Tag Archive: ARD


Journalistische Meinungsforschheit

Journalisten, die Ergebnisse von Telefonumfragen wichtigtuerisch als einen „DeutschlandTrend“ bezeichnen… käme mir jemand am Telefon nach dem Wählen der mich ziemlich eindeutig identifizierenden Telefonnummer mit den leicht aussprechbaren Worten „Ich bin Meinungsforscher von einem wichtig klingenden Institut“ und fragte mich, was ich wähle, legte ich wortlos — oder bei entsprechender, schon vorgereizter Stimmung: mit deutlicher Beschimpfung dieses Ansinnens und der Schergen, die es durchführen — auf.

Was der von Journalisten vielzitierte und und zur Stützung ihrer contentindustriell ausgebreiteten Meinung breit interpretierte „DeutschlandTrend“ der „ARD“ zeigt, ist lediglich, was jene Menschen wählen würden, denen das Wahlgeheimnis völlig gleichgültig ist und die jedem Dahergelaufenen dumm, sofort und schwanzwedelnd-freudig erzählen, was sie wählen.

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Der Unterschied

Der wichtigste Unterschied zwischen Spielcasino und Börse liegt übrigens immer noch darin, dass es nicht jeden Abend kurz vor der 20:00-Uhr-Tagesschau in der ARD eine Liveübertragung aus der Spielbank Baden-Baden mit dem Titel „Casino vor acht“ gibt, in welcher ein Spezialexperte die Permanenzen wortreich und in ernstester Geste ausdeutet.

Die Stimme für Deutschland

Jetzt, da das gleiche Untenhaltungsmanagement beim NDR, das — vor allem anderen von Vermarktungsmöglichkeiten ausgehend — so richtig wertneutral beflissen entschieden hat, dass Xavier Naidoo für die BRD zum ESC entsendet wird, sich wegen der schlechten Presse ob dieser Entscheidung flugs dazu umentschied, ihn doch nicht zu nehmen, stellt sich nur und immer noch die Frage, wen sie wohl an seiner Statt nächstes Jahr nach Schweden schicken werden. Mein Tipp: Helene Fischer.

Rundfunkhaushaltsquasikopfsteuer

Screenshot der Tagesschau-Homepage, Detail des Videos der aktuellen Tagesschau, als Vorschaubild dient die Hinweistafel 'Kurze Unterbrechung, diese Bilder dürfen im Internet aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt werden' -- Rundfunkhaushaltsquasikopfsteuer -- Unter anderem eingeführt, damit die quasi-staatlichen Radio- und Fernsehsender der Bundesrepublik Deutschland auch von Leuten mitbezahlt werden, die nicht mehr fernsehen, sondern nur noch das Internet nutzen. Weil es so 'gerechter' für alle ist.

Zitat des Tages

Aber was machen daraus etwa die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF? Sie haben keine Bilder für die Krise gefunden und damit auch keine Haltung. Immer nur sind die hektischen Krisenmanager in Brüssel zu sehen, wie sie dicken Autos entsteigen oder in dicke Autos einsteigen – eine Ikonografie der Macht und des Apparates und der Automatismen.

In der BBC dagegen, ich erinnere mich noch fast an jedes Bild, an jeden Satz, gab es schon sehr früh in der Krise einen Bericht über ein älteres italienisches Ehepaar, das sich erhängt hatte, weil es seine Schulden nicht mehr zahlen konnte.

Georg Diez bei Spiegel Online — Griechenland in deutschen Medien: Immer voll auf Merkel-Linie

Alarmsignal

Die im Stück verbauten Ausschnitte aus einem Tagesschau-Kommentar von Rolf-Dieter Krause (WDR) können auf YouTube in ihrem Kontext gehört werden. Ich empfehle, eine Speitüte bereit zu halten…

Das neue Studio der ARD-Tagesschau

Standbild mit dem neuen Studio der ARD-Tagesschau

Je weiter sich die vom Nachrichtenvorleser vorgelesenen Nachrichten und die niemals offen kommunizierten Relevanzkriterien für diese Auswahl von Nachrichten von der Lebenswirklichkeit der Menschen und vom journalistischen Anspruch der Ausgewogenheit, Faktentreue und Sachlichkeit entfernen, desto mehr gleicht sich das Aussehen der Räume, in denen der Nachrichtenvorleser diese Nachrichten in gut gespielter Objektivität vorliest, an die Gestaltung der Brücke eines Raumschiffes aus schlechter science fiction der Siebziger Jahre an. So wird schon beim Hinschauen klar, dass das, wo nach man sich richten soll, weit abgehoben über der leidigen, zur Bedeutungslosigkeit erklärten Wirklichkeit schwebt.

Medienakademie

Foto des Einganges der 'Medienakademie' von ARD und ZDF in Hannover

Der Eingang dieser „ARD ZDF Medienakademie“ (mit recht modernem Deppen Leer Zeichen) sieht genau so grau, einfallslos, 70er-Jahre-muffig und kreativitäts­verachtend aus wie der größte Teil der Programm­gestaltung dieser beiden großen, mit Quasi­kopf­steuern finanzierten quasi­staatlichen Rundfunk­anstalten.

Für Männer

Vor dem Verderben kommt Stolz, und Hochmut vor dem Fall.

Spr 16, 18

3. Plätze sind was für Männer! Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011. Live und unverschlüsselt bei ARD und ZDF. Dank Ihrer Gebühren. www.ardzdf.de

Nicht, dass mich das Theater auch nur eine Spur interessierte, aber der Blickraum war allerorten mit diesen Nullpäppchen unserer mit Zwangsgebühren finanzierten Balltretersender zugestellt: Was für eine wunderbare Realsatire doch dieser deutlich männerfeindliche Slogan nach dem Ausscheiden der BRD-Frauschaft geworden ist! 😉

Zielgruppe

Prof. Dr. Franz-Rudolf Esch -- Senioren sind die neue Zielgruppe

Im Begriffe „Zielgruppe“ der Allvermarkter schwingt immer leicht der Gedanke an die Zielvorrichtung einer Waffe mit, in deren statistischem Fadenkreuz die Menschen genommen werden, damit man sie auch treffe.

Die Selbstbezüglichen

Er erzählte mir, dass „diese Blogger“ doch nur ein selbstbezüglicher Haufen seien, dass da jeder nur vom anderen abschreibt und dass man sich darin sehr wichtig nimmt und wichtig macht, ja, so wichtig nimmt und wichtig macht, dass man große Veranstaltungen veranstaltet, die man wichtig nimmt und wichtig macht, indem man abschreibt, was andere darüber schreiben. Und. Er erzählte mir, dass er heute einen ganz entspannten Abend vor dem Fernseher verbracht hat, heute, wo die ARD ihren 60. Geburtstag gefeiert hat und deshalb einen großen Rückblick auf 60 Jahre ARD im Rahmen einer großen Unterhaltungssendung präsentierte.

Es mag seltsam klingen, aber das Wort „selbstbezüglich“ fiel in seinem langen Bericht, den zu unterbrechen ich schlicht zu müde und zu genervt war, nicht ein einziges Mal.

Der Tod presented by AWD

Ich habe die zynische, fernseh-gerechte funeral show um einen Robert Enke, der mit seinem Freitod gewiss einen unerträglichen Zustand beendet hat, nur ganz am Rande (und ohne allzuviel eigene Betroffenheit, weil sich genügend Menschen aus meinem direkten Umfeld zum Freitod entschließen) mitbekommen, während ich bettelte, und ich fand diesen sehr kurzen Einblick bereis widerwärtig und menschenverachtend genug, um mich davon mit Grauen abzuwenden. An sich wollte ich kein Wort mehr zu diesem Thema verlieren, das morgen schon in den Medien von den neueren Themen verdrängt wird, nachdem es seine emotionale Energie verloren hat. Aber da an diesem Ort im Internet auch ein Tagebuch der Kälte entstehen soll, muss ich es einfach anmerken. Ich glaubte ja zunächst, es handele sich bei dem Eindruck, den ich bekam, um eine einmalige Entgleisung der Regie, aber ich habe im Laufe des Tages in einer Reihe von Gesprächen erfahren, dass solch Szene mehrfach zu sehen war.

Immer wieder einmal, wenn die Musik spielte und das Fernsehen keine tollen, bewegten und bewegenden Bilder dieser „Trauer“ nach übelsten Hollywood-Vorbild hatte, weil eben in der Dramaturgie ein Moment des Innehaltens vorgesehen war, schwenkte die Kamera langsam durch die Menge, um dann für längere Zeit auf dem Logo des AWD zu verweilen, damit es sich dem Betrachter auch ja recht einpräge. Es war für den unverhohlen werbenden Zweck offenbar nicht ausreichend, immer wieder einmal wie beiläufig zu erwähnen, dass es sich bei dem dank einer ordentlichen Zahlung von jedem Lokalkolorit freigeschmirgelten Stadion um die „AWD-Arena“ handele, auch das daran angebrachte Logo der AWD Holding AG musste so richtig zur Geltung gebracht werden, damit auch der Letzte noch bemerke, von wen wohl wofür das Geld an das ARD-Staatsfernsehen der BRD geflossen sein mag. Diesem ausgesprochen lichtscheuen Gesindel ist es offenbar völlig gleichgültig, in welchem Kontext so wertneutral beflissen die Reklame transportiert wird, da wird nicht einmal vor einer medialen Leichenfledderei zurückgeschreckt. Man könnte denken, dass die Werber im Auftrage des AWD bedauert hätten, nicht noch ein großes Logo auf den Sarg pflastern zu können.

Der Tod presented by AWD. Ein tolles Feature in der ARD, sehr „ergreifend“, vor allem im Magen! Wenn ich mir nur vorstelle, dass in einer nicht unerheblichen Zeit meines Lebens mit dem Logo dieser seelischen Eisblöcke, Finanzdrückertreiber und zynischen Allvermarkter auf meiner Brust herumlaufen müsste, denn würde ich mich wohl auch vor dem nächsten Zug werfen.

Oh nein, Leute, nicht ich bin hier pietätlos und zynisch…