Tag Archive: Foto


Schmutzfrucht

Verschmutzte Werbetafel mit Früchten

Die ganzen, mit hohem Aufwand hinretuschierten Bilder aus der Reklame; diese ganzen Früchte und Schokostückchen, die von psychologisch geschulten Grafikern in jenem Moment festgehalten werden, in dem sie in eine weiße, milchverheißende Flüssigkeit eintauchen; diese auf einen bloßen Appell an die geschmackliche Assoziationen reduzierten und dabei klinisch rein gewordenen images der Werber, einzig dazu geschaffen, im öffentlichen Blickraum herumzustehen und arglosen Passanten das Wasser im Munde zusamemmenlaufen zu lassen; auch in diesen hingelogenen Wirkmächten stellt sich zuweilen die Wahrheit wie von alleine her. Es bedarf nur eines einzigen Winters, der auch ein paar grausinnige, nasse Tage kennt, hinzu einer in dieser Zeit kaum frequentierten und oft geschlossenen Verkaufsstätte, vor der die Tafel einfach stehen gelassen wird und des Spritzwassers, das den Dreck der Straße an den mit viel Plastik wetterfest gemachten Karton mit der glänzenden Lüge trägt — kaum wird die Hand eine Zeitlang lässig, die den Abrieb des wirklichen Lebens von den bis zur Wahnhaftigkeit künstlichen Genussparadiesen wischt, schon zeigen sich jene schmutzbraunen Spritzer auf dem Schrei der grellen Farben, die dorthin immer gehört hätten, wenn das Bild der Wirklichkeit der Foodindustrie verpflichtet gewesen wäre.

Tröster

Troester

Nicht gerade tröstlich…

Abendstimmung

Wenn die müde Sonne nach der Last eines Tages, an dem nichts Neues unter der Sonne geschehen ist, endlich unter dem Horizont entschwindet, nur um zu sehen, dass auch auf der anderen Hemisphäre der Erdkugel nichts Neues unter der Sonne geschieht; wenn diese wenigen Minuten über einen Menschen hinwegstreifen, in denen sich die ganze Welt in ein rötliches Halbdunkel legt, das des kühlen Märzens bei weitem nicht so warm ist, wie es aussieht; wenn sich die scheinbare Himmelskuppel in den Farben eines Regenbogens verfärbt und die getröstete Seele eine uralte Magie aus der Luft zu atmen glaubt…

Abendstimmung

…dann ist die in totaler Verwirtschaftung deflorierte Erde für einen kurzen Moment wieder zum Menschen kommensurabel geworden; dann erwacht heiter und singselnd eine längst vergessene Ahnung davon, wie das trübe, beschädigte Dasein wirklich sein könnte, ja, wie es sein müsste; und selbst noch die tristeste Industriebrache verliert für einen viel zu kurzen Moment ihre inhärente Hässlichkeit.

Das Licht und der See

Lichtkunst am Maschsee

Wie gut dieses Werk doch an den Maschsee passt, an einen künstlichen See inmitten Hannovers, der von der ebenso künstlichen, von der Reichsschrifttumsstelle diktierten Ästhetik des „Dritten Reiches“ geprägt ist! Die aus bemaltem und durchsichtigem Glas bestehenden Flächen sind zwar farbig, aber dabei doch nicht bunt, dafür jedoch in strikten Raster geradlinig angeordnet. Dahinter eine Phalanx von Leuchtstoffröhren, die dieses stillstehende Schauspiel des Nachts mit künstlichem Licht durchfluten soll. Und. Jede zweite dieser Röhren ist kaputt. Hinter dem Werk die Kälte und das Eis.

Wenn es so beabsichtigt war, ist es großartig!

Zukunft im Ihme-Zentrum

Schon immer haben geschäftstüchtige Menschen in dieser hannöverschen Betonburg namens Ihme-Zentrum eine Zukunft gesehen…

Zukunft im Ihme-Zentrum

…doch da war nichts weiter als die Reflexionen einer kalten und unmenschlichen Architektur an einer glatten Oberfläche. Und hinter dieser Reflexion unter dem großen Worte „Zukunft“ liegt nur ein leerer Raum; ein entkernter Geschäftsraum, in dem kein Geschäft mehr stattfindet.

Das Foto machte ich vor dem laufenden und jetzt wegen akuter Säckelkrankheit stagnierenden Umbau, um den „Auslieferungszustand“ dieses Mahnmales zu dokumentieren.