„Ob eine Sache legal ist oder nicht“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „gehört nicht zu den Metriken, an denen ich meine Ethik messe oder mein Leben beurteile. Die Sklaverei war legal, die Hexenverfolgung war legal, die Ermordung von Kirchenkritikern war legal, der Judenhass war legal, die Folter zur gewaltsamen Erpressung von Aussagen war legal, der Holocaust war legal, die Rassentrennung war legal, die Kriminalisierung von männlicher Homosexualität war legal¹. Immer wurde ein gewisser Aufwand getrieben, damit nichts davon nach der Willkür aussah, die es war — bis dahin gehend, dass den Hexen ’nachgewiesen‘ wurde, dass sie Geschlechtsverkehr mit Dämonen hatten. Unter dem Begriff des ‚Rechtsstaats‘ kann sich eine beliebige Menge Unrechts verstecken, und die traditionellen Verkleidungen der staatsgewalttätigen Richter bei ihrer Gewaltausübung sind ein Spiegelbild dieses Mummenschanzes. Das Einzige, was sich durch die Illegalität einer Sache für mich ändert, ist der Aufwand, den ich treiben muss, um nicht erwischt und vom Rechtsystem des Staates, in dem ich mein Leben fristen muss, mit Gewalt behandelt zu werden“.

¹Weibliche Homosexualität hat hingegen jahrtausendelang niemanden interessiert, im Regelfall nicht zu Todesstrafen geführt und fand juristische Beachtung eher im Zusammenhang mit anderen „Verbrechen“ wie etwa Hexerei.