Category: Nachtlyrik


Warum ich kein Geld für Journalismus ausgebe

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Von der Ungleichheit

Als die Katze sagte, dass Mäuse besser als Katzen seien, widersprach ihr die Maus im geübten Widersprecherton: „Aber das ist doch nur ein umgedrehter Rassismus, in Wirklichkeit sind alle Tiere gleich“. Die Katze ging gar nicht darauf ein und bekräftigte ihre Aussage: „Aber mitnichten, Mäuse sind sehr viel besser als Katzen“, fing die Maus ein, spielte sie nach alter Katzentradition zu Tode und fraß sie genussvoll auf.

Neujahr

Ein schmieriger Schlamm auf im Regen verknallten Knallern und zerdepperten Flaschen bekleidet die Straßen. Mein Fahrrad fliegt darüber. Die Schläuche haben Glück. Und sonst. Ändert sich nichts.

Zum Jahresschluss

Blindhirnig, mit tollwütiger, geifernder Psyche, geht die Menschheit in eine neue Zeit und reproduziert mit neuen Möglichkeiten doch nur das Alte und das Uralte.

Zeitglück

Man sagt, dass Schaden klug mache.
Aber macht im Spiegelbild das Glück die Menschen dumm?
Wenn ja,
Kommen bald schlauere Zeiten.

Kriegsgräberstätte

Grasfrech welkt der blinde Hügel;
Tausendstab und weiß die Kreuze
Steht der Tod in Reih und Glied,
Der Meister jedes Krieges.

Nochimmer das Vergessen.

Januar

Die Mondin hat sich heut
Mit Nebel bekleidet.
Nasse kalte Finger
Greifen nach dem Fleisch
Das immernoch atmet.
Am Vorübergehenden
Scrollen Fenster vorbei
Wie eine ferne fremde Welt.
Dahinter flackern Fernseher,
Hochauflösend, hell und klar.
Ein Obstbaum auf dem Wege
Hat schon mit der Blüte
Begonnen. Als ob er dunkel ahnte,
dass da nichts mehr kommt.

Eingepackt

Blendend eingepackt in einer molligen Schicht aus Liebe und Tod lag ihre Seele, diese zitternde, diese atemlose, diese lähmende Angst.

Der Volksvertreter

Der da kommt und nicht bleibt; Der da steht und nicht schweigt; Der für dich lauthals spricht — Was er sagt, ist er nicht: Ein Volksvertreter.

Er denkt nur an sich selbst.

Meine Klatsche

Eigentlich lernen wir nur aus Büchern, die wir nicht beurteilen können. Der Autor eines Buches, das wir beurteilen können, müßte von uns lernen.

Johann Wolfgang von Goethe

fliegen fliegen
klatscht die fliegenklatsche
fliegen an die wand —
dank der hand.

ohne hand
flögen fliegen
voller fleiße
flugs in scheiße
dann in mein gesicht —
ich mag das nicht.

die fliege flog,
die wand sie zog;
sie hat gedacht:
„genug gemacht, ich ruhe jetzt“ —
sie ward zerfetzt.

Ein wichtiger Nachtrag auf die Frage: „Schön, schön, und was möchte der Autor uns mit diesen erquicklichen Worten nun sagen?“

Weiterlesen

Meine Augen

Meine Augen
Leergeweinte Höhlen
Schmirgelstaub in Stein

Mein Mund
Schwindelschwirr der Abgrund
Flüsterseufz das Lichtlos

Ein Atem
Der widerstrebend
Zum Nebel kondensiert

Zum Dunst

Ausrufezeichen
Sind himmelhoch
Aus Stahl und Glas errichtet

Im Glanz bin ich zernichtet

Ein Schornstein
Bröckelt vor sich hin
Am Horizont der Zeiten

Lughaft kriecht die Sonne
Durch den kalten Wind
Und es wird nicht Licht

Wie lange schon
Bin ich hier gestorben?

Realistisches Adventslied

Zu singen zur Melodie eines allgemein bekannten, deutschen Adventsliedes und zum weihnachtlichen und politischen Geschwätz in den Medien.

Es kommt ein Schiff geladen
Bis an sein‘ höchsten Rand,
Die Schulden sind Billiarden,
Und nirgends sieht man Land.

Das Schiff treibt schief im Meere,
Es trägt ein üble Last.
Statt Segel gibts nur Leere,
Zerbrochen ist der Mast.

Kein Anker mehr vorhanden,
Er wog ja viel zu schwer.
Vielleicht wird man einst stranden…
Es glaubt längst keiner mehr.

Am Steuer stehen Irre
Die nur Visionen sehn;
Ihr Reden macht euch kirre,
Ihr könnt ihm kaum entgehn.

Sie haben keine Karten,
Ihr Wahn reicht ihnen aus.
Sie hoffen selbst und warten
Auf gestrig Saus und Braus.

Der Sturm pfeift durch die Planken,
Es reiht sich Leck an Leck.
Schöpft Wasser ohn‘ Gedanken!
Das nennt man euren Zweck!

Drum sollt ihr eifrig kaufen,
Es ist ja Weihnachtszeit.
Die Wirtschaft muss doch laufen
Sonst ist es bald so weit…

…und habt ihr nichts zu schenken,
Denn leiht euch einfach Geld!
Wie euch die Irren lenken!
Die Bank regiert die Welt.

Epilog

Und rottet einst am Strande
Ein gammlig Balken Holz:
Das blieb vom Deutschen Lande;
Die Steuerfrau ist stolz.

Mit fröhlichem Gruß an den Dwarslöper