Tag Archive: Loveparade


Leichenfledderer

Angesichts der Katastrophe — wieso schreibt die Journaille eigentlich bei diesem Thema so gern Tragödie, ganz so, als ob es ein aufgeführtes Schauspiel wäre, von dem sich die Menschen entspannt zurückgelehnt unterhalten lassen sollen — auf der Loveparade hat es sich das Fachblatt für geile Bilder und widerlichen Gossenjournalismus, die Bildzeitung, nicht nehmen lassen, schnell noch ein wenig in den Leichen zu fleddern und Google-Ads zu geeigneten Suchbegriffen zu schalten, damit die Toten auch ja noch ordentliche page impressions und Werbegeld für den Springer-Verlag bringen:

Todesopfer Loveparade -- Loveparadebesucherin erlag ihren Verletzungen. Mehr auf Bild.de -- www (punkt) bild (punkt) de (slash) Opfer_Loveparade

Ich empfehle übrigens angesichts derartiger Ads, ruhig einmal angewidert darauf zu klicken und dabei zu hoffen, dass es auch richtig teuer für die Entseelungsreste wird, die auf diese Weise Geschäft machen. Den Browsertab kann man getrost schließen, bevor die grelle Website der Bildzeitung vollständig geladen ist. Es kostet schon, wenn Google den Klick registriert hat.

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Ein entsetzliches Bild -- und darüber der Button mit der Aufschrift 'Gefällt mir'

Gedenkminuten

Hinterher werden hochnotfeierliche Gedenkminuten veranstaltet, um ja auch für das nächste Mal besser vergessen zu können, dass vorher Denkminuten von Nöten gewesen wären. Und all jene, die das Denken im Vorfeld verweigert haben, werden im Nachhinein beim Gedenken in der ersten Reihe stehen, um von den Kameras ihre eiskalte, professionell aufgesetzte Betroffenheit zur Schau stellen zu können. Und zur Dekoration des „Gedenkens“ versichern bezahlte Redner allen, die gern eine wohlverpackte Lüge in ihren Ohren schmecken, dass es sich um Schicksal gehandelt habe, dass kein Mensch dafür verantwortlich sei, denn für solches Reden werden die bezahlten Redner von den Verantwortlichen bezahlt. Zum Glück. (Für solche Kultivierungen der Heuchelei.) Können die Toten nicht mehr widersprechen. Ein kurzes Ritual, vielleicht ein Lied dazu, so eine Seele ist ja leicht abzuspeisen — und ein hochrangiger Pfaffe, der so eine Prostitution der Trauer mitträgt, hat sich bislang auch immer noch gefunden. Die Erfolgreicheren unter den Anwesenden denken während der gemeinsam aufgeführten Schweigeminute schon über das nächste einträgliche Geschäft nach.

Nachtrag: Stand 28. Juli, 2.28 Uhr