Tag Archive: Afghanistan


Tweet von @tagesthemen vom 18. Oktober 2018, 12:17 Uhr: Selten so ein deprimierendes Interview geführt. Bei der Frage nach der wirtschaftl Entwicklung in #Afghanistan fing der Chef der Handelskammer in Mazar an zu weinen. "Welche Entwicklung? Hier gibt es nur Terror, Kriminalität und Korruption."

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Nine-Eleven zum Zwölften

Heute vor zwölf Jahren gab es einen furchtbaren Massenmordanschlag in New York, der von Kameras festgehalten und über den lichtschnellen Rundfunk in das Bewusstsein der ganzen Welt transportiert wurde.

Dieser Massenmordanschlag wurde — gemäß der Darstellung einer offiziellen Untersuchung durch die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika* — durchgeführt von rd. zwanzig Menschen, die durch gewaltsame Übernahme Passagierflugzeuge zu „Raketen mit Kerosin-Brandbombe“ umfunktionierten, mit denen sie Symbole der US-amerikanischen politischen und wirtschaftlichen Führungsrolle angriffen und zerstörten, und die für dieses Anliegen ihren Tod in Kauf nahmen.

Tausende Menschen wurden dabei ermordet. Putzfrauen, Büroangestellte, Feuerwehrmänner und dergleichen gewöhnliche Menschen, die sich von ihrer Lust am Dasein getrieben ein vor allem harmloses und unbedeutendes Leben in den Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika* verschafften. Opfer mörderischer Gewalt. Sind immer in erster Linie unschuldig. Und jene, die nicht harmlos und unbedeutend sind, verstehen sich überall unter den Bedingungen bestehender Herrschaftsverhältnisse prächtig darauf, dafür zu sorgen, dass andere zu Opfern werden. Und. Dass andere zu Tätern werden. Die Generäle und Kriegsminister verbluten ebenso wenig im grauen Hemd auf dem „Feld der Ehre“ wie die Anführer paramilitärischer Mordbanden.

Jeder Mensch, den ich kenne, weiß heute noch, was er am 11. September 2001 gemacht hat, als er mit Entsetzen immer wieder die Fernsehbilder von diesem Mordanschlag sah und als alle darüber sprachen; als man dem Entsetzen nicht entkommen konnte. So fest hat sich dieses für die meisten Menschen rein mediale Ereignis mit seiner Wuchtigkeit und Wichtigkeit ins Bewusstsein gestempelt, dass es auch die Erinnerung an vieles eher Unwichtige verhaften ließ, dass es das Gehirn daran hinderte, Dinge wegen ihrer Bedeutungslosigkeit zu vergessen, die an anderen Tagen nicht in der Erinnerung haften blieben. Es dämmerte jedem. Dass hier eine neue Zeit beginnt, dass das 20. Jahrhundert, dass nach zügellosen, mechanisierten und industrialisierten Menschenschlachtereien letztlich zum fragilen „Frieden“ auf der Nordhalbkugel der Erde führte, nun wirklich und wirksam beendet war; dass das 21. Jahrhundert nach seinem kalendarischen Beginn nun auch in einem tief greifenden gesellschaftlichen Wandel in die Leben der Menschen hineinragt. Welche Massenvernichtungswaffe seit Jahrzehnten jeden Tag eingesetzt wird, wird darüber vergessen.

Die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika* haben sich in der Folgezeit der politisch geschaffenen Strukturen des 20. Jahrhunderts bedient; insbesondere der NATO, die noch eine Reaktion auf die mögliche militärische Konfrontation zweier nuklear aufgerüsteter Machtblöcke war. Sie haben diesen furchtbaren (und wegen seiner Symbolwirkung tief demütigenden) Massenmordanschlag als kriegerischen Akt betrachtet und den Beistandsfall der NATO reklamiert. Daraufhin haben alle in der NATO zusammengeschlossenen Staaten — einschließlich der BRD unter der Herrschaft von Gerhard Schröder und Joschka Fischer — ihre „uneingeschränkte Solidarität“ mit den Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika* erklärt. Im Oktober 2001 wurde der Eintritt des „Beistandsfalls“ mit einer Mehrheit im Deutschen Bundestag beschlossen. Dieser Beschluss des Bundestages vom Oktober 2001 wurde im Dezember 2012 noch einmal von der Merkel-Westerwelle-Regierung verlängert — diesmal allerdings gegen die Stimmen der SPD und der Grünen (und selbstverständlich gegen die Stimmen der Linkspartei). Er wird wohl auch noch ein oder zwei Jahrzehnte lang weiter verlängert werden…

Er „musste“ verlängert werden, wenn die Bundeswehr nicht aus Afghanistan abgezogen werden sollte. Dieser „Beistandsfall“ ist die einzige Grundlage für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Denn dort. Wird nicht etwa, wie es im Grundgesetz, Artikel 87a, als Aufgabe der Bundeswehr vorgesehen ist, die Bundesrepublik Deutschland verteidigt, sondern der „angegriffene“ NATO-Staat: Die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika*.

Ein internationaler Vertrag, der einst zur Absicherung gegen einen übermächtigen, nuklear aufgerüsteten und militärisch hoch gefährlichen Gegner abgeschlossen wurde, geriet zum politischen Instrumentarium für völkerrechtlich „legitimiertes“ Kriegsmorden, weil rund zwanzig Menschen einen furchtbaren und psychisch hoch wirksamen Massenmord begingen — zwanzig Menschen übrigens, die aus einer pseudoreligiösen paramilitärischen Struktur hervorgingen, die jahrelang mit CIA-Mitteln unterstützt, ausgebildet und hochgerüstet wurde.

Der Krieg einer deutschen Armee zur „Verteidigung“ der Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* war nicht die einzige politische „Folge“ des Massenmordanschlages vom 11. September 2001. Allerdings kann ich nicht auf jede weitere Folge so wortreich eingehen, deshalb nur eine kurze Liste:

  • In der Folgezeit wurden von den Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* Kriege mit ausgedachten Kriegsgründen (auf der Grundlage angeblicher geheimdienstlicher Erkenntnisse) geführt. Ein weiterer Krieg der Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* mit zumindest fragwürdiger offizieller Begründung ist aktuell in Vorbereitung.
  • In der Folgezeit haben die Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* ein Konzentrationslager im Rechtsfreien Raum von Guantánamo aufgebaut und betrieben, in dem die Gefangenen gefoltert wurden.
  • In der Folgezeit wurde die Idee der Privatsphäre eines Menschen abgeschafft und die Welt in einen Überwachungsplaneten verwandelt. Dies. Nicht nur im Internet.
  • In der Folgezeit wurde die Idee der unantastbaren Menschenrechte und der unantastbaren Würde eines Menschen der Idee von „Sicherheit“ untergeordnet, was so weit ging, dass sich Menschen vollkommen allgemein und anlasslos von so genannten „Körperscannern“ mechanisch vor den Augen von Polizeibeamten entblößen sollten.
  • In der Folgezeit konnte man im BRD-Quasistaatsfernsehen erstaunt hören, dass alle Menschen in Deutschland anlasslos und rechtswidrig durch britische und US-Geheimdienste überwacht werden müssen, weil einmal ein Mörder in Hamburg lebte — dass die Überwachungsprogramme deutlich älter sind, wird bei dieser massenmedialen Psychostanze mit Empörungs- und Todesangstdruck lieber verschwiegen.

Die vielen, mit der einfachsten Internet-Suche auffindbaren Verschwörungstheorien zu den Massenmordanschlägen vom 11. September 2001 sind in erster Linie ein Spiegel des Unbehagens, das dadurch entsteht, dass man zu leicht den Eindruck bekommt, dass vielen Angehörigen der classe politique dieses Verbrechen sehr gut in ihre mittel- und langfristigen Pläne passte. In diesen Eindruck fügt sich auch ganz ausgezeichnet die Tatsache, dass bereits bestehende Programme der Geheimdieste der Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* nachträglich mit 9/11 begründet und ausgeweitet wurden. Wie soll sich so etwas in einem wenig reflektierenden Menschen anders widerspiegeln als in der Annahme großer Verschwörungen?

*Ich meine diese leichte Verballhornung nicht „antiamerikanisch“. Sie stellt nur die Wahrheit hinter der Selbstbezeichnung des Staates her. Ohne jede weitere Wertung.

Weißst du noch, 1980…

Weißst du noch, 1980, als die USA und nachfolgend einige afrikanische und europäische Staaten (einschließlich der BRD) die „olympischen“ Sommerspiele in Moskau boykottierten, weil die Sowjetarmee im Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert ist?

Davon redet niemand mehr, und du sollst dich auch nicht mehr daran erinnern. Wer die Macht über die Geschichte hat, hat auch Macht über Gegenwart und Zukunft.

Wie doch ein Video empören kann…

Wie doch ein Video empören kann! Ganz so, als wäre es das größte Problem des Krieges, dass ein paar in Propaganda und täglichem Kampf aufgeheizte Soldaten vor einer Kamera posieren, wenn sie auf die Leichen toter Gegner urinieren; ja, ganz so, als träte dahinter die ganze als völlig normal hingenommene, Menschen verachtende, mörderische Barbarei des Krieges zurück.

Gorch Fock

Es ist doch bemerkenswert, dass der Weiterbetrieb der Gorch Fock — einmal völlig losgelöst von der Frage, ob diese Offiziersausbildung in irgendeiner Weise sinnvoll ist — nach dem sinnlosen Tod einer einzigen Frau in die Diskussion geraten ist, ja, dass es sogar dazu kommen könnte, dass die Gorch Fock zukünftig nicht mehr für ihre einzige wirkliche Funktion, ein werbendes Aushängeschild der Bundesmarine zu sein, eingesetzt wird. Es ist doch auch bemerkenswert, dass der „Einsatz“ der Bundeswehr in Afghanistan — einmal völlig losgelöst von der Frage, ob dieser Krieg sinnvoll oder auch nur im Rahmen des Grundgesetzes der BR Deutschland legal ist — auch nach dem sinnlosen Tod von mehr als vierzig Männern, die in der Bundeswehr dienten, weder von der Journaille noch von der classe politique in Frage gestellt wird. Der Wert eines Lebens für die mediale und politische Wahrnehmung scheint doch sehr geschlechtsabhängig zu sein.

Und wer denkt, dass hier Äpfel mit Tomaten verrechnet werden, um in der Birne zu schrägen Gedanken zu führen: Die vier Seemänner, die bislang auf der Gorch Fock verunglückten und starben, führten nicht annähernd zu ähnlichen Diskussionen.

Stell dir vor…

Stell dir vor: Es ist Krieg, und Kerner geht hin

Sorry, aber mehr fällt mir zu den kürzlich in der Glotze gesendeten „Weihnachtsgrüßen von der Front“ nicht mehr ein…

Olymp der Heuchelei

Heute vor dreißig Jahren, am 19. Juli 1980, wurden in Moskau die „Olympischen“ Sommerspiele eröffnet. Diese Großveranstaltung für einen als Sport getarnten, unterhaltsam verlarvten Nationalismus und die Präsentation der Nebenwirkungen zerbrochener Jugend und jahrelangen Dopings wurde von etlichen Staaten der „westlichen Welt“ — der newsspeak tut ja gern so, als ob es mehr als eine Welt gäbe — boykottiert, weil die damalige Sowjetunion einen Krieg gegen Afghanistan führte. Die Veranstaltung wurde auf massiven politischen Druck hin von ungefähr den nationalen „olympischen“ Komitees derjenigen Staaten boykottiert, deren Streitkräfte heute in Afghanistan Krieg führen — diesmal freilich aus völlig „ehrenhaften“ Gründen, zum Beispiel zur „Sicherung der Grenzen der BRD“ und um das zarte Pflänzchen der „Demokratie“ dort auszusäen.

Die Reinen und die Feiglinge

Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffte, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten, sehet ihr zu!

Mt. 27, 24

Frau Kriegskanzlerin Merkel,

sie sind also allen Ernstes der Meinung, die gestern so christlich-demokratisch passend zum Karfreitag für fremde Interessen und im Auftrag der von ihren geführten Regierung in Afghanistan verreckten Menschen seien Opfer eines „verabscheuungswürdigen und hinterhältigen Angriffes auf unsere Soldaten“.

Bitte gestatten sie mir und jedem anderen Denkenden die nahe liegende Frage, für wie verblödet sie die Menschen in Deutschland eigentlich halten, dass sie sich getrauen, einen derartigen bullshit zum Besten zu geben. Was stellen sie sich unter einem Krieg vor? Erwarten sie denn wirklich, dass ein technisch unterlegener Gegner im Kriege beim Bundesverteidungsministerium ihres Komplizen von Guttenberg einen Antrag auf Genehmigung von Kampfhandlungen gegen Soldaten der Bundeswehr einreicht und darauf wartet, dass diesem Antrage positiv beschieden wird, statt einfach auf die Möglichkeiten überraschender kleiner Angriffe zu setzen? Oder wie sehen ihre Vorstellungen von einem Krieg aus?

Sehen sie, es bedarf nicht einmal einer besonderen Einsichtsfähigkeit, um ihre Worte als das zu entlarven, was sie sind: Als eine zynische Propagandarede, in deren Sprache sich ihre und ihrer Schergen gesamte Menschenverachtung komprimiert. Deshalb auch das unverblümte Schwarz-Weiß in diesen Worten, diese Unterscheidung zwischen „den feigen Angreifern“ auf der einen Seite und „den guten BRD-Soldaten“ auf der anderen Seite, wie man es aus jeder Kriegspropaganda aus jeder Zeit kennt — so kann das viel zu folgsame Volk auch leichter verblendet werden und vergessen, was gemäß dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland die vorgesehene Aufgabe der Bundeswehr ist, deren Soldaten da in der Ferne verrecken. Für den Fall, dass sie das auch vergessen haben sollten, erinnere ich sie gern an die recht deutlichen Worte in Artikel 87a, Absätze 1 und 2 des Grundgesetzes:

(1) Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf. Ihre zahlenmäßige Stärke und die Grundzüge ihrer Organisation müssen sich aus dem Haushaltsplan ergeben.

(2) Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zuläßt.

Aber das wissen sie gewiss selbst, wenn sie sich da wie die strahlende Führerin der hinterhältig angegriffenen Soldaten hinstellen und ihre Hände so plakativ in Unschuld waschen, als hätten sie sich sehr persönlich bei den Bibellesungen zum Karfreitag mit Pontius Pilatus identifiziert. Aus ihrer Stellungnahme wird klar, was sie für einen Charakter haben und zu welchem lichtscheuen Gesindel sie gehören — und ihre in die Medien und die Reportermikrofone gespielte Überraschung, die so tut, als ginge es im Kriege vor allem darum, sich gegenseitig mit weichen Kissen zu beschmeißen, ist brechreizerregend. Und ihre Verachtung der Menschen in Deutschland, denen sie auf diese Weise zu verstehen geben, dass sie sie für dumm halten, ist ein deutliches Zeichen, dass sie für ihr gegenwärtiges politisches Amt nicht geeignet sind, Frau Kriegskanzlerin.

Es ginge mir besser, wüsste ich, dass Schreibtischmörder wie sie und ihr „Regierung“ genanntes Pack sich vor einem Gericht erklären müssten und für ihre Taten so zur Rechenschaft gezogen würden, wie jeder andere Schuft — einschließlich der Strafverschärfung für die nicht einmal in Spuren vorhandene Reue und den offenen Zynismus in Begleitung ihrer Taten, die keine positive soziale Prognose zulassen.

Aber ich weiß eben genau, dass es dazu nicht kommen wird.

Deshalb drücke ich hier nur so deutlich, wie es bei aller gebührenden Höflichkeit noch möglich ist, meine Verachtung aus. Nicht für ihre Politik, sondern für ihre Person, die sich in ihrer Politik spiegelt. Gestern wie heute.

Der Nachtwächter