Tag Archive: Drogen


„Coffee to go“ war gestern…

Kiosk in der Kochstraße in Hannover Linden mit Werbung: Herrenhäuser (hannöversche Biermarke) frisch gezapft & to go

Antidrogen

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Woran du bemerkst, dass du Substanzen eingenommen hast, die dir der Staat, in dem du dein Leben fristen musst, verbietet? Du bemerkst es daran, dass du dich gut fühlst. Die Dinge, die bewirken, dass du dich schlecht fühlst, verbietet der Staat, in dem du dein Leben fristen musst, ja nicht; ganz im Gegenteil. Er nötigt sie dir oft mit Gewalt auf“.

Surreales Lesen

Hast du dir jemals Gedanken darüber gemacht, wie surreal es ist, ein Buch zu lesen? Du schaust stundenlang auf zu dünnen, flexiblen Scheibchen bearbeitetes Holz mit kleinen darauf aufgebrachten Markierungen und entwickelst dazu lebhafte Phantasien…

Wider die Vergiftung

In Russland steigen seit Monaten die Lebensmittelpreise. Wodka aber wird bald billiger, vom Staat verordnet. Präsident Putin will verhindern, dass sich die Menschen an illegalem Alkohol vergiften, wenn sie sich Wodka nicht mehr leisten können

So viel politische Einsicht wünsche ich mir (und allen anderen Menschen) mal in Bezug auf alle halbwegs populären Rauschmittel. Und zwar überall.

Dinge einfach kriminell machen

„Seltsam“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dass es vor dem 20. Jahrhundert die so genannte ‚Drogenkriminalität‚ noch gar nicht gab, die Substanzen aber sehr wohl. Und. Glaub nicht und niemals, dass vor dem 20. Jahrhundert viele Jahrhunderte der Abstinenz lagen! Die gleichen Leute, die so leicht erbosen und vor brutal tatkräftiger Moral nur so sprudeln, wenn irgendwo in der Welt religiös maskierte Barbaren die Köpfe der Andersgläubigen abschlagen, haben kein Problem damit, hier gewisse Pflanzen für illegal zu erklären und die Nutzer dieser Pflanzen wie Schwerverbrecher zu behandeln, mit der ganzen staatsbrutalen Wucht des Justiz- und Strafvollzugsapparates. Was alle Herrschaft eint, ist der Wille, anderen Menschen mit Gewalt aufzuzwingen, wie sie nach Meinung der Herrschenden zu leben haben, und ist der Maßstab auch noch so absurd“.

Gefährliche Drogen

„Stell dir nur vor“, sagte der Vorübergehende zum Mitmenschen Spießer, „gefährliche Drogen wären legal und jeder könnte sie überall für wenig Geld in guter Qualität erwerben: Familien würden unter der schweren Sucht eines einzigen Angehörigen zerrüttet; schwere organische Schäden würden bei vielen Konsumenten zu jahrelangen medizinischen Behandlungen und zu einem Leben in Siechtum führen; immer wieder gäbe es Tote durch die Überdosierung des Rauschmittels; junge, im Gebrauch der Droge noch unerfahrene Menschen würden jeden Tag mit Blaulicht und Martinshorn in die Krankenhäuser gefahren, um ihr Leben zu retten; überall gäbe es Menschen in unserer Gesellschaft, die abgehängt wären, ihr ganzes Leben wegwürfen und nur noch für ihren nächsten Rausch lebten. Und. Als ob das nicht genug wäre, gäbe es jedes Jahr zehntausende oft tödliche Unfälle unter Alkoholeinfluss“.

Der Reisende

Der Zeitgenosse hielt dem Vorübergehenden eine Pappe¹ hin und fragte: Willst du mit mir auf die Reise gehen? Und der Vorübergehende. Antwortete: Nein, aber willst du vielleicht mit mir ankommen?

¹LSD

Keine Droge

Zitat stern.de

Am Nachmittag dann die offizielle Bestätigung: Die britische Soulsängerin, die vor drei Monaten tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde, stand bei ihrem Tod unter massivem Alkoholeinfluss. Den gerichtlichen Untersuchungen zufolge ist die fünffache Grammy-Gewinnerin an einer Alkoholvergiftung gestorben. Es wurden keine illegalen Substanzen in ihrem Körper gefunden. Winehouse hatte seit etwa Ende 2008 keine Drogen mehr genommen.

Es ist immer wieder faszinierend, wie selbst im Kontext einer Meldung, dass sich ein alkoholabhängiger Mensch buchstäblich zu Tode gesoffen hat noch darauf hingewiesen wird, dass dieser Mensch doch immerhin keine Droge genommen hat. Das beliebte Rauschgift für die sedierten Massen — ganz gleich, wie viele Beziehungen dieses Gift zerrüttet und wie viele Menschen es zerstört — es gehört ja nicht zu den „Drogen“, die seit 2008 nicht mehr genommen wurden.

Selbstverweis: Über alles wächst Gras

Amy Winehouse

Als dem Vorübergehenden ganz aufgeregt mitgeteilt wurde, dass Amy Winehouse gestorben ist, sagte er nur: Das ist doch zur Abwechslung mal wieder ein Opfer der Drogensucht, das nicht sofort verdrängt wird — nicht so wie die meisten anderen, die es mangels Vermarktbarkeit nicht zu medialer Präsenz gebracht haben und überall aus dem Stadtbild und aus der allgemeinen Wahrnehmung verschwunden gemacht werden sollen.

Anmerkung: Ich mochte ihre Stimme…

Glubschohr

Ich wusste, dass ich alt geworden war, als mich vor einigen Monaten das erste Mal ein deutlich jüngerer und offenbar mit MTV aufgewachsener Mensch fragte, ob ich ein bestimmtes, neues Musikstück schon gesehen hätte. Und. Als dieser deutlich jüngere Mensch mich völlig verständnislos anschaute, als ich ihm daraufhin sagte, dass ich schon lange kein acid mehr nähme.

In jeder Zeit nehmen die Heranwachsenden in ihrer zum Körper gewordenen Verzweiflung die jeweils modernen Mittel, um die Wahrnehmung zu füttern und erträglicher zu halten. Zu meiner Zeit nahm man Drogen, um seine eigenen Trugbilder zu sehen und seine ganz persönliche Geisteskrankheit zu entwickeln. (Was mich. Hervorbrachte.) Und. In der heutigen Zeit nehmen sie Medien, um die kollektiven Trugbilder zu sehen und die kollektive Geisteskrankheit zu übernehmen. (Was das hervorbringt. Was mich jedenall und übertag ergibt und umstickt.)

Der trockene Rausch

Jede wirksame Droge ist eine Substanz, die chemisch auf das Gehirn einwirkt und auf diese Weise das Bewusstsein verändert. Das ist der Rausch, der von einer Droge verursacht wird; und jedem dürfte klar sein, dass Räusche in aller Regel nicht vernünftiger machen. Aber keine Droge könnte wirken, wenn dieser Rausch nicht schon im Hirne als Reaktion auf körperliche Prozesse vorgesehen wäre, wenn er nicht in vergleichbarer Weise durch körpereigene Substanzen hervorgerufen werden könnte. Niemand glaube, dass ein derartiger „Trockenrausch“ geeigneter sei, Vernunftleistungen hervorzurufen als ein Rausch, der mit Hilfe von Drogen eingeleitet wird. Nicht nur die Geschichte der Religion ist eine Geschichte des trockenen Rausches voller süßwarmem Größenwahns als Flucht vor der ständigen Demütigung des Narzissmus in der Realität, auch sollte jedem Menschen der heutigen Zeit auffallen können, dass ein solcher „ekstatischer“ Rausch auch jedem nicht religiösen Menschen offensteht — und das gleiche Potenzial zum Siechtum der Sucht in sich trägt wie ein drogeninduzierter Rausch. Ob es die scharweis gröhlenden Schlachtenbummler der wöchentlichen Soap-Operas für Männer, der professionell aufgeführten Sportwettbewerbe, sind; ob es die Kaufräusche sind, in die Menschen angesichts des Angebotes verfallen und bei denen sie ihr Kaufverhalten zuweilen vollständig von ihren Bedürfnissen entkoppeln; oder ob es sich um den Rausch eines Verliebten an seinen eigenen Hormonen, ich spreche da gern von „körpereigenen Sexualtoxinen“, handelt — jeder dieser Räusche zeigt, dass ein Rausch ohne extern zugeführte Drogen möglich ist, ja, dass ein solcher Rausch oft wesentlich längerfristig den Verstand beeinträchtigt als ein Drogenrausch.

Die Manipulation durch Rhetorik bedient sich, so sie wirksam und geschickt ausgeführt wird, eines psychischen Materiales, das einen trockenen Rausch auszulösen vermag. Die Wirkung ist verheerend. Ganze Gesellschaften sind für die abstrakte Kopfgeburt eines Begriffes wie „Nation“ besoffen vor Begeisterung in den Krieg gezogen. Um sich davor zu schützen, ist es durchaus wichtig, zu wissen, dass ein vollwertiger Rausch ohne Benutzung von Drogen induziert werden kann. Demnächst wird es hier eine Bundestagswahl mitten in einer für viele Menschen beängstigenden Krise der gesamten Gesellschaft geben, und in den PR-Abteilungen der antretenden Parteien suchen schon recht kompetente Menschen nach Material, mit dem wirksame Räusche erzielt werden können, die dann zu einer wenig vernünftigen Entscheidung bei der Wahl führen sollen — denn argumentativ geht man beim Verkauf der Politik an das Volk schon lange nicht mehr vor.