Tag Archive: Maschsee


Vögel haben keinen Vogel

Enten, Möven und Haubentaucher auf dem hannöverschen Maschsee

Die einzigen Lebewesen, die sich während der Vorweihnachtszeit in der Nähe der hannöverschen Innenstadt aufgehalten haben, ohne sich gleich wir die Irrsinnigen aufzuführen, waren den Enten, Möven und Haubentaucher auf dem Maschsee.

Bücken und Pflücken im Container

Erdbeer-Verkaufscontainer in missratener Form und Farbgebung einer Erdbeere mit aufgeklebtem Hinweis: Jetzt auch zum Selbstpflücken

Kirchenjahr für Fresser

Aufbau von Imbissbuden am Nordufer des Maschsees

Auch die Parareligion des Konsumismus hat ihr gut inszeniertes und präzise abgestimmtes Kirchenjahr und ihre Hochfeste. Kaum sind auf dem Schützenplatz die Buden zum “Schützenfest” abgebaut, werden sie am Maschsee für das kommende “Maschseefest” wieder aufgebaut.

Nordufer

Winterlicher Abendimpression vom Nordufer des Maschsees zu Hannover

Der Fackelträger auf den Nazidenkmal am Nordufer des mit Schaufeln handausgegrabenen Nazidenkmal-Sees für zukunftsweisende Zwangsbeschäftigungspolitik zeigt unvermindert mit seiner erhobenen Hand an, wie hoch die Scheiße in Deutschland steht. Vor ihm liegt die stinkende Wasserfläche, die in der Kälte erträglicher geworden, weil sie zu Eis gefroren nicht so in die Nase sticht. An der Straße der tosende Verkehr im Strom des hastigen Vergessens auf der Hatz nach einem bisschen Existenz, morgens und zur Feierabendzeit immer etwas angeschwollen. Und. Hinter alldem das “Niedersachsenstadion”, das demnächst nicht mehr nach Carsten Maschmeyers Klinkenputzer- und Trickbetrügerbande offiziell als AWD-Arena bezeichnet werden wird; der Platz für Spiele zum nachlassenden Brot und für das fanatische Gebrüll der trunkenen Massen.

Das “Maschseefest” von hinten

Das Maschseefest aus der Sicht eines Vorübergehenden

Der Sichtschutz, der den Blick auf ein öffentliches Gelände aussperren will: Eine Wand aus Reklame vor der dröhnenden Straße — man will ja keinen Platz verschwenden, wenn man ihn irgendwie zu Geld machen kann, egal, wie hässlich das Ergebnis auch aussieht. Dahinter stinkt es aus etlichen internationalen Pfannen zum Himmel. Im Vorübergehen zeigt sich, was hier ein “Fest” genannt wird.

Sommertraum

See Biergarten - Täglich am 11 Uhr - Sommerträume direkt am Wasser - Maschsee Nordufer

Diese Balkone

Balkone eines Wohnhauses in der hannöverschen Südstadt

Diese Balkone, die den dahinter lebenden Menschen ihren Stempel aufdrücken, so weit, dass diese beinahe alle von allein bemerken, dass auf diesen Balkonen nicht einmal ein Blumenkasten angemessen wäre. Eine Architektur. Deren Entwurf durch allzu lebendige Zeichen des Lebens beschädigt würde. Mit Blick auf den hitlerschen Maschsee, die Mutter aller als “sozial” verkleideten Fronarbeit.

Löwenbastion

Ein Löwe an der so genannten Löwenbastion

Die so genannte “Löwenbastion” am hannöverschen Maschsee ist zwar ein Werk, das mit stahlschweren Odem den Geist der kürzesten und übelsten tausend Jahre Deutschlands atmet. Doch eines ist an den strengen, wuchtigen Löwenfiguren von Arno Breker, das leise Heiterkeit in solche Trübnis strahlt: Die Rücken sind blinkeblank geschrubbt von den Hosenböden ungezählter Kinder, die in diesem Werk nicht Reinheit, Kraftgebrüll, Majestät und Ambitionen der Herrschaft erblickten, sondern weiter nichts als den spontanen Spaß einer Rutschbahn.

Ewige Erinnerung

Zur ewigen Erinnerung an die Angehörigen der USSR und anderer Nationen, Opfer der Nazi-Brutalität, grausam gemordet zu Hannover am 8. April 1945

Ewige Erinnerung? Ein im flugs abgeworfener Kranz neben der vorbeirauschenden Straße, ein paar wehrlose, frechrote Blütenköpfe in den Herbst. In die verkürzte Sonne, in die erbrauenden Blätter, mit Schleiflein vom DGB. Und kein Mensch. Die Menschen sind auf der anderen Seite, am Nordufer des Maschsees beim “Willen zum Aufbau” als frühen Vorläufer des heutigen “Sozial ist, was Arbeit schafft” und des heutigen Hartz-IV-Staates. Dort gibts ja auch Attraktives, dort gibts Tretboote, Pommes und Bratwurst. Der ranzige Duft des Öles aus dem Schnellimbiss beißt auch auf dem Friedhof noch in die Nase.

Maschseefest

Wildes Parken um den Maschsee zum Maschseefest

Es ist Sommer, es geht nach draußen, es ist ein “Fest”. Also ohne Rücksicht auf Verluste jeden nur irgendwie geeigneten Platz zuparken, um es ja nicht zu weit zu Fuß zum Maschsee zu haben, wo doch für zwei Wochen eine hannöversche Nachahmung des Ballermann 6 rund um den Maschsee aus allen internationalen Pfannen zum Himmel stinkt…

Das Licht und der See

Lichtkunst am Maschsee

Wie gut dieses Werk doch an den Maschsee passt, an einen künstlichen See inmitten Hannovers, der von der ebenso künstlichen, von der Reichsschrifttumsstelle diktierten Ästhetik des “Dritten Reiches” geprägt ist! Die aus bemaltem und durchsichtigem Glas bestehenden Flächen sind zwar farbig, aber dabei doch nicht bunt, dafür jedoch in strikten Raster geradlinig angeordnet. Dahinter eine Phalanx von Leuchtstoffröhren, die dieses stillstehende Schauspiel des Nachts mit künstlichem Licht durchfluten soll. Und. Jede zweite dieser Röhren ist kaputt. Hinter dem Werk die Kälte und das Eis.

Wenn es so beabsichtigt war, ist es großartig!

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