Tag Archive: Bundespräsident


Zuversicht

Wenn der Herr Bundespräsident über die Bildzeitung mich und dich und dich zur „Zuversicht“ angesichts der Corona-Seuche aufruft, dann weiß ich nicht genau, ob es die Bildzeitung in ihrer ständigen Anfeuerung der dümmsten und niederträchtigsten Regeungen oder ob es der Herr Steinmeier in aller seiner antisozialen und zukunftsfressenden SPD-Pracht ist, der jedes zarte Keimblättchen einer ans Licht wollenden Zuversicht mit bleierner Schuhsohle zertreten und erstickt hat. Nur eines ist sicher: Hier ist zusammengewachsen, was schon lange zusammen gehört.

Nicht ich verunglimpfe das Amt des Bundespräsidenten. Der Herr Bundespräsident tut es.

Genau derjenige Hartz-4-Mitarchitekt und Mitvorantreiber eines staatlich subventionierten Billigarbeitsmarktes, der in der Zeit zwischen 1998 und 2005 einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dass sich die Menschen in der Gesellschaft weitgehend entsolidarisieren; jener, der mit seinen Komplizen aus SPD und Grünen systematisch, planvoll und im genauen Wissen um die Konsequenzen dieses Tuns die Sozialsysteme der Bundesrepublik Deutschland zu Verarmungs- und Repressionssystemen umgebaut hat; ja, genau dieser Frank-Walter Steinmeier sitzt jetzt gemütlich und von Bundeswehrsoldaten bewacht im Schloss Bellevue und hat die Chuzpe — die Fernsehkamera mutig im Blick, die Stimme an das niemals widersprechende Mikrofon gewandt und vom Staatsfernsehen übertragen — in weihevoller, wohlgesetzter Rede von den Menschen in der Bundesrepublik Deutschland Solidarität einzufordern.

Der derbe deutsche Sprachgebrauch würde von einem „Arschloch“ sprechen. Aber nein, ich werde das Amt des Bundespräsidenten nicht so beleidigen, allein schon wegen des Strafgesetzbuches. Dieses Amt wird schon mehr als genug durch die unerfreuliche Person beleidigt, die es zurzeit bekleidet.

Wi(e)der das Vergessen

Wenn Bundesgrüßaugust Joachim Gauck — der übrigens als Pfaffe das Handwerk des klebrig tröstlichen Lügens von der Pike auf gelernt hat — zwei Stunden seines Terminplanes dafür aufwändet, jede Menge Journalisten in sein Schlösschen einzuladen, die dann mit gierigem Kameraauge nach bewegenden Augenblicken Ausschau halten, weil die Angehörigen der Opfer der NSU-Mordserie zugegen sind, und wenn der Herr Bundesgrüßaugust behufs dieses inszenierten Scheingedenkens davon blahfaselt, dass „Deutschland niemals vergessen“ dürfte, dann ist das schnelle Vergessen in dieser staatspfäffischen Pflichterfüllung fest eingeplant. Zu diesem schnellen Vergessen gehört übrigens auch, das über so viel hartbetroffen hingestelltem Blendwerk niemand mehr die sehr nahe liegende Frage stellt, welcher Staatsanwalt jetzt wegen der aktiven und passiven Unterstützung einer Mörderbande durch BRD-Inlandsgeheimdienste und Polizeien ermittelt und welche Fortschritte diese Ermittlungen machen.

Mein größter Respekt gilt allen Angehörigen der Mordopfer, die sich dieser menschenverachtenden Inszenierung verweigert haben.

Nachtrag: Ich hatte mittlerweile schon ganz vergessen, dass der gleiche Bundesgrüßaugust Joachim Gauck vorher ein von den Angehörigen der Opfer erwünschtes Treffen abgelehnt hat. [via Kotzendes Einhorn]

„Ihr ganzen Menschen in der BRD: Überwindet bitte mal euren Egoismus!“, sprach der Mann aus seinem Schloss in die Kamera des quasistaatlichen Fernsehens. Auf einen glitzegüldnen Thron hätte er sich diesbehufs auch gesetzt, wenn das noch üblich wäre.

Und morgen im gleichen Kino vom gleichen Darsteller: Die alltägliche politische Fraternisierung mit den größten und zerstörerischsten Egoisten, die dieses Land aufbieten kann. Was ist der Herr Pastor doch froh, dass sein Gott so kraftlos geworden und nicht mehr auf biblische Weise mit Heuchelei umgeht.

Die billige Jeans

Herr Bundespräsident,

sie lesen hier gewiss nicht mit. Aber ich lese hin und wieder mit, was sie von sich geben und über den gewaltigen Verstärker einer sie unentwegt nachdruckenden Contentindustrie mit Nachdruck aufladen lassen. Zum Beispiel ihre Frage nach dem Einkaufsverhalten der von ihnen so lächerlich repräsentierten Menschen, die sie heute morgen stellten, und zwar vor Zuhörern, deren Bedürfnis nach billiger Kleidung nicht so ausgeprägt sein dürfte wie bei Menschen, die wirklich rechnen müssen:

[…] wie lange greifen Europäer noch zur Jeans für zehn Euro, obwohl sie wissen, dass die Allerärmsten in Asien oder Lateinamerika mit ihrer Gesundheit oder ihrer Menschenwürde den Preis dafür zahlen, dass wir so billig einkaufen können?

Gerne möchte ich ihnen, Herr Bundespräsident, bei allem *kicher* Respekt dazu verhelfen, selbst eine Antwort auf diese ihre Frage zu finden. Meine Hilfestellung für ihren Intellekt besteht in zwei Teilen, nämlich…

  1. …dem Hinweis, dass auch die Jeans für vierzig, neunzig, hundertdreißig oder hundertneunundneunzig Euro in aller Regel von den Allerärmsten in Asien und Lateinamerika unter Beschädigung ihrer Gesundheit und Menschenwürde hergestellt wird, weil es einfach billiger ist und damit den Profit erhöht; und
  2. …dem Hinweis, dass die Preisunterschiede für Kleidung in einem weiten Preisbereich nur noch im geringen Maße auf qualitativen Unterschieden beruhen, sondern vielmehr auf einen künstlich-psychologisch geschaffenen „Wertempfinden“, das an den mit allgegenwärtiger Reklame aufgerichteten, irrational-wahnhaften Fetisch der „Marke“ gekoppelt ist.

Wenn sich Menschen bei der Auswahl von Kleidung eines gewissen Preissegmentes — das übrigens nicht der freien Wahl unterliegt, sondern durch individuelle Beschränkung der verfügbaren Mittel und oft sogar Armut erzwungen wird — angesichts der im Unrecht ihrer Herstellung und in ihrer qualitativen Minderwertigkeit nahezu gleichwertiger „Alternativen“ für das preisgünstigste Produkt entscheiden, ohne sich darin von surrealen Sprechakten von fauler schleimig-pfäffischer Gewissenszauberei irrational manipulieren zu lassen, dann ist das ein Zeichen von… ja, ist es denn zu fassen… Intelligenz.

Immer wieder hilfsbereit, Herr Bundespräsident!

Ihr
Nachtwächter

Papier- und Contentjubel

Die ganze Journaille und sonstige Newsindustrie macht gerade mit ihren zu Papier und Content werdenden Jubel so bemerkenswert, dass es kaum jemand bemerkt, deutlich, dass sie genau weiß, dass der Bundespräsident in Wirklichkeit von ein paar Leuten in den Parteispitzen bestimmt wird und dass das Ergebnis der kommenden Bundesversammlung bereits feststeht.

Feigenblatt

Neben der Aufgabe, einige Gesetze und Urkunden zu unterschreiben und bei Staatsbesuchen und vergleichbaren Vorgängen ins diplomatische Protokoll eingebunden zu sein, hat sich in den letzten Jahren der BRD für das Amt des Bundespräsidenten eine weitere Aufgabe entwickelt, von der natürlich nichts im Grundgesetze steht, damit auch niemand befreiend über dieses Verfassungssurrogat lache: Der Bundespräsident soll als moralische Instanz über den Machenschaften eines Parteienapparates stehen, dessen Angehörige in allen seinen im Bundestage vertretenen Farben immer offener der Korruption frönen. Es ist nur diese eine Aufgabe, in der Christian Wulff mit seinem schmierigen und mutmaßlich schmierenden „Freundeskreis“ aufs Ärgste versagt, während der Rest seines Aufgabenbereiches von jeder roboterhaften Anziehpuppe erfüllt werden könnte; Herr Wulff ist. Völlig ungeeignet als ein moralisches Feigenblatt.

Und ohne diese moralische Restverhüllung der Scham steht der politische Betrieb der Bundesrepublik Deutschland nackt, moralisch unlegitimiert und offen schamlos vor den Menschen in Deutschland.

Der Klebstoff am Hintern des Aussitzers

Deutschland ist das einzige Land, wo Mangel an politischer Befähigung den Weg zu den höchsten Ehrenämtern sichert.

Carl von Ossietzky

Könnt ihr euch auch alle noch daran erinnern, das noch vor ein paar Wochen fast alle daran geglaubt haben, diese lebende Beschädigung des Amtes des Bundespräsidenten, Christian Wulff, müsse zurücktreten?

Die „Politikverdrossenheit“ ist in Wirklichkeit eine Politikerverdrossenheit.

Nur ein Kaisersurrogat

Und der Vorübergehende sagte zu seiner empörten Zeitgenossin (die übrigens eine typische Frauenzeitschrift mit bunten Bildern des gesamten Hochadels in ihrer Hand hielt, natürlich nur wegen der Rätsel): Sei doch froh, dass es ein Bundespräsident ist; ein Mensch, dessen Amtszeit begrenzt ist und der bei vorsätzlichem Bruch des Grundgesetzes im Prinzip sogar vom Bundestag vorm Bundesverfassungsgericht aus dem Amt geklagt werden kann! Stell dir nur mal vor, es wäre ein deutscher König oder Kaiser, ein Produkt jahrhundertelanger Inzucht des Hochadels, bei dem alle nur auf seinen Tod warten könnten, wenn er sich als völlig ungeeignet für ein solches Amt und zudem als charakterlich verkommen erweist, und. Stell dir nur vor, ein solcher Staatsoberhäuptling hätte auch wirkliche Macht

Nein, da ist Christian Wulff viel besser. Und er zeigt in seinem Lügen und seinem dummherrischen Gehabe so wunderbar deutlich den Zustand jener classe politique, aus welcher er doch selbst zum bundesdeutschen Kaisersurrogat aufgestiegen ist, dass man ihm eigentlich einen Karikaturpreis dafür verleihen müsste.

Not so great

Wenn man sich die Frage nach der „Größe“ des derzeitigen Bundespräsidenten Wulff stellt, fühlt man sich auf einen Zollstock verwiesen.

Krokodilstränenpräsident

Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben.

Der heutige Bundespräsident Christian Wulff am 31. Januar 2000 im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus über Johannes Rau

Den Kandidaten

Das Charakteristische des Politikers ist nicht, daß er für eine Partei agitiert, sondern daß er für jede agitieren könnte.

Karlheinz Deschner