Tag Archive: Idiocracy


Sachbücher…

Sachbücher, deren Autor nach angemessener wissenschaftlicher Gründlichkeit statt nach ausschließlicher Belegsuche für seine vor dem Schreiben längst „fertigen“ Thesen strebte, werden nun einmal keine Bestseller, von niemanden öffentlich diskutiert und im Regelfalle nicht einmal verlegt.

Die 7/24-Dauerfreakshow der Contentindustrie

Das größte Problem mit der gesamten Contentindustrie — von Zeitungen über Boulevardmagazinen bis hin zu schrillen „Reality“-Formaten in der Glotze — liegt darin, dass das Normale allen Zeitgenossen hinlänglich vertraut und deshalb für sie völlig uninteressant ist und somit kein kaltpsychisch ferngesteuertes Lese-, Klick- und Glotzvieh für die Reklamevermarktung der erzielten Aufmerksamkeit anlockt. Das eigentliche Geschäft der Contentindustrie, die Vermarktung von Reklameplätzen, führt direkt in eine 7/24-Dauerfreakshow, die mit dem Leben der Menschen ungefähr so „viel“ Gemeinsamkeit hat wie „gesunde Vitamine naschen“ gesund ist. Über das Inhalte industriell reproduzierende, psychische Massenstanzwerk der Contentindustrie wirkt die an den Bedürfnissen von Marktschreiern orientierte Inhalteauswahl freilich rückkoppelnd auf die Menschen in der Gesellschaft zurück, verwandelt sich in einen normgebenden Wahn, der zu einer Reproduktion der leicht konsumierbaren, menschlichen Abziehbilder aus der contentindustriellen Wahnwelt anstachelt, die keineswegs immer so harmlos wie Karaoke ist. Menschen der Zukunft — so die Folgen der zur Jetztzeit contentindustriell gestalteten Gegenwart überhaupt einen Raum für Menschen in der Zukunft übrig lassen — werden nicht umhin kommen, die reklamegetriebene Contentindustrie als den wesentlichsten wirksamen Faktor des gegenwärtigen kulturellen und zivilisatorischen Zerfalls der technisch entwickelten Gesellschaften betrachten zu können, wenn sie in ihrer existenziellen Not überhaupt noch die Muße für eingehende Analyse finden. Das Lachen wird ihnen sicherlich im Halse steckenbleiben, wenn sie immer wieder davon lesen müssen, dass für ihre Eignung als Reklameplatzvermarkter bezahlte Journalisten in diesem contentindustriellen Apparat ernsthaft glaubten, politische Bildung zu vermitteln — und dass ihre noch schlechter bezahlten Nachäffer mit ernsthaften aufklärerischen Ambitionen sich ausgerechnet den journalistischen Stil zur Vorlage ihres Tuns nehmen.

Dummes Erwachen

Irgendwann in nicht mehr allzuferner Zukunft wird die politische „Linke“ nach gewohnt langem Schläfchen leicht verkatert und kopfschmerzig in der Idiocracy aufwachen und unwillig feststellen, dass diese von Dummheit, Wissensangst und Einsichtsverneinung beherrschte Gesellschaft in keinem einzigen ihrer Aspekte vom Faschismus zu unterscheiden ist — und was noch viel übler ist: Jene, die trotz dieser Umstände (und der vielfältigen psychisch wirksamen Ablenkungen) noch zu einer Spur Selbstreflexion fähig sind, müssen dann zu ihrer eigenen (und von anderen pathologisierten) Verzweiflung eingestehen, dass die gesamte politische „Linke“ den Weg in die Idiocracy begeistert und aktiv mitgegangen ist, statt ihm zu widerstreben.

Wer als Mensch aus Lust an der leichten Bequemlichkeit und Verantwortungslosigkeit dieser Haltung damit beginnt, mit der Psyche zu „denken“, macht mit allen Konsequenzen den Affenkern seines Daseins zu seinem Sein, statt Mensch zu werden. Eine ganze Gesellschaft, die so tut, ist dazu verdammt, sich in eine Gesellschaft von Affen zu entwickeln. L’enfer, c’est la psyché.

Verbraucherseelen

Dass Menschen, nachdem sie sich lange genug von ihrem Handy und den Werbern der Mobilfunkanbieter umprogrammieren ließen, ein Wort wie „Datenverbrauch“ sagen können, ohne dass beim Sprechen oder Hören solchen Wortes von ganz allein das Gehirn zu arbeiten beginnt, belegt, dass es längst viel zu spät ist, der Idiocracy noch zu entkommen.

Idiocracy is near (3)

Kühlschrank in einem Edeka-Markt mit Aufkleber. Auf dem Aufkleber steht: Wir lieben Lebensmittel. Und unsere Umwelt. Bessere Qualität durch gleichmäßige Temperatur. Aufmachen, rausnehmen zumachen!

In diesem Edeka-Markt scheint ein erheblicher Teil der Kundschaft das neumoderne Konzept eines so genannten „Kühlschrankes“ nicht mehr in der gebotenen Tiefe zu verstehen und deshalb sowohl einer Erklärung als auch einer Anleitung dafür bedürftig zu sein. Jenen Menschen hingegen, die sich noch einer gewöhnlichen menschlichen Einsichtsfähigkeit rühmen können, sagt dieser auf dem Kühlschrank angebrachte Aufkleber nur eines: Edeka ist eine Einkaufsgelegenheit für Dumme, Verdummte und geistig hoffnungslos Abgehängte; ein Laden, dessen Betreiber keinerlei Hemmungen mehr haben, ihrer Verachtung für die Intelligenz ihrer Kunden offenen und ziemlich unverschämten Ausdruck zu verleihen. Böse Zungen könnten sogar sagen, dass das den hohen Anteil von Pädagogen und Sozialpädagogen in der Kundschaft erklärt. :mrgreen:

Rohstoff

„Nicht Daten sind der Rohstoff der Zukunft“, bemerkte der Vorübergehende zu seinem Mitmenschen, der sein Telefon streichelte, „sondern Dummheit ist der Rohstoff der Zukunft“.

Idiocracy is Near (2)

Blumentopf mit Heide -- Aufkleber: Calluna vulgaris. Pflanze nur zur Dekoration. Nicht zum Verzehr geeignet

Bei weiterer Ausweitung der allgemeinen zerebralen Übungslosigkeit wird schon in weniger als fünf Jahren der mittlerweile offensichtlich erforderliche Hinweis „Nicht zum Verzehr geeignet“ um „Dies gilt auch für Blumentopf und Erde“ ergänzt.

Caution, Idiocracy is Near!

Kaffeebecher der Hannover Messe AG für Melitta-Kaffee mit dem Warnhinweis: 'ACHTUNG HEISS!' und 'CAUTION, THIS DRINK IS HOT!'.