Tag Archive: Coca-Cola


Eure Helden!

Eine Coca-Cola-Reklame im öffentlichen Blickraum (vor dem Niedersachsenstadion, auch als HDI-Arena bekannt). Die Reklame zeigt Coca-Cola-Wegwerfblechdosen, die mit Fußballern bestempelt sind. Der Claim lautet: 'Holt euch eure Helden!'. Dazu mein Text: Eure Helden! Kaufen. Austrinken. Wegschmeißen.

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Cocacola

Cocacola ist die konsumierbare Zusammenfassung jener US-amerikanischen Psychohölle, die wie eine Sintflut über die ganze Erde geschwappt ist und scheinbar jede Vernunft mit sich gerissen hat. Das großindustriell hergestellte Getränk schmeckt unerträglich süß, es macht zahnlos, fett und krank — und eine ganze Armee von Hirnbekämpfern, Lügnern und psychischen Aufheizern wird mit Millarden von Dollar dafür bezahlt, den Menschen überall und jederzeit zu erzählen, es handele sich dabei um Sport, Musik, Freude, Freiheit, Spaß und gutes Leben. Und jenen, die den ungesunden Trank nicht trinken mögen, denen aber dennoch die alldurchwaltende Reklame in das Hirn gebissen hat, werden dann „gesündere“ Plörren zum Kauf angeboten.

Harold Hirsch

Harold Hirsch ist der Name eines US-amerikanischen Anwaltes. Er war ab 1909 bei der Coca Cola Company verantwortlich für Rechtsangelegenheiten. Um die Marke für eine braune, zuckrige Brause durchzusetzen — das Wort „Coca Cola“ war in der Umgangssprache der einfachen Menschen längst ein Gattungsbegriff für diese Art von alkoholfreier, mit Koffein und teils auch noch Kokain versetzter, anregender Limonade geworden — beauftragte und bezahlte er etliche Detektive, die in den damals populären Soda-Bars als Kunden auftraten und auf diese Weise Proben der dort unter der Bezeichnung „Coca Cola“ ausgeschenkten Limonaden nahmen. Auf diese Weise ermittelte er, ob dort auch wirklich das Produkt der Coca Cola Company ausgeschenkt wurde, und jeden Verstoß ließ er gerichtlich verfolgen. Später optimierte er die Vorgehensweise, indem er im Jahre 1915 eine firmeneigene Abteilung für derartige Ermittlungen aufbaute. Die „Spione“ waren Angestellte mit einem richtigen Vollzeit-Job geworden, externe Dienstleister wurden nicht mehr benötigt und nicht mehr beauftragt. Ferner strengte Hirsch Prozesse gegen jede Getränkefirma an, deren Produktnamen auch nur eine entfernte klangliche Ähnlichkeit zu „Coca-Cola“ hatten, oder die ebenfalls rote Fässer verwendeten oder auch nur das rautenförmige Etikett der damaligen Flaschen mit Coca-Cola. Ferner versuchte er — in diesem einen Punkt erfolglos — die braune Farbe der Limonade als Bestandteil der Marke schützen zu lassen. Nach nicht einmal zwanzig Jahren hatte der Rechtsanwalt gut siebentausend Mitbewerber auf juristischem Wege „erledigt“ und strengte weiterhin jede Woche eine Klage an, und zwar mit einem für die meisten Gegner existenzbedrohenden Streitwert.

So entstand eine Weltmarke, die heute so gern mit allerlei lustvollen Attributen wirbt und für viel zu viele Menschen, in deren Hirne leider jeden Tag die Allgegenwart der Reklame prasselt, zu einer künstlichen Ikone der Lust und der Freiheit geworden ist. Der „american dream“ ist vor allem traumhaft für Besitzende mit einem Hang zur rücksichtslosen Durchsetzung ihrer Ansprüche. Alle anderen. Dürfen kaufen und trinken, was ihnen vorgesetzt wird, wenn sie das noch können.

In letzter Zeit, in der ich immer wieder über Abmahnungen gegen kleine, private Internetsites in der BRD lesen musste, musste ich oft an dieses kaum bekannte Detail der Geschichte der US-amerikanischen Popkultur denken.