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Die Glaubensstärke

Die so genannte „Glaubensstärke“ religiöser Menschen, die übrigens unermüdlich von den religiösen Institutionen eingefordert wird, sie besteht nicht etwa darin, dass ein Mensch durch seinen Glauben Berge versetzt. (Mt 21, 21) Sie besteht vielmehr darin, dass der „glaubensstarke“ Mensch einfach die Augen schließt, den Berg nicht sieht und mit festem Blick in das Nichts in die Welt hineinruft, dass doch alles in wunderbarer Ordnung wäre. Wer aber einen Stein anfasst, der ist böse wie der Satan selbst, husch fern fort davon, Gefahr!

Und wenn es nicht einige Menschen gäbe, die gelegentlich mit ihren Händen — denn des Glaubens bedarf es hierzu nicht, wohl aber des Wissens um die eigene Kraft, die Beschränkungen des eigenen Lebens und den eigenen Lebensplan — einige kleinere Steinchen an einen anderen Ort getragen hätten, denn wäre die Welt unter dem Zement des „Glaubens“ erstickt. Begleitet. Vom herzvollen und begeisterten Sang blinder Glaubender.

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Glaubensbekenntnis

Interessant finde ich, daß eben die Unlogik und Widersprüchlichkeit als Grund angegeben wird, warum man der Religion den Rücken gekehrt hat. […]

Gerade der oben erwähnte Grund, die Religion verlassen zu haben nährt meinen Verdacht, daß vor allem bei den Brights der Wunsch groß ist, Autoritäten zu haben, die logisch und unwidersprüchlich sind, sonst hätten sie der Religion, die diese Kriterien nicht erfüllt, nicht den Rücken kehren müssen.

Eine Polemik von „Ein feste Burg ist unser Gott“ gegen Atheisten und Brights

[Überflüssig zu erwähnen, dass das oben zitierte und verlinkte Blog nicht nur Spuren von Religion enthalten kann — Allegiker sollten Abstand nehmen und Homöopathen sollten sich nach dem Genuss zehnmal schütteln…]

Es gibt keine ungläubigen Menschen. Das Wort von den „Ungläubigen“ ist ein Kampfbegriff aggressiver Religionen. Es gibt nur anders gläubige Menschen, also solche, die nicht bereit sind, den überlieferten und oft von ihnen geforderten (religiösen) Glauben zu übernehmen, weil sie aus oft sehr persönlichen Gründen einen anderen Glauben entwickelt haben.

(Zum Beispiel wird ein bestimmtes Glaubensbekenntnis regelmäßig gefordert, wenn jemand in einem Betrieb arbeiten will, der zu einer christlichen Kirche gehört — und die offene Abkehr vom geforderten Bekenntnis kann in der BR Deutschland legalerweise durch eine fristlose Kündigung beantwortet werden, was als kleines Sonderrecht der vom Staat gar nicht so unabhängigen christlichen Religionsgemeinschaften existiert und von diesen auch regelmäßig ausgelebt wird. Ich kenne selbst Betroffene dieses Bekenntniszwanges, die sich ein Drittel ihres Lebens hinter einer Fassade verstecken müssen, um nicht in das persönliche Nichts zu fallen, in dem ich schon lange lebe. Dass empfindsamere Menschen in diesem Zwiespalt aus meist sozialer Tätigkeit und täglich geforderter Lüge über ihren „inneren Kirchenaustritt“ persönlichen Schaden nehmen, kann wohl jeder nachvollziehen, der nicht aus Stein ist.)

Wer sich in seiner „Andersgläubigkeit“ nur darüber definiert, was er nicht glaubt, zeigt damit eine gewisse Dummheit. Wer sich darin begnügt, sich einen „Atheisten“ zu nennen, hat nur mit einem griechischen Fremdwort den religiösen Kampfbegriff des „Ungläubigen“ für sich aufgenommen und auf diese Weise auch nachträglich gerechtfertigt. Die ausschließliche Ablehnung einer organisierten und nicht nur angesichts ihrer Geschichte hoch fragwürdigen Religion ist nichts als ein Spiegelbild der Religion und genau so fragwürdig wie diese selbst.

Ich glaube. Aber ja, natürlich glaube ich! (Es liegt halt in meiner Natur…) Denn wenn ich mein Leben nur auf gesicherten Fakten beruhen lassen wollte, denn würde ich zwangsläufig daran meschugge werden. Und. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, stelle ich sogar fest, dass die meisten von mir „nur geglaubten“ Annahmen über die Beschaffenheit der Realität für die Mehrzahl meiner Entscheidungen weitaus wichtiger sind als die sichere Kenntnis irgendwelcher Fakten. Und nicht nur das, von dieser „Schwäche“ sind vor allem jene Entscheidungen betroffen, die ich persönlich ganz besonders bedeutsam finde. Zum Kaufen des preisgünstigsten Brotes benötige ich nicht besonders viel Glauben, aber einiges an Information; als wichtiger empfinde ich jedoch ganz andere, grundsätzlichere Entscheidungen in meinem Leben, für die ich „nur“ Geglaubtes zur Verfügung habe. Zum Beispiel die Prinzipien, nach denen ich lebe. Sie sind nichts als Glaube, mit dem ich gedeihe und mit dem ich untergehe.

Ja, manches „nur“ Geglaubte hat sich sogar in meinem Leben bewährt, und zwar nach Maßstäben, die ich wiederum nach „nur“ Geglaubtem anlege. Und wie jeder — also auch wie der konformere, gemeinhin als religiös benannte — Glaube wäre auch mein Glaube tot in sich selbst, zöge er keine lebendigen Erfahrungen mit sich. Selbst der dümmste, in sumpfiger Magie der psychischen Analogieschlüsse erblühende Aberglaube hat seinen Vorrat an Erfahrungen für jene, die ihn glauben. Placebos gibt es nicht nur in der Medizin. Ein erfolgreicher Selbstbetrug ist das, was zum Selbst wird. Auch mein Gedeihen und mein Untergang mag in seinem reichen Erleben und seinem breiten Schmerz nichts als gutgekreister Selbstbetrug sein, das weiß man selbst am wenigsten. Ich habe nichts anderes, und so bleibe ich bei dem, was ich habe.

Ich sagte doch, dass ich glaube

Dass ich das, was ich glaube, nicht ausgerechnet „Gott“ nennen mag, hat mit dem Gebrauch dieses Wortes durch jene zu tun, die dieses Wort säusellaut im Munde führen, weil sie neben diesem Wort und einem damit verbundenen Angebot der Normung der persönlichen Glaubenserfahrung nur wenig zu bieten haben. Es schwingt mir zuviel Gewalt darin, in diesem nach Sexualunterdrückung, Lustfeindschaft, Zwangsmissionierung, kolonialer Herrschaft, Krieg, Denkverbot, Angst, Lebensverneinung, Jenseitsvertröstung und Stütze noch der ungerechtesten Herrschaft schmeckenden Wort. Auch die ganzen Dekorationen um dieses Wort habe ich für mich verwerfen müssen, um wahr zu sein; diese geflügelten Menschen und diese Dreigespaltenheit und dieses ganze vom Leben der Menschen abgehobene celestiale Brimborium, das Spiegelbild der geldbesoffenen Mächtigen. Ohne das alles hätte ich vielleicht weniger Hemmungen, ein Wort wie „Gott“ zu verwenden — doch ohne das alles würde ich ein Wort wie „Gott“ wohl gar nicht kennen und kaum vermissen. Ich vermisse jetzt ja auch nicht das eine Wort, in dem ich zusammenfassen kann, was ich glaube — es ist mir direkte Erfahrung, wahr wie die Glut der sommerlichen Sonne und der schneidende Ostwind des Januar; Teil der stabilen und brüchigen Wirklichkeit (es ist die Wirklichkeit, die wirkt), in der mein Dasein aufscheint.

Ich sagte doch, dass ich andersgläubig bin

(Teil meiner „Andersgläubigkeit“ ist es, dass ich immer wieder von einem „überpersonalen Prozess“ spreche und schreibe und dass ich nicht an so etwas wie einen „freien Willen“ des Menschen glaube. Wer mich liest, weiß das; und wer mich hört, kennt den Klang. Jede psychische Regung ist determiniert und wird erst im Nachhinnein rationalisiert. Daraus erhüpft ein besonderer Begriff von der Freiheit, die ich nur als eine Freiheit von Angst verstehen kann. Ich weiß auch um die Wirksamkeit und damit Wirklichkeit einer psychischen Manipulation, die sich als Angebot der Angstabwehr gibt und damit die Angst pflegt — gut sichtbar in der Parareligion des Konsumismus, die sowohl direkten Abwehrzauber als auch narzißtische Allmachtsträume verkauft, um industriell erstellte Produkte zu verkaufen. Ich trete diesem Ansinnen entgegen, weil ich die Verantwortung habe, diesem Ansinnen entgegenzutreten. Aus Glauben entsteht Verantwortung.)

Aber. Ich habe meist Besseres zu sagen, als immerfort nur das zu sagen. Was ich glaube, pflege ich nicht in Glaubenssätzen zu betonieren, sonst könnte ich ja gleich ein Pfaffe werden. Vielmehr strebe ich an, dass es in allem, was ich lebe, sichtbar werde. Wo die genormten Gläubigen einer Religion Bücher, Traditionen, Überlieferungen in neurotisch zementierten und von gut bezahlten Verwaltern verwaltete Buchstaben haben, die sie kommunizieren können, da habe ich „nur“ ein Leben und die gesamte damit verbundene Lust und Verantwortung. Davon abgesehen, sind die Unterschiede zwischen mir und einem Gläubigen organisierter Religion — vor allem einem eher ekstatisch Gläubigen — gar nicht so groß.

Einen Unterschied freilich gibt es zwischen meinem Glauben und der organisierten Religion in ihren monotheistischen Ausprägungen, die ihren Anhängern eine Normung für den Glauben anbietet, und diesen halte ich für erheblich und wichtig: Niemals mache ich meinen Glauben zu einem Zwang für andere Menschen, niemals leite ich daraus gesellschaftliche Forderungen und eine für alle Menschen verbindliche Moral ab, die auch gegen Andersgläubige durchgesetzt werden soll, niemals beanspruche ich, dass mein Glaube für andere Menschen verbindlich ist und setze diesen Anspruch mit irgendwelchen Zwangsmitteln durch.

Verbindlich für andere Menschen können nur Fakten sein, und selbst darüber lässt sich im Zweifelsfalle streiten — wo die Fakten in ihrer Faktizität nicht erfahrbar und prüfbar werden, da handelt es sich wieder um Glaubenssätze.

Ich lehne jegliche Form der Zensur ab, die Fakten anhand religiöser Vorurteile in erwünschte und unerwünschte Fakten aufteilt und die unerwünschten Fakten aus der öffentlichen Kenntnisnahme und Diskussion heraushalten will. Genau dies ist eine häufig zu beobachtende Haltung der organisierten Religion, und selbst jene moderateren Strömungen in der Religion, die eine solche Zensur nicht direkt fordern, sind merkwürdig — also würdig, dass man es bemerkt und sich merkt — still gegenüber dieser Forderung, wenn sie von „radikaleren“ und „fundamentalistischeren“ religiösen Vereinen erhoben wird. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren nicht eine einzige christliche Gegenstimme wider den Dummfug des Kreationismus gehört, die auch nur annähernd so deutlich an die Öffentlichkeit getragen worden wäre wie die Ablehnung des Schwangerschaftsabbruches. (Jetzt sage mir bitte niemand, dass die großen Religionsgemeinschaften keine Möglichkeit hätten, Standpunkte an die Öffentlichkeit zu tragen!) Und der Kreationismus mit seinen sich daran hängenden gesellschaftlichen Ansprüchen. Ist nur eine von vielen christlich-fundamentlistischen Zensurforderungen, die in wissenschaftlicher Mimikry daher kommen. Dieses Schweigen ist ein recht zustimmendes, genau so wie das Schweigen zu gewissen menschenfeindlichen Entwicklungen in den westlichen Gesellschaften seit dem ungefähren Jahr 1995 einen zustimmenden Charakter hat — ja, ich meine hier die neoliberale Idee der totalen Verwirtschaftung allen menschlichen Tuns, gegen die nicht eine Spur der Kritik laut wurde. Die Partei der ohnmächtigen Menschen wird von der organisierten Religion in der Regel nicht ergriffen, und das Hohelied der Vernunft sucht man in den Gesangbüchern der Kirchen vergebens zwischen den machtbesoffenen Anpreisungen der Herrlichkeit.

So viel zu meinem Glauben in aller Kürze.

(Warum ich mich nicht gerade zu den im oben teilweise zitierten und verlinkten Blogpost erwähnten „Brights“ gesellen würde, ist hoffentlich zwischen den Zeilen klar geworden. Warum sich aber Menschen auf diese Weise organisieren, kann ich sehr gut verstehen.)

Mit fröhlichem Gruß an den „Bundesbedenkenträger“… 😉

Über das religiöse „Denken“

Denkt daran, dass Glaube und Zweifel nicht zur selben Zeit in den Gedanken existieren können, denn das eine wird das andere verdrängen. Sollte Zweifel an eurer Tür klopfen, dann sagt zu diesen skeptischen, rebellischen Gedanken: „Ich will bei meinem Glauben bleiben und bei dem Glauben meines Volkes. Ich weiß, dass es dort Glück und Zufriedenheit gibt und ich verbiete euch, agnostische, zweifelnde Gedanken, das Haus meines Glaubens zu zerstören. Ich gebe zu, dass ich den Werdegang der Schöpfung nicht verstehe aber ich akzeptiere deren Tatsache. Ich gestehe ein, dass ich die Wunder der Bibel nicht erklären kann und ich werde nicht versuchen, das zu tun aber ich akzeptiere das Wort Gottes. Ich war nicht mit Joseph Smith aber ich glaube ihm. Mein Glaube kam nicht durch Wissenschaft zu mir und ich werde der sogenannten Wissenschaft nicht erlauben, ihn zu zerstören.“

Thomas S. Monson
Apostel in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen)

Jede religiöse*** Gemeinschaft möchte das „Denken“ ihrer Mitglieder so formen, dass es nach den folgenden Regeln abläuft:

  1. Gute Gefühle über die Glaubensgemeinschaft bestätigen die Wahrheit all dessen, was in der Glaubensgemeinschaft als „Wahrheit“ angenommen wird. Die Anwendung des Verstandes und eine nachvollziehbare, belegte und den Tatsachen verpflichtete Argumentation sind ungeeignete Mittel zur Wahrheitsfindung. Erfahrene, vorbildhafte Anhänger der Glaubensgemeinschaft benennen ihre guten Gefühle einfach als die Einsicht in die „Wahrheit“ durch die Gegenwart und Offenbarung Gottes*; der Satan** hingegen ist für alle ihre schlechten Gefühle verantwortlich. Diese recht kindische Haltung wird in allen Schriften und sonstigen Mitteilungen der Glaubensgemeinschaft als vorbildlich und nachahmenswert dargestellt.
  2. Sollten die guten Gefühle einmal bei jemanden ausbleiben, denn hat er etwas falsch gemacht. Dieser Fehler ist eine Schuld. Zum Beispiel hat er über die religiösen Grundlagen oder einige besonders abstruse Lehren in der Glaubensgemeinschaft nachgedacht, statt einfach daran zu glauben und sich an den guten Gefühlen zu erfreuen, die durch diesen Glauben erst ausgelöst werden. Diese „falsche Haltung“ wird innerhalb der Glaubensgemeinschaft „Zweifel“ genannt, sie kommt vom Satan** und ist sehr gefährlich.
  3. Wenn ein Anhänger einer Glaubensgemeinschaft beim sorgfältigen Untersuchen eines beliebigen Themas zu einer Auffassung kommt, die dem guten Gefühl angesichts der religiösen*** Deutung dieses Themas widerspricht, denn ist das gefühlsmäßig bestätigte „Ergebnis“ vorzuziehen und als „Wahrheit“ zu betrachten. Das leicht manipulierbare Gefühl eines Menschen — eine schwankelmütige, psychische Erscheinung, die sich schon durch ein bisschen Musik oder Atmosphäre beeinflussen lässt — ist ein wichtigerer Anzeiger für die „Wahrheit“ als jede wissenschaftliche Erkenntnis und als jede Einsicht, die sich beim Betrachten des Offensichtlichen selbst einem Kinde als naheliegend aufdrängte.
  4. Phasen der persönlichen Niedergeschlagenheit, Verwirrung, Angst, Unruhe und der von diesen unguten Gefühlen ausgelöste Drang zum Denken sind in Umkehrung des letzten Punktes deutliche Zeichen dafür, dass man sich mit der „Unwahrheit“ beschäftigt. Dieser Zustand wird durch das erneute Anlegen der Scheuklappen des Glaubens beendet, die dabei aufkommenden guten Gefühle werden als göttliche* Bestätigung des Glaubens betrachtet. Diese Erfahrung muss anderen mitgeteilt werden, damit diese auch wissen, wie sie sich zu verhalten haben, sollten auch ihre Verstandesfunktionen einmal unwillkürlich einsetzen. Um diese ganz normale und angemessene Reaktion auf eine permanente intellektuelle Zumutung zu behandeln, verfügt jede Glaubensgemeinschaft über ein ganzes Instrumentarium von monotonen, hypnotischen Techniken, die wieder gute Gefühle und einen sedierten Verstand verursachen können; vom Rosenkranz bis zum Fernseher.
  5. Jedes schlechte Gefühl über die Gesamtheit des Glaubenssystemes, und sei es auch noch so winzig und dumpf, ist äußerst gefährlich. Es ist ein Zeichen, dass erhebliche persönliche Missstände vorliegen, die durch Glauben bearbeitet werden müssen.
  6. Wenn die Führer der Glaubensgemeinschaft ihre Auffassungen zu einem Punkt verkündet haben, ist das weitere Nachdenken darüber beendet. Führer gibt es immer, auch dort, wo so getan wird, als gäbe es keine Führer.

* Der verwendete Gott ist austauschbar. Es kann auch ein unpersönliches kosmisches Prinzip sein oder die Auffassung, dass Menschen durch Besitz und Konsum glücklich werden.

** Der verwendete Satan ist ebenfalls austauschbar. Er kann auch der Kommunismus sein, der Islam, die Aufklärung oder schlicht die Weltverschwörung. Ein Feindbild ist erforderlich, da sich die daran gebundene psychische Energie (sie stammt aus dem vom hier beschriebenen Prozess verursachten Selbsthass) leicht auf Personen übertragen lässt, was unendlich praktisch ist, wenn man Menschen zum Kämpfen bringen will, ja, selbst zum Kämpfen gegen ihre eigenen Interessen, gegen ihr eigenes verdammtes Lebensrecht.

*** Die verwendete Religion ist ebenfalls austauschbar. Die meisten modernen Religionen geben sich materialistisch. Die angewendeten religiösen Prinzipien bleiben — wenn auch oft mit geringerer Innerlichkeit — die gleichen.

Banknote

Banknote (die) — Aufwändig bedrucktes Stück Papier, das von staatlichen Institutionen als Schwindelzettel ausgegeben wird, um den Menschen in diesem Staat als Ersatz für wirkliche Werte zu dienen. Da es verhältnismäßig leicht ist, Papier zu bedrucken, wird zum Zweck der Herstellung von Banknoten ein spezielles, nicht handelsübliches Papier verwendet, das mit speziellen, schwierig zu imitierenden Verfahrensweisen bedruckt wird, um Nachahmer zu entmutigen. Als Motive für den Druck dienen in der Regel abstrakte Muster, Zahlen, hässliche Gebäude und moralisch zerfressene oder tote Menschen, die in unerfreulichen Farben auf das Papier gestempelt werden. Diese industriell erstellten Druckwerke werden künstlich knapp gehalten, damit auch jeder fühlen möge, dass es sich um etwas Rares und Wertvolles handele — außer, der Verlauf eines klassischen Krieges oder jenes Kampfes eines jeden gegen jeden auf einem Schlachtfeld voller Überfluss, den man „Wirtschaft“ nennt, ist einmal mehr dermaßen ungünstig, dass im völligen Werteverlust dieses Treibens mehr künstliche Werte erforderlich werden, um die Menschen hoffend, gefügig und gehorsam zu halten.

Die ersten Banknoten wurden im elften Jahrhundert in China ausgegeben, um einen Krieg auf diese Weise zu finanzieren, ohne dass der Staatsbankrott offensichtlich wird. Dieses Verfahren traf auf ein weltweites Bedürfnis der Herrschenden und Besitzenden, so dass es im Laufe der folgenden Jahrhunderte überall eingeführt wurde. Damit sich auch niemand des Kultes um das Papier entziehe, wurden überall Gesetze gesetzt, in welchen die Menschen zur Annahme des Papieres verpflichtet wurden. Dieser zusätzliche Rahmen machte es auch zunehmend entbehrlich, die aufgedruckten Zahlen durch irgendwelche Werte zu decken, bis zuletzt ein reiner Glaube zurückblieb, der jeden Menschen zum Gläubiger einer niemals beglichenen Schuld macht. Dort, wo die Menschen durch das Treiben eines von staatlichen Kirchen geheiligten Adels besonders geneigt sind, in das Nichts zu glauben — etwa in Großbritannien, wo die Menschen ihr Glauben auch gern in Spuk, Kornkreisen und den genetischen Produkten einiger Jahrhunderte der Inzucht verirren lassen — wird dieser Glaube auf den staatlichen Schwindelzetteln noch befördert, indem eine „Zusicherung“ auf das Papier gestempelt wird: „I promise to pay the bearer on demand the sum of 5 pounds“. Nicht erwähnt wird, dass es sich hierbei lediglich um fünf Pfunde warmer Luft handelt.

Vom Glauben an die Zukunft

Der Glaube an eine größere und bessere Zukunft ist einer der mächtigsten Feinde gegenwärtiger Freiheit.

Aldous Huxley

Vom gläubigen Glück

Die Tatsache, dass ein Gläubiger glücklicher ist als ein Zweifler, ist damit vergleichbar, dass ein Betrunkener glücklicher ist als ein Nüchterner

George Bernhard Shaw

Der Optimist

Zeitgenosse: „Glaubst du an die Wiedergeburt?“

Nachtwächter: „Nein, denn ich bin in meinem Innersten ein wahrer Optimist.“

Kurzanleitung: Christentum

Herzlichen Glückwunsch zum Erwerb der Mitgliedschaft in einer religiösen Organisation des Christentums. Sie haben sich für ein international anerkanntes Spitzenprodukt der späteren römischen Kultur mit einer 1600jährigen Tradition entschieden. Wir danken ihnen für ihr Vertrauen und für ihre Bereitschaft, einer guten Milliarde zufriedener Nutzer unseres Produktes beizutreten.

Damit sie eine lange und ungetrübte Freude mit diesem großartigen, kulturellen Produkt haben und auch seine verborgenen Möglichkeiten besser kennen und verstehen lernen, nehmen sie sich bitte die Zeit, die folgende Kurzanleitung sorgfältig zu studieren. Sollten sie dabei weiter gehende Fragen haben, wenden sie sich bitte an den für sie zuständigen Kundendienst — die Kontaktdaten erfahren sie in den Publikationen ihrer christlichen Gemeinschaft — oder auch direkt an Gott. Aber beharren sie dabei bitte nicht auf ihrem Verlangen nach einer zufrieden stellenden Antwort oder einem umfassenden und verbindlichen Benutzerhandbuch! Glauben sie uns einfach, wir wollen nur ihr Bestes!

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme des Christentums ist sehr einfach. Sie bedürfen nur einer so genannten Taufe. Es handelt sich dabei um den Kontakt mit Wasser, der zusammen mit magischen Proklamationen ihre Mitgliedschaft unter den Christen sofort und ohne die Möglichkeit eines späteren Widerrufes in Kraft setzt. Danach sind sie ein so genannter „Christ“.

Wenn sie als Kind christliche Eltern oder einen christlichen Sorgeberechtigten hatten, wurde diese Inbetriebnahme in aller Regel schon im Säuglingsalter durchgeführt und ist vollgültig. Eine besondere Einwilligung oder Entscheidung ihrerseits ist eben so wenig erforderlich wie eine Wiederholung der Inbetriebnahme.

Nach der Inbetriebnahme

Nachdem sie das Christentum in Betrieb genommen haben, sind sie gegen eine Reihe schädlicher Eventualitäten wirksam geimpft. Die steht im Zusammenhang damit, dass alle Menschen nach ihrem Tod weiterleben und dass die Umstände ihres Weiterlebens der Entscheidungsgewalt Gottes obliegen. Gott sortiert die Menschen nach dem Kriterium der korrekten Inbetriebnahme durch eine Taufe, und wer sie aus irgendeinem, auch vernünftigen, Grund versäumt hat, wird von Gott automatisch in die Hölle geworfen. Dies ist eine Folterkammer, in der die Nichtgetauften für eine unendlich lange Zeit auf alle erdenkliche Arten gequält werden. Sie sehen gewiss die Notwendigkeit dieses Impfschutzes gegen die Hölle ein und haben auch Verständnis dafür, weshalb liebende Eltern ihre Kinder unmittelbar nach der Geburt gegen dieses Unheil schützen wollen.

Einige gefährliche christliche Sekten, die es unbedingt zu bekämpfen gilt — vor allem die Zeugen Jehovas — glauben nicht an die Hölle und sind der Auffassung, dass ein liebender und gnädiger Gott die Menschen nach fehlerhafter Inbetriebnahme nur vernichten und nicht endlos quälen würde. Diese an menschliche Maßstäbe von Güte und Gnade angelehnte Vorstellung ist nicht geeignet, die erforderliche Angst den erforderlichen Ernst gegenüber Gott sicher zu stellen und deshalb zu verwerfen. Meiden sie den Kontakt mit solchen Auffassungen nach ihrer Inbetriebnahme!

Funktionsweise

Die Funktionsweise der Inbetriebnahme des Christentums durch die Taufe ist recht komplex und erfordert die Darlegung so genannter „religiöser Wahrheiten“. Der folgende Abriss ist eine kurze Zusammenfassung. Wenn sie tiefer gehende Informationen benötigen, wenden sie sich an ihre Gemeinde und fragen sie dort einen qualifizierten Wartungsexperten für ihr Seelenheil. Sie können sich auch die Briefe von Paulus in der Bibel studieren oder die überall erhältlichen Traktate christlicher Gemeinschaften lesen — aber fallen sie dabei nicht auf das Schriftgut irrationaler und gefährlicher Sektierer herein! Im Zweifelsfall verzichten sie lieber darauf, denn die Funktion ist auch ohne ihr Wissen sicher gestellt.

Der liebende Gott hasst alle Menschen und muss sie deshalb vernichten. Dies steht im Zusammenhang mit Adam, dem ersten Menschen. Dieser wurde von Gott kurz nach Abschluss der Schöpfung in einen Garten gesetzt, in dem Gott auch einen Baum pflanzte, von dessen Früchten Adam nichts essen sollte. Adam hatte auch eine Frau namens Eva, und die Schlangen konnten damals noch sprechen. Die Schlange hat Eva aufgefordert, etwas Obst von diesem Baum zu essen, Eva fand den Anblick appetitlich und aß und Adam tat es ihr nach. Daraufhin mussten die beiden arbeiten, sterben und fern vom Garten leben. Gott hat den Menschen niemals diese Verfehlung verzeihen können und wegen des kleinen Genusses eine ewige Strafe über die ganze Menschheit verhängt.

Um dennoch seine göttliche Liebe zu zeigen, hat sich Gott einen Plan für die Menschen ausgedacht. Er suchte sich ein paar Menschen aus und gab ihnen eine Religion mit Auflagen, die diese Menschen gar nicht erfüllen konnten, das so genannte Judentum. Die Erfüllung dieser Auflagen sollte die Beziehung zu Gott heilen, aber der allwissende Gott wusste natürlich schon vorher, dass die Menschen daran scheitern würden. Sie sollten aber wenigstens einsehen, dass sie keine Chance haben, vor dem unendlichen Zorn des liebenden Gottes zu bestehen. Schließlich suchte sich Gott eine junge Frau aus und ließ sie unter nicht näher geklärten Umständen ein Kind gebären, das sein eigener und einziger Sohn ist: Jesus. Dieser Mensch, der Gott selbst zum Vater hatte, konnte die Gesamtheit der gegebenen Auflagen erfüllen und ließ sich dann wie ein Verbrecher hinrichten, um die von Gott verhängte Strafe des Todes und der Folterung stellvertretend für die gesamte Menschheit entgegen zu nehmen. Schließlich wachte sein Leichnam wieder auf und ging zu seinem Vater, zu Gott, zurück.

Wer sich taufen lässt, nimmt durch diesen faulen Zauber dieses Sakrament das stellvertretende Opfer Jesu an und muss deshalb keine Strafe Gottes mehr befürchten. Zur Verbesserung der Funktion ist es ratsam, aber nicht unbedingt erforderlich, daran fest zu glauben.

Wartung und Pflege

Einer der größten Vorteile des Christentumes gegenüber anderen Religionen ist der geringe Aufwand mit der täglichen Wartung. Es bedarf keines fünfmaligen Gebetes und keiner aufwändigen Denkanstrengung, um ein Christ zu sein, auch ist die sonstige Lebensführung weitgehend uneingeschränkt. Die wesentliche Tätigkeit ist bereits ohne eigenes Zutun geschehen, und so kann sich der Christ nach Gutdünken im Alltag bewegen. Einige Dinge sind aber dennoch zu beachten, sie seien hier kurz zusammen gefasst:

Gebet — Gott ist zwar allwissend und kennt alle Gedanken der Menschen, möchte aber dennoch immer wieder angesprochen, gelobt und schulterbeklopft werden. Hierzu wird das so genannte Gebet verwendet. Der Betende spricht und glaubt, dass Gott ihm zuhört. Wer nicht weiß, was er Gott sagen soll, findet jede Menge biblischer und liturgischer Vorgaben für seine Gesprächsversuche. Ständige Wiederholung einfacher Sätze im monotonen Singsang ist genau die richtige Haltung, ein allwissender Gott kann eh nicht mehr gut unterhalten werden.

Moral — Obwohl der Christ nicht durch eigenes Handeln zu Gott gelangt ist, muss er alles dafür tun, eine möglichst restriktive und angstvolle Moral für möglichst viele Menschen zur verbindlichen Norm zu machen. Besonders bewährt und geeignet zur Verstärkung eines solchen Anliegens sind Angstreden über die Schrecken des höllischen Feuers und göttlichen Zornes, Zuckerreden über die gewaltige Liebe Gottes und unverbindliche „Weisheiten“ über den Wert des Lebens und des liebevollen menschlichen Miteinanders. Letztere kann man sogar als Schmuckkarte im KZ oder im christlichen Kinder- oder Pflegeheim aufhängen. Diese religiöse Anwendung ist der einzige Bereich, in dem die wenigen überlieferten Worte Jesu eine gewisse Rolle spielen können, ansonsten zählt für den Christen nur der stellvertretende Tod Jesu.

Gottesdienst — Regelmäßiges Anhören der vernünftigen christlichen Leere Lehre stärkt den Glauben daran. Also mindestens einmal pro Woche zum quasi-beamteten Wartungsexperten für die heilbringende Leere Lehre gehen, und bald schon werden sich alle Fragen in ein Weihrauchwölkchen auflösen. Das göttliche Geschenk des THC im Weihrauch hat sich als bestärkendes Mittel in diesem Prozess bewährt.

Abendmahl — Bei dieser Wartungsarbeit innerhalb des christlichen Gottesdienstes wird vom Wartungsexperten eine Oblate in den gegenwärtigen Körper Jesu und ein Becher Wein in das gegenwärtige Blut Jesu verwandelt. Die Christen erweisen dann Jesus ihre Liebe, indem sie Jesus gemeinsam aufessen und doch nicht daran satt werden. Katholiken sprechen auch von der „Eucharistie“, weil das geheimnisvoller klingt und den wirklichen Sinn der kannibalistischen Handlung besser verbirgt.

Beichte — Um sich immer darüber gegenwärtig zu sein, dass Gott die ethische Verderbtheit des Menschen hasst, sollte keineswegs nach ethischer Vervollkommung gestrebt werden. Stattdessen ist das regelmäßige Bekenntnis der eigenen Verderbtheit abzulegen, um sich aufs Neue und voller geheuchelter Dankbarkeit darüber klar zu werden, dass Jesus die Folgen der eigenen Verderbtheit in seinem Opfertod auf sich genommen hat. Man sagt dabei aber niemals, dass dieser Gnadenakt ja noch größer wird, wenn man noch verkommener lebt und handelt, denn solche Wahrheit ist ausgesprochen unerwünscht. Man lebt einfach so, ohne es deutlich auszusprechen. Aus dieser Haltung resultutiert das besondere ethische Gepräge christlicher Gesellschaften.

Sex — Geschlechtsverkehr darf es nur innerhalb einer Ehe geben, die vom christlichen Wartungsexperten abgenommen wurde und die dann bis zum Tod eines Partners bestehen bleibt. Der Geschlechtsverkehr dient zur Erzeugung von Kindern, Verhütungsmittel sind zu vermeiden. Diese weit gehende Restriktion des stärksten menschlichen Triebes und der größtmöglichen erfahrbaren Lustempfindung führt zu ständigem Scheitern, dass dann durch Beichte behandelt wird. Andere Verfehlungen sind, damit verglichen, unerheblich.

Kinder — Die beim Sex entstehenden Kinder sind immer zu taufen, um ebenfalls gegen die Hölle geimpft zu sein. Für Katholiken gibt es spezielle Löffel, mit denen die Kinder noch im Mutterleib getauft werden können, wenn eine Totgeburt droht. Die Eltern sind angehalten, die Kinder durchzuprügeln und ihnen Angst Respekt vor Gottes Zorn, Gottes Liebe und der unverdienten Gnade durch Jesu Opfer zu lehren. Dies wird im Zweifelsfall auch in christlichen Institutionen zur Vergewaltigung Betreuung von Kindern durchgeführt.

Geld, Besitz und Macht — Der Christ sollte Sorge dafür tragen, dass es zu einer Akkumulation von Machtmitteln bei christlichen Institutionen kommt. Er sollte Geld an christliche Organisationen spenden; frohen Mutes seine Kirchensteuer blechen; seine Kinder in christliche Kindergärten schicken, um noch mehr freie Arbeitskraft zu haben und diejenigen Parteien wählen, deren Kürzel mit einem „C“ beginnt oder aber „PBC“ lautet.

Auswirkungen des Christentums

Der Christ, der korrekt in Betrieb genommen wurde und den Vorschlägen für die Wartung und Pflege seines Christentumes gewissenhaft folgt, bekommt dafür ein ewiges Leben.

Da die Erfahrung der letzten 1600 Jahre gezeigt hat, dass auch Christen sterben, geht man schon seit längerer Zeit von einem Weiterleben nach dem Tode aus, wobei sich die verschiedenen christlichen Gemeinschaften noch nicht einig über die Einzelheiten geworden sind. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Fortexistenz in einem fernen Wolkenkuckucksheim im Himmel, das alle Bedürfnisse abdeckt und für das widerstandslos geduldig ertragene, beschädigte Leben auf der Erde entlohnt. Für Zerstreuung ist dabei gesorgt, kann der Christ doch zusammen mit allen Päpsten, Herrschern, Kriegsherren und sonstigen christlichen Gewalttätern dabei zuschauen, wie alle ungetauften „Gutmenschen“ eine Ewigkeit lang in der Hölle gefoltert werden.

Bei solcher Belohnung schickt es sich einfach nicht, nach irdischen Vorteilen zu fragen. Man freut sich einfach auf das Kommende, wenn doch eigentlich alles vergeht. Ansonsten hat man ja auch nichts zum Freuen, wenn man im kulturellen Kontext des Christentums leben muss.

Abschließendes

Sie sehen, das Christentum ist nicht umsonst eine so erfolgreiche Religion geworden. Wir wünschen ihnen viel Dummheit Freude, Gottes billig zuzusprechenden Segen und ein Leben voller sklavenhafter Passivität Hoffnung als Christ.