Die Sichtungen werden immer konkreter. Außerirdische beobachten uns. In ein paar Monaten werden sie mit uns Kontakt aufnehmen.

Johannes v. Buttlar*, im Jahre 1990

Ohne Grenzwert — Es gibt kein harmloses Maß der Irrationalität. Vielleicht gibt es ein für Menschen unvermeidliches, aber das ist niemals harmlos und muss durch ständige aufrechte Untersuchung und Erörterung in engen Grenzen gehalten werden. Zur Begründung reicht ein Blick in ein Geschichtsbuch oder in eine aktuelle Nachrichtensendung.

Hohlsprachkörper — Das Geplapper der Irrationalisten, gleich, ob sie den Menschen religiöse, wirtschaftliche, neuabergläubische oder politische Heilslehren verkaufen wollen, zeichnet sich durch einen großen Verbrauch von Worten bei geringer Aussagedichte aus. Um die Nullhaltigkeit des Gesagten und Geschriebenen besser verschleiern zu können, wird dieses Nichts in eine unnötig bombastische Ausdrucksweise verpackt, offenbart sich aber beim Auspacken aus dieser Larve als ein Nichts. Im Vorübergehen an die Tao-Buchhandlung in der hannöverschen List nahm ich eines der dort erhältlichen Bücher zur Hand und schlug es kurz nach dem Vorwort auf, um dort auf die folgende „Erklärung“ des im Buche dargelegten Gedanken zu stoßen: „Das astrologische Hologramm, das in diesem Moment projiziert wird, ist von grundlegend spiritueller Natur; es kann sowohl in Begrifflichkeiten einer Meta-Quantenphysik als auch als eine astro-sprituelle Metapher aufgefasst werden**“. Diese zum Schein so wissenschaftstümelnde „Aussage“ offenbart auch nach dem zehnten Durchlesen nicht einmal Spuren eines Sinngehaltes; sie ist spirituelle Mimikry für jene leichtgläubigen Lehrer, Sozialpädagogen und sonstigen Assimilationsarbeiter, die von der Leere ihres gefräßigen Gewaltlebens in solche Buchhandlungen getrieben werden, um sich dort zu deutlich überteuerten Preisen mit einem kostenpflichtigen, fremden Nichts über das vergleichbar fremde Nichts ihres eigenen Daseins hinwegzutrösten, ganz alternativ, verstehts sich. Oh, wenn sie doch nur ein für paar hundert Inkarnationen als Opfer ihres jetzt eigenen Treibens Gelegenheit erhielten, ihr schlechtes Karma abzubauen!

UFO — Der Zeitgenosse fragte mich, ob ich auch schon einmal ein UFO gesehen hätte, und ich konnte nur erwidern, dass ich jeden Tag UFOs sehe. Denn ich kann wirklich nicht jeden Vogel im Flug sicher identifizieren.

Bigfoot — Wir können natürlich nicht erwarten, dass sich so ein Yeti ähnlich wie ein Affe bewegt. Es kann ja durchaus sein, dass sich diese Wesen ähnlich bewegen wie es in diesem „authentischen“ Film aus den Sechziger Jahren dokumentiert ist; dass sie sich ganz so bewegen wie ein Mensch, der ein etwas unbequemes Kostüm trägt. :mrgreen:

Offenbarung — Es war das Pärchen von den Zeugen Jehovas, das mir immer wieder auf der Straße begegnete. Wo der eine um Essen, Geld und Unterkunft bettelt und die beiden anderen um Aufmerksamkeit für eine Heilsbotschaft, damit sie auch ja eine bessere Punktzahl bei ihrem barmherzigen Gott JeHoWaH erzielen, da lernt man sich zwangsläufig ein bisschen kennen, allein durch die häufigen Begegnungen im gemeinsamen Verachtetwerden. So bekam ich immer wieder Comic-Heftchen in die Hand gedrückt, die allerdings im Gegensatz zu richtigen Comic-Heftchen recht viel Text enthielten, dem ich recht detailliert entnehmen konnte, was ein Zeuge JeHoWaHs so denken muss. Und irgendwann bekam ich sogar ein Buch in die Hand gedrückt, das ebenso kitschig wie die Heftchen gestaltet war und den Titel „Was die Bibel wirklich lehrt“ trug. Schön, dass diese leicht verqueren Biblizisten mir damit nicht nur offenbart haben, dass sie das wissen, sondern auch, dass sie in der Vielzahl verschiedener, über einen langen Zeitraum getrennt tradierter und unter teils fragwürdigen Umständen redigierter Bücher der so genannten „Bibel“ eine „wirkliche“ Lehre gefunden haben. Mit gutem Appetit auf andere Rosinen fände ich gewiss eine andere „wirkliche“ Lehre, die der ihrigen vollständig widerspricht, wenn ich nur die Lust hätte, mich mit solcher Leere zu befassen. Zum Glück ist diese gehirnwaschende und fühlbar rücksichtslose Organisation noch nicht dazu imstande, ihren in solcher „Wirklichkeit“ mitschwingenden Anspruch an jeden Menschen mit Feuer, Gefängnis und Maschinengewehr durchzusetzen und vermutlich deshalb noch nach außen viel friedlicher als das etabliertere Christentum.

Rezept — Man nehme einige hundert Tonnen Grausamkeit und Unrecht, koche es mit etwas sozialem Empfinden auf, zerstückele eine Prise gesellschaftskritischer Profeten und rühre diese gut unter, verwürze den Sud mit etwas billiger Mystik, einer Überdosis Trost und ein paar Ritualen, verrühre das Ganze mit der Idee, dass Ursprüngliches und Altes besser ist als Durchdachtes und Lebendiges, lasse es so lange abkühlen, bis es sich nicht mehr bewegt und fertig ist die Religion. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Leider.

Kalte Liebe — Menschen, die sich selbst als „religiös“ oder „spirituell“ verstehen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie so von „der Liebe“ sprechen können, dass dabei genau hörbar wird, wie diesem Wort die Erfahrung auch nur eines einzigen Streichelns fehlt.

* Vermutlich ist Johannes Busacker immer noch etwas bekannter unter diesem Namen, für den er sich eigens als erwachsener Mann adoptieren lassen musste, um seine Eitelkeit besser mit einem Adelstitel unterfüttern zu können. Inzwischen soll er ja auf drittklassigen Fernsendern unnütze Nahrungsergänzungen verkaufen und somit vor jedem Auge sofort als der Quacksalber und Hohlschwätzer erscheinen, der er immer schon gewesen ist.
** Ich war bei Notieren des Zitates so erheitert, dass ich vor lauter Heiterkeit vergaß, die Quelle zu notieren. Und hinterher habe ich sie vergessen. Man kann sie aber auch vergessen, diese Quelle!