Tag Archive: 17. Juni


Siebzehnter Juni

„Hach ja, damals“, sagte der Vorübergehende zu seinem verdummten Zeitgenossen, „als eine Arbeitsnormerhöhung um zehn Prozent zu einem Volksaufstand in der DDR führte. Heute machen die Angehörigen der Classe politique so etwas zwar in der gleichen Größenordnung, aber in viel geschickterer Verpackung: Sie erhöhen das Renteneintrittsalter. Und es funktioniert so verpackt ganz hervorragend. Die Menschen arbeiten rd. zehn Prozent mehr, ohne einen persönlichen Vorteil dadurch zu haben; ja, einige sind dabei sogar froh, Arbeit zu haben und nicht auf Hartz fear im rechtsfreien Raum des Sozialsystems angewiesen zu sein. Nichts ist so wirksam wie die Kombination aus Angst und Propaganda“.

Platz des Volksaufstandes 1953

Es gibt zwei Arten von Tieren; solche, die niedlich sind und solche, die lecker sind. Es gibt auch zwei Arten von Volksaufständen; solche, die der herrschenden und besitzenden Klasse gefallen und bei denen sie noch Jahrzehnte später in bis zur Obszönität feierlichen Reden zu allerlei staatsaktiger Seelenbeize den Großen Geist der unbezwingbaren Freiheit mit weihevollen Worten verherrlichen, ja, nach deren Datum sie schließlich sogar einen Platz in der Hauptstadt benennen, in der sich dieses Pack naturgemäß konzentriert und solche, die der herrschenden und besitzenden Klasse nicht gefallen, in der jüngeren Zeit etwa in Stuttgart oder in Frankfurt. Wer Augen hat, um damit etwas zu sehen, der schaue hin, und wem es noch an Verständnis dafür fehlt, warum der Akt der Unterzeichnung eines Vertrages von der classe politique zum Feiertag der BRD erwählt wurde und nicht etwa der Tag, an dem die Menschen für ihr verdammtes Lebensrecht unter beachtlichem persönlichen Risiko einstanden, wird dieses Verständnis leicht bekommen, wenn er nur hinschaut.