Tag Archive: Glück


Glück

„Du kannst nicht glücklich werden“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „du kannst nur glücklich sein, im Jetzt und im Jetzt und im Jetzt glücklich sein. Wenn du nicht glücklich bist und danach strebst, glücklich zu werden, machst du dich nur zur Zielgruppe für Tinnef- und Gottesverkäufer. Und diese werden dein Unglück mit allen ihnen verfügbaren Mitteln der Reklame, der Lüge und der Angstmacherei bis zu deinem Tod aufrechterhalten, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, denn dein Unglück und dein Streben, glücklich zu werden ist die Grundlage ihres seit jeher betrügerischen Geschäftes. Deshalb hör damit auf, glücklich werden zu wollen! Erlaube deiner Verzweiflung, zu sein, was sie ist, und sei glücklich“!

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Lautstärke

„Wer Einsicht hat“, sagte der Vorübergehende in einem seiner kryptischen Momente zum Bedrückten, „dessen zartes Glück ist leise und neigt dazu, sich zu verbergen. Aber es ist. Niemals. Wortlos“.

Was man nicht „fürs Leben“ lernt

Ein Unterrichtsfach in den Schulen namens „Glück“ wäre ein schöner Schritt. Am besten statt Religion

Barbara

Augenwirkungslosigkeit

Zu seiner Schwester im Staub sagte der Vorübergehende: „Du wirst nicht wertloser, nur weil jemand anders nicht dazu imstande ist, dich als das zu sehen, was du bist. Und. Du wirst nicht wertvoller, nur weil du dir alle Mühe gibst und keinen Aufwand und keine Ausgabe scheust, um mit allerlei Blendwerk einen wertvolleren Eindruck in den Augen anderer Menschen zu machen“. Und nach kurzer Pause fügte der Vorübergehende hinzu, um den sich mechanisch im Munde bildenden Einwand abzuwürgen: „Und nein. Der Werber, der dir etwas verkaufen will, er sagt dir nicht die Wahrheit, denn er will, dass du möglichst unglücklich bist und allerlei Dinge kaufst, um dieses Unglück zu beheben. Wenn du ihm und seinen stinkenden Freunden aus der Contentindustrie glaubst, wirst du nicht wertvoller, sondern nur eines, aber das dafür ganz sicher: Du wirst dumm“.

Vom Glück

Der Vorübergehende sagte zu seiner Begleiterin: „Denk immer daran: Wenn die Menschen glücklich sind, ist das schlecht fürs Geschäft“.

Der glückliche Glaube

Ja, ich glaube dir, dass dich dein Glaube glücklich macht. Und. Ich halte es für vergleichbar mit dem Glücksgefühl, dass ein Betrunkener einem Nüchternen voraus hat. Es ist die gleiche psychische Einlullung.

Seelenpanzer

Menschen, die so sehr darauf bedacht sind, sich vor jedem Empfinden der Traurigkeit, des Verlustes und der Enttäuschung zu schützen, dass sie bedenkenlos inkauf nehmen, dass sie sich damit gleichzeitig vor jeder Empfindung des Glückes schützen.

Glückliche Zeiten

Die vermutlich glücklichsten Zeiten für die Menschen sind jene Zeiten, die sich in den leeren Seiten der Geschichtsbücher spiegeln.

Von der Tiefe

Und der Nachtwächter sprach: Es ist nicht so, dass ich mich wirklich über den Prozess, der über die Gesellschaft und damit auch über mich abläuft, aufregen würde. Und. Es ist auch nicht so, dass ich ein abgeschottetes Wesen wäre, eingemauert in den Steinen erlebter Verletzungen und in der allabwehrenden Angst vor weiteren Verletzungen. Mein Glück hat eine Beschaffenheit, die nicht kennt, wer sein lächerliches Heil in einer Naivität sucht, die den Geist verneint und seines eignen Geistes Stimme im Geräusch unentwegter Vergnügung und ständigen inputs für die Sinne ersticken will. Meine Seele ist ein tiefes Gewässer geworden, auch ein recht schlammiges, reich an längst gestorbnem Sein und damit auch an Nährstoff für das neue Werden; es hat freilich dabei nicht gelernt, köstlich zu duften, um damit Nasen zu bezirzen. Die wohl berechnete Kälte, die so überreich und tosend in die Welt geblasen wird, flachere Seelen zu bewegen, sie wühlt in meinem Wasser nur die Oberfläche auf und vermag in dieser Tiefe nichts. Doch das. Ist nicht Bewegungslosigkeit. Und auch. Kein für nichts und niemand mehr erreichbarer Wahn im engen Selbstkreis. Was in mir Bewegung schafft, ist doch etwas anderes, ist das Leben selbst; heiter, hell, geheim und sehr zerbrechlich; sein Geräusch. Ist. Ein leises, sanftes Säuseln. Aus dieser Tiefe, die den Tod und das Leben zu der Einsheit macht, die es immer schon war, blubbern Blasen glucksend an die Oberfläche, als ein Lachen über den absurden Witz des Daseins. Dass ich dabei dennoch nicht jeden Dörrgeist, jede Narretei und Gewalt meinem Dasein hinzufüge, dass ich so vielen und vielem jede aktive Zuwendung verweigere, ist nicht Grenzung, sondern Einsicht in die eigenen Grenzen. Auch die Energie aus dem Zerfall ist nicht unendlich. Am Rande des Weges, den ich zu gehen habe — lang schon bin ich nicht mehr in mir selbst auf meiner Füße singenden Schritten — stehen als Menetekel die jämmerlichen Kreuze und Kadaver jener, die ihre Selbste mit dem Prozess verwechselten, der sie hervorbrachte, statt dass sie die Winzigkeit ihrer Selbste wahr gehabt (und nicht genommen) und lachend in den Witz des Kosmos eingestimmt hätten. Nichts zerfrisst die Frist des Lebens so gründlich wie der kleinkindische Größenwahn. Und nichts. Bringt so viel infektiöse Kälte, Tod und Dummheit hervor.

Für F. B. und T. U.

Von der Arbeit

Wer meint, dass Arbeit ein Selbstzweck sei, dass man um der Arbeit willen arbeiten solle, der dokumentiert damit, dass ihm die Fähigkeit zum Glück längst abhanden gekommen ist.

Vom gläubigen Glück

Die Tatsache, dass ein Gläubiger glücklicher ist als ein Zweifler, ist damit vergleichbar, dass ein Betrunkener glücklicher ist als ein Nüchterner

George Bernhard Shaw

On n’excuse pas le mal par le pire.

Nabelschnur — Wie kann ein denkender Mensch nur auf die absurde Idee kommen, dass wirtschaftlich von ihren Werbekunden abhängige Medien eine unabhängige Berichterstattung leisten könnten? Oder gar, dass die im politischen und wirtschaftlichen Filz hängenden halbstaatlichen Rundfunkanstalten in der BR Deutschland über die Verflechtungen von Wirtschaft und Politik aufklären könnten? Ein riesiger Säugling, der die Nabelschnur durchbeißt, die ihn versorgt, müsste sich ja gebären lassen, um auf eigenen Beinen zu stehen.

Soziale Unruhen — Es ist doch bemerkenswert, wie im Blahsprech der öffentlichen labernden Privilegierten und in ihrer Journaille, die diesen Blahsprech in Druckwort wandelt, jegliche Klarheit der Sprache vermieden wird. Es wird vor „sozialen Unruhen“ gewarnt, nicht etwa vor einem „Aufstand“. Denn. Allein in den Anklängen des Wortes Aufstand steckt schon eine ganze Anleitung, die ja von niemandem in der BR Deutschland gefühlt werden soll. Um ein Aufständischer zu werden, muss man aufstehen, um für sein immer weiter beschnittenes Lebensrecht einzustehen. Erst, wenn man aufgestanden ist, kann man sich des lähmenden Zustandes widersetzen, der Verachtung des eigenen Lebens widerstehen und für sein eigenes, einmaliges und einziges Dasein. Einstehen. Sicher, es kann beim Scheitern geschehen, dass man einsitzen muss, oder auch, dass einem die zuständigen Behörden übel mitspielen. Aber das ist die Richtung, in der sich eine solche Bewegung bewegt, allen bewegten, aufständischen Menschen wert. Wie anders klingt da doch das Blahwort von den „sozialen Unruhen„, dass zurzeit durch die Journaille geistern gemacht wird. Es richtet jeden Aufstand noch vor seiner Entstehung als ungerichtete Bewegung ab, vielleicht noch vergleichbar einer nervösen Zuckung. Die so Sprechenden. Entlarven sich in ihrer Sprache selbst.

Vom Hören — Wer wissen will, wo es in Deutschland brennt, der sollte darauf hören, was in den zentral organisierten Massenmedien verschwiegen wird. Und darauf hören, wie der Rest gesagt wird. Auf das Schweigen der Medien zu lauschen ist anstrengender als der Konsum ihrer unentwegten Darbietung, denn es erfordert Gespräche mit Menschen. Deshalb. Wird es so wenig praktiziert.

Echo der Frau — Nichts könnte der feministischen Ideologie, dass es sich bei Frauen um die besseren Menschen handele, deutlicher und grotesker widersprechen als die so genannten „Frauenzeitschriften“, die jedes menschliche Elend so genannter „Prominenter“ kommerziell ausweiden und auch gern einmal ein bisschen geiles Elend erfinden, wenn das Leben dieser Menschen nicht genug davon produziert. Jedes Mal, wenn ich einen solchen Auswurf der Contentindustrie sehe, meist mit einem gierig daranhängenden, sich allzu gern barbarisieren lassenden Stück Frau, wünsche ich mir sehnlich, schwul zu sein.

Nein — Er fragte mich, ob ich in meinem selbst erkorenen verarmten Leben, das so viele Verzichte kenne, nicht unglücklich wäre. Und ich fragte ihn, ob er in seiner ganzen geraubten Zeit und Aufmerksamkeit nicht wenigstens durch die Möglichkeit zum Konsum glücklicher würde. Wir mussten beide verneinen.