Tag Archive: Lebensschaden


Wie man es übersteht…

Wie man es schaffe, in einer Welt voller dummer Idioten zu überleben, ohne selbst vollständig zu verblöden, wurde der Vorübergehende gefragt, und er antwortete: „Mit einer Halbe-halbe-Mischung aus stoischer Gelassenheit und einem Humor, der für dem Geschmack der Empörungsbereiten ein bisschen stark mit Zynismus gewürzt ist, aber dabei niemals die Menschen verachtet, sondern nur ihre so genannten ‚Werte‘. Aber es bleibt dabei ein Fluchtgepäck, eine Last beim Vorübergehen. Wo Zynismus benötigt wird, den Humor zu bewahren, ist der Geist in Bedrängnis“.

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Verschlüsseln

Jedes Mal, wenn ein Mensch am Computer bewusst ein Werkzeug benutzt, um seine Kommunikation zu verschlüsseln, wird er durch diese Geste daran erinnert, dass die Kommunikation durch die allgegenwärtige und allumfassende Überwachung beschädigt ist. Dies ist eine unerfreuliche Einsicht, die verdrängt wird… und zwar sehr häufig, indem das Verschlüsseln vermieden wird, was wiederum den Ausbau der Überwachung „lohnenswert“ erscheinen lässt. Wer der Psyche und ihren Neigungen nachgibt, verschafft sich nur kurzfristig Erleichterung, und zwar zum Preis, schon mittelfristig den Zustand unerträglich zu machen.

Zukünfte für Jugendliche

Der größte Arbeitgeber für junge Amerikaner ist inzwischen McDonald’s.

Zeit Online — Demografie: Die schon wieder

Die Vegetierenden

Menschen, die angesichts des medizinischen Fortschrittes angstvoll sagen, dass sie niemals wie eine willenlose Menschform geistlos dahinvegetieren wollen; in diesem Zustand gehalten von Maschinen und einer Flüssigkeit, die ihnen in den Körper gegeben wird. Und. Die nach diesen Worten erbost sind, wenn man den Stecker ihres Fernsehers zieht und ihre alkoholischen Getränke ausschüttet.

Mach die Glotze aus und hüpf ins Leben!

Unkrank

Er sagte: „Nein, ich bin nicht depressiv. Mein Leben ist so scheiße.“

Richtung und Garheit

Experts say an asteroid may destroy the Earth in 30 years. Tonight, get an early preview.

Programmankündigung NBC-TV für eine Sendung am 29. März 1998

Mitreden — Die dummen Menschen finden immer allerhand Rationalisierungen, um ihre selbstgemachte Dummheit zu rechtfertigen. Immer wieder höre ich von irgendwelchen Zeitgenossen die Frage, warum ich mich so sehr über den Auswurf der Contentindustrie aufregen kann, wo ich ihn doch eher indirekt mitbekomme, und gern wird diese Frage mit der „Feststellung“ gewürzt, dass ich als Verweigerer der Massenmedien zu diesem Thema gar nicht mitreden könne. Ganz so. Als ob einer selbst geisteskrank sein müsste, um die Krankheit zu erkennen und zu benennen.

Quellenvorteil — Unter allen Orten, von denen Pseudowissenschaft, Aberglaube und sonstiger verdummender, irrationaler bullshit in die Welt und schließlich in die Hirne der Menschen gehen, haben nur wenige ein größeres Budget als die großen Fernsehsender. Einer der Orte mit noch größerem Budget sind die Traumafabriken zu Hollywood.

Tolle special effects — Es ist doch seltsam, dass alle diese außerirdischen Angreifer und sonstigen Katastrophen der unterhaltsamen Apokalypse aus der Content-Industrie dermaßen häufig und zielstrebig New York als besonderen Ort der Zerstörung finden. Wer heiter genug ist, möchte denken, dass die Massenmordanschläge vom 11. September 2001, die ja ebenfalls in erster Linie massenmediale Wirksamkeit entfalten sollten, von Jahrzehnten solcher für die „Unterhaltung“ gemachten Produktionen vorbereitet, ja, vorgezeichnet und vorherbestimmt wurden.

Stempel — „Es ist alles nur show„, sagte er, und meinte damit die Darbietung in den Medien, insbesondere auch die politische Darbietung. Aber als ich ihn mir anschaute, als ich seine immer wieder zu affektive Stimme hörte, seine Gesten sah, die etwas gröber und ausholender als nötig waren, in aller Ruhe auf seine Kleidung und seine ganze Fassade blickte, da dachte ich mir, dass er damit auch sein Lebensmotto ausgesprochen haben könnte.

Stille — Hat sich eigentlich schon einmal jemand darüber gewundert, dass wir so viele aufwändige Produktionen der science fiction mit ihren typischen dramatischen Fehlern gesehen und gehört haben, so dass als Ergebnis dieser Massenstanze die meisten Menschen es inzwischen falsch fänden, wenn die Fortbewegung im Weltraum unter völliger Geräuschlosigkeit vonstatten ginge? Denn genau das wäre im realen Vakuum des Raumes der Fall. Aber es scheint unvorstellbar, dass jemand einmal eine solche Darstellung wagte.

Stars — Eine ganze Generation von Menschen ist herangewachsen, die kein Leben außerhalb der ständig beleuchteten Städte kennengelernt hat. Diese Menschen haben nicht einmal nächtens nach oben geblickt und dabei den richtigen mit Sternen übersprenkelten Himmel gesehen, ihnen ist gerade der Anblick jener fünfzig bis hundert helleren Objekte vertraut, deren Licht noch durch den unentwegten Leuchtedunst dringen kann. Sie kennen den Anblick eines Nachthimmels im besten Falle aus dem Kino, wenn ein solcher Anblick wieder einmal aus romantischen Gründen in einen Film verbaut wird. So einfach lässt sich die Wirklichkeit durch ein Surrogat ersetzen, natürlich durch ein kostenpflichtiges.

Ufologie — Der moderne volkstümliche Mythos von den „fliegenden Untertassen“ wäre von seiner psychologischen Kraft her nicht lange lebensfähig gewesen, wenn er nicht auf die Massenmedien eingewirkt hätte, und wenn die Massenmedien ihrerseits diesen Mythos nicht immer wieder psychologisch gefüttert und kostenpflichtig bedient hätten. Ein Nichts hat sich durch einen gesellschaftlichen Prozess in den wenigen Jahrzehnten seit Adamskis initialier Sichtung zu wirkmächtiger Existenz aufgebläht, so sehr, dass heute wohl jeder Mensch zu sagen können glaubte, wie ein UFO aussieht und es als so etwas wie eine „fliegende Untertasse“ beschriebe, obwohl er ein derartiges Objekt noch nie als wirkliche Erscheinung gesehen hat. (Was. Daran liegt, dass solche Objekte keine Existenz außerhalb der Psyche haben.) Und nicht nur das, ferner werden allerlei an sich menschliche Eigenschaften in diesen kollektiven psychischen Konstrukt projiziert, ja, sogar regelrechte Erwartungen individueller und globaler Erlösung. Wer immer schon einmal wissen wollte, wie eine Religion entsteht, muss sich nur anschauen, wie die fluchtvollen Träume der Einzelmenschen mit ihrem beschädigten Dasein von einem überpersonalen gesellschaftlichen Prozess integriert werden und damit den Prozess erhalten — und den Lebensschaden für viele.

Verschwörung — Es gibt unglaublich viele Sites im Internet, die mir und anderen Lesern erzählen wollen, dass eine Verschwörung globalen Ausmaßes im Gange ist und dass nahezu alle Medien und viele Persönlichkeiten in den Händen der Verschwörer sind und dass wir alle fehlinformiert werden. Und weil diese Aussage. Für sich betrachtet. Ein wenig geisteskrank klänge, wird sie auch mit allerlei Belegen belegt, und zwar mit Belegen aus ausgerechnet jenen manipulierten Medien der Verschwörer, denen doch misstraut werden sollte.

Ökonomie — Es ist eine Verschwendung beschränkter geistiger Kraft, sich mit jedem Detail des ganzen bullshits zu beschäftigen. Es reicht hin, die Kernaussagen zu erkennen, sich auf diese zu konzentrieren, diese in aller Klarheit zu widerlegen und sich nebenher nicht darum zu kümmern, dass von solcher Widerlegung unbeachtet immer mehr künstliche Details zur Verblendung des Publikums hervorgebracht werden. Bei denen, die vom bullshit leben, ist die Erzeugung von künstlichen Details ein geradezu automatischer Vorgang geworden, sie sind sehr geübt darin. Worin sie hingegen überhaupt nicht geübt sind, das ist, Einsicht in die eigenen Fehler zu bekommen und daraus zu lernen. Nur. Wer sich in solcher Ökonomie des Denkens übt und sich deshalb nicht mehr im Unsinn der künstlichen Detais verheddert, der gewinnt viel frei-werdende geistige Kraft — zum Denken, zum Lieben, zum Hassen und zum Leben jenseits des alles erstickenden bullshits.

Das Hochhaus zu Babel — Nicht nur für Individuen in ihrer körperlichen Beschaffenheit, auch für ganze Gesellschaften mit allen ihren Strukturen gilt diese einfache Wahrheit über den Selbstmord durch Sprung aus großer Höhe: Es ist nicht der Fall der tötet, es ist der plötzliche Stopp, der Aufprall. Ich wünsche weiterhin einen guten Flug und eine rechtzeitige Ankunft! :mrgreen:

Henry de Toulouse-Lautrec

Wie aufmerksam er in diesem Fleischmarkt doch die Menschen betrachtet hat, ohne dem Treiben seinen faulen und doch wirksamen Zauber zu nehmen; wie zielsicher er mit  seinen oft etwas grob wirkenden Strichen die verletzliche Person noch hinter der glattesten Fassade einer Nutte herausgearbeitet hat; wie klar er selbst dort noch den Kern des in der täglichen Mühle steckenden Wesens gesehen hat, wo sich die Seele an liebsten schamvoll hinter dem Geschlecht versteckte! In fast jedem seiner Bilder wird mehr von dem fühlbar, was vom Falschgeld des Wortes „Menschenwürde“ angesichts eines beschädigten Daseins versprochen wird, als in allen vor aufgesetzter und unverbindlicher Ethik strotzenden politischen und religiösen Entwürfen in Predigten und sonstigen Sonntagsreden.

Die Versagerin

Zeitgenossin: „[…] und meine Mutter hält mich sowieso für eine völlige Versagerin.“

Nachtwächter: „Und das Schlimmste daran. Ist. Dass deine Mutter darin völlig recht zu haben scheint. Wenn man sich dein Leben anschaut, bist du auf ganzer Linie gescheitert. Aber eines. Fragt sich deine Mutter oder ein anderer Mensch niemals: Ob dein ‚völliges Versagen‘ darauf zurückzuführen sein könnte, dass dir in deinem Leben völlig falsche Aufgaben gestellt wurden; Aufgaben, an denen du einfach scheitern musstest. Niemand erwählt sich, ein Versager zu sein.“

Offline / Hierrein

Dort weg, nun hier.

Das so genannte Recht, seine Meinung frei zu äußern, ist aufs schwerste beschädigt, wenn jeder Besitzende sich ungestraft erdreisten kann, diese geäußerte und übrigens kaum beachtete Meinung durch kräftiges Winken mit der juristischen Keule in das Nichts oder in die Emigration der Anonymität zu treiben. Der Prozess des Bloggens ist schwer beschädigt, zumindest innerhalb der BR Deutschland.