„Wer kein gefestigtes Wissen um sich selbst, seine Möglichkeiten und seine Einschränkungen hat und deshalb auf das Surrogat der ständigen Wertzuweisung durch Andere angewiesen ist“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen im Schlamm, „tendiert dazu, alles nur zu tun, um dabei gesehen und wertgeschätzt zu werden. Sobald niemand mehr hinschauen kann, wird das gesamte Tun völlig anders, weil es niemals einer eigenen Natur, einem eigenen Plan und einer eigenen Einsicht entsprach. Ganze Gesellschaften bestehen metastabil einzig auf der Grundlage dieses einfachen psychischen Mechanismus, egal, wie schlecht sie für alle Beteiligten sind und wie leicht erkennbar die ganze Gesellschaft gegen die Wand gefahren wird. Sowohl die intellektuelle Schlammgrube von social media, die Übernahme der Reklamelügen und die Selbstaufwertung durch Kauf- und Verbrauchsakte als auch große Teile des unvernünftigen — ja, es gibt tatsächlich auch einen vernünftigen — Unwillens gegen die laufende Corona-Seuchenbekämpfung haben die selbe psychische Wurzel, und dass die Freiheit weggeworfen wird, schmerzt jene am wenigsten, die im Prozess, der über der Gesellschaft abläuft, niemals eine individuelle Freiheit entwickeln konnten“.