Tag Archive: Doppelmoral


Nawalny

Die gleichen Leute, die sich mit soviel eigens dafür aufgesetzter Überzeugung für Alexej Nawalny einsetzen, schweigen über die jahrelange Folter von Julian Assange. Sie wollen keine Freiheit für alle aus politischen Gründen inhaftierten Menschen, sondern sie wollen nur die Freiheit für die aus politischen Gründen inhaftierten Menschen anderer Staaten. Was diesen tief staatsfromm Überzeugten jene „Pressefreiheit“ bedeutet, die sie bei im Zuge ihrer Lügen in obszönen Worten abfeiern, kann man am Spiegelbild des Zerfalls von Julian Assange erkennen, der seit Jahren medial und politisch vergessen gemacht werden soll, damit er um so grober behandelt werden kann.

Möge das Zeitalter des contentindustriellen Journalismus, der sich, so lange ich denken kann, immer in den Dienst jeder bösen, mörderischen und niederträchtigen Sache gestellt hat, möglichst schnell zu Ende gehen; mögen alle seine Diener und Profiteure in Armut und Verachtung fallen!

Die Abtreibungsgegner

Es sagt vermutlich alles über gewisse Gegner der Abtreibung, wenn die gleichen Freunde des ungeborenen Lebens auf der anderen Seite mehr oder minder offen einfordern, dass man Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen soll.

Weg mit dem Kinderficker

„Seltsam“, sagte der Vorübergehende zu Mitmensch Mediengläubig, „dass es jetzt zwar Radiosender gibt, die keine Musik mehr von Michael Jackson spielen, weil in einem kommerziellen Dokumentarfilm Menschen zu Wort kamen, die er als Kind missbraucht haben soll; dass aber auf der anderen Seite die gleichen Radiosender keine Probleme damit haben, röm.-kath. so genannte ‚Gottesdienste‘ zu übertragen“.

Adblocker

Wie viele von den Journalisten, die trotz ihrer ausbeuterisch miesen Bezahlung durch Verlagsmilliardäre immer wieder einmal schreiben, dass die Adblocker für Webbrowser den Journalismus zerstören, weil sie seine Finanzierung verhindern, werden wohl selbst bei jeder Recherche im Internet Adblocker benutzen, einfach nur, um schnell und unabgelenkt lesen zu können, was sie lesen wollen oder müssen?

Juratitte

„Wie auffällig es doch ist“, sagte der Vorübergehende zu seiner Begleiterin im Wind, „dass die Boulevardpresse, wenn sie mit süffisantem Tone über die Abmahnungen für gestreamte Pornofilme aus dem Internet berichtet, zwar kein Wort zum Hintergrund schreibt und mit keiner Silbe erwähnt, dass nach der Rechtsauffassung dieser Abmahnanwälte jeder Klick im Zukunft abmahnfähig werden könnte, und stattdessen diese Gelegenheit gleich nutzt, ein paar pralle Titten auf die Seiten zu stempeln“.

Gewalttäter warnen: Gewalt ist falsch!

Es ist doch immer wieder erhebend und klingt klingeling schön nach Menschenrecht und Demokratie, wenn die classe politique des Staates, der — nur ein einziges Beispiel von vielen — Gegnern eines sinnlosen Prestige-Bahnhofes in Stuttgart die Augen aus dem Kopf schießt, vor Gewalt gegen Demonstranten im Ausland warnt. Es gibt nun einmal einen Unterschied zwischen dem Widerstand gegen die Entscheidungen „demokratisch“ gewählter Regierungen im Ausland und dem Widerstand gegen die Entscheidungen „demokratisch“ gewählter Regierungen, zu denen man selbst gehört…

Zweierlei Lügner

Wie entrüstet doch Mitmensch Spießer im Bierdunst ist, wenn Mitdämon Journalist bei ihm die richtigen psychologischen Knöpfchen drückt, weil ein korrumpierter, geltungsgeiler Bischof lügt — als wenn nicht der ganze Trost der christlichen Religion eine einzige jesuserbärmliche Lüge wäre — wie schnell er, wenn der Speichelfluss des Affektes aus ihm herausquillt, aufgeregt nach dem Glase grabscht und mit richtig laut werdender Stimme den Rücktritt eines verlogenen Kirchenbonzen fordert, und wie gewillt er ist, eine darin völlig schamlose, durch und durch verlogene und korrupte Regierung wiederzuwählen…

Der Schutz des Lebens

Es ist immer wieder erstaunlich, dass so viele Menschen, die zum „Schutz des Lebens“ gegen jede Abtreibung sind und deshalb ein mit Staatsgewalt durchgesetztes Verbot jeder Abtreibung fordern, doch immer noch bei all ihrer plakativen Lebensschützerei mit der Todesstrafe sympathisieren können und nichts in vergleichbarer Lautstärke und Deutlichkeit gegen die industriell unterstützte Menschenmetzelei der Kriege zu sagen wissen.

Blockade

Jeder Mensch, der jetzt wegen der Anfertigung und Verteilung von Kopien urheberrechtlich geschützter Werke in einem Gefängnis der Vereinigten Staaten von Amerika sitzt, blockiert damit nur den Gefängnisplatz für einen der vielen Soldaten, die völlig grundlos Zivilisten abgeknallt oder ausgebombt haben.

Der europäische Schleier

Es ist doch seltsam. Die gleichen Menschen, die sich so lautstark und recht künstlich emotional über die Verschleierung der Frauen aufregen können, die im größten Teil der islamischen Welt üblich ist, die noch das harmlose Kopftuch für einen verachtenswerten und gefährlichen Gräuel halten, sie wundern sich nicht einen Moment in ihrem Leben darüber, dass die Frauen in der christlichen Welt ihr wirkliches Aussehen hinter einer Maske aus Kosmetik und sonstigem Körperverberg verstecken müssen, dass sie sich sogar zuweilen durchoperieren lassen müssen, um nicht gesellschaftlich ausgegrenzt zu sein. Auch das christliche Europa und sein geistkrankes Bastardkind in Nordamerika hat seine obligatorischen Schleier und Kopftücher für Frauen, genau so augenfällig und verpflichtend wie die Verbergtücher des Orients, nur dass diese um einiges teurer und damit diskriminierender für arme Frauen sind. Allein in diesem Unterschied. Zeigt sich ein Stück des kulturellen Unterschiedes.

Gleichgültiges Fest

Es ist Sommer. Die Sonne hat keine Wahl und scheint auf nichts Neues. Die Straßen der Stadt sind warm. Die Menschen. Treibt es nach draußen. Da muss ihnen doch etwas geboten werden, damit. Sie nicht zu denken beginnen. Ein rauschendes Fest nach dem anderen wird auf den Straßen und Plätzen Hannovers aufgeführt, mit lärmender Musik und Bier im Plastikbecher, vierunddreißig internationen Pfannen, aus denen es zum Himmel stinkt und Feuerwerk. Und Feuerwerk. Für den Vorübergehenden, den Fühlenden und Denkenden, entsteht der Eindruck einer verzweifelten Riesensause auf einem sinkenden Schiff.

Und wer unter den Menschen sich trotz der vielen vorgestanzten Angebote darauf besinnt, dass er noch etwas selbst machen könnte, wird von der Polizei aufgelöst. Es ist eben nicht alles gleich gültig unter den Bedingungen der totalen Verwirtschaftung. Aber das. Soll den Feiernden gleichgültig bleiben.

Doppelt hält besser

Er sagte: „Die heutige Zeit ist doch gar nicht morallos. Noch nie hat ein Mensch so viel Moral wie heute gebraucht. Er braucht sie sogar in doppelter Ausführung, einmal für sich selbst und ein weiteres Mal mit etwas strengeren Maßstäben für andere Menschen.“