Er sagte: „Der Blick ins Leere schafft Freiräume im Gehirn“. Und er. Ließ sich die Haare über die Augen wachsen.

Elias Schwerdtfeger

Es gibt doch keinen deutlicheren Beleg dafür, dass die Menschen die unerträgliche Leere ihres Daseins mittlerweile völlig wahllos mit jedem in den Massenmedien gegebenen „Inhalt“ zu füllen pflegen, als die Tatsache, dass ein erklecklicher Anteil der Menschen den Fernseher anschaltet, um anderen Menschen dabei zuzuschauen, wie sie mit geübt gefühllosem Gesichtsausdruck Poker spielen. Aus der Sicht eines Zuschauers ist ein hohleres Spektakel im Fernsehen kaum vorstellbar, es steht bereits auf einer Stufe damit, dass man einfach eine Kamera auf eine slot machine richtet und stundenlang (und mit dem stolz eingeblendeten „LIVE“ in der rechten oberen Ecke) überträgt, wie dieses Gerät immer wieder von Spielern mit Münzen gefüttert wird. Was für den Spieler durch das damit verbundene Kopfkino und den Adrenalinrausch noch einen gewissen Erlebniswert hat, das offenbart seine geistlose Ödnis vor jedem hinschauenden Zuschauer. Und wer sich mit seiner beschränkten Lebenszeit zum regelmäßigen Zuschauer einer solchen Ödnis macht, belegt damit, dass das Leben an viele Lebende veschwendet ist.

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