutigen Erben der alten Oligogarchen haben sich offenbar noch gar nicht das wirkliche Internet angeschaut, in dem sich jeder Mensch mit relativ geringem Aufwand — und inzwischen auch mit nur noch geringen technischen Kenntnissen — eine Stimme für seine Lebenswirklichkeit verschaffen kann, deren Außenwirkung über die alzheimersche Unverbindlichkeit der Stammtische und den engen Kreis von persönlichen Freunden hinaus geht. Die Vorstellung, dass es auf einmal der einst so wichtigen und machtverleihenden Produktionsmittel gar nicht mehr bedarf, um sich öffentlich vernehmbar zu äußern, sie muss sehr fremd für die Vertreter der althergebrachten Medien sein, so fremd, dass sie dieser Vorstellung niemals Rechnung tragen, dass sie ihre Internetarbeit nicht so zu gestalten versuchen und noch weniger, sie so zu gestalten verstehen, wie es einen Netzwerk prinzipiell gleichberechtigter Computer angemessen wäre, welches das Potenzial hat, Menschen zusammen zu bringen, die sich sonst niemals begegnet wären.

Und diesem Unverständnis über die wirkliche Struktur und daraus ersprießende Bedeutung des Internet entsprechend ist dann auch die Internetarbeit jener Medien, deren letzter Rest von gutem Ruf zurzeit durch das Internet und die damit gegebenen Möglichkeiten des Vergleiches und des Austausches der „Mediengenießer“ aufgezehrt wird. Wer nur einmal die wörtlich abgetippten, identischen Agenturmeldungen der überregionalen Tageszeitungen im Internet gelesen hat, wer festgestellt hat, dass sich die verschiedenen seriösen Blätter im Internet vor allem in der Penetranz der eingeblendeten Werbung und in den beworbenen Produkten unterscheiden und dass sie ansonsten versuchen, diese Werbung mit einer künstlich unverständlich gemachten Navigation möglichst oft einblenden zu können, der weiß, dass man auf derartige „Dienste“ gut verzichten kann, wenn man nicht zum Diener geboren ist. Kein Wunder, dass sich in der von euch geschaffenen Situation jeder Denkende über Google News und andere Formen der Zusammenfassung des agenturzentral gleichgeschalteten Tagesausstoßes freut — und einige Menschen, ich zum Beispiel, gehen sogar so weit, dass sie andere Blogger den täglichen Auswurf eures Apparates für sich filtern lassen, und zwar vor allem solche Blogger, die sich für die persönlichen Schwerpunkte als gute und ausgewogene Vorfilterung bewährt haben.

Kleine persönliche Randbemerkung: Wenn es um Wissenschaft geht — und damit beschäftige ich mich ständig — hilft mir nicht einmal mehr der Filter der anderen Blogger, weil ihr etablierten Medien schlicht nicht über Wissenschaft berichtet. Ihr tarnt zwar manchmal eure Propaganda für ein entfesseltes Wirtschaften als eine Art Wissenschaft, indem ihr sie mit willkürlich ausgewählten Daten zu belegen sucht, aber richtige Wissenschaft existiert bei euch nicht. Ich bin regelmäßig auf englischsprachige Websites zurückgeworfen. Aber Horoskope kaufen und abdrucken, das könnt ihr!

Nun sieht man das alles dort, wo man das Internet gar nicht recht versteht, also bei den althergebrachten Medien, völlig anders. Der allerwerteste Herr Burda hat sogar im Namen der Gesamtheit der Journaille in der BR Deutschland in die Mikrofone geflennt, dass die Aufbereitung der verschiedenen und doch so gleichen Medieninhalte in einer für Menschen unmittelbar verständlichen Zusammenfassung wie Google News einer „Enteignung“ gleich käme. Und der offenbar Not leidende Springer-Verlag — wenigstens das Innere des Schädels scheint dort bei vielen eine gewisse Not durch sich ausbreitendes Vakuum zu leiden — hat die seltsame Vorstellung in die völlig von den Medien selbst gemachte „Debatte“ geworfen, dass man in Zukunft doch einfach eine staatliche Zwangssteuer auf den Neupreis von Computern erheben könnte, um diese Einkünfte an die klassischen Medien weiterzuleiten, die doch so viel verloren haben.

Doch diesen ganzen lichtscheuen Jammerlappen kann geholfen werden!

Denn ich habe den Verlegern in der BR Deutschland einen ganz einfachen Vorschlag zu machen, wie sie künftig derartige „Enteignungen“ durch Google und andere Dienste von unendlichem Nutzen für ihre Nutzer verhindern können: Die Verantwortlichen für die Website mögen sich bitte einfach einen gewöhnlichen Texteditor greifen. Zur Not geht auch Notepad, das Not-Pad von Windows. Welchen Texteditor sie immer auch nehmen, es handelt sich in jedem Fall um ein Programm, dass sich noch viel leichter bedient als jedes Redaktionssystem zum Anreichern der Meldungen aus den NITF-Feeds der Agenturen durch irgendwelche Klickstrecken und zum Aufspalten noch der kürzesten Meldung auf mindestens zwei Seiten. Damit sollte eigentlich jeder klarkommen, auch ein Mensch mit geringer informationstechnischer Literalität. Mit diesem Programm bitte eine Datei namens robots.txt anlegen, und in diese Datei einfach nur die folgenden Zeilen reinschreiben:

User-agent: *
Disallow: /

Dann sagt bitte eurem Techniker, dass er diese Datei in das Wurzelverzeichnis des Webservers hochladen soll, auf dem eurer ganzer „enteigneter“ Content herumliegt. Ihr werdet es kaum glauben, aber diese eine Kleinigkeit mit einem gesamten Arbeitsaufwand von unter fünf Minuten reicht völlig aus, und weder Google noch irgendein anderer zivilisierter Crawler wird sich in Zukunft noch einmal bei euch bedienen. Die respektieren das nämlich alle, wenn ihr euer von den Agenturen abgekauftes „Eigentum“ behalten wollt. Ich habe dies in einigen, für einen eher geschlossenen Nutzerkreis gedachten Projekten schon selbst ausprobiert, und die Wirkung ist wunderbar: Eine einfache Anweisung an die Crawler, und schon wird man nicht mehr gecrawlt. Ihr habt es völlig selbst in der Hand, ob ihr weiter „enteignet“ werden wollt, oder ob ihr Google und den ganzen anderen Bots eine klare Grenze zieht. Da braucht ihr nicht mehr zu eure Taschentücher vollzuheulen und auch nicht nach irgendwelchen staatlich verordneten Zwangsabgaben auf Computer zu rufen, die dann ausgerechnet euch in die Tasche gesteckt werden sollen. Da braucht ihr nur eine einzige Datei auf eurem Webserver abzulegen, die zudem sehr einfach mit überall verfügbarer Software zu erstellen ist.

Gut, ihr werdet dann auch nicht mehr von Google gefunden, das ist vielleicht ein bisschen ungewohnt für euch. Aber das könnt ihr ganz sicher sehr leicht ausgleichen, indem ihr euch endlich einmal ein paar Gedanken darüber macht, wie ihr auf wirksame Weise die Leser an eure tollen Websites binden könnt, und zwar am besten so binden, dass ihr dabei auch ein Geschäft machen könnt. Das ist ja nicht so, dass ich oder irgendjemand anders euch euren Reibach nicht gönnen würde. So viel kann ich euch als jemand, der sich jetzt zweieinhalb Jahrzehnte lang mit dem Irrsinn der EDV herumgeschlagen hat, jedenfalls zu diesem Thema sagen: Mit einer nicht nachvollziehbaren Benutzerführung und künstlichen Schwierigkeiten beim Zugriff auf die von euch angebotenen Informationen werdet ihr es nicht schaffen, jemanden an euch zu binden. Auch aufdringliche Werbung gehört zu den Dingen, mit denen man Menschen eher vertreibt oder zu Gegenmaßnahmen greifen lässt. Und. Ihr werdet es übrigens auch nicht schaffen, wenn ihr eure Leser regelmäßig beschimpft. Aber schaut euch doch einfach mal selbst den Rest des Internet an, denn wird euch schon etwas einfallen.

Und wenn euch nichts einfällt, denn bestempelt einfach weiter tote Bäume, denn das könnt ihr. Und mit dem Fortschreiten einer Technik, die keine zentralisierten Produktionsmittel mehr benötigt, geht doch bitte einfach sterben! Ich brauche euren täglichen medialen Mindfuck mit neoliberaler Propaganda, die von euch abgeschriebenen und ohne die Spur ergänzender Recherche übernommenen Agenturmeldungen und die dummdreiste Gutsherrenart eures Auftretens jedenfalls nicht — und die Anzahl der Menschen, denen es in dieser Sache genau so geht wie mir, sie wird jeden Tag ein bisschen größer.

Und das liegt auch an euch und an dem lichtscheuen Gesindel, das für euch in die Kameras und Mikrofone flennt, schimpft und den staatlichen Grabsch in unser aller Taschen fordert, einfach nur deshalb, weil immer weniger Menschen dazu bereit sind, für euren mit Werbung, Schleichwerbung und Propaganda durchsetzten Strunz auch noch etwas zu bezahlen. Vor ein paar Jahrzehnten hätte ich euch nur gesagt: „Geht doch nach drüben, wenns euch hier nicht gefällt!“ — vor allem den Leuten vom Springer-Verlag hätte ich das gern gesagt… :mrgreen:

Und, ihr Verleger, immer daran denken! Vor dem Aus-sterben kommt immer erst das An-sterben…

Vergesst „Zensursula“!

Die Partei, die Partei, die hat immer recht […]

Louis Fürnberg, Lied der Partei

Die starke Konzentration der Aufmerksamkeit vieler Blogger und frisch politisierter Menschen auf die Person Ursula von der Leyens ist ein Fehler, der in eine Sackgasse führt. Diese Frau erfüllt nur die ihr zugedachte Funktion, sie zieht dabei auch durchaus in geplanter Weise den berechtigten Missmut jener Menschen auf sich, die den politischen Betrug der Internet-Zensur als solchen erkennen und vom politischen Kindesmissbrauch zur Einführung einer Zensur-Infrastruktur angewidert sind.

Es ist kein besonderes Anzeichen von Intelligenz, in die Falle zu tappen, die einen gestellt wurde. Ursula von der Leyen ist austauschbar. Ich bin mir sogar sehr sicher, dass wir am Ende dieses Jahres immer noch eine Frau als Bundeskanzler, einen homosexuellen Mann als Außenminister und keine Frau von der Leyen mehr in irgendeinem Ministeramt haben werden — und wäre über jede andere Entwicklung eher angenehm überrascht. Natürlich wird man „Zensursula“ angemessen alimentieren, etwa mit einem gutdotierten Posten in der EU-Verwaltung; sie hat ihre Aufgabe doch wirklich gut erfüllt. Wenn jemand an die Internet-Zensur in der BR Deutschland denkt, denn denkt er jetzt an Ursula von der Leyen. Und. Es ist eine sichere Wette, dass ein Kabinett ohne Frau von der Leyen nichts an den Zensurgesetzen ändern wird, die sich mit dem Namen von der Leyen verbinden. Genau so. Ist es geplant. Und genau so. Wird es durchgeführt. Wer darauf wie ein pawlowscher Hund mit mechanischem Speichelfluss reagiert, der reagiert genau so, wie es in der Verfolgung der Pläne gewünscht ist. Einem Hunde hat er nur voraus, dass er sich dabei noch einbildet, politisches Bewusstsein zu haben.

Doch diese Frau von der Leyen — über deren Chrakter ich allein deshalb nichts schreiben werde, weil mein Vorrat an unflätigen Wörtern zu beschränkt dazu ist — kann kein Gesetz „machen“. Das kann nur eine Mehrheit der Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Und diese stimmen in ihrer Mehrzahl so ab, wie es ihnen von ihrer Fraktionsspitze „nahe gelegt“ wird — die meisten Abgeordneten verfügen außerhalb ihres jeweilgen Fachgebietes über keinen besonderen Sachverstand, sind aber stark von den Führungsstrukturen ihrer Parteien abhängig, wenn sie noch einmal auf eine Landesliste kommen wollen. Diese Struktur der Parteimacht führt dazu, dass ein relativ kleiner Kreis von Menschen großen Einfluss auf die politischen Entscheidungen nehmen kann und eine nur kleine Beobachtung der politischen Praxis zeigt, dass dieser relativ kleine Kreis von Menschen das auch tut.

Das Internet-Zensurgesetz ist nicht das Gesetz von „Zensursula“. Es ist das Gesetz von Angela Merkel, Franz Müntefering, Horst Seehofer und einen kleinen Kreis weiterer Personen, die mit ihrem Einfluss dafür sorgen konnten, dass die Internetzensur in der BR Deutschland zum Gesetz wird. Und zwar nur aus dem einen Grund, dass dieses Gesetz ihren politischen Gestaltungsideen entspricht.

Wie schon gesagt, Ursula von der Leyen ist austauschbar. Vorher musste der gemeingefährliche politische Amokläufer Wolfgang Schäuble unter den Bedingungen einer lediglich medial inszenierten Terrorgefahr für einen ähnlichen Zweck herhalten, und nachdem sich die phobische Wirkung dieses Schreckgespenstes verflüchtigte, musste mit Hilfe einer sich gern als Mutter präsentierenden Frau der ebenfalls nur inszenierte Massenmarkt für käuflichen Kindesmissbrauch herhalten, um die Menschen in der BR Deutschland mit Angst und wohlgesteuerter Empörung gefügig zu machen.

Richtet eure Aufmerksamkeit nicht auf diese medial inszenierten Personen und glaubt, die Fehlentwicklung könnte überwunden werden, wenn diese Personen überwunden werden! Richtet eure Aufmerksamkeit auf die Strukturen, die überwunden werden müssen! Und lasst euch nicht davon abhalten! Und vor allem: Beginnt damit, zu agieren, statt in der gewünschten Weise zu reagieren, wenn ihr wirklich den Staat verhindern wollt, der zurzeit in der BR Deutschland errichtet werden soll!

Ende des Alarmrufes in die Nacht.

On n’excuse pas le mal par le pire.

Nabelschnur — Wie kann ein denkender Mensch nur auf die absurde Idee kommen, dass wirtschaftlich von ihren Werbekunden abhängige Medien eine unabhängige Berichterstattung leisten könnten? Oder gar, dass die im politischen und wirtschaftlichen Filz hängenden halbstaatlichen Rundfunkanstalten in der BR Deutschland über die Verflechtungen von Wirtschaft und Politik aufklären könnten? Ein riesiger Säugling, der die Nabelschnur durchbeißt, die ihn versorgt, müsste sich ja gebären lassen, um auf eigenen Beinen zu stehen.

Soziale Unruhen — Es ist doch bemerkenswert, wie im Blahsprech der öffentlichen labernden Privilegierten und in ihrer Journaille, die diesen Blahsprech in Druckwort wandelt, jegliche Klarheit der Sprache vermieden wird. Es wird vor „sozialen Unruhen“ gewarnt, nicht etwa vor einem „Aufstand“. Denn. Allein in den Anklängen des Wortes Aufstand steckt schon eine ganze Anleitung, die ja von niemandem in der BR Deutschland gefühlt werden soll. Um ein Aufständischer zu werden, muss man aufstehen, um für sein immer weiter beschnittenes Lebensrecht einzustehen. Erst, wenn man aufgestanden ist, kann man sich des lähmenden Zustandes widersetzen, der Verachtung des eigenen Lebens widerstehen und für sein eigenes, einmaliges und einziges Dasein. Einstehen. Sicher, es kann beim Scheitern geschehen, dass man einsitzen muss, oder auch, dass einem die zuständigen Behörden übel mitspielen. Aber das ist die Richtung, in der sich eine solche Bewegung bewegt, allen bewegten, aufständischen Menschen wert. Wie anders klingt da doch das Blahwort von den „sozialen Unruhen„, dass zurzeit durch die Journaille geistern gemacht wird. Es richtet jeden Aufstand noch vor seiner Entstehung als ungerichtete Bewegung ab, vielleicht noch vergleichbar einer nervösen Zuckung. Die so Sprechenden. Entlarven sich in ihrer Sprache selbst.

Vom Hören — Wer wissen will, wo es in Deutschland brennt, der sollte darauf hören, was in den zentral organisierten Massenmedien verschwiegen wird. Und darauf hören, wie der Rest gesagt wird. Auf das Schweigen der Medien zu lauschen ist anstrengender als der Konsum ihrer unentwegten Darbietung, denn es erfordert Gespräche mit Menschen. Deshalb. Wird es so wenig praktiziert.

Echo der Frau — Nichts könnte der feministischen Ideologie, dass es sich bei Frauen um die besseren Menschen handele, deutlicher und grotesker widersprechen als die so genannten „Frauenzeitschriften“, die jedes menschliche Elend so genannter „Prominenter“ kommerziell ausweiden und auch gern einmal ein bisschen geiles Elend erfinden, wenn das Leben dieser Menschen nicht genug davon produziert. Jedes Mal, wenn ich einen solchen Auswurf der Contentindustrie sehe, meist mit einem gierig daranhängenden, sich allzu gern barbarisieren lassenden Stück Frau, wünsche ich mir sehnlich, schwul zu sein.

Nein — Er fragte mich, ob ich in meinem selbst erkorenen verarmten Leben, das so viele Verzichte kenne, nicht unglücklich wäre. Und ich fragte ihn, ob er in seiner ganzen geraubten Zeit und Aufmerksamkeit nicht wenigstens durch die Möglichkeit zum Konsum glücklicher würde. Wir mussten beide verneinen.

Aktualität

Zeitgenossin: „Warum schreibst du nicht über aktuelle Themen.“

Nachtwächter: „Ich schreibe nur über aktuelle Themen. Aber ein Thema wird weder durch sein Aufscheinen in den Massenmedien aktueller, noch wird es durch sein Verschwinden in diesen Medien weniger aktuell. Was das Akute und damit Aktuelle in meinem Leben ist, muss ich mir von anderen nicht erst sagen lassen, es offenbart sich selbst.“