Tag Archive: Gott


Die heilige Krankheit

Zeitgenosse: In meiner Krankheit ist mir Gott ganz nahe gewesen.

Nachtwächter: Wenn dir dein Gott immer nur in der Krankheit ganz nahe ist, und niemals in Gesundheit, Lebensfreude, Lust und Kraft, denn ist es kein Wunder, dass du so oft krank bist. Gott ist für dich nur ein anderer Name für das Kranksein, die Schwäche, für das eigene Unvermögen, für die Verantwortungslosigkeit — ja, für den Tod.

V.i.S.d.P

Auf einem Traktat, das mir jemand beim Betteln an Stelle eines Brötchens in die Hand drückte, war nicht nur ein entzückendes, in der Sonne stehendes kleines Mädchen mit blonden Haaren, blauen Augen und einem weißen Kleid abgebildet, dass selbst Joseph Goebbels das Herz geschmolzen wäre. Nein, daneben standen auch noch die Worte “Gott lädt sie ein”. Das freilich, das empfand ich als eine unwiderstehliche Nachricht und ich nahm das Traktat an mich, um im Ganzkleingedruckten unter V.i.S.d.P endlich einmal die Anschrift dieses Gottes zu finden; vielleicht gibt es dort ja auch eine Beschwerdestelle, ich hätte so vieles zu reklamieren. Aber stattdessen fand ich dort wieder nur die Anschrift eines so genannten Missionswerkes… :mrgreen:

Knochengott

Die leichtherzige Bereitschaft, in der sowohl religiöse als auch eher ungläubige Menschen angesichts eines Todesfalles von “Gott” sprechen, spiegelt wider, dass ihr Gott in Wirklichkeit der Tod ist.

Die furchtlosen Heuchler

Das 5. Kapitel (Apostelgeschichte) Ein Mann aber mit Namen Ananias samt seiner Frau Saphira verkaufte einen Acker und entwendete etwas vom Gelde mit Wissen seiner Frau und brachte einen Teil und legte es zu der Apostel Füßen. Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den heiligen Geist belögest und entwendetest etwas vom Gelde des Ackers? Hättest du ihn doch wohl mögen behalten, da du ihn hattest; und da er verkauft war, war es auch in deiner Gewalt. Warum hast du dir solches in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen. Ala Ananias aber diese Worte hörte, fiel er nieder und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies hörten.

Man merkt es den großen christlichen Kirchen in der BR Deutschland an, dass da schon lange keine “große Furcht” mehr ist, dass sie genau wissen, dass “ihr” Gott nicht mehr auf Heuchelei und Lüge reagiert, indem er die Heuchler und Lügner einfach vor versammelter Gemeinde bloßstellt und effektvoll mordet. Dies mag widerspiegeln, dass diese Kirchen sich längst den Satan zum Gotte erkoren haben, oder doch wenigstens seinen glitzergüldnen Bastardsohn, den Mammon.

Die nützliche und kleinhaltende Todesangst vor Gott ist für die Anderen, nicht für die kirchlichen Heuchler und ihr Geschäft.

Wenn der Vorübergehende sein schattenhaft dünstelndes Dasein durch die dröhnvolle Stadt schleppt, muss er an vielen Schaufenstern vorübergehen, in denen sich kirchliche und kirchennahe Organisationen mit Hilfe der Schergen Satans, der bildbunten Brut der Werber, zur Schau stellen. In diesen zur Schau stellenden Fenstern warmgetünchter Hochglanz von glücklichen Alten und Kranken, fotografiert durch den Lächelfilter der Reklamelüge, und zu diesen Bildern kurze, hehre Wortfetzen von Pflege und Geborgenheit, zu stanzen einen Eindruck von sozialem Engagement im Kopfe der weniger Bewussten.

Niemand soll sich darüber verwundern, dass es diese Läden erst gibt, seit die so genannte “Pflegeversicherung” aus solchem Tun einen guten deal gemacht hat. Nein! Engagiert und “sozial” soll es aussehen, was da getrieben wird, wie ein Akt selbstloser Liebe.

Das sieht der Vorübergehende und spürt den unwiderstehlichen Reiz und würde sich zur Erleichterung zu gern erbrechen, wenn er doch nur etwas im Magen hätte. Denn er kennt die andere Seite, die nicht so glänzt, er weiß aus persönlichen Gesprächen von flugs angelernten Menschen, die sich in erzwungener, staatlicher Hartz-IV-Elendsarbeit für einen Nichtlohn in der so genannten “Pflege” verschleißen müssen, damit auch ja der Profit stimme, er hat die ausgebildeten Schwestern kennengelernt, die einen befristeten Vertrag als Hilfsschwester nach dem anderen kriegen, immer mit dem mündlich gegebenen Versprechen einer anschließenden Übernahme in einer festen Anstellung und so knebelnd gehalten, dass sie sich noch krank zur unterbezahlten Maloche schleppen müssen, um ja nicht kurzfristig gekündigt zu werden und vor dem völligen persönlichen Nichts zu stehen. Er weiß von ständiger Verfügbarkeit, Einsparungen am Personal, selbstverständlich erwarteten, unbezahlten Überstunden und der völligen Unmöglichkeit einer persönlichen Lebensplanung im Zustand der totalen Ausbeutung und der täglichen, telefonischen Abrufbarket, die selbst noch im “Urlaub” erwartet wird. Er hat mit diesen vom christlichen Pflegemoloch zu Material gemachten Menschen zu viele Tränen geweint, um angesichts des Zynismus und der werbenden Kälte dieses lichtscheuen Gesindels keinen Ekel zu empfinden. Und. Er ist sich sicher, dass auch die “Pflegefälle” wie Material behandelt werden, weil es in diesem ganzen, asozialen Treiben der Kirchen und ihrer Geschäftsstellen nur auf eines ankommt: Auf den Reibach.

Und dies alles wissend findet der Vorübergehende es schon manchmal sehr schade, dass die zynischen, geldgeilen, pfäffischen Heuchler ohne jeglichen Respekt vor den missbrauchten Menschen nicht einfach wie in gewissen biblischen Berichten tot umkippen.

 

Quelle des Scans: Die Bibel, Apostelgeschichte, 5. Kapitel, Verse 1 bis 5, revidierte Luther-Übersetzung von 1956. Sorry für den heute schwer lesbaren Fraktursatz, aber ich habe gerade keine andere Bibel zur Hand — zudem zeigt dieses Schriftbild trefflich, wie obsolet dieses Buch im institutionalisierten Christentum wirklich ist. Mit Gruß an I. und C.

Richtung und Garheit (24)

Bestechung ist wie ein Zauberstein dem, der sie gibt; wohin er sich kehrt, hat er Glück.

Die Bibel, Spr. 17, 8

Zahl — Eine Zahl bildet vielleicht keinen Aspekt der Realität ab, aber sicher eine Eigenart der menschlichen Wahrnehmung dieser Realität. Beim Wahrnehmen ist der Mensch dazu imstande, beliebige Entitäten zu abstrakten Klassen anzuordnen; diese innere Gehirntätigkeit wird dann — wie bei jeder anderen Wahrnehmung auch — als äußere Wahrheit empfunden. In diesem speziellen Prozess der Wahrnehmung tritt eine neue Erscheinung auf, die sich darin äußert, dass die wahrgenommenen Klassen identische Anzahlen von Elementen enthalten können. Sechs Tassen Kaffee, sechs Bücher und sechs ehemalige Freundinnen haben nichts gemeinsam, außer der Gleichzahl von Elementen in den jeweils wahrgenommenen Klassen. Diese “Sechsigkeit” der betrachteten Klassen wird im abstrakten Zahlwort Sechs zusammengefasst, gedacht, behandelt; und alles, was diese in Klassen zusammengefassten Entitäten auszeichnet, versinkt im Sumpf des hirngeborenen Begriffes. Die Mathematik, eine strikt deduktive Wissenschaft, die von vielen Menschen als Inbegriff der objektiven Klarheit und Wahrheit erachtet wird, ist nichts weiter als eine dumpfe Hirnsucht, die im günstigen Fall Aufschluss über die evolutionär gewachsene Abbildung der Realität im menschlichen Gehirn zu geben vermag. Dass Menschen ihre Hirnsüchte mit der Realität verwechseln, ist allerdings keine neue Erscheinung der menschlichen Geschichte.

Fünfzehn — Das klassische hebräische Schriftsystem kannte keine Trennung zwischen Buchstaben und Zahlzeichen, jedes Lautzeichen der Schrift konnte auch als Zahl verwendet werden. In der Zeit, in der dieses System entstand, gab es keinen Bedarf an großen Zahlen, es verfügt daher nicht über ein Stellenwertsystem wie die heute international (auch im Neuhebräischen) gebräuchlichen arabischen Ziffern. Stattdessen gab es eine Gruppe von Zeichen für die Einer, eine weitere für die Zehner und eine dritte für die Hunderter. Zwar gab es mit dieser Doppeldeutigkeit der Schrift immer wieder einmal Spielereien, aber im Alltagsgebrauch wurden die Zahlen sehr regelmäßig ausgedrückt, um Missverständnisse zu vermeiden. In diesem regelmäßigen Gebrauch gab es nur eine Ausnahme, und diese betraf die Zahl Fünfzehn. Um diesen Zahlwert zu notieren, wurde nicht Jod (10) und He (5) geschrieben, sondern Waw (6) und Teth (9) — denn die Buchstaben Jod und He sind eine Kurzform des alten Gottesnamens, der seit mindestens zwei Jahrtausenden so tabuisiert ist, dass sein Gebrauch gemieden wird. So kann in einer von Religion geprägten Gesellschaft auch fern jedes religiösen Kontextes die Vernunft auf der Strecke bleiben.

Vier — Auch die Römer haben Zahlen mit Buchstaben ihres Alfabetes notiert, und auch sie gingen dabei recht regelmäßig vor. Allerdings. Kannten auch sie eine Ausnahme in ihrer ansonsten völlig regelmäßigen Schreibweise. Die Zahl Vier wurde nicht gemäß der allgemeinen Regel als “IV”, sondern als “IIII” geschrieben. Der Hintergrund dieser Ausnahme ist, dass IV die gängige Abkürzung des römischen Hauptgottes Jupiter (lat. Iove) war, und dass man deshalb die Verwendung dieser beiden Buchstaben zur Niederschrift einer Zahl als eine Form der Gotteslästerung ansah. Auf jedem mit römischen Zahlen beschrifteten Ziffernblatt einer modernen Uhr — ja, selbst auf einem solchen Ziffernblatt an einem christlichen Kirchturm, wo so etwas recht häufig zu sehen ist — legt die Schreibung der vierten Stunde als “IIII” ein Zeugnis davon ab, dass inmitten aller Modernität die alten Götzen unverändert auf ihrem Thron sitzen und ihre mit Aberglauben überfütterte Macht gern auf die Mächtigen unter den Menschen übertragen.

Die Zahllosen — So selbstverständlich uns die Fähigkeit zum Zählen vorkommt, sie ist nicht angeboren oder natürlich, nicht einmal für kleine Anzahlen. Es gibt (in unserer Zivilisation als “primitiv” bezeichnete) menschliche Kulturen, in deren Sprache es nur drei “Zahlwörter” gibt, die als “eins”, “zwei” und “viele” übertragen werden könnten. Eine fröhliche Sorglosigkeit spiegelt sich in dieser sprachlichen Erscheinung, ganz so, als gäbe es im Miteinander dieser Menschen nur drei Zustände der Verfügbarkeit von Dingen, nämlich “ich habe noch eines”, “ich habe zwei davon und kann dir eines abgeben” und “kein Problem, es ist genug da”. Wie könnte unsere Zivilisation doch profitieren, wenn dieser Teil der “Primitivität” sich in ihr ausbreitete!

Triskaidekaphobie — Wer es erstaunlich findet, dass in Deutschland Menschen in irrationale Befürchtungen versinken, nur weil auf dem gerade vordersten Kalenderblatt als Wochentag ein “Freitag” und als Tageszählung ein Dreizehnter zu lesen ist, der sollte daran denken, dass der Aberglaube noch wesentlich absurder möglich ist. In den USA haben viele Häuser “offiziell” kein 13. Stockwerk, die Zählung geht von der 12 direkt zur 14. Die Tatsache, dass sich die abergläubische Angst nicht auf die 14. Etage verlagert, welche ja in Wirklichkeit die 13. ist, zeigt die kurzsichtige und deshalb uneinsichtige Idiotie des Aberglaubens. Aber bislang ist bei niemandem die Idiotie so weit gegangen, dass er ein dreizehntes Monatsgehalt abgelehnt hätte. Und. Das zeigt den Glauben, der auf der anderen Seite des Aberglaubens steht und der ebenfalls ein Glaube in Zahlen ist.

Sieben — Von den sieben “Weltwundern” der Antike ist nur noch eines erhalten, und dieses sind die großen Pyramiden in der Nekropole zu Gizeh. An diesen monströsen Todmalen ist vieles beeindruckend, am meisten aber sicherlich die Tatsache, dass sie auch nach so vielen Jahrtausenden so gut erhalten sind, während jüngere Pyramiden der ägyptischen Herrscher viel stärker vom Zerfall betroffen sind. Der Grund für die gute Erhaltung der großen Pyramiden ist, dass daran offenbar hoch motivierte Menschen sehr sorgfältig und präzise gearbeitet haben, während spätere Bauwerke des antiken Ägypten mit Sklavenarbeit errichtet wurden und deshalb eine gewisse Schlampigkeit in der Ausführung aufweisen. Dies kann auf dem Hintergrund betrachtet werden, dass der ägyptische Staat in der Vierten Dynastie kein Geldsystem kannte, und dass deshalb die Abgaben an das Staatswesen (und damit an die herrschenden Priester und den Pharao) in Form von Naturalien und in Form von Arbeitsleistung zu erfolgen hatten. Offenbar führte der “Mangel” eines abstrakten Zahlungs- und Tauschmittels bei vielen in diesem Staat lebenden Menschen zu einer intrinsischen Motivation, in ihrem Tun Qualität hervorzubringen, und diese Qualität hält dem Zahn der Zeit gut stand, bis auf dem heutigen Tag. Kaum gab es jedoch in Ägypten eine Form des Geldes (Edelmetall als Tauschmittel), kaum verlagerte sich der Wertbegriff auf dieses Abstraktum, schon waren die staatlichen Prunkbauten von jener Schäbigkeit der Ausführung geprägt, wie sie von Sklaven und gedungenen Arbeitern hervorgebracht wird. Und zwar. Bis auf den heutigen Tag. Einzig das Ausmaß der Schäbigkeit der produzierten Güter ist im Laufe der Jahrtausende immer mehr gewachsen — und zwar mit zunehmender Abstraktheit des einzig als Wert erachteten Geldes.

Existenz — Der Kosmos existierte, bevor er von messenden und zählenden Menschen wahrgenommen wurde, und er wird sich auch trefflich zu behelfen wissen, wenn sich kein messender und zählender Mensch mehr mit der Abbildung des Kosmos in seinem Hirne beschäftigt. Das Wort “Wahrnehmung” deutet schon in seiner sprachlichen Form an, dass bestimmte Aspekte aus der Realität genommen und in dieser Form für wahr gehalten werden, während andere Aspekte der Realität für die konstruierte Wahrheit verworfen werden. Diese Abbildung im menschlichen Individuum hat nichts mit der Einsheit des Kosmos zu tun, sie ist in Wirklichkeit eine “Wahnnehmung”, jenseits derer es gut möglich ist, dass in der Realität nichts außer der Einsheit des Kosmos existiert. Und zwar ist diese “Wahnnehmung” eine. Der kein Mensch entkommen kann. Es wäre gut, wenn dies jedem Menschen in jedem Moment seines Seins bewusst wäre.

Die wunderbare Schöpfung

Zeitgenosse: “Wie herrlich doch die Schöpfung ist! Wie gut Gott das doch alles gemacht hat, damit wir voller Freude darin leben können!”

Nachtwächter: “Ich hätte Gott allerdings eine ganze Menge sehr einfacher Vorschläge zur Verbesserung seiner Schöpfung zu machen. Diese fangen bei den Kleinigkeiten, den Disteln und Brennnesseln an, gehen über die Mücken und Zecken und hören bei den Erregern von Pocken, Pest, Lepra, AIDS, Syphillis und Gonorrhoe noch lange nicht auf. Wie vieles in dieser Natur doch nur Schmerzen und Krepieren verursacht. Und. Wie weniges doch für die Schmerzgequälten und Krepierenden vom klaren, blauen Himmel und der sonnigen Blumenwiese übrig bleibt!”

Kreuz-Weise? Kreuzweise!

Mensch Jesus, bleib oben,
Sonst schlagn die dich tot!

Bettina Wegener

Jesus aus Nazaret starb nicht am Galgen auf Golgata.

Er starb und stirbt Tausende und Tausende der Tode. (Und gar mancher dieser Tode ist schlimmer und grausamer als das barbarische römische Justizmorden.)

Er — der übrigens nur wenig von formeller Religion gehalten haben soll — starb das erste Mal, als Saulus auf dem Wege nach Damaskus seine historisch gewordenen Hirnblitze ( Apg. 9 ) sah und darin einen nützlichen Leichnam für seinen gekränkten Narzissmus halluzinierte und aus diesem Kadaver eine Religion zimmerte.

Er — der übrigens niemals selbst auch nur einzige Zeile niedergeschrieben hat, die sich bis heute erhalten hätte und der deshalb offenbar nichts von einer auf ihn basierenden Schriftreligion hielt — starb bei allen gläubigen Empfängern der Briefe, die dieser Saulus lieber unter seinem neuen Namen Paulus verfasst hat, um der Welt zu erzählen, dass seine Halluzination der neue und einzige Gott für alle sei. Dass dieser sich Paulus nennende Saulus einer jüdischen Sekte angehörte, deren bis zur Neurose perfektionistische Form der Religionsausübung von Jesus immer wieder in ätzender Form kritisiert wurde, ist offenbar niemandem aufgefallen, und es schert sich bis heute keiner darum. Schon Paulus hat sich einen Dreck für die wirkliche Person hinter diesem Jesus interessiert und fand seine eigenen Trugbilder viel attraktiver — und genau so geht es bis heute den Judasfreunden, die diesen ganzen Unfug glauben und die sich Christen nennen.

Er — der einmal gesagt haben soll: “Ich lebe, und ihr sollt auch leben” — starb, als die paulusgläubigen römischen Sklaven singend und schafdoof in den Tod gingen und damit das System der Sklaverei erhielten. Ganz so. Wie es Paulus gefiel, damit er auch weiter Gefallen an seinem Sklaven hat. Er stirbt bis heute, wenn Christen in einem bekannten Danklied den Satz “Danke für meine Arbeitsstelle” singen und damit die heutige Form der abstrakten Arbeit heilig sprechen, den Armen zur Knechtschaft und den Besitzenden zum sprudelnden Reichtum und zum Wohlgefallen.

Er — nach Aussagen seiner frommen Gegner ein “Fresser und Weinsäufer und Freund aller Sünder” — starb, als Menschen ihre Sexualität von sich abspalteten und sich deshalb psychisch und körperlich selbst zerfleischten. Bis heute stirbt er in jeder Neurose, in jeder Bulimie, in jeder Unfähigkeit zur Liebe. Und. Alle diese Krankheiten sind nur moderne Bastardkinder der älteren Krankheit der Askese, der sinnlichen Selbsttötung als Lebensentwurf.

Er — der auf die formelle Anrede eines Fragestellers einmal erwidert haben soll, dass er nicht “gut” genannt sein möchte, weil niemand als Gott allein gut sei — starb, als die Gläubigen des Paulus ein paar Jahrhunderte später erbost darüber stritten, ob ihr Jesus nun wesensähnlich oder wesensgleich zu Gott sei. Und. Als die Vertreter der letzteren Auffassung, die aus diesem Streit als Sieger hervorgingen, die Vertreter der ersteren Auffassung zu gottlosen Menschen erklärten, die für ewig in der Hölle zu brutzeln haben. Und. Genau So. Gilt es bis heute.

Er — der überliefert wurde als einer, der jede Form der Herrschaft durch Menschen über Menschen nicht für den Willen Gottes hielt — starb, als der heilige Hirnfurz des Paulus unter dem römischen Kaiser Konstantin zur neuen Staatsreligion des imperium romanum wurde. Als. Der von Paulus deformierte Jesus die staatliche Gewalt heiligen musste, so mörderisch sie auch wütete. Das tut dieser Jesus bis heute von seinem heiligen Galgen herab, dieser nützliche Kadaver der Herrschenden und Besitzenden und Großmörder aller Zeiten.

Er — der von der frommen Elite seiner Zeit gesagt haben soll, dass sie sich vor die Türe stelle, die in ein besseres Leben führt; dass sie dort selbst nicht hindurchgingen, aber auch niemanden anders hindurchließen — starb und stirbt am Petersplatz, wo sich ein Hurenbock nach dem anderen hinstellte und sich als “Heiliger Vater” anreden und als Stellvertreter Gottes betrachten ließ und lässt, ja, bis heute so anreden und betrachten lässt. Auch. Von den staatlichen und wirtschaftlichen Verdummungsanstalten in Form des Rundfunks und der Presse.

Er — der überliefert wird als einer, der gleich einem durchgeknallten, auf einem Trip hängengebliebenem Hippie jede Form der Gewalt in jeder Situation abgelehnt haben soll — starb und stirbt, wenn sich seine selbsternannten Verwalter gestikulierend vor die Waffen stellen und in “seinem” Namen ihre Zaubersprüche abmurmeln, damit diese Waffen auch ja ein gesegnetes Morden für die Wahrung der Besitzstände der Herrschenden und Besitzenden vollbringen. Er stirbt auch im “geistlichen Beistand” für die Soldaten, damit diese auch ja ein billiges und williges Kanonenfutter abgeben.

Er — der angeblich in den formellen Gottesdiensten seiner Zeit so viel Heuchelei erblickte und dies in derart trefflicher Form zum Ausdruck brachte, dass man ihn schließlich deswegen umbrachte — starb und stirbt auf den Schlachtfeldern der vielen vielen “heiligen” Kriege in “seinem” Namen, vom ersten Kreuzzug, über den Tag, an dem der Katholik Adolf Hitler die Worte “Wir werden in diesen Krieg ziehen wie in einen Gottesdienst” aus den Volksempfängern schallen ließ, bis hin zu den jüngsten crusades US-amerikanischer Präsidenten.

Er — der berichtet wird als einer, der in Bezug auf eine Ehebrecherin einmal die recht anzüglichen Worte “Ihr wird viel vergeben, denn sie hat viel geliebt” gesprochen haben soll — stirbt in jeder mit der politischen Macht der heutigen Paulusjünger, Galgenanbeter und Judasfreunde verhinderten Empfängnisverhütung oder Abtreibung, bei der ein Mensch draufgeht, lebenslang als Krüppel leidet oder — noch viel schlimmer — als unerwünschter Mensch (oft gar als Ergebnis einer Vergewaltigung) psychisch so deformiert wird, dass von einem Leben keine Rede mehr sein kann.

Er — der so viel von der Liebe erzählt haben soll — stirbt in jedem Entwurf einer kalten, körperlosen Form des Miteinanders, auf welchem die Gläubigen des Paulus den Stempel “Liebe” geprägt haben sollen, bis hin zum heutigen Geschäft mit der von unterbezahlten Elendsarbeitern ausgeübten “Pflege”, bei dem vor kirchennahe Organisationen ihren Schnitt machen. Und. Er stirbt in der Betrachtung des Geschlechtsverkehrs als “eheliche Pflicht”, die man zu erfüllen hat, fast so, wie den “Dienst am Vaterland”.

Er — von dem die unbekannten antiken Autoren einen ganzen Stammbaum seines Vaters Josef überliefert haben — stirbt an der psychischen Kastration, die sich im Gefasel von der “unbefleckten Empfängnis Mariens” Bahn brach und bricht und darauf basierend einen Verzicht auf jeglichen Sexualgenuss fordert. Vieles von der Kälte in den heutigen Gesellschaften ist eine Spätfolge dieser christlichen Sexualverdammung und sich über Jahrhunderte erstreckenden religiösen Verschneidung der Gläubigen. Welchen Zweck. Der Stammbaum dieses Mannes da haben soll, kann einem auch der geschwätzigste Theolügner des Christentums nicht in einleuchtender Weise erläutern. Deshalb redet man in den Lügendiensten auch nicht so viel darüber, sondern fordert lieber die Menschen zur Enthaltsamkeit auf.

Er — der zwar kein Asket gewesen sein soll (vielleicht sogar ein kleines Wämplein hatte, so gut, wie er sich oft irgendwo einlud), aber zu einer allgemeinen Haltung der Sorglosigkeit in Fragen des Essens aufgerufen haben soll — stirbt in der Heiligung des Konsums. Und. Zwar genau so, wie er schon vorher in der so genannten “Eucharistie” starb, dem magischen Essen einer trockenen Hostie, die im faulen Zauber des “Gottesdienstes” als heilbringendes Opfer aus Menschenfleisch gedacht ist. Der Judas, auf dem ihr Christen euren mörderischen Judenhass basieren lasst, der hat ihn “nur” verraten und verkauft, aber ihr Christen esst ihn auch noch auf!

Er — der doch schon so lange tot ist, dass sich niemand sicher sein kann, dass er überhaupt einmal gelebt hat — starb und starb und stirbt und stirbt und wird immerfort gemordet. Und. Alle seine Mörder sind brave Christen, die dem Paulus jedes seiner eiskalten Worte abgekauft haben und sich deshalb einen Scheißdreck für Jesus interessieren. Weil. Sie sich auch sonst einen Scheißdreck für Menschen interessieren, jedenfalls für andere Menschen als sich selbst.

Und. Er — der so viele warme und noch viel mehr wirre Reden gehalten haben soll — kann doch gar nichts dafür, dass Paulus so einen tollen, goldenen Galgengötzen aus ihm geschnitzt hat. Niemand interessiert sich für seine Reden. Wenn sich die Christen für Jesus aus Nazaret interessierten, gäbe es weniger Christen. Die Christen interessieren sich mehr für Paulus, der ihren Narzissmus heiligt, für gutes Essen, dass ihnen alles andere ersetzen muss, für die Abwehr ihrer Angst, die sie in der Religion finden und für ein neues Auto und einen größeren Fernseher — auf wie viel und wessen Blut dieser “Segen” gedeiht, ist ihnen dabei recht gleichgültig. Und. Die Christen interessieren sich brennend für die Unterdrückung jeder Strebung, die ihren primitiven, barbarischen und narzisstischen Interessen zuwider läuft. Deshalb stört sich keine christliche Kirche jemals an einen Krieg oder an diesem brutalen Gemetzel an ganzen Völkern und Kulturen, das mit dem Wort von der “Globalisierung” bezeichnet wird. Sie. Stört sich auch niemals an der Indoktrination der Kinder in staatlichen Schulen und an der Unterdrückung von anders gläubigen Menschen, sondern macht aktiv mit.

Verstehst du, Schwester?

Das ist der Grund, weshalb ich kein Christ sein kann. Ich habe nicht nur die Gewalt des Christentums am eigenen Leibe gespürt, ich habe zu allem Überfluss auch noch die Bibel gelesen. Ich müsste mich selbst belügen, um Christ zu sein. Und? Wie soll ich das anstellen? Ich glaube diesem Paulus und allen seinen Nachfolgern nicht ein einziges, den Menschen mit heftig knallender Angstpeitsche eingepeitschtes Wort.

Das verstehst du nicht, Schwester?

Deine Dummheit, Schwester, ist selbstverschuldet. Habe den Mut, vom Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer zu werden, und du wirst ganz schnell verstehen, warum unter den vielen tausend Dankgebeten der christlichen Religion nicht einmal ein Dank für den Verstand des Menschen hörbar wird. Der Verstand muss in der Religion des Paulus und des Judas unterdrückt werden, denn er nimmt dieser psychischen Fessel ihre Kraft.

Wenn du bei deiner Dummheit bleibst, überrascht mich das nicht. Du reihst dich in eine lange Reihe von dummen Menschen durch die Zeiten ein und glaubst dabei den Beistand eines Jesus zu haben, der gesagt haben soll: “Der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sinds, die auf ihm gehen. Aber der Weg ins Leben ist eng, und nur wenige gehen darauf.”

Wenn du mich nicht verstehst, wenn du mich als einen Ungläubigen, Gottlosen, vom Teufel Besessenen ansiehst, denn reihst du dich in diese lange lange Reihe durch die Zeiten ein. Und längs dieser Reihe stehen die rauchenden Scheiterhaufen und die von Raben umflatterten Galgen und die mit Schmerz umflochtenen Räder und die Folterkammern und die Bordelle des Vatikans und legen ein zum Himmel schreiendes Zeugnis von den Zeiten ab, in denen die christliche Religion Grundlage der Gesellschaft war. Der Gott, an den du glaubst, der Gott, für den Zeit keine Bedeutung hat, wird die Geschichte genau so sehen — und deine Position darin. Und das. Ist der Platz den du selbst im Geschehen einnimmst, meine stinkende Schwester. Augen und Ohren und einen Kopf hast du: Zu den Risiken und Nebenwirkungen deiner Haltung schlage ein beliebiges Geschichtsbuch auf, und zu Jesus aus Nazaret schlage deine Bibel auf und vergiss mal für eine Woche den Paulus!

Und wenn du denn immer noch nicht verstehst, meine kindische Schwester, denn ist das dein Problem. Ich bin dafür nicht zuständig, lass mich bitte damit in Ruhe. Und wenn du es irgendwann, wenn die Barbarei sich wieder ausbreitet, zu meinem Problem machen willst und mich in meiner Andersgläubigkeit — es gibt keinen Menschen, der ungläubig wäre — bedrängst und verfolgst, denn wisse, dass ich dir nicht eine andere Backe hinhalten werde, sondern für das Recht auf mein verdammtes, von Geistarmen wie dir ständig angeknabbertes Dasein einstehen werde. Wenn es wirklich sein muss, auch in einem Kampf auf Leben und Tod. Jesusse, die wie ein blökendes Schaf freiwillig zum Metzger trotten, hatte diese ganze Geschichte schon genug. Die halten sich alle für so weise durch das Kreuz, aber sie können mich mal kreuzweise.

Und jetzt geh, Schwester! Du hast noch etwas zu lesen…

Wer sich hier angesprochen fühlt, ist gemeint. Wer männlichen Geschlechtes ist, lese einfach Bruder. Wer kopfschüttelnd und voller Unverständnis diesen langen Text gelesen hat, verzeihe mir bitte, aber nach diesem Gespräch mit einer christlichen Fundamentalistin musste es einfach raus, mir wäre sonst die Gallenblase explodiert — deshalb ist vieles auch ein bisschen roh formuliert.

Gotteslästerung

In jedem Gesetz, dass eine so genannte “Gotteslästerung” unter Strafe stellt — interessanterweise ist damit niemals die Anmaßung eines Papstes oder die Verfütterung einer in Gott verwandelten Oblate in christlichen Kirchen gemeint, sondern immer nur die Kritik an solchem Unfug — in jedem solchen Gesetz schwingt überdeutlich zum höheren Spotte Gottes das Eingeständnis mit, dass Gott nicht für sich selbst streiten könne, dass er vielmehr, offenbar ein wenig schwächlich geworden, der besonderen Hilfe der im Staate monopolisierten Gewalt bedürfe. Angesichts der von den Gläubigen vertretenen Annahme, dass die unfassbare Gesamtheit der “Schöpfung” von Gott in scheinbarer Mühelosigkeit in ein paar Tagen hingeschöpft wurde, dass Gott gar als majestätischer Herr über Leben und Tod anzusehen sei, spiegelt sich in diesem juristischen Schutz Gottes die von den Herrschenden für sicher erachtete Nichtexistenz Gottes wider. Und in diesem Spiegelbild zeigt sich ebenso überdeutlich, dass der Gottesbegriff nur ein Instrument der Herrschaft ist, ein psychologisches Werkzeug, mit dem die Menschen stumm und gefügig gemacht werden sollen. Wenn es einen eifersüchtigen Gott gäbe, der die Lästerung nicht hinnimmt, denn würde auf Herrschende, die solche Gesetze veranlassen, öfter einmal ein bisschen gutes, altes Feuer herunterregnen — so wäre Friede bei Gott und bei den Bedrückten allgemeines Wohlgefallen.

Mit einem derartigen Gesetz steht die Republik Irland — immerhin ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union — endlich nicht mehr nur alphabetisch in der Nähe einer repressiven Theokratie wie der Islamischen Republik Iran, sondern auch in der Willkür des zu Recht erklärten Unterdrückens anders gläubiger Menschen.

Das Ungeheuer des Universums

Das Universum hat vier Eigenschaften, die dem Menschen nicht geheuer sind. Dieses Ungeheure am Universum führt zu einem psychischen Widerstand im Denken, der sich lähmend auf die Einsicht auswirkt und der angesichts der jetzigen und in Kürze kommenden Aufgaben der Menschheit von jedem einzelnen Menschen überwunden werden muss.

Zunächst ist das Universum homogen. Überall im Universum geschehen alle Ereignisse nach den gleichen Regeln. Es ist im Gegensatz zum (vielleicht nirgends existierenden, aber in jedem Fall unbegreiflichen) Chaos ein Kosmos; ein geordneter Bereich, dessen Ordnungsprinzipien uns sogar teilweise verständlich sind. Gäbe es auf einem fernen belebten Planeten eine dortige Entsprechung von Issac Newton und Apfelbäume, denn könnte dieser Newton auch dort die Äpfel zu Boden fallen sehen, und die Geschwindigkeit, in der die Äpfel fielen, hinge in einer Weise von der Masse jenes Planeten und vom Luftwiderstand des Apfels ab, die für uns so weit durchschaubar wäre, dass wir bei Kenntnis dieser Parameter die Geschwindigkeit ausrechnen könnten. Es gibt keinen Ort im Universum, in dem andere Regeln als die uns erkennbaren wirken, kein Ort ist durch eine abweichende Ordnung privilegiert. Das ist dem Menschen nicht geheuer, denn er hält den Ort seines Seins für etwas Besonderes, er hält das Zentrum seiner Wahrnehmung für die einzige wirkliche Existenz.

(Die Frage, ob die vom äußeren Universum völlig abgeschirmten Schwarzen Löcher sich in diese Betrachtung fügen, ob sie überhaupt zum Universum zu zählen sind, sie lässt sich für uns allerdings zurzeit nicht beantworten. Sie ist eine sowohl philosophisch als auch physikalisch harte Nuss. Da aber der Raum jenseits des Ereignishorizontes eines Schwarzen Loches ein Ort ohne die Möglichkeit einer Rückkehr in das äußere Universum ist, fügt dieses Unwissen der Betrachtung keinen allzu großen Schaden zu.)

Ferner ist das Universum isotrop. Von jedem Punkt im Universum aus betrachtet ergibt sich im Großen und Ganzen — Pedanten lesen hier: im statistischen Mittel — der gleiche Eindruck. Die Galaxien und die von ihnen gebildeten größeren Strukturen sind in jeder Richtung gleichmäßig verteilt, ebenso die unermesslichen Leerräume zwischen diesen Ansammlungen sichtbarer Materie. Der Blick geht auch von jedem Punkt aus in jede Richtung gleichermaßen weit in die Ferne. Obwohl das Universum nicht unendlich groß ist, verfügt es über keinerlei Mittelpunkt oder einen anderen privilegierten Ort. Auch das ist dem Menschen nicht geheuer, denn er sieht sich stets im Zentrum seiner eigenen Wahrnehmung und lässt sich diese Illusion seiner Wahrnehmung allzu gern gefallen.

(Die nahe liegende Frage, wie eine solche Eigenschaft entstehen kann, wenn das Universum doch nicht unendlich ist, lässt sich zwar leicht durch den Verweis auf eine Krümmung des gesamten Universums beantworten, aber nur schwer verbildlichen. Die beste Antwort scheint mir eine Gegenfrage zu sein: Wo hat denn die Erdoberfläche ihren Mittelpunkt? Schon die Einsicht, dass es einen solchen privilegierten Ort auf der Erdoberfläche nicht gibt, hat den Menschen nicht geschmeckt, und sie hat sich nur gegen Widerstände durchgesetzt, die zum Teil bis heute sprachliche und damit psychische Kraft entfalten, wenn etwa von einer “Himmelskuppel” oder einem “Sonnenaufgang” die Rede ist, im Widerspruch zu Tatsachen, die jedem Zwölfjährigen geläufig sein sollten.)

Die dritte ungeheure Tatsache über das Universum ist die Expansion; der Fakt, dass sich das gesamte Universum unablässig räumlich ausdehnt und dass diese Ausdehnung einen Anfang hatte. Vor diesem Anfang existierte nichts, was im Universum erkennbar ist. Uns ist nicht einmal der Grund erkennbar, aus dem heraus diese Ausdehnung begann, oder, um es etwas plumper zu formulieren, warum überhaupt Etwas existiert und nicht einfach Nichts. Die Bedingungen, die diese Ausdehnung beginnen ließen, sind ein unwissenbares Mysterium, denn die Regeln des verständlichen Kosmos begannen erst mit dieser Ausdehnung und hatten vorher keine Existenz. Während wir Menschen es im Denken gewohnt sind, alle verständlichen Erscheinungen als Auswirkung von teils komplex zusammenwirkenden Ursachen zu verstehen, stehen wir am Anfang dieser alles durch den Kosmos und die Zeit verbindenden Kette von Ursachen vor einem plötzlichen, unverursachten und damit auch sinnlosen Erscheinen, das außerhalb des kosmischen Gefüges steht. Diese fundamentale Einschränkung jeder noch so hoch entwickelten Einsichtsfähigkeit ist für den Denkenden äußerst unbehaglich und wird deshalb auch so gern verdrängt.

(Einige Menschen nehmen dies zum Anlass, das unüberwindliche Unwissen durch einen psychologischen Kunstgriff abzuwehren, indem sie den archaischen Gottesbegriff zur Hilfe nehmen und Gott zur Ursache aller Dinge erklären. Das Konzept ist nicht nur deshalb fragwürdig, weil es als reine Verschiebung des Unwissens die Frage nicht beantworten kann, wer oder was denn diesen Schöpfergott hervorgebracht hat oder wie er sich vielleicht selbst geschaffen hat. Diese Menschen verzichten auch darauf, die Konsequenz dieses Kunstgriffes zu bedenken. Wenn ein Gott als außerkosmische Entität agiert, denn hat dieser Gott innerhalb des dabei entstandenen, geordneten Kosmos keinen Raum und damit auch keine Existenz. Er wäre den im Kosmos gebundenen denkenden “Kohlenstoffeinheiten” etwa so fern wie eine hypothetische Welt, in der eins plus eins dreiundzwanzig ergibt oder in der aus dem Nichts Materie entstehen kann. Wer Gott außerhalb des Kosmos ansiedelt, lässt ihm in jenem Kosmos, in dem wir leben, Wohnungsnot leiden, spricht Gott jede Form der Existenz ab, die für uns irgendeine Konsequenz haben könnte — und ein solcher Gedanke wäre jedem Menschen, der mit Gott “argumentiert”, doch nicht erwünscht.)

Die vierte ungeheure Tatsache ist die Existenz einer kosmischen Höchstgeschwindigkeit. Kein Ding, keine Information, keine Energie kann sich schneller als mit der Geschwindigkeit des Lichtes im Vakuum durch den Raum bewegen, und eine mit Masse behaftete Materie kann nicht einmal diese Geschwindigkeit erreichen. Diese Einschränkung widerspricht der verbreiteten und gebildet verkleideten, aber kindischen und unwissenden Wahnidee eines unbegrenzten exponentiellen Wachstums, die zum Beispiel zurzeit die Grundlage das menschlichen Wirtschaftens und des auf Zinseszins-Dynamik basierenden, menschlichen Geldsystemes bildet. Denn ein durch die Zeit fortgesetztes exponentielles Wachstum benötigte eine im Fortschreiten der Zeit exponentiell wachsende Menge an Energie, während selbst noch die bestdenkbare Technik innerhalb des Kosmos ihre energetischen Ressourcen aus einem höchstens mit der dritten Potenz der Lichtgeschwindigkeit anwachsenden Bereich des Raumes entnehmen könnte. Selbst unter optimalen Bedingungen führt jede Dynamik auf der Grundlage exponentiellen Wachstums zum Erreichen einer Grenze und somit zu einer Krise — im Bezug auf die Menschheit wird diese Krise mörderisch sein, und diese Einsicht ist die am stärksten verdrängte Einsicht des gegenwärtigen Erkenntnisstandes der Menschheit.

(Unsere weit hinter dem Optimum zurückbleibenden technischen Möglichkeiten werden schon lange vor dieser theoretischen Grenze zur Krise führen, da wir damit nur auf die energetischen Ressourcen unseres Planeten zugreifen können, die sich sehr viel schneller erschöpfen werden. Mörderisch wird die dabei entstehende Krise dennoch sein.)

Wenn die Menschen doch nur angesichts der Ungeheuerlichkeit des Universums bescheiden und demütig würden!

(Ihre psychologische Konstruktion eines Gottes hat in diesem Punkte jedenfalls auf ganzer Linie versagt. Wer das nicht glaubt, lese die Nachrichten! Die Gottesidee ist nur ein historischer Kunstgriff, um den dummen Narzissmus des Menschen heilig zu sprechen und ist deshalb zu verwerfen.)

Kurzanleitung: Christentum

Herzlichen Glückwunsch zum Erwerb der Mitgliedschaft in einer religiösen Organisation des Christentums. Sie haben sich für ein international anerkanntes Spitzenprodukt der späteren römischen Kultur mit einer 1600jährigen Tradition entschieden. Wir danken ihnen für ihr Vertrauen und für ihre Bereitschaft, einer guten Milliarde zufriedener Nutzer unseres Produktes beizutreten.

Damit sie eine lange und ungetrübte Freude mit diesem großartigen, kulturellen Produkt haben und auch seine verborgenen Möglichkeiten besser kennen und verstehen lernen, nehmen sie sich bitte die Zeit, die folgende Kurzanleitung sorgfältig zu studieren. Sollten sie dabei weiter gehende Fragen haben, wenden sie sich bitte an den für sie zuständigen Kundendienst — die Kontaktdaten erfahren sie in den Publikationen ihrer christlichen Gemeinschaft — oder auch direkt an Gott. Aber beharren sie dabei bitte nicht auf ihrem Verlangen nach einer zufrieden stellenden Antwort oder einem umfassenden und verbindlichen Benutzerhandbuch! Glauben sie uns einfach, wir wollen nur ihr Bestes!

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme des Christentums ist sehr einfach. Sie bedürfen nur einer so genannten Taufe. Es handelt sich dabei um den Kontakt mit Wasser, der zusammen mit magischen Proklamationen ihre Mitgliedschaft unter den Christen sofort und ohne die Möglichkeit eines späteren Widerrufes in Kraft setzt. Danach sind sie ein so genannter “Christ”.

Wenn sie als Kind christliche Eltern oder einen christlichen Sorgeberechtigten hatten, wurde diese Inbetriebnahme in aller Regel schon im Säuglingsalter durchgeführt und ist vollgültig. Eine besondere Einwilligung oder Entscheidung ihrerseits ist eben so wenig erforderlich wie eine Wiederholung der Inbetriebnahme.

Nach der Inbetriebnahme

Nachdem sie das Christentum in Betrieb genommen haben, sind sie gegen eine Reihe schädlicher Eventualitäten wirksam geimpft. Die steht im Zusammenhang damit, dass alle Menschen nach ihrem Tod weiterleben und dass die Umstände ihres Weiterlebens der Entscheidungsgewalt Gottes obliegen. Gott sortiert die Menschen nach dem Kriterium der korrekten Inbetriebnahme durch eine Taufe, und wer sie aus irgendeinem, auch vernünftigen, Grund versäumt hat, wird von Gott automatisch in die Hölle geworfen. Dies ist eine Folterkammer, in der die Nichtgetauften für eine unendlich lange Zeit auf alle erdenkliche Arten gequält werden. Sie sehen gewiss die Notwendigkeit dieses Impfschutzes gegen die Hölle ein und haben auch Verständnis dafür, weshalb liebende Eltern ihre Kinder unmittelbar nach der Geburt gegen dieses Unheil schützen wollen.

Einige gefährliche christliche Sekten, die es unbedingt zu bekämpfen gilt — vor allem die Zeugen Jehovas — glauben nicht an die Hölle und sind der Auffassung, dass ein liebender und gnädiger Gott die Menschen nach fehlerhafter Inbetriebnahme nur vernichten und nicht endlos quälen würde. Diese an menschliche Maßstäbe von Güte und Gnade angelehnte Vorstellung ist nicht geeignet, die erforderliche Angst den erforderlichen Ernst gegenüber Gott sicher zu stellen und deshalb zu verwerfen. Meiden sie den Kontakt mit solchen Auffassungen nach ihrer Inbetriebnahme!

Funktionsweise

Die Funktionsweise der Inbetriebnahme des Christentums durch die Taufe ist recht komplex und erfordert die Darlegung so genannter “religiöser Wahrheiten”. Der folgende Abriss ist eine kurze Zusammenfassung. Wenn sie tiefer gehende Informationen benötigen, wenden sie sich an ihre Gemeinde und fragen sie dort einen qualifizierten Wartungsexperten für ihr Seelenheil. Sie können sich auch die Briefe von Paulus in der Bibel studieren oder die überall erhältlichen Traktate christlicher Gemeinschaften lesen — aber fallen sie dabei nicht auf das Schriftgut irrationaler und gefährlicher Sektierer herein! Im Zweifelsfall verzichten sie lieber darauf, denn die Funktion ist auch ohne ihr Wissen sicher gestellt.

Der liebende Gott hasst alle Menschen und muss sie deshalb vernichten. Dies steht im Zusammenhang mit Adam, dem ersten Menschen. Dieser wurde von Gott kurz nach Abschluss der Schöpfung in einen Garten gesetzt, in dem Gott auch einen Baum pflanzte, von dessen Früchten Adam nichts essen sollte. Adam hatte auch eine Frau namens Eva, und die Schlangen konnten damals noch sprechen. Die Schlange hat Eva aufgefordert, etwas Obst von diesem Baum zu essen, Eva fand den Anblick appetitlich und aß und Adam tat es ihr nach. Daraufhin mussten die beiden arbeiten, sterben und fern vom Garten leben. Gott hat den Menschen niemals diese Verfehlung verzeihen können und wegen des kleinen Genusses eine ewige Strafe über die ganze Menschheit verhängt.

Um dennoch seine göttliche Liebe zu zeigen, hat sich Gott einen Plan für die Menschen ausgedacht. Er suchte sich ein paar Menschen aus und gab ihnen eine Religion mit Auflagen, die diese Menschen gar nicht erfüllen konnten, das so genannte Judentum. Die Erfüllung dieser Auflagen sollte die Beziehung zu Gott heilen, aber der allwissende Gott wusste natürlich schon vorher, dass die Menschen daran scheitern würden. Sie sollten aber wenigstens einsehen, dass sie keine Chance haben, vor dem unendlichen Zorn des liebenden Gottes zu bestehen. Schließlich suchte sich Gott eine junge Frau aus und ließ sie unter nicht näher geklärten Umständen ein Kind gebären, das sein eigener und einziger Sohn ist: Jesus. Dieser Mensch, der Gott selbst zum Vater hatte, konnte die Gesamtheit der gegebenen Auflagen erfüllen und ließ sich dann wie ein Verbrecher hinrichten, um die von Gott verhängte Strafe des Todes und der Folterung stellvertretend für die gesamte Menschheit entgegen zu nehmen. Schließlich wachte sein Leichnam wieder auf und ging zu seinem Vater, zu Gott, zurück.

Wer sich taufen lässt, nimmt durch diesen faulen Zauber dieses Sakrament das stellvertretende Opfer Jesu an und muss deshalb keine Strafe Gottes mehr befürchten. Zur Verbesserung der Funktion ist es ratsam, aber nicht unbedingt erforderlich, daran fest zu glauben.

Wartung und Pflege

Einer der größten Vorteile des Christentumes gegenüber anderen Religionen ist der geringe Aufwand mit der täglichen Wartung. Es bedarf keines fünfmaligen Gebetes und keiner aufwändigen Denkanstrengung, um ein Christ zu sein, auch ist die sonstige Lebensführung weitgehend uneingeschränkt. Die wesentliche Tätigkeit ist bereits ohne eigenes Zutun geschehen, und so kann sich der Christ nach Gutdünken im Alltag bewegen. Einige Dinge sind aber dennoch zu beachten, sie seien hier kurz zusammen gefasst:

Gebet — Gott ist zwar allwissend und kennt alle Gedanken der Menschen, möchte aber dennoch immer wieder angesprochen, gelobt und schulterbeklopft werden. Hierzu wird das so genannte Gebet verwendet. Der Betende spricht und glaubt, dass Gott ihm zuhört. Wer nicht weiß, was er Gott sagen soll, findet jede Menge biblischer und liturgischer Vorgaben für seine Gesprächsversuche. Ständige Wiederholung einfacher Sätze im monotonen Singsang ist genau die richtige Haltung, ein allwissender Gott kann eh nicht mehr gut unterhalten werden.

Moral — Obwohl der Christ nicht durch eigenes Handeln zu Gott gelangt ist, muss er alles dafür tun, eine möglichst restriktive und angstvolle Moral für möglichst viele Menschen zur verbindlichen Norm zu machen. Besonders bewährt und geeignet zur Verstärkung eines solchen Anliegens sind Angstreden über die Schrecken des höllischen Feuers und göttlichen Zornes, Zuckerreden über die gewaltige Liebe Gottes und unverbindliche “Weisheiten” über den Wert des Lebens und des liebevollen menschlichen Miteinanders. Letztere kann man sogar als Schmuckkarte im KZ oder im christlichen Kinder- oder Pflegeheim aufhängen. Diese religiöse Anwendung ist der einzige Bereich, in dem die wenigen überlieferten Worte Jesu eine gewisse Rolle spielen können, ansonsten zählt für den Christen nur der stellvertretende Tod Jesu.

Gottesdienst — Regelmäßiges Anhören der vernünftigen christlichen Leere Lehre stärkt den Glauben daran. Also mindestens einmal pro Woche zum quasi-beamteten Wartungsexperten für die heilbringende Leere Lehre gehen, und bald schon werden sich alle Fragen in ein Weihrauchwölkchen auflösen. Das göttliche Geschenk des THC im Weihrauch hat sich als bestärkendes Mittel in diesem Prozess bewährt.

Abendmahl — Bei dieser Wartungsarbeit innerhalb des christlichen Gottesdienstes wird vom Wartungsexperten eine Oblate in den gegenwärtigen Körper Jesu und ein Becher Wein in das gegenwärtige Blut Jesu verwandelt. Die Christen erweisen dann Jesus ihre Liebe, indem sie Jesus gemeinsam aufessen und doch nicht daran satt werden. Katholiken sprechen auch von der “Eucharistie”, weil das geheimnisvoller klingt und den wirklichen Sinn der kannibalistischen Handlung besser verbirgt.

Beichte — Um sich immer darüber gegenwärtig zu sein, dass Gott die ethische Verderbtheit des Menschen hasst, sollte keineswegs nach ethischer Vervollkommung gestrebt werden. Stattdessen ist das regelmäßige Bekenntnis der eigenen Verderbtheit abzulegen, um sich aufs Neue und voller geheuchelter Dankbarkeit darüber klar zu werden, dass Jesus die Folgen der eigenen Verderbtheit in seinem Opfertod auf sich genommen hat. Man sagt dabei aber niemals, dass dieser Gnadenakt ja noch größer wird, wenn man noch verkommener lebt und handelt, denn solche Wahrheit ist ausgesprochen unerwünscht. Man lebt einfach so, ohne es deutlich auszusprechen. Aus dieser Haltung resultutiert das besondere ethische Gepräge christlicher Gesellschaften.

Sex — Geschlechtsverkehr darf es nur innerhalb einer Ehe geben, die vom christlichen Wartungsexperten abgenommen wurde und die dann bis zum Tod eines Partners bestehen bleibt. Der Geschlechtsverkehr dient zur Erzeugung von Kindern, Verhütungsmittel sind zu vermeiden. Diese weit gehende Restriktion des stärksten menschlichen Triebes und der größtmöglichen erfahrbaren Lustempfindung führt zu ständigem Scheitern, dass dann durch Beichte behandelt wird. Andere Verfehlungen sind, damit verglichen, unerheblich.

Kinder — Die beim Sex entstehenden Kinder sind immer zu taufen, um ebenfalls gegen die Hölle geimpft zu sein. Für Katholiken gibt es spezielle Löffel, mit denen die Kinder noch im Mutterleib getauft werden können, wenn eine Totgeburt droht. Die Eltern sind angehalten, die Kinder durchzuprügeln und ihnen Angst Respekt vor Gottes Zorn, Gottes Liebe und der unverdienten Gnade durch Jesu Opfer zu lehren. Dies wird im Zweifelsfall auch in christlichen Institutionen zur Vergewaltigung Betreuung von Kindern durchgeführt.

Geld, Besitz und Macht — Der Christ sollte Sorge dafür tragen, dass es zu einer Akkumulation von Machtmitteln bei christlichen Institutionen kommt. Er sollte Geld an christliche Organisationen spenden; frohen Mutes seine Kirchensteuer blechen; seine Kinder in christliche Kindergärten schicken, um noch mehr freie Arbeitskraft zu haben und diejenigen Parteien wählen, deren Kürzel mit einem “C” beginnt oder aber “PBC” lautet.

Auswirkungen des Christentums

Der Christ, der korrekt in Betrieb genommen wurde und den Vorschlägen für die Wartung und Pflege seines Christentumes gewissenhaft folgt, bekommt dafür ein ewiges Leben.

Da die Erfahrung der letzten 1600 Jahre gezeigt hat, dass auch Christen sterben, geht man schon seit längerer Zeit von einem Weiterleben nach dem Tode aus, wobei sich die verschiedenen christlichen Gemeinschaften noch nicht einig über die Einzelheiten geworden sind. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Fortexistenz in einem fernen Wolkenkuckucksheim im Himmel, das alle Bedürfnisse abdeckt und für das widerstandslos geduldig ertragene, beschädigte Leben auf der Erde entlohnt. Für Zerstreuung ist dabei gesorgt, kann der Christ doch zusammen mit allen Päpsten, Herrschern, Kriegsherren und sonstigen christlichen Gewalttätern dabei zuschauen, wie alle ungetauften “Gutmenschen” eine Ewigkeit lang in der Hölle gefoltert werden.

Bei solcher Belohnung schickt es sich einfach nicht, nach irdischen Vorteilen zu fragen. Man freut sich einfach auf das Kommende, wenn doch eigentlich alles vergeht. Ansonsten hat man ja auch nichts zum Freuen, wenn man im kulturellen Kontext des Christentums leben muss.

Abschließendes

Sie sehen, das Christentum ist nicht umsonst eine so erfolgreiche Religion geworden. Wir wünschen ihnen viel Dummheit Freude, Gottes billig zuzusprechenden Segen und ein Leben voller sklavenhafter Passivität Hoffnung als Christ.

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