Tag Archive: Ägypten


Mit offenen Karten: Ägypten

Eine Arte-Dokumentation, Juni 2004 | YouTube-Direktlink

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Vodafone Agenda 2020

Manchmal erweckt das Nebeneinander von Meldungen und Presseerklärungen Eindrücke, die gewiss nicht gewünscht sind. Wenn zum Beispiel Vodafone auf seiner Presse-Seite verlautbart…

Ägypten abgeschaltet - Agenda für die Zukunft, die Welt im Jahre 2020

…dass die Mobilfunkdienste in Ägypten auf Anweisung der Regierung abgeschaltet wurden, um darunter werbeblahend von der „Agenda für die Zukunft — die Welt im Jahre 2020“ zu faseln, denn entsteht ein realsatirischer Eindruck, der nicht in der Absicht der wortschleifenden Agenda-Schreiber lag.

Richtung und Garheit (24)

Bestechung ist wie ein Zauberstein dem, der sie gibt; wohin er sich kehrt, hat er Glück.

Die Bibel, Spr. 17, 8

Zahl — Eine Zahl bildet vielleicht keinen Aspekt der Realität ab, aber sicher eine Eigenart der menschlichen Wahrnehmung dieser Realität. Beim Wahrnehmen ist der Mensch dazu imstande, beliebige Entitäten zu abstrakten Klassen anzuordnen; diese innere Gehirntätigkeit wird dann — wie bei jeder anderen Wahrnehmung auch — als äußere Wahrheit empfunden. In diesem speziellen Prozess der Wahrnehmung tritt eine neue Erscheinung auf, die sich darin äußert, dass die wahrgenommenen Klassen identische Anzahlen von Elementen enthalten können. Sechs Tassen Kaffee, sechs Bücher und sechs ehemalige Freundinnen haben nichts gemeinsam, außer der Gleichzahl von Elementen in den jeweils wahrgenommenen Klassen. Diese „Sechsigkeit“ der betrachteten Klassen wird im abstrakten Zahlwort Sechs zusammengefasst, gedacht, behandelt; und alles, was diese in Klassen zusammengefassten Entitäten auszeichnet, versinkt im Sumpf des hirngeborenen Begriffes. Die Mathematik, eine strikt deduktive Wissenschaft, die von vielen Menschen als Inbegriff der objektiven Klarheit und Wahrheit erachtet wird, ist nichts weiter als eine dumpfe Hirnsucht, die im günstigen Fall Aufschluss über die evolutionär gewachsene Abbildung der Realität im menschlichen Gehirn zu geben vermag. Dass Menschen ihre Hirnsüchte mit der Realität verwechseln, ist allerdings keine neue Erscheinung der menschlichen Geschichte.

Fünfzehn — Das klassische hebräische Schriftsystem kannte keine Trennung zwischen Buchstaben und Zahlzeichen, jedes Lautzeichen der Schrift konnte auch als Zahl verwendet werden. In der Zeit, in der dieses System entstand, gab es keinen Bedarf an großen Zahlen, es verfügt daher nicht über ein Stellenwertsystem wie die heute international (auch im Neuhebräischen) gebräuchlichen arabischen Ziffern. Stattdessen gab es eine Gruppe von Zeichen für die Einer, eine weitere für die Zehner und eine dritte für die Hunderter. Zwar gab es mit dieser Doppeldeutigkeit der Schrift immer wieder einmal Spielereien, aber im Alltagsgebrauch wurden die Zahlen sehr regelmäßig ausgedrückt, um Missverständnisse zu vermeiden. In diesem regelmäßigen Gebrauch gab es nur eine Ausnahme, und diese betraf die Zahl Fünfzehn. Um diesen Zahlwert zu notieren, wurde nicht Jod (10) und He (5) geschrieben, sondern Waw (6) und Teth (9) — denn die Buchstaben Jod und He sind eine Kurzform des alten Gottesnamens, der seit mindestens zwei Jahrtausenden so tabuisiert ist, dass sein Gebrauch gemieden wird. So kann in einer von Religion geprägten Gesellschaft auch fern jedes religiösen Kontextes die Vernunft auf der Strecke bleiben.

Vier — Auch die Römer haben Zahlen mit Buchstaben ihres Alfabetes notiert, und auch sie gingen dabei recht regelmäßig vor. Allerdings. Kannten auch sie eine Ausnahme in ihrer ansonsten völlig regelmäßigen Schreibweise. Die Zahl Vier wurde nicht gemäß der allgemeinen Regel als „IV“, sondern als „IIII“ geschrieben. Der Hintergrund dieser Ausnahme ist, dass IV die gängige Abkürzung des römischen Hauptgottes Jupiter (lat. Iove) war, und dass man deshalb die Verwendung dieser beiden Buchstaben zur Niederschrift einer Zahl als eine Form der Gotteslästerung ansah. Auf jedem mit römischen Zahlen beschrifteten Ziffernblatt einer modernen Uhr — ja, selbst auf einem solchen Ziffernblatt an einem christlichen Kirchturm, wo so etwas recht häufig zu sehen ist — legt die Schreibung der vierten Stunde als „IIII“ ein Zeugnis davon ab, dass inmitten aller Modernität die alten Götzen unverändert auf ihrem Thron sitzen und ihre mit Aberglauben überfütterte Macht gern auf die Mächtigen unter den Menschen übertragen.

Die Zahllosen — So selbstverständlich uns die Fähigkeit zum Zählen vorkommt, sie ist nicht angeboren oder natürlich, nicht einmal für kleine Anzahlen. Es gibt (in unserer Zivilisation als „primitiv“ bezeichnete) menschliche Kulturen, in deren Sprache es nur drei „Zahlwörter“ gibt, die als „eins“, „zwei“ und „viele“ übertragen werden könnten. Eine fröhliche Sorglosigkeit spiegelt sich in dieser sprachlichen Erscheinung, ganz so, als gäbe es im Miteinander dieser Menschen nur drei Zustände der Verfügbarkeit von Dingen, nämlich „ich habe noch eines“, „ich habe zwei davon und kann dir eines abgeben“ und „kein Problem, es ist genug da“. Wie könnte unsere Zivilisation doch profitieren, wenn dieser Teil der „Primitivität“ sich in ihr ausbreitete!

Triskaidekaphobie — Wer es erstaunlich findet, dass in Deutschland Menschen in irrationale Befürchtungen versinken, nur weil auf dem gerade vordersten Kalenderblatt als Wochentag ein „Freitag“ und als Tageszählung ein Dreizehnter zu lesen ist, der sollte daran denken, dass der Aberglaube noch wesentlich absurder möglich ist. In den USA haben viele Häuser „offiziell“ kein 13. Stockwerk, die Zählung geht von der 12 direkt zur 14. Die Tatsache, dass sich die abergläubische Angst nicht auf die 14. Etage verlagert, welche ja in Wirklichkeit die 13. ist, zeigt die kurzsichtige und deshalb uneinsichtige Idiotie des Aberglaubens. Aber bislang ist bei niemandem die Idiotie so weit gegangen, dass er ein dreizehntes Monatsgehalt abgelehnt hätte. Und. Das zeigt den Glauben, der auf der anderen Seite des Aberglaubens steht und der ebenfalls ein Glaube in Zahlen ist.

Sieben — Von den sieben „Weltwundern“ der Antike ist nur noch eines erhalten, und dieses sind die großen Pyramiden in der Nekropole zu Gizeh. An diesen monströsen Todmalen ist vieles beeindruckend, am meisten aber sicherlich die Tatsache, dass sie auch nach so vielen Jahrtausenden so gut erhalten sind, während jüngere Pyramiden der ägyptischen Herrscher viel stärker vom Zerfall betroffen sind. Der Grund für die gute Erhaltung der großen Pyramiden ist, dass daran offenbar hoch motivierte Menschen sehr sorgfältig und präzise gearbeitet haben, während spätere Bauwerke des antiken Ägypten mit Sklavenarbeit errichtet wurden und deshalb eine gewisse Schlampigkeit in der Ausführung aufweisen. Dies kann auf dem Hintergrund betrachtet werden, dass der ägyptische Staat in der Vierten Dynastie kein Geldsystem kannte, und dass deshalb die Abgaben an das Staatswesen (und damit an die herrschenden Priester und den Pharao) in Form von Naturalien und in Form von Arbeitsleistung zu erfolgen hatten. Offenbar führte der „Mangel“ eines abstrakten Zahlungs- und Tauschmittels bei vielen in diesem Staat lebenden Menschen zu einer intrinsischen Motivation, in ihrem Tun Qualität hervorzubringen, und diese Qualität hält dem Zahn der Zeit gut stand, bis auf dem heutigen Tag. Kaum gab es jedoch in Ägypten eine Form des Geldes (Edelmetall als Tauschmittel), kaum verlagerte sich der Wertbegriff auf dieses Abstraktum, schon waren die staatlichen Prunkbauten von jener Schäbigkeit der Ausführung geprägt, wie sie von Sklaven und gedungenen Arbeitern hervorgebracht wird. Und zwar. Bis auf den heutigen Tag. Einzig das Ausmaß der Schäbigkeit der produzierten Güter ist im Laufe der Jahrtausende immer mehr gewachsen — und zwar mit zunehmender Abstraktheit des einzig als Wert erachteten Geldes.

Existenz — Der Kosmos existierte, bevor er von messenden und zählenden Menschen wahrgenommen wurde, und er wird sich auch trefflich zu behelfen wissen, wenn sich kein messender und zählender Mensch mehr mit der Abbildung des Kosmos in seinem Hirne beschäftigt. Das Wort „Wahrnehmung“ deutet schon in seiner sprachlichen Form an, dass bestimmte Aspekte aus der Realität genommen und in dieser Form für wahr gehalten werden, während andere Aspekte der Realität für die konstruierte Wahrheit verworfen werden. Diese Abbildung im menschlichen Individuum hat nichts mit der Einsheit des Kosmos zu tun, sie ist in Wirklichkeit eine „Wahnnehmung“, jenseits derer es gut möglich ist, dass in der Realität nichts außer der Einsheit des Kosmos existiert. Und zwar ist diese „Wahnnehmung“ eine. Der kein Mensch entkommen kann. Es wäre gut, wenn dies jedem Menschen in jedem Moment seines Seins bewusst wäre.