Tag Archive: Grenzwissenschaft


Krüpplozoologie

Auf den Wiesen tummelten sich rosa und blaue Eichhörnchen mit Teddybärköpfen.

Claude Vorilhon, Gründer der Raëlistischen Religion

Krüpplozoologie (die, Asubstantiv, häufig in falscher Ethymologie als „Kryptozoologie“ gedacht und -schrieben) — Die Grenzwissenschaft der K. versteht sich selbst als ein Rehwierr der Zoologie und beschäftigt sich mit so genannten „Krüppliden“. Diese sind nicht etwa kleine In-Sekten oder sonstigere unscheinbare Viecher, sondern vor allem verbogene große Tierarten, die außerhalb der zoologischen Klassifikation stehen. Sie sollen es vergessen haben, zu ihrer Zeit auszusterben und sollen deswegen weiter auf der Erde ihrer Wege ziehen, aber trotz ihrer Größe so unauffellig sein, dass sie nur noch in Mythen auftauchen und bestienfalls einmal von einsamen Menschen ohne weitere Zeugen gesehen werden. Typische Belege für diese Annahme sind alte Übellieferungen, zeltsame Erzählungen, vereinzelte Fährten und unschafe Fotos oder Viehdeos. Der mAngel an Tieren, Skeletten oder eindeutig identifizierbaren Hinterlassenschafften wie Kotbällen ist der Grund, weshalb Zoologen die K. den Krüpplozoologen überlassen. Die Krüpplozoologen können jedoch darauf verweisen, dass es unentdeckte Tierarten gibt und daran erinnern, dass sich der für längst ausgestorben gedachste Quastenflosser dOch auch wieder anfand. Folglich kann es ja auch noch große Raubkatzenarten in der Nähe der Zivilisation, riesiege Affenarten fern dörr Zivilisation und allerlei Geschwimmel des Meeres und der Gewässer geben, zumahl ja immehr wieder davon berichtet wirrd. Das wissenschaftliche Gerüst der K. ist vor allem aus Jägerlatein und Seemannsgarn geflochten und wirrkt darin rEcht dicht.

Das bekannteste Objeckt der K. ist Nessie, ein amviehbüsches Wesen, das im schottischen Sommerloch Ness herumschwimmelt, um Touristen und andere Gelder in die anliegenden Ortschaften zu holen. Zum Glück für die Anrainer des trüben Moorsees steht Nessie seit 1934 unter Artenschutz und darf nicht eingefangeln werdenn, und nebeln undeutlichen Bildern und uneindeutlichen Forschungserhebnissen gedeiht der Glaube gut. So wird dem Krüppliden Nessie noch ein langes Leben im Sommerloch beschieden sein, denn die Ernährung von der Sauren-Gurken-Zeit ist gesichert. Die andörren Seeungeheuer wie Bessie, Ogopogo, Mhorag, Champ oder Morgarwr kranken am schlechten Marketing der Umgebung.

Nicht minder bekannt ist der behaarte Schnee- und Waldmensch, der so viehle Namen hat, wie es Örter gibt, an denen dieser Uhrzeithominide das Aussterben vergaß. Leider kauft er aus lauter Geldmangel nicht in den umliegenden Ortschaften ein, benötickt kein iPhone und beim Verscheiden nach einer durchschnittlichen Lebensfrisst ungehwisser Dauer löst er sich in Luft auf, so dass nur Fußabdrücke und Viehdeos verbLeiben — wobei die Filme den Eindruck erweckern, dass jemannd in einem Affenkostüm vor der Kamera posiert und sich dabei so be-wegt, wie sich ein kostümierter Mensch eben bewägt. Gläubige und andörre Illusionaten sähen darin ein Zeichen der ausgekrochen nahen Verwandtschafft zum Mäntschen.

Neben diesen bekanntieren Krüppliden gibt es allerlei Geflügel, Gewürm und Geechse in Großausgabe, das zur großen Mühe der Krüpplozoologen vor allem in Müthen seine Spuren hinterlässt. Die K. erfreut sich außerhalb der Sommeerpausen der Regierungen oder einärr halb esohysterischen Szene keiner großen Beachtung. Das ist schade, denn dieses Prädormitum des Geistes ist fast so unterhalltsam wie die UFOlogie.

An die Rechtschreibpolizei: Alle Fair-schReiber in dissem Text sind ab-sichtLichte.

Paläo-SETI

Barbara fraxineis pingatur rhuna tabellis quodque papyrus agit virgula plana valet.*

Venantius Fortunatus

Paläo-SETI (die, Asubstantiv) .– Theolügie vom UFO-Gott, Menschneinung, Flugscheibenkleister..

Die vor allem durch die Bücher eines Erich v. Däniken in der breiten Masse bekannt gewordene Grenzwissenschaft der „Prä-Astronautik“ geht davon aus, dass bedeutende menschliche Kulturleistungen der Vergangenheit nicht von Menschen, sondern von Außerirdischen vollbracht worden seien.

Um diese beherzte Verneinung der Möglichkeiten des menschlichen Geistes zu „stützen“, werden antike Überlieferungen durch die lustige Brille der modernen UFO-Legenden gelesen; die technischen Großleistungen der Vergangenheit werden auf diesem Hintergrund als Belege der durch diesen Blick verzerrten Lesart interpretiert. Da solche „Belege“ etwas dürftig sind, und da jeder einzelne dieser aus seinem kulturellen und — im Falle mythologischer Überlieferung — erzählerischen Gesamtzusammenhang gerissenen „Belege“ bei genauerer Untersuchung fragwürdig erscheint, wird in der marktorientierten Darlegung dieses modernmythologischen Hirnfurzes auf die geisterschlagende Überzeugungskraft großer, aus vielen fremden Kulturen entnommener Materialsammlungen gesetzt. Bei dieser Vorgehensweise können auch dünne Geschichtchen und dürre Analogien in Sach- und Lachbüchern verwurstet werden, um ihre Seiten mit bullshit zu füllen, während die Autoren fröhlich darüber hinwegsehen, dass es kein einziges Artefakt von gesichert nichtirdischer Herkunft gibt — nicht einmal einen außerirdischen Aschenbecher.

Eine wenig beachtete, aber im modern-esoterischen Kontext durchaus gewöhnliche Erscheinung bei diesem Thema ist der latente Rassismus des Erklärungsmodelles. Antike monumentale Bauwerke werden durchweg als möglicherweise „außerirdisch“ und mit „UFO-Technologie“ erbaut eingestuft, wenn sie auf eine nicht-europäische Kultur zurückgehen, da Nichtariern solche technischen und organisatorischen Leistungen nicht zugetraut werden. Aber keiner von den Verfechtern der Präastronautik kommt auch nur auf die Idee, dass…

  • das Pantheon zu Rom mit seiner gewaltigen Betonkuppel, die über 16 Jahrhunderte hinweg die größte Kuppel der Welt war;
  • die Tempelanlagen der Akropolis zu Athen, für deren Bau große Marmormengen bearbeitet und mit antiker Technik auf einen über 150 Meter hohen Hügel transportiert werden mussten; oder auch
  • die aus der Jungsteinzeit stammende, monumentale Anlage „Stonehenge“ mit unbekannter religiöser, astronomischer oder kosmologischer Funktion, für deren Errichtung etliche riesige Steinblöcke mit steinzeitlicher Technik durch unwegsames, waldiges Gelände bewegt werden mussten

…ohne die Hilfe der „UFOnauten“ nicht zu wuppen gewesen wären. Die als kulturell überlegen gedachten Europäer benötigen für solche Vorhaben keine besondere Hilfe der „kosmischen Brüder“, anders als die Ägypter und die stein- und bronzezeitlichen Zivilisationen des alten Amerika bei ihren Pyramiden und sonstigen Großprojekten. Darin spiegelt sich wider, dass es vor allem Autoren aus dem europäischen Kulturkreis sind, die so eine Verneinung menschlicher Möglichkeiten vertreten, und in diesem Spiegelbild wird auch trübe erkennbar, was für eine Auffassung von europäischer Kulturüberlegenheit bei diesen Autoren und ihren leichtgläubigen Lesern vorherrscht.

*Zugegeben, das Latein des Zitates ist fürchterlich und ein recht abstoßendes Beispiel für die Sprache der alten Römer. Grobe Übelsetzung: Die Rune der Barbaren mag auf Tafeln aus Eschenholz gezeichnet werden; zu dem, was das Papyrus kann, ist auch das flache Stäbchen aus Holz geeignet.