Tag Archive: Anonymität


Kuhschlachtung!

Schlachtet sie, die heilige Kuh der Anonymität! Und lasst eine ganze Horde mieser Big-Data-Wahrsager die guten Geschäftsmöglichkeiten aus ihren Eingeweiden lesen!

Und merkt es euch: Die Grünen, diese Vollkorn-CSU, sind unwählbar!

Google Doppelplusgut!

In Ermangelung eines namentlichen Ansprechpartners bei Google Plus spreche ich im Folgenden eine Website wie einen Menschen an. Das ist im Stil verrückt, aber es ermöglicht mir, das zu Sagende auch zu sagen. Gemeint sind natürlich die Menschen, die auf der angesprochenen Website — übrigens betont anonym und wie eine höhere Gewalt unpersönlich — Googles Agenda für Google Plus mit allen Mitteln der Technokratie durchsetzen.

Meinst du eigentlich wirklich, dass du gerade ein gutes Umfeld für ein virtuelles soziales Miteinander schaffst? Meinst du, dass es die Motivation erhöht, dein neues Datensammel-Vehikel — dass übrigens zudem recht überflüssig ist — zu nutzen, wenn man sehen muss, dass ein Großteil der Leute, deren Äußerungen man folgt, von dir weggelöscht werden? Meinst du, dass die fühlenden Wesen, die sich von deinem Angebot einen persönlichen Vorteil versprochen haben und deshalb zurzeit für dich einen kostenlosen Betatest machen, auf dass du hinterher um so besser die gesammelten Daten vermarkten kannst, Lust auf die so sicher Verbleibenden haben: auf diese ganzen ausgehungerten Kaufleute an der Web-Zwo-Nullfront; auf diese Spammer, die sich wegen des weniger unfeinen Klanges dieses Aküwortes SEO nennen; auf diese so emsig und wahllos andere Leute in ihre Kreise ziehenden Gestalten aus dem Affiliate-Lumpenproletariat?

Nun, Google Plus, es herrscht ja Meinungsfreiheit. Du darfst das also meinen. Und du darfst auch feinwortige Erklärungen dazu abgeben und dich mit fröhlichem Gruß aus Alzheim darauf verlassen, dass den meisten Menschen dein Geschwätz von gestern nicht mehr so bewusst ist. Du kannst dich in der Pose des Felses in der Brandung in den wohlverdienten shit storm stellen, und du kannst dabei Wörter wie „Hausrecht“ und „Spamschutz“ in den Mund nehmen. Das ist alles dein Recht. Das Internet, Google Plus, es ist verdammt groß, da ist für jede Spinnerei Platz, sogar für meine marginalisierte. Es sei dir völlig unbestritten.

Selbst weniger nachdenklichen Menschen ist klar, dass dein Gefasel vom Spamschutz die mieseste Ausrede seit Erfindung des world wide wasteland ist, und dass es dir nur ums Geldmachen geht, wenn du einen gewichteten Graphen der sozialen Beziehungen von persönlich identifizierbaren Menschen eines beachtlichen Teiles der Weltbevölkerung aufzubauen gedenkst. Die Form, in der du, Google Plus, deine Ausreden anbringst und deine Agenda mit technokratischer Gewalt durchziehst, sie verrät allerdings einen Charakter, der gar nicht so unpassend zu dem oben kurz umrissenen Pack ist, welches das von dir geschaffene virtuelle Umfeld recht attraktiv zu finden scheint.

Ja, das ganze ist ein business. Und zwar ein ganz beschissnes.

Aber eines möchte ich dir, der du vor lauter Dollarzeichen auf den Augen nicht mehr zu sehen scheinst, was dieses Internet ist, in Erinnerung rufen:

Anonymität und die Verwendung von Pseudonymen sind ein wichtiger, vielleicht sogar unverzichtbarer Bestandteil der Internet-Kultur.

Es gibt sehr viele gute Gründe, in einem Internet, das nichts vergisst, anonym aufzutreten.

Natürlich gibt es auch schlechte. Einer dieser Gründe ist, dass man spammen will, und ein anderer ist, dass man mit provokanten Beiträgen andere Menschen verärgern will, um sein darbendes Selbstbewusstsein an den erbosten Reaktionen aufzurichten. Wer das will, wird sich wohl kaum davon abschrecken lassen, wenn er sich dafür einen realistisch klingenden Namen ausdenken muss, zumal es dafür einfach zu verwendende Hilfsmittel gibt. Die Barbarei der Spam und die psychologisch interessante Kommunikationsform des trollings lässt sich auf derart einfache Weise nicht bearbeiten, schon gar nicht technisch. Sie erfordert den Blick und die Tat wertender Menschen, die einen klaren, kommunizierbaren und nachvollziehbaren Maßstab für das haben, was sie dulden und was nicht. Übrigens kommt die Mehrzahl meiner Spammails und ein größerer Teil meiner Kommentarspam von „Menschen“ mit realistisch klingenden Namen. Als Betreiber eines populären Freemail-Dienstes und nicht minder populären freien Bloghostings sollte die Wirklichkeit der Spam bei Google wohlbekannt sein, was das Reden vom angeblichen „Spamschutz durch Pflicht zum Realnamen“ mit nur geringer Denkanstrengung als Lüge entlarvt.

Nach diesen schlechten Gründen nun die guten…

Und der beste aller guten Gründe ist, dass das Internet nichts vergisst.

Jeder, der sich irgendwo im Internet in einem Akt menschlicher Kommunikation mitteilt, muss damit rechnen, dass diese Mitteilung rezipiert wird — dafür macht man es ja — dass sie referenziert wird und auch nach vielen Jahren noch auffindbar ist. Da in solcher Mitteilung — wenn es nicht gerade um den Hinweis auf lustige Videos und die Veröffentlichung niedlicher Katzenfotos geht — immer auch, so sie echt ist, ein Stück persönlicher Wertung und Meinung einfließt, kann die spätere Auffindbarkeit des Mitgeteilten persönlich gefährlich oder sogar unmittelbar existenzbedrohend sein. Für Letzteres muss man gar nicht erst an bis zum Mord offen repressive Staatsgebilde wie die Volksrepublik China oder das Königreich Saudi-Arabien denken, politische und gesellschaftliche Verhältnisse sind überall instabil. Selbst unsere gegenwärtige Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dies einmal in einer sehr unglücklich formulierten Form von sich gegeben — die übrigens auch wegen eines Internet, das nichts vergisst noch in vielen Jahren in einer gewissen Erinnerung sein wird und dann hoffentlich eher für Lacher als für Grauen sorgen wird. Äußerungen oder auch nur Details in der Äußerung, die heute harmlos und legal sind, können einen Menschen vielleicht schon nächstes Jahr ins Gefängnis oder gar in etwas Schlimmeres bringen¹. Die Entwicklung auch nur der nächsten Monate ist etwas, was Spinner gern in astrologischen Aufstellungen, Tarotkarten und Kristallkugeln lesen, während sich ernsthaftere Menschen eingestehen müssen, dass sie nichts darüber wissen.

Aber selbst, wenn es nicht so übel kommt, kann es übel genug sein, wenn jemand bei der Bewerbung um einen Job mit seinem persönlichen record konfrontiert wird, der sich bei der Nutzung des Internet angesammelt hat. Ein mögliches Leben in Erwerbslosigkeit und Armut wegen einiger persönlicher Äußerungen, die den im Internet recherchierenden, meist recht konservativ gestrickten Personalern nicht gefallen, ist für „normale“ Menschen bedrohlich genug.

Vor diesen keineswegs abstrakten Gefahren kann sich ein Mensch nur schützen, indem er darauf achtet, dass eine direkte Zuordnung seiner Äußerungen zu seiner Person erschwert wird. Die Verwendung von Pseudonymen oder völlig anonymes Publizieren sind das einzige zur Verfügung stehende Mittel, um eine solche Zuordnung zu erschweren.

Wer dennoch den Mut hat, mit seiner identifizierbaren Person hinter seinen Äußerungen zu stehen, soll ihn — wenn er nicht eh schon alles verloren hat und aus dieser Einsicht heraus auftritt — haben; es sei niemanden genommen. Allerdings ist es von außen manchmal etwas schwierig, Mut von Dummheit zu unterscheiden.

Wer aber — wie du, Google Plus — meint, diesen „Mut“ durch eine Richtlinie erzwingen zu können und wer — wie du, Google Plus — diese Richtlinie durch konsequentes Löschen in einer so genannten „social website“ durchzusetzen trachtet, bewirkt damit nur dreierlei: Erstens, dass viele bewusstere Menschen, die wirklich etwas von sich mitteilen wollen, sich hierfür eine andere Plattform suchen, das Netz ist ja groß und immer noch nicht mit Google identisch. Zweitens, dass die leider auch nicht wenigen Menschen, die ob der großen Medienpräsenz von dir, Google Plus, glauben, dass sie auf dich nicht verzichten können und die dennoch genügend Verstand haben, um die mit der Identifizierbarkeit verbundenen Gefahren zu sehen oder auch nur zu ahnen, mit einer Schere im Kopf schreiben, was ihre Mitteilungen beschädigt und entwertet. Und drittens, dass das weiter oben in zugegebenermaßen rauen Worten zusammengefasste Pack davon am wenigsten beeinträchtigt wird, weil es bei Lichte betrachtet gar keinen Ruf zu verlieren hat.

Kurz, Google Plus: Was da übrigbleibt, ist auch für deine Idee vom Marketing kein so gutes Umfeld.

Unabhängig von den geradezu imperativ guten Gründen, ein Pseudonym zu benutzen, gibt es noch einen weiteren, zwar weniger guten, aber dennoch berechtigten Grund.

Wer im anonymen, virtuellen Medium Internet unter einem Pseudonym auftritt, kann sich auf diesem Wege eine gewisse Freiheit aus seiner sonstigen gesellschaftlichen Bedingtheit verschaffen — und dies keineswegs nur, um sich „unmöglich aufzuführen“. Es wird möglich, Gedanken und Ideen zu äußern, die in der direkten Lebenswirklichkeit unangemessen erschienen, wenn sie geäußert würden. Es ist kein Geheimnis, dass Menschen nicht nur gern lachen, sondern auch gern andere Menschen auslachen (und später ausgrenzen und im schlimmsten Fall mit Gewalt bedrohen), vor allem, wenn diese Gedanken und Ideen äußern, die im ersten, unreflektierten Moment absurd, offensichtlich oder kindisch erscheinen. Schon das „normale“ menschliche Miteinander führt zur Selbstzensur, einfach wegen des normativen Zwanges einer Gesellschaft aus Menschen mit beschädigtem Dasein, deren Individuen alles für die Verdrängung ihrer eigenen misslichen, ausgelieferten, begrenzten, beziehungsvermeidenden und unfreien Situation tun und darin zu einem bedrückenden überpersonalen Prozess beitragen, in dem sich der Einzelne nicht mehr entfalten kann. Schon im sozialwissenschaftlichen Begriff der „Rolle“ — der direkt dem Theater entnommen ist — und in den vielen davon abgeleiteten Begriffen schwingt allzu fühlbar die Einsicht mit, dass Menschen im Allgemeinen nicht ihr eigenes Leben leben können. Die Larve der Anonymität oder der Pseudonymität schafft einen Freiraum; hinter ihr kann der schützende Panzer um das eigene Selbst kontrolliert abgelegt werden, was von vielen Menschen als Erleichterung empfunden wird. Wer den Menschen diesen Freiraum zu nehmen sucht, der nimmt ihnen eine recht starke Motivation, ein ansonsten eher unerfreuliches und technisches Medium für die Entfaltung des eigenen Selbstes zu nutzen, der führt die überpersonalen Marionettenfäden, an denen die Menschen in oft bedrückend empfundener Weise hängen, ohne Not in ein unpersönliches Medium fort und zementiert damit das Unpersönliche dieses Mediums.

Tja, wer mag das Ergebnis solchen Strebens dann noch seinem Leben hinzufügen, weil er in der gewünschten Enge des so geschaffenen Raumes einen Mehrwert sieht? Siehe oben: Spammer, Kaufleute des Elends und das Lumpenproletariat zwielichtiger Affiliate-Geschäftemachereien.

Aber es kommt noch ein bisschen dicker für dich, Google Plus.

Denn viele Menschen sind im Internet unter ihrem Pseudonym wohlbekannt, während ihr bürgerlicher Name nahezu unbekannt ist. Sie werden „dank“ deiner technokratisch durchgesetzten Pflicht zum bürgerlichen Namen bei dir unidentifizierbar und unauffindbar. Sie haben so etwas wie einen treuen Leserstamm, der bei dir nach ihnen sucht und nichts finden kann. Wer weiß schon spontan, wie etwa Don Alphonso wirklich heißt?

Dieses Problem allerdings, das hast du, Google Plus, erkannt. Deshalb hast du einigen sehr populären Bloggern mit einer gewissen Reichweite aufgrund deiner technokratischen Herrlichkeit voller Gnade das Privileg eingeräumt, unter ihrem Netzpseudonym bei dir aufzutreten, wohl auch in der Spekulation darauf, dass sie dich, Google Plus, reichlich besprechen und verlinken und damit in die Aufmerksamkeit größerer Kreise tragen. Das ist ja eine gute und kostenlose Reklame.

Dies ging und geht einher mit Löschungen weniger bekannter und reichweitenstarker, aber keineswegs unbekannter Gestalten aus der Twitteria und Bloggeria. Der Eindruck, der sich für einen neutralen Betrachter ob deines Verhaltens, Google Plus, aufdrängt, ist der Eindruck gutherrschaftlicher Willkür. Wie gesagt, Google Plus, das Internet ist groß und bietet Raum für jeden, und natürlich darfst du das und darfst auch diesen Eindruck erwecken, aber du solltest doch einmal bedenken, ob das der von dir gewünschte Eindruck ist und ob dieser Eindruck deine geschäftlichen Pläne befördert.

Du bist mit einem großen Vertrauensvorschuss gegenüber dem zuletzt immer übleren Anbieter „Facebook“ in deine „geschlossene“ Betaphase gegangen². Du bist gerade auf dem besten Weg, dieses Vertrauen wieder zu verspielen. Unfassbar, wie blind Gier machen kann!

¹Von den Unwägbarkeiten, die mit dem für die Bundesrepublik Deutschland so typischen Erscheinungen des Abmahnwesens und Rechtsmissbrauches jetzt schon einher gehen, will ich gar nicht erst anfangen.

²So „geschlossen“ ist die Betaphase auch nicht gewesen, es war selbst mir möglich, ohne besondere Anstrengung einen „invite“ zu bekommen, um mir Google Plus einmal anzuschauen. Sie war so geschlossen wie eine Tür, an der ein Schild „Eintritt nur mit Karte“ „aufgedruckt“ ist, während überall Automaten aufgestellt sind, an denen man mühelos eine kostenlose Karte ziehen kann. Oder kurz, dieses Gerede von „geschlossen“ ist eine reine Werbelüge, und eine besonders kindische und durchschaubare obendrein. Ob du damit interessante Menschen anlocken kannst? Für die emsigen Schreiber aus der Journaille hat es ja gereicht, die haben deine Presseerklärungen genau so „sachlich“ wiedergegeben, wie sie anderen Bullshit wiedergeben, auf dass sich viele nach diesen Nachrichten richten.

Übers Bloggen (16): Umzug

Der Umzug von einem privat gehosteten Blog nach WordPress.com ist ein schmerzhafter Umzug. Dies gilt auch denn, wenn die technische Seite eines solchen Umzuges relativ problemlos war. Diese besteht einfach darin, die Beiträge des alten Blogs zu exportieren, das neue Blog bei WordPress.com anzumelden und die Exportdatei dort wieder zu importieren. Der Vorgang braucht zwar angesichts der immensen Textmenge, die sich über zweieinhalb Jahre angesammelt hat, recht viel Zeit, aber er funktioniert trotz der verschiedenen WordPress-Versionen völlig fehlerfrei. Ich hätte Schlimmeres befürchtet. (Erfahrung ist eben die Summe von Misserfolgen.)

Damit sind zwar die alten Texte „gerettet“, haben ihre Stimme im Netz behalten, aber die Freiheiten, die ich in den letzten Jahren zu schätzen gelernt habe, sie sind verloren gegangen. Das fängt bereits in der Präsentation an, ohne sich darauf zu beschränken, denn ich kann jetzt nicht mehr mein eigenes Theme verwenden, sondern muss mit den hier angebotenen Themes vorlieb nehmen. Diese passen nicht gut zu meinem bisherigen Stil eines „hellen dunklen“ Erscheinungsbildes, und ich entschied mich deshalb lieber für einen Bruch, für schlichtes Schwarz auf Weiß. Es sieht für mich kalt und kahl aus, erinnert mich an jene Zeiten, in denen ich noch wohnhaft war und nach einem Umzug vor einer leeren Wohnung voller Kartons saß, um in den weißgetünschten Wänden zu ersticken. Nur, dass das hier ein Dauerzustand bleiben wird. Immerhin konnte ich ein eigenes Bild im Kopfbereich des Blogs setzen, und da entschied ich mich nach längerem Nachdenken für ein Motiv, das mir im letzten Jahr vor das Objektiv geriet: Die Fassade einer Mietskasene im warmen Abendlicht, Balkon an Balkon gleichförmig in Reih und Glied, und ein Bewohner meinte in diesem Umfeld, die Vorzüge seines Deutsch-Seins dadurch zeigen zu müssen, dass er ein kleines Fähnchen im stinkenden Wind wehen ließ. Es ist ein deprimierendes Bild, wie aus einer Emigration, nur, dass hier nicht das Land verlassen wurde. Ebenfalls deprimierend ist es, dass so viele Menschen in der BR Deutschland auf den persönlichen Schaden in ihrem Leben reagieren, indem sie in Symbole flüchten, die ein gesellschaftliches Gefüge repräsentieren, dass ihrem Leben eben diesen Schaden zugefügt hat.

Die umgezogenen Texte sind übrigens ebenfalls beschädigt. Alle internen Links verweisen auf die alten Adressen und funktionieren hier nicht mehr.

Auch ist mir jede Freiheit in den verwendeten Plugins genommen. Hatte ich zuvor eine „dynamische Blogroll“, die auf einen als Plugin eingebetteten RSS-Aggregator aufbaute und zeigte, an welchen Stellen etwas aktuell veröffentlicht wurde, so bleibt mir jetzt nur die Blogroll in Form einer schlichten, alphabetisch sortierten Linkliste. Auch für jene Handvoll Leser, die gern und regelmäßig durch den Aggregator gestöbert hat, ist das schade. Hier kann ich nichts vergleichbares machen, und einen technisch minderwertigen Ersatz will ich gar nicht erst versuchen.

Dass ich jetzt nicht mehr über einen Shell-Zugang auf dem Server verfüge, der meine Texte in das Netz trägt, ist für mich ebenfalls ein Problem. Ich bin es gewohnt, einen regelmäßigen Backup zu automatisieren, um im Falle schwerer Pannen das Schlimmste verhindern zu können, und diese Gewohnheit hat mir schon einmal den Hals gerettet, als ein Cracker mit einem Angriff auf ein harmloses und wenig gelesenes Blog erfolgreich war.

Darüber hinaus fühle ich mich etwas unwohl, weil das Blog nun in fremden Händen liegt. Ich weiß nicht, was die Zukunft aus WordPress.com machen wird, und es kann sein, dass dieses Angebot irgendwann einmal für mich unzumutbare Auflagen haben wird oder mir Kosten verursachen wird, die ich als obdachloser Bettler nicht mehr tragen kann. Immerhin sind Blogs bei WordPress.com schon seit einer erheblichen Zeit werbefrei geblieben, es scheint also so zu sein, dass sich WordPress.com mit seinen kostenpflichten Erweiterungen für kostenlose Blogs gut selbst trägt. Dennoch: Auch hier kann der allgemeine Zusammenbruch der Wirtschaft zum Tragen kommen, und der erste Umzug könnte für mich schnell der Beginn eines virtuellen Nomadenlebens werden, das sich dann endlich an mein nicht-virtuelles Leben angepasst hätte. Das ist keine beruhigende Vorstellung. Aber es ist — wenn es so kommt — nicht zu ändern. Ich habe mich längst daran gewöhnt, als ein Vorübergehender zu leben. Sobald hier das erste gelayerte Werbebanner aufscheint, bin ich weg.

Das Schlimmste nach dem Umzug ist wohl aber, dass es nun Monate dauern wird, bis alte Links auf anderen Websites korrigiert sind. Die Tatsache, dass diese frisch belegte Wohnung in einem Ausland, in dem die Freiheit des mitgeteilten Wortes noch einen Wert hat, bei Google und Konsorten noch nicht bekannt ist, verschlimmert diese Situation zusätzlich, denn die umgezogenen Texte können für eine längere Zeit nicht einfach aufgefunden werden. Diese Situation wird sich wenigstens im Laufe der nächsten Wochen verbessern.

Neben diesen bedrückenden Dingen gibt es da noch die kleinen Ärgernisse. Ich kann keinen Einfluss auf die hier verwendete WordPress-Version nehmen, und natürlich ist es die aktuellste. Diese ist leider — anders als meine von Hand gepflegte, uralte Version im vorherigen Blog — eine Bloatware, eine mit Unmengen von JavaScript realisierte Anwendung, die im Browser laufen soll, die aber auf den schmalbrüstigen und alten Geräten, auf die ich in der Regel zurückgeworfen bin, nur noch zäh zu bedienen ist. Das bedeutet, dass ich mich nur noch sporadisch einloggen werde und meine Veröffentlichungen in der Regel mit einem Blogclient verfasse. Deshalb kann es immer wieder einmal vorkommen, dass ein nicht erkannter Spamkommentar hier für längere Zeit stehen bleibt oder ein falsch erkannter echter Kommentar eines „richtigen“ Lesers im Nichts verschwindet. Beides habe ich früher vermeiden können, es ist mir jetzt nicht mehr möglich.

Um die Kommentare in dieser Situation überschaubar zu halten, ist das Blog im Moment so konfiguriert, dass nur Kommentare zu Texten möglich sind, die nicht älter als 60 Tage sind. Auf der anderen Seite ist die Kommentarfunktion jetzt verbessert. Die Kommentare sind in Threads organisiert, so dass eine direkte Antwort auf einen anderen Kommentar möglich ist. Meine alte Bastelei im Kommentarbereich ist damit unnötig geworden, weil sie durch etwas Besseres ersetzt wurde.

Bleibt nur zu hoffen, dass ich so schnell nicht wieder umziehen werde… 😉