Sie stand auf dem Bürgersteig auf der anderen Straßenseite. Wir warteten, denn es war eine Ampel, die uns mit rotem Licht zu warten gebot. Sie fiel mir nicht wegen ihres Aussehens oder wegen ihrer Kleidung auf. Sie trug Sportkleidung, dem Sommer der Laufenden angemessen dünn und kurz, in den Ohren der unvermeidliche Stöpsel, der den tosenden Lärm der Straßen meist mit einer „Musik“ zu übertönen sucht, die nicht viel empfindsamer als der Lärm ist, aber rhythmisch aufpeitscht. Sie war ein wenig kleiner als ich, war also recht hochgewachsen, und sie machte den Eindruck, als sei sie das, was der Falschsprech der Werbenden „figurbewusst“ nennt, als habe sie diese modische Vorstufe zur Bulimie. Aber all das war es nicht, was meine Aufmerksamkeit auf sie zog, all das sah ich erst auf dem zweiten Blick. Was ich hingegen auf dem ersten Blick sah, das war die Haltung, in der sie darauf wartete, dass die Ampel grün werde. Sie stand nicht etwa untätig herum, sondern sie lief die ganze Zeit, immerhin fast eine Minute lang, auf der Stelle. Nicht etwa in der unbeschwerten Art eines hüpfenden Kindes, sondern mechanisch. Und. Sie sah bei dieser Verrichtung zur Verbesserung ihrer in Watt messbaren Leistungsfähigkeit ausgesprochen verkrampft und unglücklich aus.

Während ich diese Zuspitzung des freudlosen Körperkultes sah, die bei allen Reizen des davon davon betroffenen Menschen etwa so viel sex appeal wie eine tote Maus voller Maden hatte, dachte ich mir, dass man doch alle Energieprobleme damit lösen könnte, dass man Laufräder für Menschen mit einem Generator versieht. Und. Solchen Menschen in kraftvollen, werbenden Bildern erzählt, wie gesund doch die Übung sei, in solchen Rädern zu laufen und zu laufen. Zur schnelleren Amortisation kann man solchen Menschen gewiss auch etwas Geld für ihr „Training“ abnehmen.