Tag Archive: Computer


Lieber M.

Lieber M.,

bitte versteh mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen dich. Ich habe dich ja auch noch nie irgendwo getroffen, was auch nicht weiter überraschend ist, weil wir doch sehr verschiedene Lebensbereiche haben: Du als Naturwissenschaftler und ich als… naja… Penner.

Ganz im Gegenteil, ich mag dich sogar recht gern. Du hast einen bemerkenswert guten und breit gefächerten Musikgeschmack und machst wirklich den Eindruck eines aufgeschlossenen und vielseitig interessierten Menschen. Und außerdem scheinst du in technischen Fragen recht ungebildet zu sein. Das scheint dich aber nicht weiter zu stören, denn wenn ein Gerät mal — aus deiner Sicht der Dinge — kaputt ist, kannst du es dir leisten, das nicht mehr wie gewünscht funktionierende Gerät einfach wegzuwerfen und dir ein neues zu kaufen. Aber auch das mag ich in gewisser Weise, denn es sind Menschen wie du, die das dumpster diving zu einer lohnenden Betätigung machen.

Deinen Computer — der auf eBay übrigens zwischen 130 und 150 Euro eingebracht hätte; allein das Motherboard geht sicher für einen fluffigen Fuffie weg — habe ich im Müll gefunden. Computer aus dem Müll sind ja immer Glückssache, zu oft entpuppt sich der Kasten nach einer ersten Inspektion lediglich als ein Teilespender für halb-obsolete Hardware. Das war bei deinem nicht der Fall. Sicher, du hast ihn weggeworfen, weil er ziemlich „zerschossen“ war, das darauf laufende Windows 7 Home Premium von unser aller Freund Microsoft brauchte fast zehn Minuten zum booten und war am Ende dieses Vorganges nahezu unbedienbar.

Woher ich das weiß? Nun, deine „Maßnahme zum Datenschutz“, die darin bestand, einfach das SATA-Kabel zwischen Board und Festplatte herauszunehmen, war nicht besonders wirksam. Nein, es ist wirklich nicht so, dass ich in deinem Privatleben herumschnüffeln wollte, ich wollte einfach nur wissen, ob die Terabyte-Platte nur ein dekoratives Objekt für einen Haufen Schrott ist, oder ob ich sie noch verwenden kann. Ich kann große Festplatten immer gut gebrauchen. Erfreulicherweise war deine Festplatte kein Stück Schrott. Dein Windows-Desktop sieht übrigens so aus (und der Monitor, auf dem er dargestellt wird, stammt ebenfalls aus dem Müll):

Foto vom Desktop des Müllrechners

Vieles daran finde ich sehr erfreulich. Nein, deine Faszination für gerenderte Autos in der ungefähren Ästhetik eines Zäpfchens gehört nicht dazu, aber hey, wir haben alle unsere komischen Vorlieben. Doch ich finde es erfreulich, dass so viel Bewusstsein für die Probleme der Computersicherheit hast. Dabei bist du weit über solche einfachen Dinge wie einen Tor-Browser hinausgegangen; du verwendest GnuPG, vermutlich, um deine E-Mail zu verschlüsseln; du verwendest TrueCrypt, weil es halt andere Leute einen Dreck angeht, was du auf deiner Festplatte hast; du sorgst mit KeePass dafür, nicht überall das gleiche Passwort zu verwenden und dir deine Passwörter so festzuhalten, dass man sie dennoch nicht einfach lesen kann. Es wäre vermutlich schon viel gewonnen, wenn jeder so umsichtig wäre. Die Eingabe eines Passwortes zur Anmeldung an den Computer und die Verschlüsselung deiner Arbeitsverzeichnisse war dir aber scheinbar doch ein wenig zu viel Getippe vor dem Datengenuss, so dass der Rechner mit deinem Desktop hochfuhr, ohne dass ich eigens ein Passwort hätte erraten müssen. Das Experiment, ob ich deinen Thunderbird starten kann und ohne Eingabe eines Passwortes deine E-Mail abholen oder in deinem Namen E-Mail versenden kann, habe ich nicht gemacht, denn ich bin kein Arschloch, das so in deiner Privatsphäre rumlümmeln möchte. Einmal ganz davon abgesehen, dass ich sie dann mit POP3 abgeholt und damit dir vorenthalten hätte. Ich habe auch darauf verzichtet, deine alten Mails zu lesen, ich habe mich nur anhand der Dateigrößen davon überzeugt, dass sie noch lokal im Thunderbird-Verzeichnis vorliegen.

Ich habe mir ebenfalls gespart, mal zu schauen, was ich anhand der Browser-Chroniken der drei von dir verwendeten Browser über dich herausbekommen kann. Und deine privaten Fotos habe ich wirklich nur ganz kurz angeschaut, um nach Anblick deiner vollständigen Bewerbungsunterlagen schnell wieder davon abzulassen — eine hübsche Tochter hast du übrigens, die hoffentlich ein schönes Leben vor sich hat. Was die von dir genutzte Software über dich verrät, wenn man nur den Desktop betrachtet, hat mir als kurzer, leicht gruseliger Einblick schon gereicht. Und deinen anerkennenswert breit gefächerten und teilweise sehr interessanten Musikgeschmack — wenn man vielleicht einmal von peinlichen Fehlgriffen wie Rosenstolz absieht — habe ich ja schon erwähnt. Dieses uTorrent scheint dir ja auch ganz gut gefallen zu haben…

Du hattest natürlich Recht: Dein Windows 7 konnte man nicht mehr benutzen. Es war ein schmerzhaft zuckender Krampf im Allerwertesten, in einem Zustand, in dem man jemanden damit bestrafen konnte, der Vater und Mutter totgeschlagen hat. Ich habe mich deshalb auch gleich gefragt, ob es sich um ein Problem mit deinem Rechner — wie gesagt: er war ja Müll — handeln könnte, und deshalb habe ich nach zwanzig Minuten einer dir sicherlich wohlbekannten Qual¹ ein Xubuntu 14.04 LTS von einem USB-Stick gebootet, den ich zufällig in der Tasche hatte. Damit hatte ich nicht nur ein sehr performates Stück Computermüll vor mir stehen, sondern ferner keinerlei Hinweis auf irgendeinen Schaden an deiner Hardware gefunden. Nun gut, ich mag AMD nicht, weil ich schon viel Ärger mit AMD hatte. Aber das ist noch kein Schaden; dein Rechner lief wirklich gut, und auch die Performanz deiner Festplatte war mehr als nur befriedigend.

Denn darin hattest du ganz einfach unrecht: Dein Rechner war kein Müll. Dein völlig verhunztes Windows, das war Müll. Das hättest du einfach neu installieren können, und wenn du wirklich nicht weißt, wie das geht, hättest du ein paar hundert Meter weiter stadtauswärts einen kleinen Computerladen gefunden, dessen übrigens sehr freundlicher und kompetenter Inhaber dir sicher dieses Problem für rd. ein blaues Läppchen mit gotischen Fenstern gelöst hätte — oder dir noch einen richtig guten Preis für dein Gerät gemacht hätte, wenn du aus anderen Gründen einen neuen kaufen wolltest. Natürlich nicht die rd. 150 Öcken, die du auf eBay erzielt hättest, denn er will verständlicherweise auch von etwas leben; aber zwischen achtzig und hundert Euro hättest du dafür bekommen. Ohne, dass du dich dem üblichen Betrugsrisiko auf eBay hättest aussetzen müssen. Und hey, denk doch mal in Ruhe drüber nach, M.: Computer sind viel zu schade zum Wegwerfen!

Aber wie ich am Icon des Bietagent auf deinem Desktop sehe, hättest du wohl auch mit eBay keine Probleme gehabt.

Und mit noch etwas hattest du Unrecht: Es macht deine Festplatte nicht unlesbar, wenn du das SATA-Kabel entfernst. Man kann einfach ein anderes Kabel nehmen. Aber du kannst ja auch nicht alles wissen, M., wo du doch schon beachtliche Leistungen im Studium erbracht hast:

Eine der vielen Dateien von der Festplatte: Ein Zeugnis über eine Vordiplom-Prüfung in Chemie, vom Bildschirm abfotografiert.

Ich könnte noch viel über dich schreiben, M., wenn ich mir nur die Mühe gemacht hätte, ein bisschen weiter in deiner Privatsphäre rumzuwühlen. Die schwarzen Balken in deinem Zeugnis habe ich übrigens gemacht, weil ich vor deiner Privatsphäre mehr Respekt habe als du selbst — und deshalb Wert darauf lege, dass du aus diesem Artikel heraus für andere Leser nicht leicht identifizierbar bist.

Was ich alles hätte machen können, wenn ich kein Penner, sondern ein richtig asozialer Verbrecher gewesen wäre, kannst du dir vielleicht inzwischen vorstellen. Deine in sehr guter Qualität eingescannte Unterschrift und die umfangreichen Angaben über dich aus deinen Bewerbungsunterlagen wären mir zum Beispiel eine große Hilfe bei einem Identitätsmissbrauch gewesen. Den Rest, den ich — wie gesagt, ohne mir auch nur Mühe zu geben oder gezielt danach zu suchen; ich wollte nur nachschauen, ob die Festplatte noch benutzbar ist — in lediglich zehn Minuten gesehen habe, solltest du dir selbst vorstellen können, und wenn du wissen möchtest, welches Missbrauchspotenzial darin liegt, dann frag doch einfach mal die Polizeibeamten in der kleinen Wache um die Ecke, denn die werden dir darüber eine Menge erzählen können.

Zu meinem großen Missfallen gibt es leider richtige Arschlöcher da draußen; Leute, die jeden zwischenmenschlichen Maßstab verlieren, wenn sie die Möglichkeit sehen, sich auf Kosten anderer Menschen einen Vorteil zu verschaffen, Leute, deren Empathievermögen auf den Niveau eines gebrannten Ziegelsteines liegt. Und nur für den Fall, dass du das noch nicht weißt: Es gibt davon so verdammt viele. Gerade in deiner Umgebung.

Deshalb solltest du daraus lernen und nie wieder so eine Festplatte wegwerfen. Nein, du musst dafür nicht zum Hammer greifen. Ein auch für informationstechnisch weniger geneigte, Windows-verwendende Mitmenschen brauchbares Programm zum Unlesbarmachen einer Festplatte ist zum Beispiel Disk Wipe². Dafür musst du noch nicht einmal Geld bezahlen, aber so ein Fünfer für die Entwickler, die dir das schenken, wäre schon nett. Ein PayPal-Konto hast du ja…

Am besten, du erzählst jetzt auch jedem anderen, dass ein bisschen Selbstverantwortung im Datenschutz eine gute Idee ist und dass du schon einmal selbst ganz knapp an einer kleinen persönlichen Katastrofe vorbeigeschrammt bist. Denn ich habe derart „auskunftsfreudige“ Festplatten aus Müllrechnern nicht zum ersten Mal in meinem Leben gesehen.

Dein
Nachtwaechter

P.S.: Natürlich ist die Festplatte jetzt vollständig gelöscht. Wenn du dich dafür bedanken möchtest, drück einfach dem nächsten Bettler, der dir übern Weg läuft, ein paar Euro in die Hand, statt ihn mit einem verachtungsvollen Blick und vielleicht sogar hässlichen Stammtischparolen und Schimpfwörtern abzuspeisen. Vielleicht bin es ja ich.

¹Auch im abgesicherten Modus war die Windows-Installation unbenutzbar. Wenn es mir das wert gewesen wäre, hätte ich mir vielleicht mal mit msconfig angeschaut, was deinen Rechner so lähmt. Der soeben gesetzte Link zu Microsoft benötigt übrigens zwingend JavaScript.

²Richtige Profis fahren ein GNU/Linux hoch und machen es mit dd. Wie das geht, findet sich unter Angabe sehr naheliegender Suchbegriffe in diesem Internet.

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Computer an der Schule

Das größte „Problem“ bei der Verwendung digitaler Geräte im Schulunterricht ist, dass es für die in der BRD übliche Frontalbeschulung konstituierend ist, dass der Lehrer mehr weiß als die Schüler oder sich zumindest darin versteht, den Schülern gegenüber diesen Eindruck zu erwecken.

Kompetenzniveau III

Kompetenzniveau III umfasst die Schüler, die mit Hilfestellung Informationen suchen, bearbeiten und einfache Textdokumente erstellen können, mit Hilfestellung! Kompetenzstufe III haben 45,3% der getesteten deutschen Schüler erreicht

Kritische Wissenschaft: Arbeitsdrohnen und Anleiter? – Noch ein Leistungstest bei Schülern

Kultusminister sind diejenigen Mitglieder der classe politique, die mit so einem Ergebnis zufrieden sind — und deshalb wird die Schule auch weiterhin der Ort bleiben, an dem heute die gesellschaftsprägenden Menschen von morgen auf die Herausforderungen von gestern vorbereitet werden. Da fällt es, abgesehen von der Unerfreulichkeit des Ergebnisses, sehr leicht, die Zukuft einer BRD-Gesellschaft abzuschätzen, an deren Schulen nur noch 1,5 Prozent der Achtklässler (die dabei allesamt natürlich bereits einen „Berufswunsch“ entwickelt haben sollen, den sie auch verfolgen) fähig sind, sich unangeleitet aus selbst beschafften und bewerteten Informationen Urteile zu bilden: Es wird eine Gesellschaft von leicht steuerbaren Idioten, denen niemals jemand eine Gebrauchsanleitung für ihr Gehirn mitgegeben hat. Politisch beabsichtigt, geplant und gewünscht. Unter zufriedenem Blick von Kultuspolitikern. Der Letzte macht das Licht aus.

Bitte hier weiterlesen: Meine Wahlempfehlung (für jede Wahl)!

Computer-Fastfood

Er sagte: „Das ist ja alles schrecklich mit der NSA und dem ganzen Kram aus Amerika, nenn mir doch bitte eine Alternative zu Windows, die sicher ist. Ich muss aber alle meine gewohnten Programme weiterbenutzen können“. Er redete in dieser dummen Forderung ganz so wie einer, der sich unbedingt gesund und „bewusst“ ernähren „möchte“, aber dabei den niemals in Frage gestellten Anspruch hat, weiterhin vorgefertigten Industriefraß in die Mikrowelle zu schieben, der in zwei bis drei Minuten fertig ist…

Auswahl geeigneter Mitarbeiter

Ein satirisches Flussdiagramm zur Auswahl geeigneter Mitarbeiter in einem Bewerbungsgespräch. -- Fragen, welches Betriebssystem verwendet wird. -- Antwort: Excel? Einstellen für Buchhaltung oder Controlling -- Antwort: Word? Einstellen als Sachbearbeiter oder Bürokraft. -- Antwort: Powerpoint? Einstellen für Management, Marketing oder Pressearbeit. -- Sonstige Antworten? Unqualifizierten Bewerber ablehnen! -- Entscheidung ist getroffen

Gruß an T. — nimms nicht so schwer und sei froh, dass du die Idioten nicht jeden Tag um dich hast! So gut, dass solche Schmerzen aufgewogen werden, können die gar nicht zahlen…

Eisfreie Pole durch den „Virenschutz“?

Hat eigentlich jemals jemand die Frage gestellt oder gar beantwortet, wie es mit der CO₂-Bilanz sogenannter „Virenschutzprogramme“ aussieht. Diese sind ja einfach nur Workarounds um eine unkorrigierte unsichere, falsche oder gefährliche Programmierung. Sie laufen ständig im Hintergrunde mit und führen bei jedem Zugriff aufs Dateisystem unter erhöhtem Energieverbrauch einen Abgleich gegen Datenmuster aus bekannter Schadsoftware durch. Das mag als einzelne Operation harmlos wirken; weltweit betrachtet ist es jedoch erheblich. Wie groß ist wohl der Anteil der unkorrigierten Fehler in Microsoft Windows und typischer Software für diese Plattform an der künftigen Eisfreiheit der Erdpole?

Die Glühlampe konnte man doch auch verbieten. Wo bleibt das Windows-Verbot der Europäischen Union, solange sich MS Windows nicht ohne das Sicherheits-Schlangenöl der einschlägig bekannten Unternehmungen betreiben lässt? Wegen der Erde und wegen der kommenden Generationen natürlich… :mrgreen:

Klick dich doof!

Die meisten Kinder bekommen es irgendwann, oft sogar recht früh, von ihren Eltern abgewöhnt, einfach nur mit dem Finger auf einen Gegenstand zu zeigen und unartikulierte Laute wie „Da da!“ von sich zu geben, wenn sie ihre Bedürfnisse mitteilen wollen, und stattdessen lernen sie die viel differenzierten Möglichkeiten des sprachlichen Ausdrucks. Und dann werden die Kinder größer, setzen sich vor einem Computer mit einer modernen graphischen Benutzeroberfläche und gewöhnen es sich wieder an.

Computer

Computer (der, von Deutschsprechern auch „Rechner“ genannt) — Bezeichnung für eine technische Vorrichtung, deren Zweck darin besteht Elektrizität und Programmierfehler in Wärme zu verwandeln.

Relative Intelligenz

Computer sind (noch) nicht intelligent. Aber sie sind jetzt schon um einiges intelligenter als jene Menschen, die sie jetzt schon für intelligent halten.

Das Unsichtbare fiept

Es ist — mit etwas Abstand betrachtet — eine gleichermaßen lustige und absurde Konvention: Wenn in Produktionen für Kino und Fernsehen eine Datenverarbeitung wie etwa eine Suche in einer Datenbank dargestellt werden muss, handelt es sich ja um einen unsichtbaren und abstrakten Vorgang. Im wirklichen Leben gibt jemand seine Suchkriterien in eine Maske ein und erhält nach meist kurzer Wartezeit ein Ergebnis präsentiert, das dann durch Augenschein und geistige Arbeit beurteilt und bewertet werden muss. Ein stiller und bewegungsloser Vorgang, der jeder Darstellung in einem strikt audiovisuellen Medium Widerstand leistet. Da dennoch eine audiovisuelle Metapher gefunden werden musste, um den abstrakten Vorgang der Datenverarbeitung darstellen zu können, haben sich die Regisseure solcher Produktionen schon früh dazu entschlossen, dass die verwendeten Geräte verschiedene, meist fiepsige Geräusche von sich geben müssen, wenn sie arbeiten — gar nicht auszudenken, wie unerträglich es in einem Büro klänge, in dem die Rechner derart vor sich hinpiepten.

Als ob das noch nicht absurd genug wäre, wirkt diese schon sehr künstliche Metapher des Films und Fernsehens in das wirkliche Leben hinein. Und. Recht viele in Privathaushalten aufgestellte Computer nerven jeden ihrer Benutzer mit allerlei aufdringlichen Klängen, die sie zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen abspielen.

Die alfabetische Sortierung

Wir müssen den alten Römern ja wirklich dankbar für ihr Alfabet sein. Diese zweihalb Handvoll Symbole, die einfach in eine bestimmte, recht willkürliche Reihenfolge gebracht wurden, ermöglichen uns heute eine einfache Anordnung des gesamten Vokabulares in einer eindeutigen Reihenfolge. Man möchte gar nicht darüber nachdenken, wie umständlich die Benutzung eines Telefonbuches oder eines anderen Nachschlagewerkes in China sein wird und wieviel Übung und Mühe das Nachschlagen wohl dort erfordert, wo das logographische Schriftsystem nicht mit diesem kleinen, uns im Alltag wohlvertrauten Vorzug ausgestattet ist.

Aber die alten Römer sprachen leider eine Sprache, die nur wenig verschiedene vokalische Phoneme kannte, und deshalb genügten ihnen beim Schreiben fünf Vokalzeichen: „A“, „E“, „I“, „O“ und „U“. Dort, wo man als späte Nachwirkung der militärischen, wirtschaftlichen und kulturellen Vorherrschaft des imperium romanum das lateinische Alfabet auch für die lokalen Sprachen übernahm, reichte dieser Zeichenvorrat für Vokale oft nicht hin. Die Engländer haben sich beholfen, indem sie unter ausschließlicher Benutzung dieser fünf Zeichen eine irreguläre Orthografie entwickelten, die für jeden Lernenden eine Qual ist (an der niederländischen Sprache kann man übrigens ein Beispiel dafür sehen, dass sich dieses Problem in besserer Weise lösen lässt), die meisten anderen Sprachräume in Europa haben einen Wust von Sonderzeichen entwickelt, um den lokalen Vokalreichtum auf die lateinische Schrift abzubilden.

So auch die Schreiber des Deutschen mit ihren fröhlichen Pünktchen über den Vokalen, den Umlauten.

Für die Verarbeitung textueller Information mit Computern waren diese Sonderzeichen schon immer ein Albtraum. In der Anfangszeit waren solche Zeichen gar nicht im ASCII-Zeichensatz vorgesehen, und beim Schreiben loeste man dieses Problem durch Aufloesung der spezifisch deutschen Zeichen in jene Diphthonge, die urspruenglich einmal zu den heutigen Zeichen gefuehrt haben — ja, das ist lange her. Später wurde zum Glück alles besser, zwar nicht in der deutschen Rechtschreibung, wohl aber in der Verarbeitung deutschen Textes mit einem Computer.

Inzwischen ist beinahe jedes Rechnersystem Unicode-fähig, so dass sich der Zeichenvorrat beinahe sämtlicher Sprachen dieser Welt damit erfassen lässt. Aber etwas vom alten Chaos schimmert immer wieder durch, zum Beispiel auch, wenn WordPress die Links in der Blogroll alfabetisch sortiert und dabei auf die nicht recht nachvollziehbare Idee kommt…

Ein Ü liegt also alphabetisch zwischen A und B...

…dass der deutsche Umlaut „Ü“ weder einem „U“ noch der Entsprechung „UE“ gleichzusetzen ist, sondern in der Reihenfolge zwischen dem „A“ und dem „B“ erscheint.

Ach ja, willkommen in der Blogroll, überlebt! 😉