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AWD und Panzerstahl

Bushaltestelle des Niedersachsenstadions, das jetzt AWD-Arena heißt und somit selbst zur Reklame geworden ist, mit einer Reklame für Hornbach: Geboren aus Panzerstahl, gemacht für die Ewigkeit

Gesehen an der Bushaltestelle Niedersachsenstadion in Hannover

Der Finanzberater

Ein so genannter Finanzberater, der für jeden seiner zahlenden Kunden genau zu wissen vorgibt, wie er Vermögen aufbaut, aber diese so großartig angepriesene Technik nicht einfach für sich selbst anwendet, sondern lieber andere berät und davon zu leben vorzieht, er ist etwa so glaubwürdig wie ein so genannter Hellseher, der für ein geringes Entgelt alles mögliche in der Zukunft zu sehen vorgibt, aber nicht einfach mit seinen Fähigkeiten Lotto spielt.

Der Tod presented by AWD

Ich habe die zynische, fernseh-gerechte funeral show um einen Robert Enke, der mit seinem Freitod gewiss einen unerträglichen Zustand beendet hat, nur ganz am Rande (und ohne allzuviel eigene Betroffenheit, weil sich genügend Menschen aus meinem direkten Umfeld zum Freitod entschließen) mitbekommen, während ich bettelte, und ich fand diesen sehr kurzen Einblick bereis widerwärtig und menschenverachtend genug, um mich davon mit Grauen abzuwenden. An sich wollte ich kein Wort mehr zu diesem Thema verlieren, das morgen schon in den Medien von den neueren Themen verdrängt wird, nachdem es seine emotionale Energie verloren hat. Aber da an diesem Ort im Internet auch ein Tagebuch der Kälte entstehen soll, muss ich es einfach anmerken. Ich glaubte ja zunächst, es handele sich bei dem Eindruck, den ich bekam, um eine einmalige Entgleisung der Regie, aber ich habe im Laufe des Tages in einer Reihe von Gesprächen erfahren, dass solch Szene mehrfach zu sehen war.

Immer wieder einmal, wenn die Musik spielte und das Fernsehen keine tollen, bewegten und bewegenden Bilder dieser „Trauer“ nach übelsten Hollywood-Vorbild hatte, weil eben in der Dramaturgie ein Moment des Innehaltens vorgesehen war, schwenkte die Kamera langsam durch die Menge, um dann für längere Zeit auf dem Logo des AWD zu verweilen, damit es sich dem Betrachter auch ja recht einpräge. Es war für den unverhohlen werbenden Zweck offenbar nicht ausreichend, immer wieder einmal wie beiläufig zu erwähnen, dass es sich bei dem dank einer ordentlichen Zahlung von jedem Lokalkolorit freigeschmirgelten Stadion um die „AWD-Arena“ handele, auch das daran angebrachte Logo der AWD Holding AG musste so richtig zur Geltung gebracht werden, damit auch der Letzte noch bemerke, von wen wohl wofür das Geld an das ARD-Staatsfernsehen der BRD geflossen sein mag. Diesem ausgesprochen lichtscheuen Gesindel ist es offenbar völlig gleichgültig, in welchem Kontext so wertneutral beflissen die Reklame transportiert wird, da wird nicht einmal vor einer medialen Leichenfledderei zurückgeschreckt. Man könnte denken, dass die Werber im Auftrage des AWD bedauert hätten, nicht noch ein großes Logo auf den Sarg pflastern zu können.

Der Tod presented by AWD. Ein tolles Feature in der ARD, sehr „ergreifend“, vor allem im Magen! Wenn ich mir nur vorstelle, dass in einer nicht unerheblichen Zeit meines Lebens mit dem Logo dieser seelischen Eisblöcke, Finanzdrückertreiber und zynischen Allvermarkter auf meiner Brust herumlaufen müsste, denn würde ich mich wohl auch vor dem nächsten Zug werfen.

Oh nein, Leute, nicht ich bin hier pietätlos und zynisch…