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Das Ende der Welt

Ich […] richtete mein Herz, zu suchen und zu forschen weislich alles, was man unter dem Himmel tut. Solche unselige Mühe hat Gott den Menschenkindern gegeben, daß sie sich darin müssen quälen.

Pred. 1, 12-13, zitiert nach dem 1912er-Luthertext

Im Moment erwarten (erhoffen?) einige Menschen das Ende der Welt, weil im Jahre 2012 der Kalender der Maya-Zivilisation in allen seinen nummerischen Stellen überläuft — und die entsprechenden Sachbücher verkaufen sich gut. Der Weltuntergang war schon immer ein gutes Geschäft, nicht nur für die Emmerichs dieser Welt.

Ja, schon immer, denn die (sehnliche?) Erwartung des Weltunterganges ist nichts neues. Die folgende Liste vergangener Erwartungen und Prophezeihungen des Weltendes ist mit Sicherheit sehr unvollständig. Die Mehrzahl der Menschen lässt sich viel zu gern durch die Erwartung eines Weltendes aus ihrer Verantwortung für das Weltgeschehen entlassen, als dass es nicht immer wieder zu derartigen Vorhersagen gekommen wäre. Natürlich sind diese Vorhersagen schnell wieder vergessen, und die Menschen sind bereit für die nächste Vorhersage.

Beginn der modernen Zeitrechnung — Die früheste Prophezeihung des Endes, die sich nicht erfüllen sollte, findet sich in der Bibel und stammt von Jesus dem Nazarener persönlich. Laut Mt. 16, 28 hat er seinen Jüngern gesagt: „Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich“ — nun, mit den Jüngern ging es wie mit den zehn kleinen Negerlein, und die Welt drehte sich einfach weiter. Aber vielleicht hatten die Jünger im Sterben noch ein paar hübsche Visionen…

999 — Die biblische Offenbarung des Johannes wurde von der Kirche über Jahrhunderte hinweg so interpretiert, dass das Letzte Gericht und folglich auch das Ende der Welt eintausend Jahre nach der Geburt Jesus stattfinden sollte. Diese Auffassung war — gestützt durch die Autorität einer Kirche, die solche Rechnung anstellte — dermaßen verbreitet, dass das Ende der Welt mit Gewissheit und einer gewissen Ergebenheit in den Willen Gottes erwartet wurde. Die Äcker wurden nicht mehr bestellt, und viele Dokumente aus dieser Zeit begannen mit Wendungen wie „Jetzt, wo die Welt zu ihrem Ende kommt“. Es ist schon davon auszugehen, dass das Jahr 1000 n.u.Z. ein wirklich mieses Jahr geworden ist, allein schon wegen der nicht bestellten Felder und der deshalb verursachten Hungersnot, aber dermaßen mies ist es doch nicht geworden. Leider blieb die Autorität der christlichen röm.-kath. Kirche, von dieser offensichtlichen Fehlprognose völlig unberührt, erhalten, für etliche Menschen bis auf den heutigen Tag. Und. Wir sind Papst.

1033 — Nachdem das Weltende tausend Jahre nach der Geburt Jesu einfach nicht geschah und auch der verblendetste Paulusjünger diese Tatsache nicht ignorieren konnte, nahmen die röm.-kath. Gelehrten an, dass das Ende dann eben tausend Jahre nach dem Tod Jesu eintreffen müsse, den man im Jahre 33 veranschlagte. Auch diese vielgelehrte kirchliche Falschprophetie tat der Autorität der Kirche leider keinen Abbruch. Von einer inneren Einsicht und einer Selbstauflösung der Kirche ganz zu schweigen…

1186 — Im September des Jahres 1186 erwarteten viele Astrologen ein besonderes Ereignis und, damit verbunden, auch das Ende der Welt, weil sich alle sieben Planeten (nicht im modernen Sinne des Wortes, sondern im astrologischen: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn) im Sternbild der Waage trafen. Die Planeten folgten mit himmelsmechanischer Präzision ihren Bahnen und trafen sich (im astrologischen Sinne), und das Weltende ließ weiter auf sich warten. Übrigens glauben auch heute noch Menschen an astrologische Vorhersagen. Ein gutes Geschäft ist dieser dumme Glaube.

1524 — Astrologen in London hatten, nachdem der letzte astrologisch bestimmte und offenbar falsche Termin ein paar hundert Jahre zurücklag und in Vergessenheit geraten war, eine große, weltumfassende Flutkatastrophe für den 1. Februar 1524 prophezeiht, die in London ihren Anfang nehmen sollte. Nicht, dass Regen in London eine ungewöhnliche meterologische Erscheinung wäre, aber ausgerechnet an diesem 1. Februar fiel kein einziger Tropfen. Sehr ärgerlich, denn wer reich war und es sich leisten konnte, hatte in den Bergen große Anlagen mit Vorräten für viele Monate gebaut, die sich nun als recht sinnlose Geldverschwendung erwiesen. Ebenfalls haben sich viele vermögende Menschen mit Schiffen eingedeckt und sich mit hohem Aufwand für eine längere „Fahrt“ eingerichtet. Die Astrologen rechneten freilich noch einmal nach und entdeckten dabei, dass sie hundert Jahre daneben gelegen hatten. Zum Bedauern der Astrologen im Jahre 1624 sollte auch hundert Jahre später nichts geschehen. Leider hat im Zuge dieser Ereignisse niemand gemerkt, dass bezahlte Astrologie ebenfalls eine gewaltige Geldverschwendung ist.

1533 — Der Mathematiker Michaelus Stifelius zu Lochau in Deutschland berechnete den 3. Oktober, acht Uhr vormittags als exakten Zeitpunkt für das Weltende durch Lesen, Interpretieren und Durchrechnen der Offenbarung des Johannes in der Bibel. Zwar kümmerte sich die Welt nicht so sehr darum, dass der berechnete Zeitpunkt eintraf und existierte einfach weiter, aber immerhin kam für Stifelius das persönliche Ende; er wurde wegen seiner falschen Prophezeihung von den Bürgern Lochaus getötet. Wie anders doch die „aufgeklärte“ Gesellschaft mit solchen Idioten umgeht: Heute lässt man einfach ein paar Monate Gras über ein solches vollkommenes Scheitern wachsen, und danach werden die Scharlatane wieder in die Talkshows eingeladen, damit sie dort neuen Schwachsinn verbreiten können und neue Sachbücher anpreisen können. Manche verbreiten ihre faule Mantik sogar jedes Jahresende in angesehenen Zeitschriften mit hoher Auflage…

1665 — Die Pest ging über London und forderte ihre Opfer. Als ob der damit verbundene Schrecken nicht schlimm genug gewesen wäre, trat Solomon Eccles auf und verkündete, dass die gegenwärtige Seuche der Anfang vom Ende der Welt sei. Nun, Eccles kam ins Gefängnis, die Pest ging wieder vorbei, die Welt existierte weiter.

1757 — Der Mystiker Emmanuel Swedenborg hatte intensive „Unterhaltungen“ mit Engeln und erfuhr von ihnen, dass das Ende der Welt im Jahre 1757 läge. Offenbar handelte es sich nicht um besonders gut informierte Engel.

1814, 1801, 1544 und 1537 — Der Astrologe Pierre Turrel war offenbar schon etwas erfahrener im Prophetengeschäft und sagte deshalb voraus, dass das Große Ende aller Dinge in einem dieser vier Jahre eintreten sollte. Es kam zu vier Vorhersagen, weil er das Letzte Datum auf vier verschiedene Weisen berechnete und dabei vier verschiedene Ergebnisse erhalten hatte. Interessanterweise hat ihm das keinen Anlass gegeben, an seiner eigenen Methodik zu zweifeln. Nun, vier Chancen haben seine vier Vorhersagen gehabt, die astrologische Methodik muss wohl völlig unabhängig vom Ansatz ziemlich ungeeignet für solche Vorhersagen sein…

1843 — William Miller, der Gründer einer christlichen Kirche, die einen sehr starken „Endzeitaspekt“ hatte, sagte nach fünfzehn Jahren intensivem Bibelstudium das Ende der Welt für den 3. April 1843 voraus. Als dieser Tag ins Land ging und die Erde trotz des Welt- und Lebenshasses dieser Christen fröhlich weiterexistierte, verschob er das Datum einige Male, und seine Anhänger suchten jedes Mal, wenn das neue Datum kam, hohe Hügel auf. Die auf Miller zurückgehende Bewegung zerbrach in den folgenden Jahren und teilte sich in eine Reihe teilweise auch heute noch bestehender christlicher Kirchen auf, die vielleicht bekannteste von ihnen sind die „Siebenten-Tags-Adventisten“, die immer noch in großer Erwartung leben.

1874 — Charles Taze Russell, ein eifriger Interpretator der Maßverhältnisse in den Pyramiden von Gizeh und der Gründer der „Zeugen Jehovas“, sagte das Ende der Welt für das Jahr 1874 voraus. Es geschah natürlich nichts, und deshalb hat er nachträglich seine Prophezeihung ein bisschen geändert. Bis heute gehört es zur religiösen Lehre der Zeugen Jehovas, dass im Jahre 1874 Jesus in unsichtbarer Form zurückgekehrt sei und dass das große Ende der Welt bevorstehe, in dessen Verlauf der unsichtbar gegenwärtige Jesus offenbar werden wird. Das Datum für dieses große Ereignis wurde auch einige weitere Male aus diversen Zeitangaben in der Bibel ausgerechnet, aber für die Rechnenden unglücklicherweise mit erwartungsgemäß geringem Erfolg. Deshalb stehen im Wachtturm auch eher andere Dinge als eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der eigenen Religionsgemeinschaft, und die meisten Zeugen Jehovas wissen heute nichts mehr von alledem.

1890, 1891 — Joseph Smith, der erste „Seher, Prophet und Offenbarer“ und Gründer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), der immerhin seinen Kopf zusammen mit einem Seherstein in seinen Hut steckte und auf diese Weise das ganze Buch Mormon von Gott selbst offenbart bekam und nur noch diktieren brauchte, er hatte auf einer Konferenz am 14. Februar 1835 gesagt: „Das Kommen des Herrn ist nahe, es sollen noch 56 Jahre bis dahin vergehen“. Die Jahre zogen ins Land, und der Herr hatte offenbar etwas Besseres zu tun oder einfach den Termin verschwitzt, aber es gibt immer noch eine ganze christliche Religionsgemeinschaft, deren Anhänger glauben sollen, dass dafür wenigstens die anderen „Offenbarungen“ dieses Propheten ein direktes, heiliges, von Gott geoffenbartes Wort sind. Und wenn sie nicht damit aufgehört haben, in Geheimritualen im Tempel die Namen, Griffe und Zeichen zu lernen, mit deren Kenntnis man sich Eintritt in das celestiale Reich verschaffen kann, denn glauben sie es noch heute.

1914 — Von den Zeugen Jehovas wurde das Jahr 1914 als Ende der Welt angekündigt, aber das Ausbleiben des ersehnten Ereignisses beendete nur für viele Zeugen Jehovas ihre weitere Mitgliedschaft in dieser obskuren, wahnhaften Sekte. Leider blieben genug übrig, um weiteren Nachschub von Haustür zu Haustür zu werben, und das gleiche geschah auch bei jedem folgenden Irrtum dieser Leute. (Allein mit den gescheiterten Prophetien des Weltendes durch die Zeugen Jehovas und den zugehörigen Geschichten könnte ein ganzes Buch gefüllt werden.) Wie ein Zeuge Jehovas trotz alledem mit seinen kognitiven Dissonanzen umgeht? Na, indem er sich einfach das Denken abgewöhnt. Und damit er auch gar nicht erst zum Denken kommt, wird ihm — wie mir neulich erst zwei Zeuginnen Jehovas auf der Straße erzählten — klar gemacht, dass dieses Internet, in dem man unter anderem die gesamte Geschichte der Zeugen Jehovas nachlesen kann, vom Teufel und sehr gefährlich sei.

1953 — Aus den Maßen der Kammern in der großen Pyramide zu Gizeh haben ein paar Verwirrte das Jahr 1953 als Jahr des Weltuntergangs berechnet. Offenbar haben sie nicht genau genug gemessen. Zurück an die Arbeit!

1975 — Die Zeugen Jehovas mal wieder. Und es. War wieder nichts. (Es wird auch nichts mehr werden. Leider bringt das keinen Zeugen Jehovas zum Nachdenken. Es ist doch erstaunlich einfach, den Menschen durch ein umfassendes Programm so zu beschäftigen, dass sein Gehirn nicht mehr zum Denken kommt!)

1982 — Im Sachbuch „Der Jupiter-Effekt“ wurde ausführlich beschrieben, was es doch für schreckliche Auswirkungen haben würde, dass im Jahre 1982 alle Planeten des Sonnensystemes fast in einer Reihe stünden und ihre Gravitation kombinierten. Nichts von allen schrecklichen Vorhersagen ist eingetreten, aber immerhin trat hier wenigstens erstmals ein neuer Wahnsinn auf. Zu den klassischen Pseudowissenschaften der Astrologie, des Spiritismus und zur Religion gesellte sich eine modern verkleidete Pseudowissenschaft, die für viele heute lebendende Menschen sehr viel glaubwürdiger klingt als die klassische bullshit science. Von der astronomischen „Argumentation“ im Buch „Der Jupiter-Effekt“ aus den Siebziger Jahren bis hin zu den heutigen Eso-Schinken und Betrugsprodukten, die eifrig von Energie, Tesla und allerlei Quantenquark schwätzen, ist es eine gerade Linie.

1996 — In der Bibel lässt sich ja lesen, dass vorm Angesichts Gottes tausend Jahre wie ein Tag sind, und manche Fundamentalisten und andere Autisten wollen auch mit dieser orientalischen Metapher auch rechnen. Da Gott für die Schöpfung des Universums sechs Tage, also sechstausend Jahre benötigt hat, um sich dann erstmal auszuruhen und den Schabat zu erfinden, soll auch die Menschheit für sechstausend Jahre arbeiten, um sich dann auszuruhen; so argumentierten wenigstens einige Sektierer, die die Bibel nicht für eine Überlieferung orientalischer Legenden, sondern für ein Rechenbuch gehalten haben. Und weil sie gerade so schön am Rechnen waren, rechneten sie auch gleich aus der Bibel aus, wie viele Jahre die Menschen jetzt schon arbeiten. Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass die Erde 1996 untergehen sollte. Die Erde hat das aber irgendwie nicht gewusst, ganz im Gegenteil, 1996 war ein richtig tolles Jahr. Solche und ähnliche Rechnungen werden immer wieder einmal angestellt und in Traktaten und auf Websites veröffentlicht, auch mit derartigem Dummfug könnten ganze Bücher gefüllt werden.

1999 — Um den Nostradamus in dieser Liste nicht völlig zu vergessen: „L’an mil neuf cens nonante neuf sept mois / Du ciel viendra grand Roy deffraieur / Resusciter le grand Roy d’Angolmois. / Auant apres Mars regner par bon heur.“ Nun, im Juli 1999 geschah nichts, was nach einem König des Entsetzens am Firmament ausgesehen hätte, der den mongolischen König zu neuem Leben erweckte. Nicht einmal etwas, worauf diese Worte metaphorisch gepasst hätten. Vom erfolgreichen Pestarzt und wenig erfolgreichen Propheten Nostradamus lernen, das heißt für einen Untergangspropheten übrigens: Siegen lernen. Einfach eine Menge wirres Zeug voller Anspielungen und Chiffren zu Papier bringen und darin nur Jahreszahlen in weiter zeitlicher Ferne nennen! Das schafft eine gute Chance, dass der Unsinn auch ein paar Jahrhunderte später noch von vielen Menschen sehr ernst genommen wird.

2000 — Auch der Weltuntergang durch Computerprobleme im Zusammenhang mit dem Jahr 2000 blieb uns allen erspart. Aber in den Jahren vor dem Jahr 2000 machten eine Menge kleinerer Softwarehäuser ziemlich viel Reibach mit recht stümperhaften Serviceleistungen, die schon damals häufig von billigen Auszubildenden mit wenig Sorgfalt durchgeführt wurden. Die Liste möglicher Probleme in den gängigen Programmierumgebungen der alten Anwendungen (vor allem für Windows und MS/DOS) war wohl bekannt, und das Abarbeiten dieser Liste war recht routiniert. Irrationale Angst und mangelndes Wissen ist eine Kombination, die Scharlatanen immer wieder ein gutes Geschäft mit gesalzenen Rechnungen für objektives Nichts ermöglicht, damals wie heute. Nur, dass heute auch eine florierende technische Scharlatanerie herrscht, das Spiegelbild des technischen Analphabetismus vieler Menschen.

2000 — Natürlich gab es auch richtige Vorhersagen des Weltunterganges, dessen Ursache wohl diesmal darin bestehen sollte, dass sich bei der Schreibweise des Datums alle Stellen auf einmal ändern…

2001 — Die „wacheren“ Kalenderbetrachter haben bemerkt, dass der Gregorianische Kalender kein Jahr Null kennt, dass das neue Jahrtausend also folglich erst im Jahre 2001 beginnt. Mit dieser Argumentation hatten sie völlig recht. Allerdings hatten sie Unrecht damit, dass diese Tatsache irgendwelche Katastrophen bedeuten würde.

2012 — Das ist das Datum, das wir vor uns haben. Ein neuer, heißer Kandidat für eine inzwischen recht müde, aufgewärmte Geschichte… 😉

In Kulturkreisen, die von einer Religion geprägt wurden, die einen Weltuntergang in ihrem religiösen Gebäude integriert haben — und dieser Aufbau ist allen drei monotheistischen Weltreligionen gemeinsam — kommt es immer wieder zu derartigen Ausbrüchen des Wahnsinnes. Die allzu leichtwillige Bereitschaft, aufgrund dürftigster Argumente und gegen alle Vernunft an ein bevorstehendes Ende der Welt zu glauben, spiegelt die Sehnsucht nach einem solchen Ende wider, und diese Sehnsucht ist ihrerseits das Spiegelbild der Lebens- und Weltverachtung, die in diese Religionen eingebettet ist; letztlich des Selbsthasses, den diese Religionen von den Menschen abfordern. Dieser Selbsthass — der sich in psychologischer Absurdlogik mit einem überzogenen Narzissmus verheiratet hat — ist zu überwinden. Der Wahnsinn schwindet dann von allein, und damit auch ein Stück des gesellschaftlichen Wahnsinnes.

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Der nicht geschrieben hat

Wenn mir eines sympathisch ist an diesem biblisch überlieferten Jesus aus Nazaret, denn ist es die Tatsache, dass dieser Mensch, der sein ganzes Leben im Wirkbereich einer pedantischen und herzkalten Schriftreligion verleben musste, selbst nicht ein einziges Wort geschrieben hat — er wusste ja auch zu genau, was mit geschriebenen Worten angestellt wird, wenn sie erst einmal zur Religion der Buchanbeter werden. Wie viel Gewese doch — im Gegensatz zu ihm — alle seine Verehrer um eine so genannte „Heilige Schrift“ machen!

Mimikry

Es gibt eine Heuschrecke, die sich selbst als ein leicht dürres Blatt tarnt, damit sie vom evolutionären Mitbewerb nicht als Heuschrecke erkannt wird. Und. Es gibt eine vampiristische und habgierige Mafia, die sich selbst als eine auf Jesus aus Nazaret zurückgehende Religion tarnt, damit sie von ihren Opfern nicht als vampiristische und habgierige Mafia erkannt wird.

Der Weg des Christentums

Steche, schlage, würge hie wer da kann. Bleibst du darüber tot, wohl dir, einen seligeren Tod kannst du nimmerdar erlangen. Denn du stirbst im Gehorsam gegenüber dem göttlichen Wort und Befehl.

Martin Luther, Wider die stürmenden Bauern

Von den religiös verpackten, aber politisch motivierten Mordreden der mittelalterlichen Päpste, über die religiös verpackten, aber politisch motivierten Mordreden eines Martin Luther, über die parareligiös dargebrachten und mit christlichen Versatzstücken garnierten, aber politisch motivierten Mordreden eines Adolf Hitler und seiner herztoten Schergen bis hin zu den religiös verpackten, aber politisch motivierten Mordreden heutiger Herrscher in vom fundamentalistischen Christentum geprägten Gesellschaften führt ein gerader Weg durch die menschliche Geschichte. Und. Wenn der Vorübergehende mit seinem heiteren Blick diesen ganzen Weg zurückverfolgt, stellt er fest, dass am Anfang dieses Weges nicht dieser Jesus steht, von dem die Anhänger der christlichen Religion so viel frömmelndes Gewese machen.

Kreuz-Weise? Kreuzweise!

Mensch Jesus, bleib oben,
Sonst schlagn die dich tot!

Bettina Wegener

Jesus aus Nazaret starb nicht am Galgen auf Golgata.

Er starb und stirbt Tausende und Tausende der Tode. (Und gar mancher dieser Tode ist schlimmer und grausamer als das barbarische römische Justizmorden.)

Er — der übrigens nur wenig von formeller Religion gehalten haben soll — starb das erste Mal, als Saulus auf dem Wege nach Damaskus seine historisch gewordenen Hirnblitze ( Apg. 9 ) sah und darin einen nützlichen Leichnam für seinen gekränkten Narzissmus halluzinierte und aus diesem Kadaver eine Religion zimmerte.

Er — der übrigens niemals selbst auch nur einzige Zeile niedergeschrieben hat, die sich bis heute erhalten hätte und der deshalb offenbar nichts von einer auf ihn basierenden Schriftreligion hielt — starb bei allen gläubigen Empfängern der Briefe, die dieser Saulus lieber unter seinem neuen Namen Paulus verfasst hat, um der Welt zu erzählen, dass seine Halluzination der neue und einzige Gott für alle sei. Dass dieser sich Paulus nennende Saulus einer jüdischen Sekte angehörte, deren bis zur Neurose perfektionistische Form der Religionsausübung von Jesus immer wieder in ätzender Form kritisiert wurde, ist offenbar niemandem aufgefallen, und es schert sich bis heute keiner darum. Schon Paulus hat sich einen Dreck für die wirkliche Person hinter diesem Jesus interessiert und fand seine eigenen Trugbilder viel attraktiver — und genau so geht es bis heute den Judasfreunden, die diesen ganzen Unfug glauben und die sich Christen nennen.

Er — der einmal gesagt haben soll: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ — starb, als die paulusgläubigen römischen Sklaven singend und schafdoof in den Tod gingen und damit das System der Sklaverei erhielten. Ganz so. Wie es Paulus gefiel, damit er auch weiter Gefallen an seinem Sklaven hat. Er stirbt bis heute, wenn Christen in einem bekannten Danklied den Satz „Danke für meine Arbeitsstelle“ singen und damit die heutige Form der abstrakten Arbeit heilig sprechen, den Armen zur Knechtschaft und den Besitzenden zum sprudelnden Reichtum und zum Wohlgefallen.

Er — nach Aussagen seiner frommen Gegner ein „Fresser und Weinsäufer und Freund aller Sünder“ — starb, als Menschen ihre Sexualität von sich abspalteten und sich deshalb psychisch und körperlich selbst zerfleischten. Bis heute stirbt er in jeder Neurose, in jeder Bulimie, in jeder Unfähigkeit zur Liebe. Und. Alle diese Krankheiten sind nur moderne Bastardkinder der älteren Krankheit der Askese, der sinnlichen Selbsttötung als Lebensentwurf.

Er — der auf die formelle Anrede eines Fragestellers einmal erwidert haben soll, dass er nicht „gut“ genannt sein möchte, weil niemand als Gott allein gut sei — starb, als die Gläubigen des Paulus ein paar Jahrhunderte später erbost darüber stritten, ob ihr Jesus nun wesensähnlich oder wesensgleich zu Gott sei. Und. Als die Vertreter der letzteren Auffassung, die aus diesem Streit als Sieger hervorgingen, die Vertreter der ersteren Auffassung zu gottlosen Menschen erklärten, die für ewig in der Hölle zu brutzeln haben. Und. Genau So. Gilt es bis heute.

Er — der überliefert wurde als einer, der jede Form der Herrschaft durch Menschen über Menschen nicht für den Willen Gottes hielt — starb, als der heilige Hirnfurz des Paulus unter dem römischen Kaiser Konstantin zur neuen Staatsreligion des imperium romanum wurde. Als. Der von Paulus deformierte Jesus die staatliche Gewalt heiligen musste, so mörderisch sie auch wütete. Das tut dieser Jesus bis heute von seinem heiligen Galgen herab, dieser nützliche Kadaver der Herrschenden und Besitzenden und Großmörder aller Zeiten.

Er — der von der frommen Elite seiner Zeit gesagt haben soll, dass sie sich vor die Türe stelle, die in ein besseres Leben führt; dass sie dort selbst nicht hindurchgingen, aber auch niemanden anders hindurchließen — starb und stirbt am Petersplatz, wo sich ein Hurenbock nach dem anderen hinstellte und sich als „Heiliger Vater“ anreden und als Stellvertreter Gottes betrachten ließ und lässt, ja, bis heute so anreden und betrachten lässt. Auch. Von den staatlichen und wirtschaftlichen Verdummungsanstalten in Form des Rundfunks und der Presse.

Er — der überliefert wird als einer, der gleich einem durchgeknallten, auf einem Trip hängengebliebenem Hippie jede Form der Gewalt in jeder Situation abgelehnt haben soll — starb und stirbt, wenn sich seine selbsternannten Verwalter gestikulierend vor die Waffen stellen und in „seinem“ Namen ihre Zaubersprüche abmurmeln, damit diese Waffen auch ja ein gesegnetes Morden für die Wahrung der Besitzstände der Herrschenden und Besitzenden vollbringen. Er stirbt auch im „geistlichen Beistand“ für die Soldaten, damit diese auch ja ein billiges und williges Kanonenfutter abgeben.

Er — der angeblich in den formellen Gottesdiensten seiner Zeit so viel Heuchelei erblickte und dies in derart trefflicher Form zum Ausdruck brachte, dass man ihn schließlich deswegen umbrachte — starb und stirbt auf den Schlachtfeldern der vielen vielen „heiligen“ Kriege in „seinem“ Namen, vom ersten Kreuzzug, über den Tag, an dem der Katholik Adolf Hitler die Worte „Wir werden in diesen Krieg ziehen wie in einen Gottesdienst“ aus den Volksempfängern schallen ließ, bis hin zu den jüngsten crusades US-amerikanischer Präsidenten.

Er — der berichtet wird als einer, der in Bezug auf eine Ehebrecherin einmal die recht anzüglichen Worte „Ihr wird viel vergeben, denn sie hat viel geliebt“ gesprochen haben soll — stirbt in jeder mit der politischen Macht der heutigen Paulusjünger, Galgenanbeter und Judasfreunde verhinderten Empfängnisverhütung oder Abtreibung, bei der ein Mensch draufgeht, lebenslang als Krüppel leidet oder — noch viel schlimmer — als unerwünschter Mensch (oft gar als Ergebnis einer Vergewaltigung) psychisch so deformiert wird, dass von einem Leben keine Rede mehr sein kann.

Er — der so viel von der Liebe erzählt haben soll — stirbt in jedem Entwurf einer kalten, körperlosen Form des Miteinanders, auf welchem die Gläubigen des Paulus den Stempel „Liebe“ geprägt haben sollen, bis hin zum heutigen Geschäft mit der von unterbezahlten Elendsarbeitern ausgeübten „Pflege“, bei dem vor kirchennahe Organisationen ihren Schnitt machen. Und. Er stirbt in der Betrachtung des Geschlechtsverkehrs als „eheliche Pflicht“, die man zu erfüllen hat, fast so, wie den „Dienst am Vaterland“.

Er — von dem die unbekannten antiken Autoren einen ganzen Stammbaum seines Vaters Josef überliefert haben — stirbt an der psychischen Kastration, die sich im Gefasel von der „unbefleckten Empfängnis Mariens“ Bahn brach und bricht und darauf basierend einen Verzicht auf jeglichen Sexualgenuss fordert. Vieles von der Kälte in den heutigen Gesellschaften ist eine Spätfolge dieser christlichen Sexualverdammung und sich über Jahrhunderte erstreckenden religiösen Verschneidung der Gläubigen. Welchen Zweck. Der Stammbaum dieses Mannes da haben soll, kann einem auch der geschwätzigste Theolügner des Christentums nicht in einleuchtender Weise erläutern. Deshalb redet man in den Lügendiensten auch nicht so viel darüber, sondern fordert lieber die Menschen zur Enthaltsamkeit auf.

Er — der zwar kein Asket gewesen sein soll (vielleicht sogar ein kleines Wämplein hatte, so gut, wie er sich oft irgendwo einlud), aber zu einer allgemeinen Haltung der Sorglosigkeit in Fragen des Essens aufgerufen haben soll — stirbt in der Heiligung des Konsums. Und. Zwar genau so, wie er schon vorher in der so genannten „Eucharistie“ starb, dem magischen Essen einer trockenen Hostie, die im faulen Zauber des „Gottesdienstes“ als heilbringendes Opfer aus Menschenfleisch gedacht ist. Der Judas, auf dem ihr Christen euren mörderischen Judenhass basieren lasst, der hat ihn „nur“ verraten und verkauft, aber ihr Christen esst ihn auch noch auf!

Er — der doch schon so lange tot ist, dass sich niemand sicher sein kann, dass er überhaupt einmal gelebt hat — starb und starb und stirbt und stirbt und wird immerfort gemordet. Und. Alle seine Mörder sind brave Christen, die dem Paulus jedes seiner eiskalten Worte abgekauft haben und sich deshalb einen Scheißdreck für Jesus interessieren. Weil. Sie sich auch sonst einen Scheißdreck für Menschen interessieren, jedenfalls für andere Menschen als sich selbst.

Und. Er — der so viele warme und noch viel mehr wirre Reden gehalten haben soll — kann doch gar nichts dafür, dass Paulus so einen tollen, goldenen Galgengötzen aus ihm geschnitzt hat. Niemand interessiert sich für seine Reden. Wenn sich die Christen für Jesus aus Nazaret interessierten, gäbe es weniger Christen. Die Christen interessieren sich mehr für Paulus, der ihren Narzissmus heiligt, für gutes Essen, dass ihnen alles andere ersetzen muss, für die Abwehr ihrer Angst, die sie in der Religion finden und für ein neues Auto und einen größeren Fernseher — auf wie viel und wessen Blut dieser „Segen“ gedeiht, ist ihnen dabei recht gleichgültig. Und. Die Christen interessieren sich brennend für die Unterdrückung jeder Strebung, die ihren primitiven, barbarischen und narzisstischen Interessen zuwider läuft. Deshalb stört sich keine christliche Kirche jemals an einen Krieg oder an diesem brutalen Gemetzel an ganzen Völkern und Kulturen, das mit dem Wort von der „Globalisierung“ bezeichnet wird. Sie. Stört sich auch niemals an der Indoktrination der Kinder in staatlichen Schulen und an der Unterdrückung von anders gläubigen Menschen, sondern macht aktiv mit.

Verstehst du, Schwester?

Das ist der Grund, weshalb ich kein Christ sein kann. Ich habe nicht nur die Gewalt des Christentums am eigenen Leibe gespürt, ich habe zu allem Überfluss auch noch die Bibel gelesen. Ich müsste mich selbst belügen, um Christ zu sein. Und? Wie soll ich das anstellen? Ich glaube diesem Paulus und allen seinen Nachfolgern nicht ein einziges, den Menschen mit heftig knallender Angstpeitsche eingepeitschtes Wort.

Das verstehst du nicht, Schwester?

Deine Dummheit, Schwester, ist selbstverschuldet. Habe den Mut, vom Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer zu werden, und du wirst ganz schnell verstehen, warum unter den vielen tausend Dankgebeten der christlichen Religion nicht einmal ein Dank für den Verstand des Menschen hörbar wird. Der Verstand muss in der Religion des Paulus und des Judas unterdrückt werden, denn er nimmt dieser psychischen Fessel ihre Kraft.

Wenn du bei deiner Dummheit bleibst, überrascht mich das nicht. Du reihst dich in eine lange Reihe von dummen Menschen durch die Zeiten ein und glaubst dabei den Beistand eines Jesus zu haben, der gesagt haben soll: „Der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sinds, die auf ihm gehen. Aber der Weg ins Leben ist eng, und nur wenige gehen darauf.“

Wenn du mich nicht verstehst, wenn du mich als einen Ungläubigen, Gottlosen, vom Teufel Besessenen ansiehst, denn reihst du dich in diese lange lange Reihe durch die Zeiten ein. Und längs dieser Reihe stehen die rauchenden Scheiterhaufen und die von Raben umflatterten Galgen und die mit Schmerz umflochtenen Räder und die Folterkammern und die Bordelle des Vatikans und legen ein zum Himmel schreiendes Zeugnis von den Zeiten ab, in denen die christliche Religion Grundlage der Gesellschaft war. Der Gott, an den du glaubst, der Gott, für den Zeit keine Bedeutung hat, wird die Geschichte genau so sehen — und deine Position darin. Und das. Ist der Platz den du selbst im Geschehen einnimmst, meine stinkende Schwester. Augen und Ohren und einen Kopf hast du: Zu den Risiken und Nebenwirkungen deiner Haltung schlage ein beliebiges Geschichtsbuch auf, und zu Jesus aus Nazaret schlage deine Bibel auf und vergiss mal für eine Woche den Paulus!

Und wenn du denn immer noch nicht verstehst, meine kindische Schwester, denn ist das dein Problem. Ich bin dafür nicht zuständig, lass mich bitte damit in Ruhe. Und wenn du es irgendwann, wenn die Barbarei sich wieder ausbreitet, zu meinem Problem machen willst und mich in meiner Andersgläubigkeit — es gibt keinen Menschen, der ungläubig wäre — bedrängst und verfolgst, denn wisse, dass ich dir nicht eine andere Backe hinhalten werde, sondern für das Recht auf mein verdammtes, von Geistarmen wie dir ständig angeknabbertes Dasein einstehen werde. Wenn es wirklich sein muss, auch in einem Kampf auf Leben und Tod. Jesusse, die wie ein blökendes Schaf freiwillig zum Metzger trotten, hatte diese ganze Geschichte schon genug. Die halten sich alle für so weise durch das Kreuz, aber sie können mich mal kreuzweise.

Und jetzt geh, Schwester! Du hast noch etwas zu lesen…

Wer sich hier angesprochen fühlt, ist gemeint. Wer männlichen Geschlechtes ist, lese einfach Bruder. Wer kopfschüttelnd und voller Unverständnis diesen langen Text gelesen hat, verzeihe mir bitte, aber nach diesem Gespräch mit einer christlichen Fundamentalistin musste es einfach raus, mir wäre sonst die Gallenblase explodiert — deshalb ist vieles auch ein bisschen roh formuliert.

Mehr oder weniger heilige Schriften

Wenn ihr den seht, der nicht aus der Frau geboren ist, werft euch mit dem Gesicht zu Erde und betet ihn an. Dieser ist euer Vater.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Thomas-Evangelium, Logion 15

Man kann viel über eine Religion lernen, wenn man sich die „heiligen Schriften“ dieser Religion anschaut — dies allerdings nicht in der gebückten Haltung, die so typisch für den Umgang der blindwütig Glaubenden mit dieser Überlieferung ist, sondern im aufrechten Gang, mit oben getragenem Köpfchen. Dabei wird ein so Schauender in der Betrachtung jeder Religion feststellen, dass zwar in großer Allgemeinheit von heiligen Überlieferungen die Rede ist, deren jeder einzelne Buchstabe als ein großes Geschenk an die Menschheit erachtet wird; dass solche Rede aber noch lange nicht bedeutet, dass alle diese Überlieferungen in der Theologie und der religiösen Praxis den gleichen Stellenwert bekämen. Nein, vielmehr. Ist es so, dass bestimmte Schriften für die religiöse Praxis und die dahinterstehende Theologie unabdingbar sind, während aus anderen Schriften zwar hin und wieder einmal ein tröstlich oder drohend Wörtchen herausgepickt und den Glaubenden als gefügig machendes Wort Gottes serviert wird, dass diese Schriften neben dieser gelegentlichen Verzweckmäßigung aber nur eine sehr untergeordnete Rolle in der Religion spielen, dass sie im besten Fall noch dazu dienen, die von der Religion zu Kernteilen erhobenen Überlieferungen zu „stützen“.

Die mosaische Religion ist sich dieser Tatsache sehr bewusst, und sie unterscheidet die Grade der Heiligkeit in den Büchern ihres Tenach, mit der Thora als völlig unabdingbare Grundlage jeder religiösen Praxis und weiterem Schriftgut von eher historischem oder ergänzendem Charakter. So ehrlich sind die meisten anderen Religionen gegenüber ihren hochgehaltenen Schriften zur Untenhaltung der Knechte freilich nicht.

Für den Denkenden gibt diese Randerscheinung aller Religion Anlass zu einer interessanten Fragestellung, die viel Licht auf die betrachtete Religion zu werfen vermag: Welche Anteile der religiösen Bücher könnten aus dem jeweiligen Kanon der heiligen Schriften entfernt werden, ohne dass die religiösen Grundaussagen mit diesem Schritt gefährdet würden?

Diese Frage an die christliche Religion gestellt, liefert ein interessantes Ergebnis. Es könnte ohne Gefahr ein Großteil der Schriften aus der jüdischen Überlieferung entfernt werden, und die Technik der christlichen Mission trägt dieser angesichts einer mehr als tausendjährigen Tradition christlichen Judenmordes wenig überraschenden Tatsache Rechnung, indem sie den Menschen einfach nur ein so genanntes „Neues Testament“ in die Hände drückt, wenn diese auch einmal in „der Bibel“ lesen sollen — mehr Bibel bedarf es nicht, außer vielleicht zum Angstmachen.

Doch auch aus dem so genannten „Neuen Testament“ könnte man noch einiges herausnehmen, zum Beispiel den Großteil der Berichte über das Reden und Wirken eines gewissen Jesus aus Nazaret. Denn dieses Leben und Wirken eines wundertätigen jüdischen Rabbis und zuweilen wirren Redners spielt für die christliche Religion nicht die geringste Rolle, es reicht die in vielen Briefen wortgewaltig dargelegte Deutung des Pharisäers Saulus — der sich in dieser Funktion denn aber doch lieber Paulus nannte — dass dieser Jesus der völlig sündlose Sohn „Gottes“ ist, der stellvertretend für die Menschen den Tod auf sich genommen hat, und dass es nur eine Forderung gibt, wenn man in den Genuss dieses von „Gott“ gewollten, barbarischen Menschenopfers kommen möchte, nämlich die Forderung, das zu glauben. Natürlich meint dies, es genau so zu glauben, wie es Paulus immer wieder geschrieben hat. Alles weitere spielt eine nur untergeordnete Rolle für die christliche Religion und wird bestenfalls dazu verwendet, die Gläubigen mit Höllenangst gefügig zu halten, während sie die heilige Leiche unter dem Symbol des römischen Galgens anbeten.

Diese Ignoranz gegenüber dem Leben eines mit dem Munde hochverehrten Jesus ist ein trefflicher Spiegel der allgemeinen Lebensverachtung in der christlichen Religion. Wo Kreuze aufgestellt werden, kommen die richtigen Galgen für Andersgläubige und die Kriegswaffen gleich hinterher, bis auf den heutigen Tag.

Der einzige Grund, weshalb die Geschichten über das Leben Jesu und die paar überlieferten Sprüchlein in dieser Judasreligion des ständig neu aufgeführten Jesusmordes weiter überliefert werden, ist ihre psychologische Funktion. Wer trotz der Gehirnwäsche von Kind auf und des gesamten menschlichen Zerbruchs vom religiösen Betrieb angewidert ist, kann, so er wenig kritischen Geist hat, beim Lesen der Bergpredigt zu glauben beginnen, dass er ein „besserer Christ“ ist. Und. Damit eben Christ bleiben. Dass hingegen auch nur ein einziges Mal auf Grundlage der gleichen Bergpredigt staatlich betriebener Massenmord an ausgewachsenen Menschen mit Lebenswillen von offizieller christlicher Seite verurteilt worden wäre, ist mir nicht bekannt. Von dieser Seite wird nur das harmlose Ausleben privater Lebenslust verurteilt, etwa im Sex — und das einzige, was diese Judasjünger „Mord“ nennen, ist, wenn eine Frau verhütet oder abtreibt, statt einfach neun Monate ihre Strafe fürs Ficken im Bauche zu tragen und dabei ganz nebenbei die Mächtigen mit neuem Menschenmaterial für die militärische und wirtschaftliche Verwurstung auszustatten.

Die religiöse Abspaltung

Das Leben ist an die Lebenden verschwendet.

Douglas Adams

Die Menschen, die zur heutigen Zeit religiös sind und auf diesem Hintergrund — und auf Grundlage der seltsamen Auffassung, dass sechs Handvoll von mehreren tausend Jahre alten, biblischen Texte ein besseres Bild der Wirklichkeit zeichnen als alle fortgeschrittene und durch die tiefere Kenntnis der Fakten und Zusammenhänge verbesserte Erkenntnisfähigkeit, die der Menschheit heute zur Verfügung steht — die Vorstellung eines „ewigen Lebens“ pflegen; diese Menschen haben dabei eine völlig andere Idee vom „ewigen Leben“ als die Mehrzahl der Autoren der alten Texte. Und. Dieser Unterschied ist durchaus beachtenswert.

Noch im Mythos von Jesu Auferstehung ist die Auffassung einer völligen Kontinuität des einshaften und damit unauftrennbaren körperlichen Seins enthalten. Die österliche Entdeckung war nicht die Begegnung mit einem durch Séancen und nächtens durch verlassene Korridore dünstelnden Geistwesen, sondern die naive Feststellung einer den Tod überschreitenden körperlichen Wiederherstellung, die in starken und psychisch wirkmächtigen Bildern ausgedrückt wurde. „Das Grab ist leer“ wurde zur ersten österlichen Botschaft, bevor das Christentum eine Religion geworden; und in diesem trotzig die gebieterische biologische Tatsache verneinendem Worte schwingt auch überdeutlich mit, dass es in den Seelen jener, die diesen Mythos erblühen ließen, kein entkörpertes Leben gab, weder im Jetztseits noch in einem Jenseits. Damit. War die Idee vom Fortbestand des Seins vielleicht naiv, aber bei weitem nicht so seinsverachtend wie die spätere christliche Idee von einer den Körper überlebenden, unsterblichen Seele, mit der die Sklaven Roms über ihr entgangenes Leben getröstet werden sollten, und mit der sich die gehetzten Lohnsklaven der Jetztzeit über ihr entgangenes Leben hinwegtrösten sollen. Um. Unter den fernen Versprechungen einer staatstragenden Religion, die bislang noch jede Form der Unterdrückung und des Mordes durch die Herrschenden und Besitzenden heilig gesprochen hat, weiter und weiter zu funktionieren. Wer mit zäher Gewalt am christlich-spiritistischen Glauben einer unsterblichen Seele festklammert, erbaut in dieser Haltung nur ein trübes Mahnmal der Tatsache, dass er jedes Versprechen eines Lebens, das in der wunderbaren Möglichkeit des Daseins mitschwingt, längst von seinem eigenen Dasein abgespalten hat. Die als „offenbarte Religion“ verabreichte Betonierung dieser Lebensverneinung offenbart die Religion als kalten Todeskult; das wahre Fundament der bilblizistischen Fundamentalisten ist nicht etwa die Bibel, sondern die Kontinuität der Sklaverei.

Zum christlichen Osterfest

Man könnte leicht auf die Idee kommen, dieser Jesus genannte jüdische Rabbi und Religionskritiker Jehoschua aus Nazaret sei gar nicht auferstanden, sondern sein Leichnam sei nur umgezogen. Von der kleinen Gruft nahe Jerusalem in die gleichermaßen geräumigere und engere Gruft der christlichen Kirche, in welcher er seitdem zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wird.

Der Geheimnisträger

Er war ein durchaus gebildeter Mensch, der sich gewählt und treffsicher ausdrücken konnte. Und. Er wollte mich von den Vorzügen seiner Religion überzeugen. Während er das versuchte, sprach er unter anderem im feinsten Ton seiner christlichen Glaubensgemeinschaft vom „Geheimnis der göttlichen Liebes-Offenbarung in Jesus Christus“ und verwendete etliche vergleichbare Formulierungen, die das Wort „Geheimnis“ enthielten.

Mir stellte sich die ganze Zeit über nur eine Frage: Wenn es ein Geheimnis ist, warum will er es denn jedem erzählen?

Kinski, Jesus und die Medien

Nichts hinzuzufügen!

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Der süße Herr Jesus

Es finden doch seit Paulus in jedem Zeitalter die Christen ihre neue Methode, aus Jesus eine leicht konsumierbare Ware zu machen. Warum sollte dem toten Jehoschua denn auch erspart bleiben, immer wieder für dreißig Silberlinge verkauft zu werden — zumal, wenn er dabei auch noch so lecker ist. Der Mangel an schokoladigem Geschmack war doch schon immer eines der größten Probleme der Hostie im Konsumismus…

Danke für den Hinweis an M.

Kurzanleitung: Christentum

Herzlichen Glückwunsch zum Erwerb der Mitgliedschaft in einer religiösen Organisation des Christentums. Sie haben sich für ein international anerkanntes Spitzenprodukt der späteren römischen Kultur mit einer 1600jährigen Tradition entschieden. Wir danken ihnen für ihr Vertrauen und für ihre Bereitschaft, einer guten Milliarde zufriedener Nutzer unseres Produktes beizutreten.

Damit sie eine lange und ungetrübte Freude mit diesem großartigen, kulturellen Produkt haben und auch seine verborgenen Möglichkeiten besser kennen und verstehen lernen, nehmen sie sich bitte die Zeit, die folgende Kurzanleitung sorgfältig zu studieren. Sollten sie dabei weiter gehende Fragen haben, wenden sie sich bitte an den für sie zuständigen Kundendienst — die Kontaktdaten erfahren sie in den Publikationen ihrer christlichen Gemeinschaft — oder auch direkt an Gott. Aber beharren sie dabei bitte nicht auf ihrem Verlangen nach einer zufrieden stellenden Antwort oder einem umfassenden und verbindlichen Benutzerhandbuch! Glauben sie uns einfach, wir wollen nur ihr Bestes!

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme des Christentums ist sehr einfach. Sie bedürfen nur einer so genannten Taufe. Es handelt sich dabei um den Kontakt mit Wasser, der zusammen mit magischen Proklamationen ihre Mitgliedschaft unter den Christen sofort und ohne die Möglichkeit eines späteren Widerrufes in Kraft setzt. Danach sind sie ein so genannter „Christ“.

Wenn sie als Kind christliche Eltern oder einen christlichen Sorgeberechtigten hatten, wurde diese Inbetriebnahme in aller Regel schon im Säuglingsalter durchgeführt und ist vollgültig. Eine besondere Einwilligung oder Entscheidung ihrerseits ist eben so wenig erforderlich wie eine Wiederholung der Inbetriebnahme.

Nach der Inbetriebnahme

Nachdem sie das Christentum in Betrieb genommen haben, sind sie gegen eine Reihe schädlicher Eventualitäten wirksam geimpft. Die steht im Zusammenhang damit, dass alle Menschen nach ihrem Tod weiterleben und dass die Umstände ihres Weiterlebens der Entscheidungsgewalt Gottes obliegen. Gott sortiert die Menschen nach dem Kriterium der korrekten Inbetriebnahme durch eine Taufe, und wer sie aus irgendeinem, auch vernünftigen, Grund versäumt hat, wird von Gott automatisch in die Hölle geworfen. Dies ist eine Folterkammer, in der die Nichtgetauften für eine unendlich lange Zeit auf alle erdenkliche Arten gequält werden. Sie sehen gewiss die Notwendigkeit dieses Impfschutzes gegen die Hölle ein und haben auch Verständnis dafür, weshalb liebende Eltern ihre Kinder unmittelbar nach der Geburt gegen dieses Unheil schützen wollen.

Einige gefährliche christliche Sekten, die es unbedingt zu bekämpfen gilt — vor allem die Zeugen Jehovas — glauben nicht an die Hölle und sind der Auffassung, dass ein liebender und gnädiger Gott die Menschen nach fehlerhafter Inbetriebnahme nur vernichten und nicht endlos quälen würde. Diese an menschliche Maßstäbe von Güte und Gnade angelehnte Vorstellung ist nicht geeignet, die erforderliche Angst den erforderlichen Ernst gegenüber Gott sicher zu stellen und deshalb zu verwerfen. Meiden sie den Kontakt mit solchen Auffassungen nach ihrer Inbetriebnahme!

Funktionsweise

Die Funktionsweise der Inbetriebnahme des Christentums durch die Taufe ist recht komplex und erfordert die Darlegung so genannter „religiöser Wahrheiten“. Der folgende Abriss ist eine kurze Zusammenfassung. Wenn sie tiefer gehende Informationen benötigen, wenden sie sich an ihre Gemeinde und fragen sie dort einen qualifizierten Wartungsexperten für ihr Seelenheil. Sie können sich auch die Briefe von Paulus in der Bibel studieren oder die überall erhältlichen Traktate christlicher Gemeinschaften lesen — aber fallen sie dabei nicht auf das Schriftgut irrationaler und gefährlicher Sektierer herein! Im Zweifelsfall verzichten sie lieber darauf, denn die Funktion ist auch ohne ihr Wissen sicher gestellt.

Der liebende Gott hasst alle Menschen und muss sie deshalb vernichten. Dies steht im Zusammenhang mit Adam, dem ersten Menschen. Dieser wurde von Gott kurz nach Abschluss der Schöpfung in einen Garten gesetzt, in dem Gott auch einen Baum pflanzte, von dessen Früchten Adam nichts essen sollte. Adam hatte auch eine Frau namens Eva, und die Schlangen konnten damals noch sprechen. Die Schlange hat Eva aufgefordert, etwas Obst von diesem Baum zu essen, Eva fand den Anblick appetitlich und aß und Adam tat es ihr nach. Daraufhin mussten die beiden arbeiten, sterben und fern vom Garten leben. Gott hat den Menschen niemals diese Verfehlung verzeihen können und wegen des kleinen Genusses eine ewige Strafe über die ganze Menschheit verhängt.

Um dennoch seine göttliche Liebe zu zeigen, hat sich Gott einen Plan für die Menschen ausgedacht. Er suchte sich ein paar Menschen aus und gab ihnen eine Religion mit Auflagen, die diese Menschen gar nicht erfüllen konnten, das so genannte Judentum. Die Erfüllung dieser Auflagen sollte die Beziehung zu Gott heilen, aber der allwissende Gott wusste natürlich schon vorher, dass die Menschen daran scheitern würden. Sie sollten aber wenigstens einsehen, dass sie keine Chance haben, vor dem unendlichen Zorn des liebenden Gottes zu bestehen. Schließlich suchte sich Gott eine junge Frau aus und ließ sie unter nicht näher geklärten Umständen ein Kind gebären, das sein eigener und einziger Sohn ist: Jesus. Dieser Mensch, der Gott selbst zum Vater hatte, konnte die Gesamtheit der gegebenen Auflagen erfüllen und ließ sich dann wie ein Verbrecher hinrichten, um die von Gott verhängte Strafe des Todes und der Folterung stellvertretend für die gesamte Menschheit entgegen zu nehmen. Schließlich wachte sein Leichnam wieder auf und ging zu seinem Vater, zu Gott, zurück.

Wer sich taufen lässt, nimmt durch diesen faulen Zauber dieses Sakrament das stellvertretende Opfer Jesu an und muss deshalb keine Strafe Gottes mehr befürchten. Zur Verbesserung der Funktion ist es ratsam, aber nicht unbedingt erforderlich, daran fest zu glauben.

Wartung und Pflege

Einer der größten Vorteile des Christentumes gegenüber anderen Religionen ist der geringe Aufwand mit der täglichen Wartung. Es bedarf keines fünfmaligen Gebetes und keiner aufwändigen Denkanstrengung, um ein Christ zu sein, auch ist die sonstige Lebensführung weitgehend uneingeschränkt. Die wesentliche Tätigkeit ist bereits ohne eigenes Zutun geschehen, und so kann sich der Christ nach Gutdünken im Alltag bewegen. Einige Dinge sind aber dennoch zu beachten, sie seien hier kurz zusammen gefasst:

Gebet — Gott ist zwar allwissend und kennt alle Gedanken der Menschen, möchte aber dennoch immer wieder angesprochen, gelobt und schulterbeklopft werden. Hierzu wird das so genannte Gebet verwendet. Der Betende spricht und glaubt, dass Gott ihm zuhört. Wer nicht weiß, was er Gott sagen soll, findet jede Menge biblischer und liturgischer Vorgaben für seine Gesprächsversuche. Ständige Wiederholung einfacher Sätze im monotonen Singsang ist genau die richtige Haltung, ein allwissender Gott kann eh nicht mehr gut unterhalten werden.

Moral — Obwohl der Christ nicht durch eigenes Handeln zu Gott gelangt ist, muss er alles dafür tun, eine möglichst restriktive und angstvolle Moral für möglichst viele Menschen zur verbindlichen Norm zu machen. Besonders bewährt und geeignet zur Verstärkung eines solchen Anliegens sind Angstreden über die Schrecken des höllischen Feuers und göttlichen Zornes, Zuckerreden über die gewaltige Liebe Gottes und unverbindliche „Weisheiten“ über den Wert des Lebens und des liebevollen menschlichen Miteinanders. Letztere kann man sogar als Schmuckkarte im KZ oder im christlichen Kinder- oder Pflegeheim aufhängen. Diese religiöse Anwendung ist der einzige Bereich, in dem die wenigen überlieferten Worte Jesu eine gewisse Rolle spielen können, ansonsten zählt für den Christen nur der stellvertretende Tod Jesu.

Gottesdienst — Regelmäßiges Anhören der vernünftigen christlichen Leere Lehre stärkt den Glauben daran. Also mindestens einmal pro Woche zum quasi-beamteten Wartungsexperten für die heilbringende Leere Lehre gehen, und bald schon werden sich alle Fragen in ein Weihrauchwölkchen auflösen. Das göttliche Geschenk des THC im Weihrauch hat sich als bestärkendes Mittel in diesem Prozess bewährt.

Abendmahl — Bei dieser Wartungsarbeit innerhalb des christlichen Gottesdienstes wird vom Wartungsexperten eine Oblate in den gegenwärtigen Körper Jesu und ein Becher Wein in das gegenwärtige Blut Jesu verwandelt. Die Christen erweisen dann Jesus ihre Liebe, indem sie Jesus gemeinsam aufessen und doch nicht daran satt werden. Katholiken sprechen auch von der „Eucharistie“, weil das geheimnisvoller klingt und den wirklichen Sinn der kannibalistischen Handlung besser verbirgt.

Beichte — Um sich immer darüber gegenwärtig zu sein, dass Gott die ethische Verderbtheit des Menschen hasst, sollte keineswegs nach ethischer Vervollkommung gestrebt werden. Stattdessen ist das regelmäßige Bekenntnis der eigenen Verderbtheit abzulegen, um sich aufs Neue und voller geheuchelter Dankbarkeit darüber klar zu werden, dass Jesus die Folgen der eigenen Verderbtheit in seinem Opfertod auf sich genommen hat. Man sagt dabei aber niemals, dass dieser Gnadenakt ja noch größer wird, wenn man noch verkommener lebt und handelt, denn solche Wahrheit ist ausgesprochen unerwünscht. Man lebt einfach so, ohne es deutlich auszusprechen. Aus dieser Haltung resultutiert das besondere ethische Gepräge christlicher Gesellschaften.

Sex — Geschlechtsverkehr darf es nur innerhalb einer Ehe geben, die vom christlichen Wartungsexperten abgenommen wurde und die dann bis zum Tod eines Partners bestehen bleibt. Der Geschlechtsverkehr dient zur Erzeugung von Kindern, Verhütungsmittel sind zu vermeiden. Diese weit gehende Restriktion des stärksten menschlichen Triebes und der größtmöglichen erfahrbaren Lustempfindung führt zu ständigem Scheitern, dass dann durch Beichte behandelt wird. Andere Verfehlungen sind, damit verglichen, unerheblich.

Kinder — Die beim Sex entstehenden Kinder sind immer zu taufen, um ebenfalls gegen die Hölle geimpft zu sein. Für Katholiken gibt es spezielle Löffel, mit denen die Kinder noch im Mutterleib getauft werden können, wenn eine Totgeburt droht. Die Eltern sind angehalten, die Kinder durchzuprügeln und ihnen Angst Respekt vor Gottes Zorn, Gottes Liebe und der unverdienten Gnade durch Jesu Opfer zu lehren. Dies wird im Zweifelsfall auch in christlichen Institutionen zur Vergewaltigung Betreuung von Kindern durchgeführt.

Geld, Besitz und Macht — Der Christ sollte Sorge dafür tragen, dass es zu einer Akkumulation von Machtmitteln bei christlichen Institutionen kommt. Er sollte Geld an christliche Organisationen spenden; frohen Mutes seine Kirchensteuer blechen; seine Kinder in christliche Kindergärten schicken, um noch mehr freie Arbeitskraft zu haben und diejenigen Parteien wählen, deren Kürzel mit einem „C“ beginnt oder aber „PBC“ lautet.

Auswirkungen des Christentums

Der Christ, der korrekt in Betrieb genommen wurde und den Vorschlägen für die Wartung und Pflege seines Christentumes gewissenhaft folgt, bekommt dafür ein ewiges Leben.

Da die Erfahrung der letzten 1600 Jahre gezeigt hat, dass auch Christen sterben, geht man schon seit längerer Zeit von einem Weiterleben nach dem Tode aus, wobei sich die verschiedenen christlichen Gemeinschaften noch nicht einig über die Einzelheiten geworden sind. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Fortexistenz in einem fernen Wolkenkuckucksheim im Himmel, das alle Bedürfnisse abdeckt und für das widerstandslos geduldig ertragene, beschädigte Leben auf der Erde entlohnt. Für Zerstreuung ist dabei gesorgt, kann der Christ doch zusammen mit allen Päpsten, Herrschern, Kriegsherren und sonstigen christlichen Gewalttätern dabei zuschauen, wie alle ungetauften „Gutmenschen“ eine Ewigkeit lang in der Hölle gefoltert werden.

Bei solcher Belohnung schickt es sich einfach nicht, nach irdischen Vorteilen zu fragen. Man freut sich einfach auf das Kommende, wenn doch eigentlich alles vergeht. Ansonsten hat man ja auch nichts zum Freuen, wenn man im kulturellen Kontext des Christentums leben muss.

Abschließendes

Sie sehen, das Christentum ist nicht umsonst eine so erfolgreiche Religion geworden. Wir wünschen ihnen viel Dummheit Freude, Gottes billig zuzusprechenden Segen und ein Leben voller sklavenhafter Passivität Hoffnung als Christ.