Tag Archive: Eis


Leck die Unendlichkeit!

Langnese-Werbung für das Langnese-Eis 'Magnum' mit dem Claim: Genieße die Unendlichkeit

Albert Einstein soll — so wird es jedenfalls immer wieder in den Apokryphen der Zitatdatenbanken verbreitet — einmal gesagt haben: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“. Eine ganz besonders starke Konzentration unendlicher Dummheit — falls so etwas überhaupt möglich ist, ohne dass es sich gleich zum allgemeinen Segen in einer Singularität aus dem Kosmos verabschiedet — scheint es bei den Reklamemachern für Langnese zu geben, wenn sie sich mal wieder einen neuen Bullshit ausdenken, um leckere, zuckrige Kaltspeise mit gleichermaßen großtönenden wie nichtssagenden Worten an den Konsumenten zu bringen.

Übrigens sind die folgenden Worte ein belegbares Einstein-Zitat:

Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen, und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.

Albert Einstein bei der Eröffnungsansprache der 7. Deutschen Funkausstellung und Phonoschau zu Berlin am 22. August 1930

Guten Appetit!

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Eispanzer

Kaum etwas macht so deutlich, wie gleichgültig unter den Maßgaben des gegenwärtig laufenden gesellschaftlichen Prozesses das Wohlergehen der Menschen ist, wie die Tatsache, dass in diesem kalten und langen Winter in vielen Städten die Fuß- und Radwege, auf denen sich die Menschen bewegen sollten und oft auch mussten, nicht geräumt wurden.

Dass unter den Maßgaben des laufenden gesellschaftlichen Prozesses das Wohlergehen der Menschen völlig gleichgültig geworden ist. Wird sehr deutlich an den Fußwegen, auf denen sich die Menschen doch bewegen sollen und oft auch müssen, und die in diesem langen und kalten Winter selbst in den großen Städten nicht geräumt wurden, sondern als gefährliche Rutschbahnen belassen wurden. Die — zumindest in Hannover — teilweise zentimeterdicken Eispanzer auf den Fußwegen, die gebrechlicheren Menschen über einen Monat lang jeden Schritt nach draußen erschwert oder gar verwehrt haben und die auch für weniger eingeschränkte Menschen einen Angriff auf alle 210 Knochen ihres Körpers darstellten; diese Eispanzer sind ein treffliches Abbild der seelischen Kälte, die hier alles beherrscht und jede Seele verpanzern. Und. Die leider nicht schon durch steigende Temperaturen und einsetzendes Tauwetter beendet wird.

Schmutzfrucht

Verschmutzte Werbetafel mit Früchten

Die ganzen, mit hohem Aufwand hinretuschierten Bilder aus der Reklame; diese ganzen Früchte und Schokostückchen, die von psychologisch geschulten Grafikern in jenem Moment festgehalten werden, in dem sie in eine weiße, milchverheißende Flüssigkeit eintauchen; diese auf einen bloßen Appell an die geschmackliche Assoziationen reduzierten und dabei klinisch rein gewordenen images der Werber, einzig dazu geschaffen, im öffentlichen Blickraum herumzustehen und arglosen Passanten das Wasser im Munde zusamemmenlaufen zu lassen; auch in diesen hingelogenen Wirkmächten stellt sich zuweilen die Wahrheit wie von alleine her. Es bedarf nur eines einzigen Winters, der auch ein paar grausinnige, nasse Tage kennt, hinzu einer in dieser Zeit kaum frequentierten und oft geschlossenen Verkaufsstätte, vor der die Tafel einfach stehen gelassen wird und des Spritzwassers, das den Dreck der Straße an den mit viel Plastik wetterfest gemachten Karton mit der glänzenden Lüge trägt — kaum wird die Hand eine Zeitlang lässig, die den Abrieb des wirklichen Lebens von den bis zur Wahnhaftigkeit künstlichen Genussparadiesen wischt, schon zeigen sich jene schmutzbraunen Spritzer auf dem Schrei der grellen Farben, die dorthin immer gehört hätten, wenn das Bild der Wirklichkeit der Foodindustrie verpflichtet gewesen wäre.