Tag Archive: Frage


Akteneinsicht

Wo kann ich in der BRD eigentlich beantragen, mir einmal in aller Ruhe die Akte anzuschauen, die der BRD-Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ über mich angelegt hat?

Von morgen

Ob wir wohl die Neandertaler von morgen sind, oder doch eher die Dinosaurier?

Nasse Mauer

Ob Frontex in seinen beinahe zehn Jahren Mittelmeer-Meucheln wohl schon mehr Menschen in ein nasses Grab geschickt hat, als DDR-Grenzsoldaten — unter großem Aufschrei der Springerpresse und des Staatsfernsehen für jeden Einzelfall, damit auch jeder das mörderische Unrecht mitbekomme — über gut drei Jahrzehnte hinweg DDR-Fluchtwillige erschossen haben?

Beim ersten Blick auf die „Huffington Post“

Kann diese von unbezahlten Ausbeutlings-Autoren zusammengestellte, kommerzielle Müllhalde dieses „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ für sich in Anspruch nehmen?

Wie diese ganzen „Apps“ entstanden sind?

Wie viele „Apps“ für Wischofone und Wischopads wohl nur deshalb entstanden sind, weil am Mittwochmorgen ein latent psychopathischer Manager ohne vertiefte technische Kenntnisse, aber dafür mit Sehnsucht nach einer noch höheren Gehaltsklasse in einem übermüdeten Meeting sinngemäß folgendes sagte: „Ich habe jetzt ein iPad, und da kann man ‚Apps‘ draufmachen, und deshalb brauchen wir jetzt eine ‚App‘!“?

Übers Bloggen (21): Wie viele Blogger…

Wie viele Blogger sind wegen PRISM von Facebook weggegangen? Wie viele von Twitter? Oder von Google Plus? Oder von einem ähnlichen „kostenlosen“ Web-Angebot, das aus der Sicht seiner Betreiber dafür da ist, menschliche Kommunikation in einen sozial optimierten Geschäftsvorfall zu verwandeln? Das also nicht in erster Linie zum Nutzen der Menschen da ist, sondern um ein fragwürdiges Geschäftsmodell zu ermöglichen?

Wie viele von denen, die sich in schwärmerischen, feuchten Träumen für eine „digitale Elite“ halten (und sich von der Scheißpresse und von den Scheißwerbern gern den extraklebrigen Honig ums Maul schmieren lassen, sie seien digital natives), nur, weil sie Blogs dank einer fertigen, leicht benutzbaren Blogsoftware auf dem Niveau pubertärer Poesiealben mit „Inhalten“ füllen können, haben innerhalb der letzten vier, fünf Wochen irgendeine Konsequenz für ihre Internetnutzung gezogen? Wie viele haben mit jedem Versuch aufgehört, möglichst viele ihrer Leser zu Anbietern wie Twitter, Google, Facebook, etc. mitzunehmen, um dort große Zahlen von „Followern“ zu haben, sich selbst zum Schwanzvergleich, und den Geheimdiensten zur sehr interessanten Offenlegung menschlicher Beziehungen und konvergierender Interessen von Menschen.

Wie viele haben nur den JavaScript-Tracking-Schnippsel von Google Analytics entfernt; eine Vorrichtung, die ihnen nur ein paar Zahlen gibt, also nicht einmal eine Spur von wirklichem Wert?

Wie viele haben ein letztes Mal ihr blinke geiles Gadget gestreichelt und sich gesagt: „Es ist eine verdammte Trackingwanze, ein Trojaner, der nicht auf meinem Computer läuft, sondern inzwischen auf meinem ganzen Leben — und dabei war die Illuision doch gestern noch so schön“? Um dann einzusehen, dass eine Systemreinigung nötig ist; eine Systemreinigung nicht nur des Computers, sondern des ganzen Lebens, bei der auch etwas mittlerweile Liebgewonnenes (und auch etwas Teures) unrettbar verloren geht? Wie viele sind wenigstens von der wie eine Alarmglocke schrillenden Kombination wach geworden, dass die Google-Street-View-Wagen im Vorbeifahren alle WLANs gesnifft haben und dass die smart phones mit Googles Android-Betriebssystem bei ihrer Backup-Funktion unverschlüsselt WLAN-Passwörter an Google übertragen?

Wie viele wollen auch nur wissen, was zusammengeführte Daten in den Rechnenzentren der Allesüberwacher alles offenlegen? Und wie wenig darin noch verborgen bleibt?

Wie viele sind bereit, auszuprobieren, was der Preis der Privatsphäre ist? (Während ich das schreibe, habe ich nebenbei beim Kommunizieren meine kleinen Schmerzen mit GnuPG. Kryptografie ist weder einfach noch reibungslos. Auch für erfahrene Computernutzer nicht.) Wie viele sind bereit, reflektierend abzuwägen, wo sich dieser Preis lohnt? Und wofür er sich lohnt?

Wie viele haben so einen Gedanken auch nur laut gedacht? Bloggend, also mit Außenwirkung? Gedacht? Um zu helfen, dass andere diesen Gedanken mitdenken? Um wenigstens etwas geistige Tätigkeit vor der Resignation gegenüber dem big brother zu zeigen, wenn es schon nicht zu einer Umkehr kommt?

Unreflektierte Resignation. Ist keine besonders intelligente Haltung. (Und selbst die reflektierte Resignation kann dumm wirken, ich werde oft von Mitmenschen als „dumm“ bezeichnet.)

Wie viele Blogger aus der so genannten „Piratenpartei“ — die zumindest aus meiner etwas fernstehenden Sicht von einer ungut-naiven Technikverliebtheit geprägt ist — ja, wie viele von dieser kleinen Untergruppe der Bloggenden haben wenigstens einen dieser Gedanken verbloggt?

Und. Wie viele Blogger würden sich sofort eine Software des Verfassungsschutzes, der NSA oder des Geheimen Weltamtes für totale Unterdrückung installieren, wenn man ihnen nur erzählte, dass diese Software Besucher auf ihr Blog bringt; Besucher, die Werbeeinnahmen und gefühlte Bedeutung mit sich bringen? Wie viele Blogger dokumentieren im Moment nur ihre dumme Gleichgültigkeit, wenn sie ihr Blog zu einem Vehikel für die Reklameklickgroschen machen und diesem Zweck das Erfordernis weniger erfreulicher und weniger leicht verdaulicher Mitteilungen unterordnen.

Und. Wie viele dieser Blogger betrachten sich zu allem Überdruss auch noch als politisch?

Und. Warum wundern sie sich noch über ihre Bedeutungslosigkeit?

Geistige Eigentümlichkeit

In welcher Unternehmung wohl zu ersten Mal ein intellektuell etwas unbewaffneter Mitarbeiter auf die Idee gekommen ist, unter jeder Mail an die Kunden in einer Fußzeile mit einer Standardphrase das Copyright auf dem Inhalt der Mail zu deklarieren und sich alle Rechte an diesem zwar meist mechanisch erzeugten, aber doch unfassbar wertvollen „Geistigen Eigentum“ vorzubehalten? Und warum in dieser Unternehmung wohl die ganzen Jahre vorher kein Mensch auf die Idee gekommen ist, einen gleichermaßen absurden und lächerlichen Text unter die normale Papierpost stempeln zu lassen? Und welche merkwürdig gestrickten Menschen in den ganzen anderen im Internet geschäftemachenden Unternehmungen in der folgenden Zeit wohl auf die sinnfreie Idee gekommen sind, diese unpersönliche und nutzlose Zeile Textes in ihren elektronischen Schriftverkehr zu übernehmen? Ob sie dabei wohl geglaubt — vom Denken mag ich bei solchem Denkverzicht nicht sprechen — haben, dass eine E-Mail wichtiger klingt und seriöser wirkt, wenn sie um eine idiotische und von niemanden gelesene Phrase angereichert wird, die doch vor allem wie eine geistige Eigentümlichkeit klingt, und zwar wie eine höchst lächerliche? Oder ob sie sich einfach gar nichts geglaubt haben und in einer kindischen Geste irgendwelche Rechte deklarieren, weil es ja Internet ist… denn genau das ist ja der Eindruck, der von einer solchen Phrase recht zuverlässig erweckt wird, wenn man sie trotz ihrer Belanglosigkeit bewusst wahrnimmt und nur kurz darüber nachdenkt.

Wenn sich geschäftliche Kommunikation ins Internet verlagert, hat der Verstand einen schweren Stand.

Der unbenannte Cyberwar

Wenn Staatsgebilde wie die USA davon sprechen, dass feindseliges Einwirken auf Datenverarbeitungssysteme und ihre Vernetzung eine kriegerische Handlung ist, die militärische Antworten rechtfertigt, und wenn dieser Auffassung nicht widersprochen wird, ist es dann nicht naheliegend, die laufenden und ständigen staatlichen Bemühungen, Computer von Bürgern mit Schadsoftware zu übernehmen und die über das Internet realisierte Vernetzung der Computer der Bürger durch Zensur und Willkürmaßnamen zu sabotieren, ebenfalls als eine Kriegserklärung zu betrachten; als den Cyberwar der Staaten gegen ihre eigenen Bürger?

Der Klebstoff am Hintern des Aussitzers

Deutschland ist das einzige Land, wo Mangel an politischer Befähigung den Weg zu den höchsten Ehrenämtern sichert.

Carl von Ossietzky

Könnt ihr euch auch alle noch daran erinnern, das noch vor ein paar Wochen fast alle daran geglaubt haben, diese lebende Beschädigung des Amtes des Bundespräsidenten, Christian Wulff, müsse zurücktreten?

Die „Politikverdrossenheit“ ist in Wirklichkeit eine Politikerverdrossenheit.

Dioxin in den Eiern?

Hat denn wirklich jemand geglaubt, dass die ganzen Tiere, die als biologische Maschinen die so „beliebten“ preiswerten Nahrungsmittel „erzeugen“ müssen, hochwertiges oder doch wenigstens leidlich artgerechtes Futter erhielten?

Bald ists wieder vergessen… für die Menschen, die im Strom der immer neueren Neuigkeiten mitschwimmen, nicht für die Viecher.

Seelenbrand

Wozu brauchen die religiösen Menschen eigentlich die Idee einer Hölle, wenn sie doch eine Psyche haben…

Copy? Right!

Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber gut werden soll, muss es anders werden.

Lichtenberg

Zeitgenosse: Warum veröffentlichst du so viel unter der „Piratenlizenz“? Die ist ja doch etwas ungewöhnlich…

Nachtwächter: Weil ich die Struktur des Internet verstehe, auch die menschliche Struktur. Die Piratenlizenz schreibt etwas fest, was sowieso getan wird. So bald ich irgendein Werk im Internet veröffentliche, gebe ich die Kontrolle über dieses Werk aus der Hand. Die Piratenlizenz ist eine Lizenz, die Zwischenablage und die RSS-Feeds angstfrei zu benutzen, den Text zu kopieren, zu bearbeiten, zu zerfleddern, ja, ganze Werke zu spiegeln. Das ist ein natürliches Verhalten unter Nutzung der gegebenen technischen Möglichkeiten. Der Computer und das Internet als Netzwerk von Computern sind immer schon Kopiermaschinen gewesen, die Anfertigung einer Kopie ist eine einfache und sinnvolle Nutzung dieser Technik. Mein Urheberrecht kann ich im Rechtsraum der BRD ja nicht abtreten, aber ich kann eine Lizenz zur Nutzung ausstellen, die den Ängsten wegen der juristischen Willkür in der BRD begegnet, die so frei wie nur möglich ist.

Zeitgenosse: Aber damit ermöglichst du doch den Missbrauch, die von dir wohl nicht gewünschte, kommerzielle Nutzung…

Nachtwächter: Wenn ich den Gebrauch ermögliche — und das mache ja nicht ich, das macht bereits die verwendete Technik — denn ermögliche ich immer auch den Missbrauch. Das. Gilt übrigens für jede Technik. Wenn ich das für untragbar halte, muss ich ein technisches Medium wählen, das den Missbrauch erschwert. Und das. Gilt für jeden, der im Internet veröffentlicht, gleich, welcher implizite oder explizite Lizenztext dabei Verwendung findet. Ich finde es übrigens in diesem Zusammenhang sehr erstaunlich, dass die gleiche Journaille, die gar nicht laut genug über die „Clipboardkultur“ des Amateur-Internet und die dadurch verursachten „Verluste“ klagen kann, Verweise auf ihre von den NITF-Tickern der Agenturen kopierten und mit Werbeeinblendungen vergällten Inhalte über Twitter herauspustet und es sich sehr wünscht, dass diese massenhaft „retweetet“, also einfach mechanisch kopiert werden. Das hat einen beachtlichen realsatirischen Liebreiz.

Zeitgenosse: Aber jeder könnte doch deine Texte mit der von dir so gehassten Werbung „vergällen“, wie du so schön sagst.

Nachtwächter: Wer wirklich meint, dass sich meine Texte ausgerechnet dazu eignen, der soll es ruhig versuchen. Ich bin froh über jeden Mirror, der meine marginalisierten Betrachtungen erhält und vor den immer unverschämteren Zensurbestrebungen schützt.

Gruß an W.