Tag Archive: Geld


Das Geld

Nach der Massenpanik mit 36 Toten in Schanghai stehen die Menschen in der chinesischen Hafenmetropole unter Schock […] Auslöser waren aber offenbar Coupons oder Neujahrsgeld, das wie 100-Dollarscheine aussah und das jemand aus einem Club im dritten Stock auf den überfüllten Platz geworfen hatte.

Die Leute hätten gerufen „da wird Geld geworfen“; viele hätten die Scheine aufsammeln wollen. Daraufhin sei Chaos ausgebrochen und die ersten seien niedergetrampelt worden, berichteten Augenzeugen

tagesschau.de — 36 Tote bei Massenpanik am Silvesterabend: Shanghai unter Schock

Nachtrag, 2. Januar 2014, 19:15 Uhr

Ein Polizeisprecher wies Berichte von Augenzeugen zurück, wonach nachgemachte Geldscheine, die aus einem Fenster geworfen wurden, das tödliche Gedränge auf der Uferpromenade der Hafenstadt ausgelöst hätten. „Das passierte nach der Massenpanik“, sagte er

tagesschau.de — Nach Massenpanik mit 36 Toten: Polizei in Schanghai räumt Fehler ein

Werbeanzeigen

Die kapitalistische Gesellschaft

In einer kapitalistischen Gesellschaft, die den darin lebenden Menschen ihren Stempel einprägt, gibt es vor allem zwei Probleme. Das erste, dass Dinge getan werden, nur weil sie von jemanden bezahlt werden. Und. Das zweite, dass Dinge nur getan werden, weil sie von jemanden bezahlt werden.

Alles wird dem neufrommen Kult am Gelde geopfert

Es ist bewiesen, dass wir mit der Nahrung, die übrigbleibt, die Hungernden ernähren könnten. Wenn Sie Fotos von unterernährten Kindern in verschiedenen Teilen der Welt sehen, dann schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen, das ist nicht zu verstehen! Ich glaube, wir sind in einem Weltwirtschaftssystem, das nicht gut ist… Wir haben das Geld in den Mittelpunkt gestellt, den Geldgott. Wir sind in den Götzendienst des Geldes verfallen… Wir schließen eine ganze Generation aus, um ein Wirtschaftssystem aufrecht zu erhalten, das nicht mehr zu ertragen ist. Ein System, in [sic!] das Krieg führen muss, um zu überleben… Aber weil man keinen Dritten Weltkrieg führen kann, führt man eben regionale Kriege. Und was bedeutet das? Dass Waffen produziert und verkauft werden, und dadurch sanieren sich die Gleichgewichte der … großen Weltwirtschaften.

Jorge Mario Bergoglio, in den staatsfrommen Medien gern als „Papst Franziskus“ bezeichnet

Wenn ein Finger des Großpfaffen auf den zurzeit zusammenfassend als „Wirtschaft“ bezeichneten Raub am größten Teil der Menschheit deutet, dann deuten drei recht blutige Finger zu den Großräubern und Großmördern des Vatikan und des Katholizismus zurück. Ja, beinahe möchte man denken, dass das Bedauern des Popen übers Unrecht gar deutlich kleiner wäre, wenn dieses Unrecht nur wieder dem Einfluss seiner Totenkult- und Todeskirche zugute käme, die natürlich auch weiterhin mit Appell an die konzentrierte Angst in der menschlichen Psyche ihre bewährte Versicherungsleistung verkauft, die erst nach Eintritt der Verwesung ausgezahlt wird — in kontinuierlicher Kooperation mit allem, was auf dieser Welt mörderisch, verdummend und ausbeutend ist.

Möge der feine Herr Borgoglio mal mit dem politisch organisierten Katholizismus in Norwegen (Zentrumspartei) reden, der gerade Bußgelder und Gefängnisstrafen für Bettler einzuführen gedenkt!

Blüheschnell

Bitcoins, diese Tulpen des digitalen Zeitalters!

Es macht nicht glücklich

Jeder Besitzende weiß, dass Geld allein nicht glücklich macht, wenn es einem nicht auch noch gehört. Deshalb tut der Besitzende ja auch alles dafür, die Besitzverhältnisse zu erhalten.

Atemloses Zählen

Es wäre schon viel gewonnen, wenn jeder, der glaubt, dass „die Wirtschaft“ wichtiger als der Schutz und Erhalt der Lebensmöglichkeiten auf der Erde sei, einfach die Luft anhielte und stattdessen sein Geld zählte.

Bitcoin

Jetzt, wo immer mehr Menschen diesen irrationalen Glauben in den „Wert“ von Bitcoins entwickeln, so dass sich auch Kriminalität zunehmend „lohnt“, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste Bitcoin-Mord geschieht. Und selbst, wenn der erste Mensch wegen einer sich auf einen kryptografischen Schlüssel — also letztlich: auf eine Zahl — stürzenden Habgier getötet wurde, wird es immer noch nur eine Minderheit sein, die begreift, dass das Schlimme an der Idee des Geldes nicht im Bankwesen, nicht in der Kontrolle durch Zentralbanken, nicht in der Zentralisierung digitalen Zahlungsverkehrs, nicht im Betrug des Fiatgeldes oder anderen Schwächen ihrer derzeitigen Umsetzung liegt, sondern schlichterdings darin, dass die Idee eines Geldes für eine menschliche Psyche wie ein Gift ist. Genau so wenig, wie sich das „Problem“ eines Alkoholikers durch eine andere Darreichungsform des Alkoholes lösen ließe, lässt sich das Problem der geldvergifteten Psyche durch eine andere Darreichungform von Geld lösen.

Das Papier

Der Vorübergehende sagte zu seinem von Sorgen, Verwirrung und Angst zerfressenen Zeitgenossen: „Fang damit an, die Dinge so nennen, dass ihre Namen Klarheit schaffen. Sag und denk nicht mehr ‚Geld‘, sondern sag und denk stattdessen ‚das Papier, dass die Menschen irre macht‘! Schon nach kurzer Zeit wird eine große Klarheit in deinen Gedanken anbrechen“.

Lassen sie ihr Geld arbeiten!

Jedes Mal, wenn irgendwo ein Mensch einen Euro bekommt, für den er nicht gearbeitet hat, hat irgendwo anders ein Mensch für einen Euro gearbeitet, den er nicht bekommen hat.

Neue Euro-Banknoten

Auch auf die kommenden neuen Euro-Banknoten werden Bauwerke, die es in Wirklichkeit nirgends gibt, als Symbol der Europäischen Union gedruckt. Wie passend dieses Spiegelbild doch ist!

Wohin?

YouTube-Direktlink

Die Staatsverschuldung

Das System des öffentlichen Kredits, d.h. der Staatsschulden, dessen Ursprünge wir in Genua und Venedig schon im Mittelalter entdecken, nahm Besitz von ganz Europa während der Manufakturperiode. Das Kolonialsystem mit seinem Seehandel und seinen Handelskriegen diente ihm als Treibhaus. So setzte es sich zuerst in Holland fest. Die Staatsschuld, d.h. die Veräußerung des Staats — ob despotisch, konstitutionell oder republikanisch — drückt der kapitalistischen Ära ihren Stempel auf. Der einzige Teil des sogenannten Nationalreichtums, der wirklich in den Gesamtbesitz der modernen Völker eingeht, ist — ihre Staatsschuld. Daher ganz konsequent die moderne Doktrin, daß ein Volk um so reicher wird, je tiefer es sich verschuldet. Der öffentliche Kredit wird zum Credo des Kapitals. Und mit dem Entstehen der Staatsverschuldung tritt an die Stelle der Sünde gegen den heiligen Geist, für die keine Verzeihung ist, der Treubruch an der Staatsschuld.

Die öffentliche Schuld wird einer der energischsten Hebel der ursprünglichen Akkumulation. Wie mit dem Schlag der Wünschelrute begabt sie das unproduktive Geld mit Zeugungskraft und verwandelt es so in Kapital, ohne daß es dazu nötig hätte, sich der von industrieller und selbst wucherischer Anlage unzertrennlichen Mühwaltung und Gefahr auszusetzen. Die Staatsgläubiger geben in Wirklichkeit nichts, denn die geliehene Summe wird in öffentliche leicht übertragbare Schuldscheine verwandelt, die in ihren Händen fortfungieren, ganz als wären sie ebensoviel Bargeld. Aber auch abgesehn von der so geschaffnen Klasse müßiger Rentner und von dem improvisierten Reichtum der zwischen Regierung und Nation die Mittler spielenden Finanziers — wie auch von dem der Steuerpächter, Kaufleute, Privatfabrikanten, denen ein gut Stück jeder Staatsanleihe den Dienst eines vom Himmel gefallenen Kapitals leistet — hat die Staatsschuld die Aktiengesellschaften, den Handel mit negoziablen Effekten aller Art, die Agiotage emporgebracht, in einem Wort: das Börsenspiel und die moderne Bankokratie.

Von ihrer Geburt an waren die mit nationalen Titeln aufgestutzten großen Banken nur Gesellschaften von Privatspekulanten, die sich den Regierungen an die Seite stellten und, dank den erhaltenen Privilegien, ihnen Geld vorzuschießen imstande waren. Daher hat die Akkumulation der Staatsschuld keinen unfehlbareren Gradmesser als das sukzessive Steigen der Aktien dieser Banken, deren volle Entfaltung von der Gründung der Bank von England datiert (1694). Die Bank von England begann damit, der Regierung ihr Geld zu 8% zu verleihen; gleichzeitig war sie vom Parlament ermächtigt, aus demselben Kapital Geld zu münzen, indem sie es dem Publikum nochmals in Form von Banknoten lieh. Sie durfte mit diesen Noten Wechsel diskontieren, Waren beleihen und edle Metalle einkaufen. Es dauerte nicht lange, so wurde dies von ihr selbst fabrizierte Kreditgeld die Münze, worin die Bank von England dem Staat Anleihen machte und für Rechnung des Staats die Zinsen der öffentlichen Schuld bezahlte. Nicht genug, daß sie mit einer Hand gab, um mit der andern mehr zurückzuempfangen; sie blieb auch, während sie empfing, ewige Gläubigerin der Nation bis zum letzten gegebnen Heller. Allmählich wurde sie der unvermeidliche Behälter der Metallschätze des Landes und das Gravitationszentrum des gesamten Handelskredits. Um dieselbe Zeit, wo man in England aufhörte, Hexen zu verbrennen, fing man dort an, Banknotenfälscher zu hängen. Welchen Effekt auf die Zeitgenossen das plötzliche Auftauchen dieser Brut von Bankokraten, Finanziers, Rentiers, Maklern, Stockjobbers und Börsenwölfen machte, beweisen die Schriften jener Zeit, z.B. Bolingbrokes.

[…] Da die Staatsschuld ihren Rückhalt in den Staatseinkünften hat, die die jährlichen Zins- usw. Zahlungen decken müssen, so wurde das moderne Steuersystem notwendige Ergänzung des Systems der Nationalanleihen. Die Anleihen befähigen die Regierung, außerordentliche Ausgaben zu bestreiten, ohne daß der Steuerzahler es sofort fühlt, aber sie erfordern doch für die Folge erhöhte Steuern. Andrerseits zwingt die durch Anhäufung nacheinander kontrahierter Schulden verursachte Steuererhöhung die Regierung, bei neuen außerordentlichen Ausgaben stets neue Anleihen aufzunehmen. Die moderne Fiskalität, deren Drehungsachse die Steuern auf die notwendigsten Lebensmittel (also deren Verteuerung) bilden, trägt daher in sich selbst den Keim automatischer Progression. Die Überbesteuerung ist nicht ein Zwischenfall, sondern vielmehr Prinzip. In Holland, wo dies System zuerst inauguriert, hat daher der große Patriot de Witt es in seinen Maximen gefeiert als das beste System, um den Lohnarbeiter unterwürfig, frugal, fleißig und… mit Arbeit überladen zu machen. Der zerstörende Einfluß, den es auf die Lage der Lohnarbeiter ausübt, geht uns hier jedoch weniger an als die durch es bedingte gewaltsame Expropriation des Bauern, des Handwerkers, kurz aller Bestandteile der kleinen Mittelklasse. Darüber bestehn keine zwei Meinungen, selbst nicht bei den bürgerlichen Ökonomen. Verstärkt wird seine expropriierende Wirksamkeit noch durch das Protektionssystem, das einer seiner integrierenden Teile ist.

[…] Das Protektionssystem war ein Kunstmittel, Fabrikanten zu fabrizieren, unabhängige Arbeiter zu expropriieren, die nationalen Produktions- und Lebensmittel zu kapitalisieren, den Übergang aus der altertümlichen in die moderne Produktionsweise gewaltsam abzukürzen. Die europäischen Staaten rissen sich um das Patent dieser Erfindung, und einmal in den Dienst der Plusmacher eingetreten, brandschatzten sie zu jenem Behuf nicht nur das eigne Volk, indirekt durch Schutzzölle, direkt durch Exportprämien usw. In den abhängigen Nebenlanden wurde alle Industrie gewaltsam ausgerodet, wie z. B. die irische Wollmanufaktur durch England. Auf dem europäischen Kontinent ward nach Colberts Vorgang der Prozeß noch sehr vereinfacht. Das ursprüngliche Kapital des Industriellen fließt hier zum Teil direkt aus dem Staatsschatz.

Karl Marx, Das Kapital, Kapitel 23: Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation, Ziffer 6: Genesis des industriellen Kapitalisten