Die Forderung, in jeder noch so anstrengenden und schmerzhaften Situation mit aller Willenskraft einen freundlichen und entspannt wirkenden Gesichtsausdruck zu zeigen, erging ursprünglich nur an die Prostituierten und die Artisten der Zirkusse und Varietés. Dort sollte und soll das wie eine Maske aufgesetzte Lächeln die Illusion einer Mühelosigkeit der täglich als harte und abstrakte Arbeit dargebotenen Leistung befördern, die sich in die gesamte Illusion solcher Etablissements einfügt. Doch zwei industrielle Bastardkinder jener heute im Flackerschein abstrakter Medien eher marginalisierten Etablissements, das show business zusammen mit der sich daran bindenden Contentindustrie und die Werbewirtschaft, trugen das unentwegte Lächeln immer mehr in den Alltag der Menschen und machten schließlich aus der aufgesetzten Maske der Jugend, Gesundheit, Kraft und Freude eine Forderung, die an alle Menschen ergeht. Jene, die für ein Passfoto, ein Foto in ihren Bewerbungsunterlagen — als ob es nicht reichte, dass der Bewerber etwas kann, nein, da muss er auch noch gut aussehen — oder als stets freundliche Verkäufer bei der Abarbeitung des Kundenaufkommens diese Maske aufsetzen, verbergen den objektiven Schmerz ihres Daseins hinter einem geforderten und geförderten Krampf ihrer Gesichtsmuskulatur.

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