Archive for April, 2020


Angstmacht

Wenn eine Religion es nicht mehr hinbekommt, dass die Menschen Angst vor ihrem Gott bekommen, dann wird diese Religion alles daran setzen, den Menschen Angst vor den Gläubigen an ihrem Gott zu machen, in ihrem Teufelskopf wohlwissend, dass eine Religion ohne eine jeden Wunsch, jeden Gedanken und jede Freiheit erstickende oder doch wenigstens unterdrückende Angst keine Macht mehr hat.

Irrtumsfrei

„Es gibt sehr viele Menschen, die sich niemals irren“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „weil sie niemals selbst versuchen, etwas zu verstehen oder darüber nachdenken, wieso etwas so sein könne, wie es ist und wie man das verändern könne. Kein Wunder, dass beinahe alle diese Menschen so sehr von sich selbst überzeugt sind, ja, viel überzeugter als jeder Denkende und Fühlende. Der Journalismus ist voll davon, aber auch die Politik“.

Bedarfsdeckung und Bedarfsweckung

„Es ist doch in gewisser Weise eine herrliche Realsatire“, sagte der Vorübergehende zu seinem besorgten Mitmenschen, „dass jetzt zur Corona-Pandemie die gesamte Weltwirtschaft vor dem Zusammenbruch steht, einfach nur, weil die meisten Menschen nur noch kaufen, was sie wirklich brauchen“.

Gereift

„Die so genannte Demokratie in den so genannten demokratischen Staaten ist gut gereift“, sagte der Vorübergehende mit einem breiten Grinsen zu Mitmensch Medientreu, „und sie ist längst überreif, in ihr hat schon längst die Fäulnis und Verwesung begonnen“.

Brust-Kopf-Rechnen

„Feminist*innen“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenoss*in, „haben eine ganz einfache Betrachtungsweise, wenn sie das ausrechnen, was sie ‚gesellschaftlichen Fortschritt‘ nennen. Wenn immer irgendwo Geld, Ansehen und hohes Gehalt für wenig körperliche Mühe zu holen ist, denn zählen sie die Anzahl der Köpfe und die Anzahl der Brüste, und wenn die Anzahl der Brüste genau so groß oder gar größer, im Idealfall doppelt so groß wie die Anzahl der Köpfe, ist, dann ist alles in Ordnung, und ansonsten muss man diesen Zustand im Zweifelsfall mit politischer Gewalt herstellen. Aber dort, wo für viel Arbeit weder Dank noch Geld noch Achtung verdient wird, kümmern sie sich nicht um das Brust-Kopf-Verhältnis und wollen alles so belassen, wie es ist. Den Zustand, den sie so erreichen wollen, nennen sie ‚Gerechtigkeit‘, weil das ein schön klingendes Wort ist. Es gefällt dem Bürgertum gar sehr, dieses Wort ‚Gerechtigkeit‘, ja, es gefällt ihnen besser als die Gerechtigkeit selbst, und manche glauben gar, es handele sich bei dieser sexistischen Lobbypolitik um Wissenschaft“.

Ich höre die Politiker immer von „Lockerungen“ sprechen, und ich denke dabei an Schrauben.

Verdient

Wer die Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave.

Aristoteles (ᛉ384, ᛣ322 v.u.Z.)

Wenn Donald Trump Kapitän der Titanic gewesen wäre

Es gibt überhaupt keinen Eisberg. Ja, da war ein Eisberg, aber er war in einem völlig anderen Ozean. Der Eisberg ist in diesem Ozean, aber er wird sehr schnell wegschmelzen. Ja, da ist ein Eisberg, aber wir sind nicht mit dem Eisberg zusammengestoßen. Wir haben den Eisberg gerammt, aber der Schaden wird in Kürze repariert sein. Der Eisberg ist ein chinesischer Eisberg. Wir stellen uns dem Wasser, aber jeder Fahrgast, der ein Rettungboot haben möchte, kann ein Rettungsboot haben, und wir haben ein paar wirklich schöne Rettungsboote dabei. Sehen sie, die Fahrgäste müssen freundlich um Rettungsboote bitten, wenn sie welche haben möchten. Wir haben keine Rettungsboote, wir sind ja keine Rettungsbootversorger. Fahrgäste hätten damit rechnen müssen, dass es auch Eisberge gibt und folglich ihre eigenen Rettungsboote mitbringen müssen. Ich glaube nicht, dass wir wirklich so viele Rettungsboote brauchen. Wir haben Rettungsboote, und das sind unsere Rettungsboote, nicht die Rettungsboote der Fahrgäste. Die Rettungsboote wurden vom vorherigen Kapitän dieses Schiffes abgeschafft. Niemand hätte einen Eisberg voraussehen können. Ich habe schon immer vor dem Eisberg gewarnt.

Genau derjenige Hartz-4-Mitarchitekt und Mitvorantreiber eines staatlich subventionierten Billigarbeitsmarktes, der in der Zeit zwischen 1998 und 2005 einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dass sich die Menschen in der Gesellschaft weitgehend entsolidarisieren; jener, der mit seinen Komplizen aus SPD und Grünen systematisch, planvoll und im genauen Wissen um die Konsequenzen dieses Tuns die Sozialsysteme der Bundesrepublik Deutschland zu Verarmungs- und Repressionssystemen umgebaut hat; ja, genau dieser Frank-Walter Steinmeier sitzt jetzt gemütlich und von Bundeswehrsoldaten bewacht im Schloss Bellevue und hat die Chuzpe — die Fernsehkamera mutig im Blick, die Stimme an das niemals widersprechende Mikrofon gewandt und vom Staatsfernsehen übertragen — in weihevoller, wohlgesetzter Rede von den Menschen in der Bundesrepublik Deutschland Solidarität einzufordern.

Der derbe deutsche Sprachgebrauch würde von einem „Arschloch“ sprechen. Aber nein, ich werde das Amt des Bundespräsidenten nicht so beleidigen, allein schon wegen des Strafgesetzbuches. Dieses Amt wird schon mehr als genug durch die unerfreuliche Person beleidigt, die es zurzeit bekleidet.

Ein Idiot

Ein Idiot sagt einfach nur „Ich verstehe es nicht“ und hält das für eine vollwertige und vernichtende Widerlegung. Ein Idiot sagt einfach nur „Es ist so“ und hält das für einen vollwertigen und unwiderlegbaren Beweis. Ein Idiot hält jeden für arrogant, der ihm mit Argumenten kommt und betrachtet jeden dabei vorgebrachten Beleg als gefälscht. Ein Idiot läuft einem leider immer wieder über den Weg, und alle diese Idioten sind wahlberechtigt.

Grüße auch an Donald Trump, den Präsidenten der Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika!

Denkdochmal

„Denk doch mal an die armen Kinder, die armen Frauen, das ausgebeutete Personal der Krankenhäuser, die Obdachlosen, die psychisch Kranken“ — diese ganzen Leute aus Politik, Aktivismus und Journalismus, die ihre Empathie immer nur dann entdecken, wenn sie etwas zur Emotionalisierung des Politischen und zur psychischen Manipulation der Massen taugt, demonstrieren im Spiegelbild dieser Haltung ihren abstoßenden, kalten, ekelhaften, empathielosen, ja, asozial-psychopathischen Charakter. Ein halbwegs erfreuliches, zivilisiert menschliches Miteinander wird erst möglich werden, wenn niemand mehr auf diese schamlosen Politikspammer und ihre journalistischen Relaisstationen hereinfällt.

Angekommen

„Angekommen bist du“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „wenn du dich nicht mehr bewegst. Dein von Erinnerungen getragenes Fernweh nach einem besseren Dasein ist ein genau so illusionärer Trost wie deine kalendergeborenen Urlaube, Ablenkungen und Vergnügungen“.