Das Leben ist an die Lebenden verschwendet.

Douglas Adams

Die Menschen, die zur heutigen Zeit religiös sind und auf diesem Hintergrund — und auf Grundlage der seltsamen Auffassung, dass sechs Handvoll von mehreren tausend Jahre alten, biblischen Texte ein besseres Bild der Wirklichkeit zeichnen als alle fortgeschrittene und durch die tiefere Kenntnis der Fakten und Zusammenhänge verbesserte Erkenntnisfähigkeit, die der Menschheit heute zur Verfügung steht — die Vorstellung eines „ewigen Lebens“ pflegen; diese Menschen haben dabei eine völlig andere Idee vom „ewigen Leben“ als die Mehrzahl der Autoren der alten Texte. Und. Dieser Unterschied ist durchaus beachtenswert.

Noch im Mythos von Jesu Auferstehung ist die Auffassung einer völligen Kontinuität des einshaften und damit unauftrennbaren körperlichen Seins enthalten. Die österliche Entdeckung war nicht die Begegnung mit einem durch Séancen und nächtens durch verlassene Korridore dünstelnden Geistwesen, sondern die naive Feststellung einer den Tod überschreitenden körperlichen Wiederherstellung, die in starken und psychisch wirkmächtigen Bildern ausgedrückt wurde. „Das Grab ist leer“ wurde zur ersten österlichen Botschaft, bevor das Christentum eine Religion geworden; und in diesem trotzig die gebieterische biologische Tatsache verneinendem Worte schwingt auch überdeutlich mit, dass es in den Seelen jener, die diesen Mythos erblühen ließen, kein entkörpertes Leben gab, weder im Jetztseits noch in einem Jenseits. Damit. War die Idee vom Fortbestand des Seins vielleicht naiv, aber bei weitem nicht so seinsverachtend wie die spätere christliche Idee von einer den Körper überlebenden, unsterblichen Seele, mit der die Sklaven Roms über ihr entgangenes Leben getröstet werden sollten, und mit der sich die gehetzten Lohnsklaven der Jetztzeit über ihr entgangenes Leben hinwegtrösten sollen. Um. Unter den fernen Versprechungen einer staatstragenden Religion, die bislang noch jede Form der Unterdrückung und des Mordes durch die Herrschenden und Besitzenden heilig gesprochen hat, weiter und weiter zu funktionieren. Wer mit zäher Gewalt am christlich-spiritistischen Glauben einer unsterblichen Seele festklammert, erbaut in dieser Haltung nur ein trübes Mahnmal der Tatsache, dass er jedes Versprechen eines Lebens, das in der wunderbaren Möglichkeit des Daseins mitschwingt, längst von seinem eigenen Dasein abgespalten hat. Die als „offenbarte Religion“ verabreichte Betonierung dieser Lebensverneinung offenbart die Religion als kalten Todeskult; das wahre Fundament der bilblizistischen Fundamentalisten ist nicht etwa die Bibel, sondern die Kontinuität der Sklaverei.

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