Tag Archive: Frauen


Anklage

Jeder ruhige, sensible, aufgeschlossene, friedliebende und intelligente Mann, der, obzwar heterosexuell, den größten Teil seines Lebens verschmäht als Single leben muss, ist eine stille und völlig ungehörte Anklage gegen die Tatsache der Zuchtwahl durch die Frauen.

Urlüge

„Seit Adam von Eva dazu verführt wurde, die von G’tt verbotene Frucht zu essen, werden Frauen für die Entscheidungen und Verbrechen von Männern verantwortlich gemacht“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „und schon diese alte Geschichte über ein von Evas Niedertracht zerstörtes Paradies ist eine böse Lüge. Jeder Mensch ist stets verantwortlich für das, was er tut“.

Wo das Frauenbild herkommt

„Es gab in meinem Leben eine Phase, in der ich eine Menge Geld verdient habe“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „und in dieser Phase wurde ich auch von Frauen als viel attraktiver wahrgenommen, ja, sogar manchesmal scharf und mit äußerst kecken Fingern angegangen, in einer Weise, die, wenn sie umgekehrt von einem Mann ausginge, klar als sexuelle Belästigung betrachtet würde. Ich war kein anderer Mensch als heute, ich habe nicht besser ausgesehen, wenn ich auch aus beruflichen Gründen oft einen feinen Zwirn tragen musste, ich hatte keine anderen Interessen, ich hatte nur Geld. Das reicht, damit die Säfte in die Möse fließen. Und jedesmal, wenn ich über mein Leben und meine Gedanken zu diesem Leben sprach, trat mir eine kalte, professionell anmutende Empathiesimulation gegenüber, die den Rest der durchaus überzeugend aufgeführten weiblichen Darbietung so deutlich entlarvte, dass ich mich davor zu ekeln begann“.

Wackeln

Wenn Frauen eher auf das Gesäß als in das Gesicht geschaut wird, liegt das auch daran, dass ihr Gehirn meistens nicht so aufreizend wackelt.

Abgesoffen

„Es ist immer wieder erstaunlich, und man vergisst es doch so schnell“, sagte der Vorübergehende zu seinem sich nach Partys sehnenden Zeitgenossen, „dass auch die begehrenswerteste Frau jegliche Anmut und allen Reiz verlieren kann, wenn sie erst einmal betrunken ist. Der Suff wäscht die Kultur, die Selbstkontrolle und die hübsche Fassade ab, und was nach dieser alkoholischen Reinigung verbleibt, ist die mechanische, kalte, dumme Psyche, die nur noch ein mechanisches, kaltes, dummes Miteinander ermöglicht“.

Maske

Als eine Zeitgenossin dem Vorübergehenden voller Freude erzählte, dass sie ein Pfund abgenommen habe, fragte der Vorübergehende nur: „Hast du dich etwa noch nicht geschminkt?“.

Augengröße

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Die Frauen donnern sich immer auf, als seien die Augen der Männer größer als die Gehirne der Männer — und sie haben mit dieser Strategie Erfolg“.

Fall

Über einen gemeinsamen flüchtigen Bekannten, der sich in nur zwei Jahren seines Lebens vollständig ruiniert hatte, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen: „Er wäre dieser Frau so gern in die Arme gefallen, aber leider fiel er ihr in die Hände“.

Objekt und Subjekt

So verständlich es ist, dass Frauen sich dagegen verwehren, von Männern als Sexualobjekte angesehen und benutzt zu werden, so unverständlich ists, dass Männer sich so wenig dagegen verwehren, von Frauen als Bezahlsubjekte angesehen und benutzt zu werden.

Gesicht

In Vorübergehen an eine Frau, deren Parfümierung schon aus fünf Metern Entfernung den Eindruck eines orientalischen Bordells erweckte, dachte sich der Vorübergehende „Mit Kosmetik, Pflege und Schminke kann man vielleicht, um einen höheren Preis am Fleischmarkt des Beziehungshandels zu erzielen, das Aussehen der Haut verändern, aber leider niemals diesen entsetzlich dummen, leeren, desinteressierten, egomanischen, menschenfeindlichen Gesichtsausdruck, der im Gegensatz zur täuschenden Fassade halten wird, was er verspricht“.

Glück

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Aber ich habe doch Glück mit den Frauen. Sie beachten mich meistens nicht“.

Die Kopfgeburt der höheren Töchter

Der Genderjargon markiert. Die Literatur ist aber kein Stadtfaltplan. Die tobenden Frauen und Männer, die sich an der Debatte beteiligen, gehören der bürgerlichen Klasse an. Der Interpunktionsirrsinn ist die Ausgeburt der höheren Töchter. Der Restaurationswahn ist das Gespei der spröden Oberschichtler. Wir sind nicht in der Benimmschule. Ich halte mich nicht an eine Grammatik der Gesinnung

Feridun Zaimoglu [Archivversion des Deutschlandfunk-Artikels]