Tag Archive: Absurd


Seit 1980

“Seit 1980 die so genannte ‘Sommerzeit’ eingeführt wurde”, sagte der Vorübergehende, “lese ich an den beiden Tagen des Zeigersprunges jedes Jahr das gleiche in der Presse: Dass eine Mehrheit der Menschen in Deutschland die idiotische Umstellerei ablehnt — zurzeit sollen es 71 Prozent sein. Dass eine vollständig sinnlose Maßnahme, die viele Menschen sehr belastet, über dreieinhalb Jahrzehnte hinweg gegen Wunsch und Willen einer solchen Mehrheit erfolgreich durchgesetzt werden kann, belegt, welchen Wert das Wort ‘Demokratie’ hat. Damals. Wie. Heute”.

Raumfahrt? Diese Geldverschwendung!

Es ist bemerkenswert und absurd, dass die laufende indische Marsmission mit einem Budget von 73 Millionen Dollar deutlich billiger als die Produktion manches zeitgenössischen Kinofilms oder Computerspieles ist.

Die Watch und das Phone

Sorgsam inszenierte Produktpräsentationen von Apple: Die wohl größte Tupperparty der Welt. Ein Unterschied nur zwischen die teuren und allmedial hochgejubelten gadgets und den Plastikdosen:

[…] aus mehreren Anmerkungen lässt sich jedoch darauf schließen, dass die Uhr jede Nacht aufgeladen werden muss

Die Plastikdosen sind nützlicher als ein gadget für 350 Dollar im klobigen Design, dessen Akku nur einen Tag lang hält und das nur zusammen mit einem ebenfalls hochpreisigen Wischofon mehr kann, als die Uhrzeit anzuzeigen.

Die Nase ist so weit weggegangen

Allein die Überschrift des ursprünglichen Artikels war größer als die gesamte Richtigstellung

Pinocchio mit langer NaseAusgerechnet das gossenfaschistische Verlagsprodukt, das ich bislang noch allerorten in Deutschland verkauft bekommen habe, wenn ich um “Ein Lügenblatt, bitte” bat, fragt auf seiner Titelseite, was man “dem Fernsehen” — und damit den quasistaatlichen Sendeanstalten der BRD im Kriegspropagandamodus — glauben darf.

Vor dem inneren Auge des Vorübergehenden am Verkaufsstand für das Altpapier von morgen läuft ein absurder Film ab, in dem Pinocchio vergeblich versucht, sich an seine eigene Nase zu fassen…

Bild: Adrian Michael, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Der Gehetzte

Je weniger Zeit einer hat, desto weniger tut er.

Die Schule

Mala malus mala mala

“Die Schule”, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, “du meinst diese Einrichtung, in der die Erwachsenen von morgen auf die ganzen Anforderungen von gestern und — bei diesen unter den Schergen der Gartenzwerge so hochangesehenen altsprachlichen Gymnasien — sogar auf die Anforderungen von vorgestern vorbereitet werden?”

Neophyt

Der Zeitgenosse sagte zum Vorübergehenden: “Der Riesen-Bärenklau wuchert nur deshalb überall und macht Probleme, weil man ihn nicht rauchen kann. Wenn man ihn nur rauchen könnte wie Hanf! Es würde noch an den fernliegendsten Orten schnell mit allen verfügbaren Mitteln und unerbittlicher Härte ausgerottet und wäre in wenigen Jahren aus der Natur ausradiert; ganz genau so, wie damals der Hanf”.

Gruß an M. S.

Seelenpanzer

Menschen, die so sehr darauf bedacht sind, sich vor jedem Empfinden der Traurigkeit, des Verlustes und der Enttäuschung zu schützen, dass sie bedenkenlos inkauf nehmen, dass sie sich damit gleichzeitig vor jeder Empfindung des Glückes schützen.

Die rationale Barbarei

Die alte, mörderische Barbarei gefällt sich sehr darin, im rationalen Gewande aufzutreten, so lange dies erforderlich ist. Wenn in den USA jemand durch die “Todesspritze” hingerichtet, also von Staates Seite in einer Form der als Recht ausgeübten Rache ermordet wird, dann wird dafür selbstverständlich eine sterile Spritze und eine sterile Nadel verwendet.

Das alte Neue

“Das ist doch lustig”, sagte der Vorübergehende zu seinem übers smart phone wischenden Begleiter, “jetzt hast du endlich eine hochauflösende Kamera in deinem Wischofon, aber du lässt dir die Bilder von Instagram unscharf zeichnen, damit sie altmodisch und technisch unvollkommen aussehen”.

Die Neurosegarantie

Die Mutter, an der der Vorübergehende vorüberging; diese Mutter, die zu ihrem auf eine Pfütze zulaufenden Kinde eindringlich und in ernsthafter Schärfe sagte: “Pass auf, dass du dir die Gummistiefel nicht dreckig machst” — eine ganze Ätiologie der Neurose sekundenhusch vorm Auge ausgebreitet…

Der Aldi-Kunde

Er stand beim Aldi in der Warteschlange an der Kasse, im Wagen das preiswerte, heute nochmal herabgesetzte Gemüse. Um in der Warteschlange nicht wie die anderen nichts zu tun und den nach input suchenden Blick durch die vielen Selbstbelohnungs-Artikel schweifen zu lassen, die überall an den Kassen der Supermärkte platziert sind, griff er in seine Hemdtasche, holte ein iPhone heraus, handhabte es in einer wenig zweckmäßigen, aber darin doch geübt aussehenden Weise, so dass jeder auch nur beiläufige Betrachter sehen musste, was er da in der Hand hielt und welches Logo darauf zu sehen war; und er telefonierte kurz damit, um anschließend mit flinkem Fingerschubsen einen Blick in seine E-Mail zu werfen. Oh, wie überzeugend er zeigte, dass er mehr hat und deshalb wohl besser ist als alle diese Anderen in dieser Schlange der billigen Einkäufer!

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