Tag Archive: Bibel


Volksbibel

Spätestens seit Papst Johannes Paul II. aus den Händen des „Bild“-Herausgebers und Chefredakteurs Kai Diekmann die „Volksbibel“ empfing, ist auch der Pakt zwischen Hochaltar und Rinnstein besiegelt.

Christian Bommarius [via Bildblog]

Werbeanzeigen

Der nicht geschrieben hat

Wenn mir eines sympathisch ist an diesem biblisch überlieferten Jesus aus Nazaret, denn ist es die Tatsache, dass dieser Mensch, der sein ganzes Leben im Wirkbereich einer pedantischen und herzkalten Schriftreligion verleben musste, selbst nicht ein einziges Wort geschrieben hat — er wusste ja auch zu genau, was mit geschriebenen Worten angestellt wird, wenn sie erst einmal zur Religion der Buchanbeter werden. Wie viel Gewese doch — im Gegensatz zu ihm — alle seine Verehrer um eine so genannte „Heilige Schrift“ machen!

Über der Übersetzungen Zungen

[…] nicht seriös, nicht brauchbar und nicht empfehlenswert.

Axel Freiherr von Campenhausen, ev.-luth. Kirchenrechtler, über die „Bibel in gerechter Sprache“

Die Unermüdlichkeit christlicher Gelehrsam- und Lehrhaftigkeit hat eine große Menge Übersetzungen der biblischen Texte in die deutsche Sprache hervorgebracht, mit denen Menschen an besser diesen schwierigen Stoff herangeführt werden sollen. Neben den beiden verbreiteten Werken — der jüngsten Revision des Luther-Textes durch die ev.-luth. Kirche, der so manche Wuchtigkeit genommen wurde und der röm.-kath. Einheitsübersetzung, die sich wie eine Flasche pastellrosa Weichspüler liest — gibt es mittlerweile auch eine Handvoll Übersetzungen, die sich mehr an jene viel gewordenen Menschen richten, in deren Sprache es keine Schnittmenge mehr zum Sprachgebrauch in der Parallelwelt der großen kirchlichen Institutionen gibt. Interessant ist dabei, wie diese im gewöhnlichen „Gottesdienst“ nicht verwendeten Übersetzungen angeboten werden. Die populäre „Gute Nachricht“ wird angepriesen als eine „Bibel in modernem Deutsch“ und ist allein im Spiegel dieser Benennung ein Zeuge der Modernitätsfeindlichkeit der christlichen Religion, und die innerhalb des Rates der Evangelische Kirche in Deutschland sehr kritisch betrachtete und von der röm.-kath. Kirche völlig verworfene „Bibel in gerechter Sprache“ (die mir allein dafür gefällt, dass sie die in der Bibel so oft beschriebene Sklaverei eben als Sklaverei benennt und nicht hinter Schönsprech wie „Magd“ oder „Knecht“ zu verstecken trachtet) spiegelt in ihrer Benennung die nach wie vor bestehende Liebe zur Ungerechtigkeit innerhalb der Institutionen des Christentums wider.

Die furchtlosen Heuchler

Das 5. Kapitel (Apostelgeschichte) Ein Mann aber mit Namen Ananias samt seiner Frau Saphira verkaufte einen Acker und entwendete etwas vom Gelde mit Wissen seiner Frau und brachte einen Teil und legte es zu der Apostel Füßen. Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den heiligen Geist belögest und entwendetest etwas vom Gelde des Ackers? Hättest du ihn doch wohl mögen behalten, da du ihn hattest; und da er verkauft war, war es auch in deiner Gewalt. Warum hast du dir solches in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen. Ala Ananias aber diese Worte hörte, fiel er nieder und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies hörten.

Man merkt es den großen christlichen Kirchen in der BR Deutschland an, dass da schon lange keine „große Furcht“ mehr ist, dass sie genau wissen, dass „ihr“ Gott nicht mehr auf Heuchelei und Lüge reagiert, indem er die Heuchler und Lügner einfach vor versammelter Gemeinde bloßstellt und effektvoll mordet. Dies mag widerspiegeln, dass diese Kirchen sich längst den Satan zum Gotte erkoren haben, oder doch wenigstens seinen glitzergüldnen Bastardsohn, den Mammon.

Die nützliche und kleinhaltende Todesangst vor Gott ist für die Anderen, nicht für die kirchlichen Heuchler und ihr Geschäft.

Wenn der Vorübergehende sein schattenhaft dünstelndes Dasein durch die dröhnvolle Stadt schleppt, muss er an vielen Schaufenstern vorübergehen, in denen sich kirchliche und kirchennahe Organisationen mit Hilfe der Schergen Satans, der bildbunten Brut der Werber, zur Schau stellen. In diesen zur Schau stellenden Fenstern warmgetünchter Hochglanz von glücklichen Alten und Kranken, fotografiert durch den Lächelfilter der Reklamelüge, und zu diesen Bildern kurze, hehre Wortfetzen von Pflege und Geborgenheit, zu stanzen einen Eindruck von sozialem Engagement im Kopfe der weniger Bewussten.

Niemand soll sich darüber verwundern, dass es diese Läden erst gibt, seit die so genannte „Pflegeversicherung“ aus solchem Tun einen guten deal gemacht hat. Nein! Engagiert und „sozial“ soll es aussehen, was da getrieben wird, wie ein Akt selbstloser Liebe.

Das sieht der Vorübergehende und spürt den unwiderstehlichen Reiz und würde sich zur Erleichterung zu gern erbrechen, wenn er doch nur etwas im Magen hätte. Denn er kennt die andere Seite, die nicht so glänzt, er weiß aus persönlichen Gesprächen von flugs angelernten Menschen, die sich in erzwungener, staatlicher Hartz-IV-Elendsarbeit für einen Nichtlohn in der so genannten „Pflege“ verschleißen müssen, damit auch ja der Profit stimme, er hat die ausgebildeten Schwestern kennengelernt, die einen befristeten Vertrag als Hilfsschwester nach dem anderen kriegen, immer mit dem mündlich gegebenen Versprechen einer anschließenden Übernahme in einer festen Anstellung und so knebelnd gehalten, dass sie sich noch krank zur unterbezahlten Maloche schleppen müssen, um ja nicht kurzfristig gekündigt zu werden und vor dem völligen persönlichen Nichts zu stehen. Er weiß von ständiger Verfügbarkeit, Einsparungen am Personal, selbstverständlich erwarteten, unbezahlten Überstunden und der völligen Unmöglichkeit einer persönlichen Lebensplanung im Zustand der totalen Ausbeutung und der täglichen, telefonischen Abrufbarket, die selbst noch im „Urlaub“ erwartet wird. Er hat mit diesen vom christlichen Pflegemoloch zu Material gemachten Menschen zu viele Tränen geweint, um angesichts des Zynismus und der werbenden Kälte dieses lichtscheuen Gesindels keinen Ekel zu empfinden. Und. Er ist sich sicher, dass auch die „Pflegefälle“ wie Material behandelt werden, weil es in diesem ganzen, asozialen Treiben der Kirchen und ihrer Geschäftsstellen nur auf eines ankommt: Auf den Reibach.

Und dies alles wissend findet der Vorübergehende es schon manchmal sehr schade, dass die zynischen, geldgeilen, pfäffischen Heuchler ohne jeglichen Respekt vor den missbrauchten Menschen nicht einfach wie in gewissen biblischen Berichten tot umkippen.

 

Quelle des Scans: Die Bibel, Apostelgeschichte, 5. Kapitel, Verse 1 bis 5, revidierte Luther-Übersetzung von 1956. Sorry für den heute schwer lesbaren Fraktursatz, aber ich habe gerade keine andere Bibel zur Hand — zudem zeigt dieses Schriftbild trefflich, wie obsolet dieses Buch im institutionalisierten Christentum wirklich ist. Mit Gruß an I. und C.