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Dieses Spielen der Kinder aber auch immer!

Das Spielen der Kinder auf dem Hof und in der Durchfahrt ist verboten

Gasdeutsch

Allzu häufig bestand die deutsche Grammatik der Nachkriegszeit aus der politischen Deklination ich vergesse, ich vergaß, ich habe vergast.

Breitband für alle!

Es ist immer wieder erstaunlich, wie reich in der Echokammer der deutschsprachigen Internet solche großen „gesellschaftlichen“ und „politischen“ Forderungen wiedergegeben werden, dass jeder Mensch hier als Quasi-Menschenrecht einen Breitband-Zugang zum Internet benötigt und dass ein solcher Zugang zum Internet schon allerlei gesellschaftliche Probleme lösen wird. Ich saß gerade bei einer 73jährigen Frau, die mit ihrer (übrigens schon überdurchschnittlichen) Rente kaum noch über die Runden kommt, nur noch mit gewisser Mühe ihre Miete bezahlen kann, schon in einem für sie selbst nicht mehr erträglichen Maße verschuldet ist, sich große Sorgen darüber macht, dass sie auf ihre alten Tage wohl noch einmal einen Umzug wuppen muss, zurzeit nur noch bei „Discountern“ einkaufen kann und mit großer Bitterkeit darauf zurückschaut, dass ihr von einem Leben voller Arbeit nichts bleibt als ein Leben voller Krankheiten, die zu einem Gutteil auf die Arbeitsbedingungen zurückgehen, unter denen sie ein Leben lang gearbeitet hat — und die bei alledem mehr als nur unterschwellig davon spricht, dass sie auf einen schnellen Tod hofft. Wenn ich mir das alles anhöre, den bitteren Geschmack vieler Worte noch stundenlang im Munde behalte, denn weiß ich wirklich nicht, wie ich diesem Menschen gegenüber die „Erlösung durch das breitbandige Internet“ vertreten soll, ohne mich dabei zu schämen. Diese seltsamen Großkopferten im deutschsprachigen Internet, die solche messianischen Hoffnungen auf eine bloße Technik setzen und sich über die gewaltigen Klickzahlen freuen, wenn sie solche messianischen Hoffnungen auf ihren Websites publizieren, sie scheinen sich niemals mit anderen Menschen außerhalb ihrer recht engen Kreise zu unterhalten — oder, wenn sie es einmal nicht vermeiden können, ihre Ohren angesichts des hörbar beschädigten Lebens auf Durchzug zu schalten. „Breitband-Internet für alle“ ist ja eine durchaus bedenkenswerte Forderung, aber angesichts dessen, was der gegenwärtig über die Gesellschaft ablaufende Prozess an Menschen hinter sich zurücklässt, sollten politische Forderungen für ein erträgliches und dem Menschsein angemessenes Leben doch ein bisschen breitbandiger sein.

Das Manifest-Manifest

Sieben unentbehrliche Thesen zur entbehrlichen Kommunikation im deutschsprachigen Internet, schnell herausgehustet und in die vertraute Form einer nummerierten Liste gebracht.

  1. Form follows dysfunction
    Du willst etwas im deutschsprachigen Internet mitteilen und ganz viel Aufmerksamkeit dafür erlangen? Aber da ist gar nichts Bedeutsames zum Mitteilen? Und wenn du ganz genau hinschaust, hast du gar nichts zum Mitteilen, vielleicht abgesehen von ein paar Allgemeinplätzen und Selbstverständlichkeiten? Schreib das Bedeutungslose einfach als nummerierte Liste herunter, immer mit einer kurzen, fettgesetzten und blahhaften Aussage am Anfang und nenne das Ergebnis „Manifest“ oder auch mal „Thesenpapier“! Diese Form macht den Erfolg gewiss, wenn du nicht gerade Inhalte bringst. Und das beste daran: Wenn du den Text in HTML als geordnete Liste setzt (also im <ol>-Tag), denn nummeriert der Browser das für dich durch. Du weißt nicht, was HTML oder ein Tag ist? Na, denn nummerierst du eben von Hand durch. Man kann beim Schreiben ja nicht die ganze Arbeit dem Computer überlassen…
  2. Keine Qual der Themenwahl
    Natürlich kann man solche Manifeste nicht zu jedem Thema verfassen. Bei Themen mit unmittelbarer Relevanz für das Leben der Menschen fällt trotz des wuchtigen Wortes „Manifest“ und der gewählten Form der dürftige Inhalt auf. Also schreibe dein Manifest nicht über so schwierige Themen wie etwa die Frage, ob ein jedem Menschen offen stehender Zugang zu Bildung eine Bedingung für die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen ist, oder ob es so etwas wie ein unabdingbares, zu garantierendes und durch keinen Zwang auszuhöhlendes Recht eines jeden Menschen auf Leben geben sollte, einfach, weil er ein Mensch ist. Das sind nicht die Themen, die interessieren. Denk daran, du schreibst im Internet. Also nimm auch das Internet zu Thema, und sei dir nicht zu peinlich dafür, aus diesem Netzwerk von Computern große gesellschaftliche Forderungen und Heilsversprechen abzuleiten! Man muss ja nicht gleich nachdenken, wenn man so ein Manifest schreibt…
  3. Scheinbare Tiefe durch verallgemeinernde Begriffe
    Du weißt, was der Begriff „Begriff“ bedeutet? Er bedeutet, dass etwas „begreifbar“ wird, also anfassbar, antastbar. Das ist nicht deine Absicht. Deshalb verwende die allgemeinsten und farblosesten Begriffe, die du finden kannst! Die sind zwar immer noch Begriffe und erwecken den Anschein, dass durch sie etwas anfassbar und antastbar wird, aber wenn man wirklich hingreifen will und seine Hände danach ehrlich befragt, hat man in den Nebel gegriffen. Wenn diese Begriffe sogar noch mit althergebrachter, echter Bedeutung aufgeladen sind, um so besser. Im Dunstkreis des Internet ist „Journalismus“ so ein nebulöser Begriff; von Alters her ist sein Klang noch gut, aber in Wirklichkeit ist es aber zurzeit vor allem das Abschreiben aus den NITF-Tickern der großen Nachrichtenagenturen, damit der Käufer der journalistischen Produkte nicht sofort bemerkt, dass er vor allem Werbung kauft und dass es die Hauptaufgabe der gesamten Journaille geworden ist, dass er diese rezipieren soll. Ein anderes dunstiges Wort ist „Partizipation“. Bringe derartige Unbegriffe einfach im Zusammenhang mit dem Internet, vergiss dabei nicht, auch den Unbegriff „Medien“ immer wieder in dein Texterfassungsprogramm zu schreiben, und wirf dabei ja keine gesellschaftlichen Fragen auf, deren Lösung nicht in der Verfügbarkeit einer Technik besteht. Man muss ja nicht gleich nachdenken, wenn man dein Manifest liest…
  4. Autoritäre Sprache
    Weißt du, wer der wohl beliebteste deutsche Kanzler war? Das war Adolf Hitler. Denk mal über seine Sprache nach, die so viele Menschen in Deutschland einmal so gern gehört haben! Einfache Aussagen, die keinen Widerspruch dulden, die in der Rede dieses Gasmannes als unverrückbare Tatsachen erscheinen; nicht durch Argumente und dargelegte Gedanken bestärkt, sondern durch Lautstärke. Eine hervorragende Vorbereitung für den Kommandoton und die Abschaltung der höheren Geistesmöglichkeiten beim Ausführen von Befehlen. In dieser Form bekommt man in Deutschland jeden verrückten Quatsch durch. Schau um dich, betrachte die Reklame, die Zeitungen, die politische Rede! Der Stil kommt immer noch an. Du schreibst ein Manifest, also halt deine Sprache autoritär und klatsch deine Unverbindlichkeiten in Worten hin, die wie ewige Wahrheiten klingen! Dass die alte Religion keine besondere gesellschaftliche Rolle mehr spielt, bedeutet noch lange nicht, dass die Menschen nichts mehr glauben wollen…
  5. Technik ist scheiße
    Dass du jeden Bezug zum gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozess vermeidest, wenn du dein Manifest zum Thema Internet schreibst, darf aber noch lange nicht bedeuten, dass du dich über die technischen Grundlagen des Internet auslässt. Du willst doch Aufmerksamkeit mit deinem Manifest, oder? Jeder technisch klingende Terminus reduziert die Leserschaft um ca. zwanzig Prozent, und jede in mathematischer Schreibweise gesetzte Formel reduziert die Leserschaft um ca. fünfzig Prozent. Korrekte Herleitungen technischer Schlüsse und die zugehörigen Gedankengänge reduzieren die Leserschaft auf ein paar Handvoll geeks, und wenn du dabei nicht sehr fundiert und einfallsreich bist, denn lacht diese Handvoll geeks über dein hohles, stümperhaftes Gelaber. Also gib dich gar nicht erst mit dieser Technik ab! Du willst dich ja nicht in ein komplexes Thema einarbeiten, sondern ein Manifest darüber schreiben…
  6. Heute ist morgen gestern
    Um dein gedankenverhungertes Manifest so richtig gehaltvoll klingen zu lassen, wende den bekannten Nostradamus-Trick an und schreib über die Zukunft. Von Nostradamus lernen heißt übrigens auch, niemals ein konkretes Datum zu nennen. In Deutschland haben die meisten Menschen Angst vor der Zukunft, und deshalb finden sie jede Aussage über die Zukunft sehr interessant — zumindest viel interessanter als eine Bilanz der Gegenwart und die Beschäftigung mit der Frage, wie es zu dieser Gegenwart kommen konnte. Die Zukunft ist die gewaltige Leinwand, an der du deine Nichtigkeiten projizierst, direkt aus deinem Kopfkino projizierst. Entwirf mit nebulösen und nicht zu schwülstigen Worten große Visionen einer wunderbaren und paradiesisichen Zukunft, ohne die Strukturen in Frage zu stellen oder auch nur zu betrachten, die verhindern, dass diese Zukunft schon Gegenwart geworden wäre! Die Technik, die du selbst nicht begreifst, sie ist der neue Messias, und im Internet regnet es Geld und Schokochips für alle vom Himmel. Zumindest morgen. Oder auch mal übermorgen. Und hoffentlich ein bisschen früher für dich. Man kann ja schlecht nach den Sternen greifen, wenn man mit den Füßen noch auf dem Boden steht…
  7. Prominenz und Titten
    Wenn dein Papier fertig ist, fehlt nur noch eines: Dass du ein paar Leute typische Internet-Prominenz findest, die sich dahinterstellen und ihren Namen dafür hergeben und das ganze wirre Ding zum Thema machen. Das müssen jetzt keine nachdenklichen oder auch nur interessierten Typen sein, es reicht, wenn es bekannte Typen sind. Am besten Typen, die als Inbegriff des deutschen Internet betrachtet werden — und zwar von denjenigen Medien, die deinem Manifest zufolge morgen (oder auch mal übermorgen) vom Internet abgelöst werden. Wenn dein Manifest nach einer halben Stunde Formulierens eine gelungene Kombination aus Meidung jeglicher daseinsrelevanten Aussage und bedeutungsschwanger klingenden Punkten geworden ist, denn geben diese Typen sich bestimmt dafür her. Das ist gut für deren Marketing, weil sie sich als engagiert hinstellen können, und es wird auch gut für dein Marketing. Sogar Politiker stellen sich gern mit erfolgreichen Sportlern oder vermarkbaren Musikern in die Öffentlichkeit, obwohl diese Unterhaltungshanseln nichts mit Politik zu tun haben. Lerne davon! Du kannst ja nicht warten, bis du selbst in diese Riege aufgestiegen bist und endlich niemand mehr so eine Lächerlichkeit wie Internet-Manifeste ernst nimmt…

Vom „Geist“ des deutschen Stammtisches

Aus einer Werbung für Musikboxen im Jahre 1967

Aus einer Werbung für Musikboxen aus dem Jahre 1967. Hossa! Hossa! Auf die Leber!

Zensurpedia des Tages

Vorab: Ich habe an sich keine besondere Lust, auf diesen hochgradig selbstbezüglichen Mist aus einer administrativen Parallelwelt des deutschsprachigen Internet noch einzugehen und würde mich lieber Wichtigerem zuwenden, aber angesichts der gewachsenen Bedeutung der deutschsprachigen Wikipedia und angesichts der verbreiteten Illusion, es handele sich um ein von auf Augenhöhe agierenden, gleichberechtigten Benutzern kollektiv erstelltes Werk und nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass der im Folgenden zitierte Text wohl schon in Kürze nicht mehr innerhalb der Wikipedia verfügbar sein wird, halte ich es für wichtig, ebendiesen Text zu konservieren.

Liebe Admins, ich versteh eines ganz gut: wie man sich von Fefe auf den Schlips getreten fühlen kann. Der Grant deswegen sei Euch ungenommen, aber bitte bleibt in den sachlich richtigen Kategorien. Fefe hat nur etwas zum Ausbruch gebracht was schon laenger vorhanden war: das Gefuehl, dass die deutsche Wikipedia zu einer elitaeren Seilschaft verkommen ist, die selbstherrlich waltet und schaltet und von Kritik nicht beruehrt werden kann. Was ihr in obiger Situation unglaublicherweise sogar noch unterstreicht. Ihr redet davon, dass die ach so ungebildeten Massen jetzt kommen und „Euer“ Werk ueber den Haufen schmeissen? Dem ist nicht so. Die ungebildeten Massen waren es, die dieses Werk ueberhaupt erst geschaffen haben. Besinnt Euch doch bitte mal darauf dass Kritik ja schliesslich irgendwo fusst – und fuer meinen Teil kann ich nur sagen, ich hab diese Kritik einfach in stiller Abstinenz gelebt und stattdessen meine zweieinhalb Artikel fuer die englische Wikipedia geschrieben, wie auch diverse Korrekturen und Erweiterungen – und das auch nur selten unter angemeldetem Benutzer, einfach weil ich keinen Kick von dieser Art Theater bekomm. Dass ich mich jetzt oute als „Sockenpuppe“ oder „Meatpuppe“ liegt im Auge des Betrachters. Fuer mich ist dieser aktuelle Sturm auf die Wikipedia eine Moeglichkeit zu zeigen, dass ich unzufrieden bin, und ich bin mir ziemlich sicher dass es der Mehrheit der von Euch so abgetanen „Meatpuppets“ genau so geht – haette ich eine andere Vermutung, waere ich sicher kein Teil dieser Masse. Ihr beklagt Euch dass Euch Autoren fehlen? Lest doch mal in welchem Ton und in welcher Arroganz ihr Euch hier gegenseitig ins Ohr redet. Lest Euch mal selber, weil da ist naemlich der eigentliche Hund begraben. Sch*** auf Fefe, ich will eine deutsche Wikipedia mit weniger Buerokratie, mehr Fairness, weniger Loeschen, mehr Qualitaetshinweisen. Ich will, dass dieses einstig bewundernswerte Projekt wieder auf diesen Pfad kommt. Und ich versprech Euch, auch ich komm zurueck und schreib und arbeite mit. Allerdings mit Sicherheit ohne diese Art von Vereinsmeierei. Oder wollt ihr wirklich Eure Zielgruppe auf diejenigen beschraenken die einfach nur nicht Englisch koennen? Ist das das neue Ziel von de.wikipedia.org?

Quelle: PhilipP in einem etwas versteckten Bereich, in dem der „Vorgang“ jetzt mehr intern diskutiert wird — was an sich bereits zeigt, was ein gewisser, kleiner Zirkel vom zurzeit gern beschimpften Rest zu halten scheint. [Gefunden durch Fefes Blog]

Werte Wikipedia,

ich habe diesen ganzen unwürdigen Kindergarten in der Löschdiskussion bei euch gelesen

Deutscher Wikipedia-Löschkandidat des Tages: Fefes Blog

…und ich bin nach dieser wenig erquicklichen Lektüre sehr froh darüber, dass Relevanz zumindest im Internet weder etwas ist, was durch die Erfüllung irgendwelcher „Relevanz-Kriterien“ entstünde, noch dass sie etwas ist, was durch das Urteil einiger recht kaltschäuziger Wikipedia-Großkopferter zerstört oder durch die Aktionen einiger Löschdiskussions-Trolle erzeugt werden könnte. Ihr führt euch alle miteinander wie ein Pusten in den heißen Kaffee auf, das sich schon mit einem hurricane verwechselt.

Nein, zum Glück ist Relevanz etwas völlig anderes, und sie entsteht auch völlig anders. Sie entsteht, weil das Tun von Menschen von anderen Menschen aufgenommen wird, weil es in dieser Rezeption Strahlkraft entfaltet, weil es auf diesem Weg einen (oft kleinen) Einfluss auf den überpersonalen Prozess nimmt, der das Dasein der Individuuen erst ermöglicht und ihm doch so sehr seinen Stempel aufdrückt. Ob mir die Relevanz einer Sache gefällt oder nicht (die meisten sehr relevanten Erscheinungen in meiner Un- und Umwelt gefallen mir gar nicht), spielt dabei keine Rolle — und es ändert sich auch nichts an der Relevanz, wenn ich meine Vorstellung von wünschenswerter Relevanz in einem kleinen Teilbereich einer von mir kontrollierbaren Welt durchsetze. Es kann allerdings schnell dazu führen, dass dieser kleine, von mir kontrollierbare Teilbereich der Welt an Relevanz verliert. (Dieses Blog hätte gewiss sehr viel mehr für mich erreichbare Leser, wenn ich die Themenwahl des Fernsehprogrammes und der Bildzeitung regelmäßig aufgriffe.) Ich befürchte, das ist eine Lektion, die jemand, der sich ausgerechnetLiberaler Humanist“ nennt, erst noch lernen muss — und die er nur lernen wird, wenn er endlich damit aufhört, das Licht zu scheuen und seine Ansprüche mit despotischer Sprachgewalt und geradezu idiotischem Beharren auf rein formalen Maßstäbe durchzusetzen.*

Um die deutschsprachige Wikipedia wäre es zwar schade, aber wenn es den Menschen, die in dieses Projekt so viel Hingabe, Zeit und Mühsal werfen, nicht gelingen sollte, diesen Umbau einer großartigen Idee zu einer Bühne für die lächerliche Sandkasten-Autokratie irgendwelcher Selbstdarsteller zu stoppen, denn ist die deutschsprachige Wikipedia bereits jetzt tot. Mein Trauer darüber hält sich in bescheidenen Grenzen, ich habe schon Größeres zerfallen sehen. (Und nein, das war nicht im Internet, sondern viel näher und schmerzvoller.) Außerdem kann ich als jemand, der dies nicht an einer Schule gelernt hat, genug Englisch, um auf eine deutschsprachige Wikipedia nicht angewiesen zu sein.

Was aber macht Fefes Blog relevant?

Es handelt sich nicht um ein literarisches oder analytisches Blog. Es ist wie jedes echte Blog stark subjektiv geprägt, und in der oft gedrängten Kürze der Postings entsteht beinahe der Eindruck eines mentalen Plumpsklos; eines schnellen Anschreibens gegen einen Druck, der dem Schreiber fast schon die Luft zum Atmen raubt. In genau dieser recht rohen Form ist es relevant geworden, vielleicht sogar relevanter als so manche zähe Tätigkeit der Analyse. Das Blog enthält außerordentlich viele Links, die zum größeren Teil auf angesehene Quellen, zum kleineren aber doch noch erheblichen Teil allerdings auch auf schräge, wenig vertrauenerweckende Quellen gehen und in der Regel in einer kaum zu beschreibenden Weise übellaunisch und oft auch zynisch kommentiert werden. Diese subjektive Sammlung von Kürzsttexten steht dem glattgebügelten Auswurf der gewöhnlichen Content-Industrie gegenüber, indem sie die scheinbare Sachlichkeit der industriell erstellten news in recht korrosiver Weise mit den darin ausgeblendeten Fakten und Erscheinungen angreift. Auf diese Weise ist in den vergangenen Jahren (ich selbst lese Fefes Blog erst seit gut dreieinhalb Jahren und weiß gar nicht, wie lange es dieses Blog schon gibt) eine Sammlung des Unbehagens inmitten allen Redens vom Frieden, Fortschritt und Aufschwung entstanden, und genau dieses Unbehagen scheint von derart vielen zurzeit lebenden Menschen geteilt zu werden, dass aus dem eher persönlichen Blog eines Hackers — nicht gerade eine Lebensgestaltung, die hier vielen Menschen auch nur vertraut wäre — eine vielgelesene, oft verlinkte und auch von etablierten Medien aufgegriffene Erscheinung im informationellen mainstream geworden ist.

So kann (zum Beispiel) Relevanz entstehen. Und nicht dadurch. Dass man eine Erscheinung an einer Liste von so genannten „Relevanzkriterien“ abhakt, um die Relevanz anhand des Ergebnisses eines solchen Abhakens festzustellen. (Den Sinn einer solchen Liste kann ich dennoch verstehen.)

Ihr tätet als Wikipedia gut daran, darüber einmal nachzudenken. Und eure schwachsinnige Idee, einen Verein von Missbrauchsopfern, der sich gegen seine politische Instrumentalierung durch die Propaganda einer Ursula von der Leyen stellen will, die Relevanz für Wikipedia abzuerkennen und den Eintrag zu löschen, ist angesichts der jüngsten Ereignisse und der errungenen Erfolge des MOGIS einfach nur noch widerwärtig.

Nur, um es einmal gesagt zu haben.

Der Nachtwächter
(der auch weiterhin in der dunklen Nacht der Irrelevanz seines marginalisierten Daseins wandelt, mal unter dem prall reflektierten Sonnenlicht des vollen Mondes und viel häufiger unter der Dunkelheit des schwachen Glimmens schier unendlich ferner Sonnen…)

*Als Schreiber eines zum Glück völlig irrelvanten Blogs nehme ich mir diese Wortwahl zu gern heraus. Gebt mir doch Tiernamen dafür! An dem Tag, an dem ich mit diesem bloggewordenen Ausfluss aus meinem — Entschuldigung! — Scheißleben die Relevanzkriterien der Wikipedia Deutschland erfülle, höre ich spätestens mit dem Veröffentlichen meiner Texte auf, und hoffentlich kriege ich in einem solchen Prozess diese Kurve deutlich früher.