Tag Archive: Lärm


Internationaler Tag gegen Lärm

Heute, am 25. April 2012, ist der internationale Tag gegen Lärm. Es steht allerdings zu erwarten, dass auch in diesem Jahr alle Warnungen vor den Folgen des Lärms auf taube Ohren stoßen werden

Vuvuzela

Vuvuzela (die, Substantiv) — Gedankenzerdröhung, Hirnstaubsauger, Lärmverdummung, Akustischer Präsentierteller für Reklame und Propaganda

Von der Vuvuzela — übrigens ein Wort, das bis vor einigen Tagen kaum jemand kannte, so dass wohl jeder diese wenig ansprechend gestalteten Objekte mit dem deutlich deutschen Namen “Tröte” bezeichnet hätte — wird gesprochen, als handele es sich dabei um ein unabdingbares afrikanisches Kulturgut. In Wirklichkeit. Handelt es sich um einen billig herzustellenden Fanartikel aus Plastik, der gewiss mit großen Gewinnmargen verkauft wird. Dass diese auf maximalen Lärm optimierten Tröten trotz der lärmbedingten Gesundheitsgefahren nicht wie andere gefährliche Gegenstände aus den Stadien verbannt werden, liegt nicht etwa an der afrikanischen Kultur, wie es so gern behauptet wird, sondern am Nutzen dieses Krachs für die fernsehgerechte Aufbereitung des großen vaterländischen Ablenkungstheaters der Geldmeisterschaft. Der Lärm erweist sich als unendlich nützlich, um die Stimme der Sportbrüllreporter schwer verständlich zu machen, und deshalb wird er auch mit erheblichem Pegel in den Hintergrund der Berichterstattung gelegt. In der Folge stellen Menschen ihre Empfangsgeräte schön laut, um doch noch etwas zu verstehen, und diese Lautstärke brüllt offenbar gewünschtermaßen jeden reflektierenden Gedanken nieder.

Wie absichtlich dieser Mechanismus eingesetzt wird, zeigt sich daran, dass in den Nachbetrachtungen des jeweiligen Gekickes, wenn sich Herr Netzer mit einem mit unbekannten Reporterdarsteller über das vergangene Spiel unterhält, ebenfalls dieser Lärm im erheblichen Pegel aufgeschaltet wird, obwohl er in diesem Studio wohl sehr gedämpft oder gar nicht hörbar sein wird. Der Zuschauer dieses Spektakels und Zuhörer dieses Angriffes auf Trommelfell und Denkmuskel kann dann voller Erstaunen erleben, wie gut auf einmal die Sprachverständlichkeit wird, wann immer zu einem Interview mit einem Fußballspieler direkt in einen Raum im Stadion geschaltet wird, ohne dass dieser Lärm dort dermaßen deutlich zu hören ist wie im gut isolierten Studio des bundesdeutschen Staatsfernsehens. Die Vergällung der aufgeführten Gespräche mit einem Krach, der es so sehr erschwert, dem “Inhalt” dieser Gespräche zu folgen, sie wird also absichtlich von den Tontechnikern des bundesrepublikanischen Staatsfernsehens vorgenommen. (Generell wird bei “Fernsehereignissen” dieser Größenordnung und dieses Preises nichts dem Zufall überlassen.)

Übrigens ist es ein Leichtes, die Sprachverständlichkeit zu verbessern. Ich habe eine Tonaufnahme von etwa einer halben Stunde Länge mit einem Notch-Filter für den Frequenzbereich zwischen 250 und 350 Hertz und einer leichten Anhebung der umgebenen Frequenzen behandelt und konnte auf diese Weise mit sehr geringem Aufwand eine erhebliche Verbesserung erzielen, ohne dass die “Atmosphäre” (was für ein Euphemismus, um infernalischen Krach damit zu bezeichnen!) zu sehr darunter gelitten hätte. Wenn ich so deutlich davon schreibe, dass es sich beim pegeltonartigen Gedröhn der Vuvuzelas um ein absichtsvoll den restlichen Ton so erdrückendes Element handelt, denn ist das nicht etwa eine in mir schlummernde Tendenz zur Verschwörungstheorie, sondern. Die hoffentlich auch für andere Menschen nachvollziehbare Annahme, dass einem professionellen Team von Tontechnikern und der Phalanx der ihnen verfügbaren Studioausstattung wohl etwas möglich sein muss, was ein Amateur wie ich mit freier Software (Audacity) und einem recht betagten Computer hinbekommen kann. Dass dies nicht geschieht, deutet auf Absicht hin. Welche erwünschte psychologische Funktion sich allerdings hinter dieser Absicht verbergen mag, das fällt ebenso in den Bereich des Spekulativen wie die Antwort auf die Frage, wessen Wunsch da erfüllt wird. (Die Reklame zwischen dem ganzen Krach hat natürlich eine exzellente akustische Verständlichkeit, und sie wird wohl auch oft recht laut gestellt sein.) Ohne explizit geäußerten Wunsch wird kein Tontechniker dieser Welt eine derart schlechte Arbeit leisten.

Danke K., für den Hinweis und für die Tonaufnahmen. Ich bin fassungslos, wie unerträglich das alles wirklich ist!

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