Archive for Januar, 2021


Altgeworden

Der Altgewordene sagte: „Gott, bin ich alt geworden“. Und der Vorübergehende dachte sich, wie trefflich es doch ist, wenn jemand „Gott“ sagt, aber mit diesem Wort sich selbst meint. Wäre es mit Einsicht statt nur mit Alter verbunden, es wäre schon weise.

Klare Sache

Wo Unrecht zur Pflicht wird, ist der Widerstand im Recht.

Ausblick

Am Ende des Lichts ist noch eine ganze Menge Tunnel übrig.

In Hannover gibt es wieder Lehrer, die Kinder und Eltern mit Lügen¹ dazu nötigen wollen, für den Fernunterricht das unter allen Aspekten völlig indiskutable „Zoom“ zu verwenden — ich habe heute mit zwei Eltern kommuniziert, die mir das berichtet haben und sich gegen diese Form der Gewalt nicht zu wehren wussten. Zumal beide meinten, dass es für ihr Kind nur Nachteile haben würde, wenn sie sich stärker zur Wehr setzten, als dass sie lediglich ihre Bedenken anmeldeten und sich die recht unverschämten Lügen dieser Lehrer anhörten…

Es fällt mir schwer, dabei keine unfriedlichen Gedanken zu entwickeln.

So schade, dass in diesem Dreivierteljahr Corona-Pandemie noch nicht die Zeit war, etwas Eigenes, Robustes und datenschutzrechtlich Vertretbares aufzubauen und ein paar Server für den Betrieb anzumieten (oder solche des jeweiligen Landesrechenzentrums dafür zu verwenden). Stattdessen wurde von Pullovern, Decken, Lüften und Kniebeugen fabuliert, weil diese „Maßnahmen“ erfreulich kostenlos sind und paar Groschen für die Schule und die ihr ausgesetzten Lehrer und Schüler nicht übrig waren. So wie generell niemals Geld für Schulen übrig ist, was man vielen Schulen sehr deutlich ansieht, wenn man nur hinschaut. Ach, wie schön die Sonntagsreden der oft erschreckend ungebildeten Vertreter der Classe politique doch von „Bildung“ triefen können!

Wenn die BRD ein so genannter „Rechtsstaat“ wäre, würde ich dem Versuch, eine Einstweilige Verfügung beim zuständigen Landesverwaltungsgericht zu erlangen, ja gute Chancen einräumen. Leider ist die BRD ein Willkürstaat, und zwar auf allen Ebenen.

¹Lügen ist das bewusste Aussprechen der Unwahrheit. Das ist in beiden Fällen geschehen, um „Zoom“ als gangbare Alternative darstellen zu können.

Bildung

Gut gebildete Menschen erkennt man nicht daran, dass sie einfache Dinge in einem Schwall unangemessen komplizierter Ausdrucksweisen zu verbergen wissen, sondern daran, dass sie komplizierte Dinge einfach und klar erklären können, ohne sie unangemessen zu vereinfachen. In diesem Sinne ist vieles vom geforderten Textausstoß eines Studenten in der BRD ein Zeichen schlechter Bildung, und viel zu viele Opfer dieses Lehrbetriebes, vor allem aus den so genannten Geisteswissenschaften, legen den einmal versauten Stil ihr ganzes Leben nicht mehr ab, bis dahin gehend, dass sie Lehrbücher für die nächste Generation Studenten in größtmöglicher Weitschwafeligkeit und Aufgedunsenheit verfassen, damit sich auch niemals etwas daran bessere.

Unter gut gebildeten Menschen entsteht auch nur selten eine neue Religion…

Erfolg

Von einem Anhänger der allmedial vermittelten Wohlstands- und Wirtschaftsreligion gefragt, warum er denn (spöttisch vorgetragen) bei aller seiner Weisheit so wenig Erfolg habe, antwortete der Vorübergehende: „Ich habe nicht wie du dafür gelebt, ‚Erfolg‘ zu haben, sondern ich habe unter widrigen Umständen und trotz ständiger privater, religiöser und politischer Versuche, mit aller Gewalt genau das zu verhindern den Erfolg gehabt, leben zu können. Ich lächle, und du bist verbittert“.

Überzeugen

„Es ist wirklich einfach, andere Menschen zu überzeugen“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin. „und sie stimmen einem freudig dabei zu. Ich habe schon sehr viele Menschen von ihrer eigenen Meinung überzeugt“.

Mode

Mode — Ein Verfahren, mit dem man auch Zivilisten dazu bringen will, sich zu uniformieren.

Königsrede

„Wir sind doch alle nur Schachfiguren“, sagte der König zum Bauern…

Die Kinder

„Die Kinder, die nach dem Willen der Politiker aus fast jeder Partei während der Coronaseuche vormittags in den Schulen zusammensitzen müssen“, sagte der Vorübergehende zum Kopfschüttelnden, „sollen nach dem Willen der gleichen Politiker aus fast jeder Partei nachmittags nicht mehr zusammen spielen dürfen. Man braucht nicht viel Verstand, um den Unsinn in der marktkonformen Seuchenbekämpfung zu sehen, aber man braucht immer noch genug Verstand, um nicht in diesem Ozean der Intelligenzverachtung und Dummheit zu ertrinken, sondern seinen Verstand zu behalten“.

Ohnmacht

Den Mitmenschen mit einem Weltbild, das zurzeit gemeinhin als rechtsradikal beschrieben würde und der ihm die Ohren darüber vollklagte, wie sehr Unternehmen wie Google und Apple mit der Entfernung der Parler-App aus den Appstores in seine Freiheit eingriffen, fragte der Vorübergehende im beinahe flüsterndem Tonfall: „Warum hast du deine Kommunikation von den Web-Diensten börsennotierter Unternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell abhängig gemacht; warum hast du deine Kommunikation künstlich zentralisiert, so dass sie leicht abzuschalten ist; warum hast du dir Computer gekauft, auf denen dir das Recht vorenthalten werden sollte, selbst darüber zu bestimmen, welche Software darauf ausgeführt werden soll; …ja, ist es nicht so, dass die Ohnmacht, die du jetzt fühlst, nur das folgerichtige Ergebnis jahrelanger und völlig freiwilliger Selbstentmächtigung und Anderenermächtigung ist, von der du dir vermutlich erhofftest, noch weniger über die von dir verwendete Technik lernen zu müssen; noch viel einfacher lernen zu müssen als ich vor vielen Jahrzehnten, weil du ein Internet hast und nicht erst zur Bibliothek gehen müsstest, wenn du etwas wissen wolltest“? Danach. Hatte der Vorübergehende einen Bekannten weniger.

Sprengstoff

Als er hörte, dass der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un mit der Entwicklung neuer Atomwaffen drohe, sagte er mit leisem Seufzen: „So schade, dass man mit Lebensglück und Nahrungsmitteln keine Bomben bauen kann. Denn sonst wären die Bewohner Nordkoreas wohl immer satt und glücklich“.