Tag Archive: Christian Wulff


Feigenblatt

Neben der Aufgabe, einige Gesetze und Urkunden zu unterschreiben und bei Staatsbesuchen und vergleichbaren Vorgängen ins diplomatische Protokoll eingebunden zu sein, hat sich in den letzten Jahren der BRD für das Amt des Bundespräsidenten eine weitere Aufgabe entwickelt, von der natürlich nichts im Grundgesetze steht, damit auch niemand befreiend über dieses Verfassungssurrogat lache: Der Bundespräsident soll als moralische Instanz über den Machenschaften eines Parteienapparates stehen, dessen Angehörige in allen seinen im Bundestage vertretenen Farben immer offener der Korruption frönen. Es ist nur diese eine Aufgabe, in der Christian Wulff mit seinem schmierigen und mutmaßlich schmierenden „Freundeskreis“ aufs Ärgste versagt, während der Rest seines Aufgabenbereiches von jeder roboterhaften Anziehpuppe erfüllt werden könnte; Herr Wulff ist. Völlig ungeeignet als ein moralisches Feigenblatt.

Und ohne diese moralische Restverhüllung der Scham steht der politische Betrieb der Bundesrepublik Deutschland nackt, moralisch unlegitimiert und offen schamlos vor den Menschen in Deutschland.

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Der Klebstoff am Hintern des Aussitzers

Deutschland ist das einzige Land, wo Mangel an politischer Befähigung den Weg zu den höchsten Ehrenämtern sichert.

Carl von Ossietzky

Könnt ihr euch auch alle noch daran erinnern, das noch vor ein paar Wochen fast alle daran geglaubt haben, diese lebende Beschädigung des Amtes des Bundespräsidenten, Christian Wulff, müsse zurücktreten?

Die „Politikverdrossenheit“ ist in Wirklichkeit eine Politikerverdrossenheit.

Im Filze geboren

Wozu hat man Freunde, vor allem solche, die man schon seit frühester Jugend kennt. Man macht Urlaub zusammen, genießt die Ferien, kocht, spielt und klönt – das, was so nach Familienbekanntschaften von Geburt an klingt, verrät vor allem eines: Der Filz begann in der Wiege. Der eine ging in die Wirtschaft, der andere eben in die Politik. Wer sich angesichts dieser romantisch-verklärten Darstellungen Wullfs noch fragt, wie es zu diesem „ihr da oben, wir hier unten“ kommt, bekommt hier seine Antwort. Für diese Familienbande fordert Wulff vehement Schutz vor unangemessenen Fragen. Mit Carsten Maschmeyer isst man zusammen Grünkohl, läßt sich die Werbung für ein Buch bezahlen. Einflussnahme auf die Politik? Gott bewahre! Man kennt sich eben seit der Schulzeit! Der König der Drückerkolonne Maschmeyer, „Mit dem ich seit Jahren eng befreundet bin. Der ausgeschieden ist, der heute sozusagen Pensionär ist.“ Männerfreundschaften.

die Schrottpresse: Spesenritter und die Würde des Berufs

Wa(h)re Worte!

Christian Wulff ist einem Wertesystem verhaftet, das ihm Orientierung gibt.

Angela Merkel, im Jahre 2010

Nur ein Kaisersurrogat

Und der Vorübergehende sagte zu seiner empörten Zeitgenossin (die übrigens eine typische Frauenzeitschrift mit bunten Bildern des gesamten Hochadels in ihrer Hand hielt, natürlich nur wegen der Rätsel): Sei doch froh, dass es ein Bundespräsident ist; ein Mensch, dessen Amtszeit begrenzt ist und der bei vorsätzlichem Bruch des Grundgesetzes im Prinzip sogar vom Bundestag vorm Bundesverfassungsgericht aus dem Amt geklagt werden kann! Stell dir nur mal vor, es wäre ein deutscher König oder Kaiser, ein Produkt jahrhundertelanger Inzucht des Hochadels, bei dem alle nur auf seinen Tod warten könnten, wenn er sich als völlig ungeeignet für ein solches Amt und zudem als charakterlich verkommen erweist, und. Stell dir nur vor, ein solcher Staatsoberhäuptling hätte auch wirkliche Macht

Nein, da ist Christian Wulff viel besser. Und er zeigt in seinem Lügen und seinem dummherrischen Gehabe so wunderbar deutlich den Zustand jener classe politique, aus welcher er doch selbst zum bundesdeutschen Kaisersurrogat aufgestiegen ist, dass man ihm eigentlich einen Karikaturpreis dafür verleihen müsste.

Not so great

Wenn man sich die Frage nach der „Größe“ des derzeitigen Bundespräsidenten Wulff stellt, fühlt man sich auf einen Zollstock verwiesen.

Die über allem stehen

Wie doch die glatten, politisch erfolgreichen Wulffs dieses Landes — und keineswegs nur jene, die sich gerade als „Herr Bundespräsident“ ansprechen lassen — ihre „Verteidigung“, die übrigens aufdringlich an Groschenromane über das Mafia-Milleu erinnert, völlig ungestört und ohne einschneidende Konsequenz aufführen können, während das Leben der Menschen am „unteren Rand“ der gleichen Gesellschaft mit immer weiter wachsender Pedanterie und Unverschämtheit in allen Einzelheiten ausgeforscht und durchleuchtet wird! Letzteres stets auf einer niemals angezweifelten Grundlage für solche Betrachtung: Dem Generalverdacht. Den immer jene lichtscheuen Gestalten haben, die über allem zu stehen vorgeben und sich darstellen, als seien sie über jeden Verdacht erhaben.

Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben.

Der heutige Bundespräsident Christian Wulff am 31. Januar 2000 im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus über Johannes Rau

Sonnenstand

Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen Schatten.

Karl Kraus