Tag Archive: Geburtstag


Zum 66. Geburtstag

Das Wasser ist längst Schlamm geworden, braun und blubbernd. Die Sonne ein heißes, fressendes Feuer, ein Spiegel der Verbrennungskultur, ein Hoch der Autokaufprämie und der fortgesetzten Kohleverfeuerung. Die Lebenskraft der Erde von Giften erstickt, deren Namen wir kaum sprechen können. Die Luft erfüllt von Feinstaub, geheimen Getuschel und Korruption, ein Gestank von Atemgas. Was einmal Lohn war, hat sich in Hohn verwandelt; sozial ist schließlich, was mies bezahlte Arbeit schafft. Obenauf eine „soziale“ Rentenregelung, die dieses Elend zementiert, christ und sozial und dämonkratisch zementiert. Und Hartz IV mit Zwangsarbeit in Zeitsklavenfirmen. Für ein Land, in dem ihr gut und gerne lebt.

Sechsundsechzig Jahre von dir sind mehr als genug. Mir war vorher schon schlecht.

Schau dir deine Freunde an, die dich halten; schau nur auf deine Regierungsbank, die du selbst besetzt hast! Wenn du Lampen verkaufen würdest, Lampen und nicht das Volk, dann wäre dein Angebot sogar für Lichtallergiker geeignet. Selten nur sah man so viel Dummheit und Chuzpe so dicht zusammen sitzen, alle von dir mit Amt, Würde und Pfründen ausgestattet.

Ich wünsche dir für den Rest deines Lebens alles, was du den meisten Menschen in der BRD gebracht hast: Elend, Ausbeutung, Hunger, Zerfall, Schmerz, Zwangsarbeit, Wohnungsmangel, Aussichtslosigkeit, Rechtlosigkeit, Zensur, Überwachung und Verachtung. Mögest du noch lange leben! Mögest du Mülltonnen durchwühlen müssen, um etwas zu essen zu finden! Mögest du Freunde um Schlafplätze anbetteln müssen! Mögest du zum Mindestlohn 60 pflegebedürftige Menschen in einem ev.-luth. Altersheim versorgen müssen! Mögest du Krankheiten haben, deren Behandlung du dir finanziell nicht leisten kannst und dich darüber freuen, dass wenigstens homöopathische Mittel von der Krankenkasse erstattet werden, denn sie sind voll von den Geistern entschwundener Substanz! Mögest du als „Nazi“ beschimpft werden, weil du der gleichklingenden Regierungspropaganda aus Presse und Glotze nicht mehr glauben kannst! Mögest du verarmen und sehen, wie Milliarden von deiner Regierung verbrannt werden! Mögest du schließlich Fleisch für den Pflegebetrieb der Kirchen und „sozialen“ Geschäftemacher werden; ein gutes Business ist das, das auch gute Zahlen macht! Mögest du schließlich in unbehandelten Schmerzen einsam und gut verwaltet verrecken und am eigenen Leibe erleben, was es bedeutet, wenn es nicht nur kein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, sondern auch kein Recht auf einen selbstbestimmten Tod gibt! Auf alledem gibt es den Applaus von dir und deinen Freunden, so ein warmer Applaus…

Und vor allem: Mögest du zurücktreten, am besten heute noch zurücktreten! 5.351 Tage unter deiner bleiernen Raute sind genug, mehr als genug.

Geburtstag

Während alle Menschen im christlichen Kulturkreise den Geburtstag von Jesus aus Nazaret feiern, der übrigens als Jude niemals selbst seinen Geburtstag gefeiert hat, jährt sich heute auch der wesentlich besser dokumentierte Geburtstag von Isaac Newton. Einer von diesen beiden Menschen hat mit seiner Einsicht und seiner Lehre ein Licht in diese Welt gebracht, das bis heute weitergetragen wird, um die Menschheit aus der dummen psychischen Magie zu befreien; und die Anhänger des anderen bringen Stress, Familienzank, Gier, Osramkerzen und Weihnachtsmänner, zusammen mit Weihnachtsansprachen des Bundespräsidenten und herzelnden Predigten der Lügenpfaffen, die sich auf einen Berg von Blutgeld und geraubten Gütern stellen, um vom Geben zu sprechen und vor der Sünde zu warnen.

Geburtstage

Wer Geburtstage feiert, seien es Menschen, Staaten, Organisationen, Vereine oder Bewegungen, dokumentiert damit seinen laufenden Sterbeprozess. Was wirklich gedeiht, kennt wichtigere Ereignisse als seinen bescheidenen Anfang in Elend und Schwäche und hat regelmäßig neue Anfänge.

Geburtstage

Ich habe noch niemals die Menschen verstanden, die ihre Geburtstage so wichtig und feiernswürdig nehmen. Ganz so. Als wäre dieses unerinnerte Ereignis das, was ein menschliches Leben begönne. Wenn ein Mensch frisch aus dem warmen, feuchten Leib seiner Mutter geworfen wird, ist er hilflos und ausgeliefert, wie eine Frühgeburt nicht ein bisschen lebensfähig und allerlei Willkür unterworfen; vor dem noch ahnungslosen Bündel liegt erst die Aufgabe, unter Lust und Schmerzen zu einem Menschen zu werden. Wer unbedingt einen Jahrestag seiner Existenz als Mensch feiern will, der nehme dafür besser einen Tag, der wirklich ein Anfang seines eigenen Seins war — etwa den Tag, an dem er zum ersten Male in vollem Bewusstsein der Bedeutung dieses Aktes das Wort „Nein“ ausgesprochen hat, als die gewöhnlichen sozialen Forderungen an ihn ergingen. Wenn Eltern ihre Kinder wirklich liebten und diese nicht als Objekte ihrer Selbstverwirklichung missbrauchten, denn sorgten sie mit einer deutlichen Notiz dafür, dass eine solche erste, deutliche Regung des erwachenden Bewusstseins nicht in das Vergessen falle, sondern erinnert und als wichtiges Ereignis betrachtet würde.

Alles Gute zum neuen Lebenjahr, M. — du weißt ja, ich feiere so etwas nicht…