Tag Archive: Arbeit


Der Ausländer

„Ja, es stimmt“, sagte der Vorübergehende in einem kecken Moment zu seinem Zeitgenossen, „der Ausländer nimmt dir deinen Job weg. Und wenn ihm das gelingt, obwohl er nur schlecht Deutsch spricht, keine Beziehungen hat, nicht über viel Geld verfügt und in einem nicht gerade ausländerfreundlichen Land ein schlechtes Ansehen hat, dann gibt es dafür eine sehr einfache und naheliegende Erklärung: Du bist aus der Sicht derjenigen Inländer, die andere Menschen mies dafür bezahlen, dass sie Arbeiten machen, ziemlich scheiße. Aber gegen diese Inländer, gegen die magst du nichts sagen, an die denkst du nicht einmal — obwohl die auch ohne Ausländer ähnlich vorgehen würden, wie sie es jetzt tun“.

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Nationalsozial, sozusagen…

Derjenige ist wirklich und wahrhaft sozial, der Arbeit schafft.

Alfred Hugenberg, Wirtschaftsminister im ersten Kabinett von Reichskanzler Adolf Hitler

[via @Holzschuhwerfer]

Die angeprangerte Gier

Wenn sich die Menschen doch einmal hinstellen und mit ihrer leisen, nahezu wirkungslosen Stimme einfordern, dass sie von dem Lohn für ihre Arbeit auch leben können wollen, dann ertönt hoch oben von einem gewaltigen Berg aus Geld die durch Presse und Glotze millionenfach verstärkte, jede Widerrede übertönende Stimme: „Deine Gier ist schlecht für die Wirtschaft“.

Der Kabarettist

„Wenn die Zustände endlich einmal beendet sind, die der Kabarettist zu Recht so trefflich verspottet“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dann müsste er sich ja nach all diesen Jahren gesicherten Daseins im Spotte eine andere, möglicherweise gar anstrengendere und produktivere Arbeit suchen“.

Tagesmutter gesucht, dringend, 15€ die Nacht

Anzeigen-Karte in einem hannöverschen Edeka-Supermarkt: Suche dringend! für meine zwei Kinder 5/8 Tagesmutter für die Nacht (zahlt das Amt) oder Student, Omi etc 15 Euro die Nacht -- die angegebene Handynummer ist von mir unkenntlich gemacht

Die Tat

„Auch, wenn die Mühe von Ermatteten mit der Schwierigkeit verwechselt wird“, sagte der Vorübergehende zu einem unbelehrbar Arbeitsgläubigen, „ist es nicht schwierig, etwas zu tun. Jeder Sklave kann das, und auch vom Menschen dafür dressierte Tiere bekommen das hin. Schwieirg ist es, einen Entschluss zu fassen und daraufhin das, was man tut, in eigener Verantwortung zu tun. Das Bewältigen dieser Schwierigkeit führt zu derjenigen Würde, die bei der gewöhnlichen Ausführung von Arbeiten so leicht verloren gehen kann.“

Von Not erzwungenes Arbeitenmüssen

Wie seltsam, dass die gleichen Gegner der Idee des „Bedinungslosen Grundeinkommens“, die sagen, dass bei gesichertem Lebensunterhalt doch jeder Anreiz zur Arbeit entfalle, in anderen Kontexten immer wieder betonen, was für eine wichtige und segensreiche Form der Selbstverwirklichung und Selbstentwicklung doch Arbeit sei. Erstere Aussage entlarvt die Lüge, also die bewusst ausgesprochene Unwahrheit des lichtscheuen Gesindels in letzterer Aussage.

Hamsterrad

Völlig außer Atem sagte der rennende Hamster zum zuschauenden Hamster: „Ich weiß nicht, was du fauler, nichtsnutziger Negativdenker immer hast. Das, was du ein Rad nennst, in dem man bei allem Strampeln und Hetzen niemals von der Stelle kommt, sieht für mich wie eine Karriereleiter aus, auf der ich ständig aufsteige“.

Arbeitsagentur, hannöversche!

Arbeitsagentur Hannover mit einem Banner: Lange Nacht der Berufe

Arbeitsagentur, hannöversche!

Macht doch auch mal eine „Lange Nacht der offenen, sozialversicherungspflichtigen Stellen, bei denen ein Mensch von seiner Vollzeit-Arbeit in Hannover noch wohnen und leben kann“! Ach, diese Nacht würde nicht so lang werden… ich verstehe…

Dann nennts halt anders. Zum Beispiel: „Gute Nacht, Deutschland“!

So viele Arbeitsplätze

Ja, du hast recht, es gibt jetzt so viele „Arbeitsplätze“. Aber damit, dass das ein politischer Erfolg sein soll, hast du unrecht. Sehr viele dieser Plätze, an denen eine mit nur wenig Geld bezahlte Arbeit gemacht wird, die dann durch ergänzende Hartz-IV-Leistungen zum dürftigen Lebensunterhalt aufgepäppelt werden muss, hätte ich in meiner Jugend als „Ferienjobs“ bezeichnet.

Lebens-Sinn

Diese ganzen Menschen, deren gesammter Lebens-Sinn mit aller Gewalt und Selbstgewalt darauf reduziert ist, einen „Job“ zu finden

Der erreichte Punkt

Einigermaßen vernünftige Lebensformen würden, wenn sie schließlich nach einem langen zivilisatorischen Prozess, vielen Automatisierungen und vielen kleinen Verbesserungen den Punkt erreicht hätten, dass sie mehr produzieren als sie für ihre Lust und ihr Leben verbrauchen, die Produktion drosseln, Feierabend machen und sich erfreulicheren Tätigkeiten als der Last der Arbeit zuwenden.