Tag Archive: Gerhard Mersmann


Auswärtiges Denken

Bei Betrachtung der gegenwärtigen Situation fällt auf, dass die klare Konstellation, die einen Rechtsstaat ausmacht, in Virulenz geraten ist. Da sind die Mandatsträger in Regierungsverantwortung, die sich in einem Habitus und einer Diktion an das Volk richten, als seien sie Herrscher und hätten es mit Unmündigen zu tun, was die in diesen Tagen von ihnen meist gebrauchten Vokabeln wie „streng“, „hart“ oder „Lockerungen“ belegen. Trotz der Fehler und Malaisen, die seitens der Funktionsträger begangen wurden, sind es immer wieder die Zweifel an der Mündigkeit des Souveräns, die sie beflügeln, Gesetze zu formulieren und zu verabschieden, die als Attacken gegen die verbrieften Rechte zu werten sind. Wenn sich in dieser Krise jemand als reif und diszipliniert erwiesen hat, dann war es der Souverän. Und wenn es Zweifel an Loyalität und Verantwortungsbewusstsein gegeben hat, dann betraf es Mandatsträger, die ihrerseits die Krise genutzt haben, um sich schnöde zu bereichern

Gerhard Mersmann: Rechtsstaat Makulatur?

Auswärtiges Denken

Vielleicht können sie es nicht, vielleicht wollen sie es auch nicht begreifen. Die Maschine ist nicht die Blaupause für menschliches Handeln. Dass trotzdem der allgemeine Trugschluss herrscht, Menschen könnten so „bedient“ werden wie Maschinen, ist ein Dokument zivilisatorischen Niedergangs. Ja, hinter der im Digitalismus entzündeten Glitzerwelt lauert ein barbarisches Gemüt, das tatsächlich dem Wunsch nachgeht, die Welt wäre dann lebenswert, wenn menschliches Handeln mit der Präzision programmierter Maschinen vor sich ginge

Gerhard Mersmann