Menschen, die sagen: „Ich bin Deutscher“, „Ich bin Muslim“ oder „Ich bin links“ laden mit dieser Haltung, mit dieser äußerst preiswerten Identifikation mit übergeordneten, antiindividuellen Ideen und Begrifflichkeiten ihr Dasein und ihr verhungertes Selbstwertgefühl mit einer narzisstisch wichtigen Bedeutsamkeit auf, ohne allzuviel für die so gewonnene Bedeutsamkeit tun zu müssen. Dies ist ein primitiver psychischer Mechanismus mit eingebauter konformistischer Forderung an andere Menschen nebst Gewaltbereitschaft gegenüber unfügsamen anderen Menschen, der mehr Schaden an der Zivilisation anrichtet als alle Naturkatastrofen der letzten paartausend Jahre zusammen, und der brülle Massensang der Identifikation mit Sportmannschaften ist die wirksamste Eingewöhnung in diesen psychischen Mechanismus, der geradewegs in die eine oder andere Form des Faschismus führt.

Wer zivilisiert ist, sagt „Ich bin ich“, und dies selbst dann noch, wenn sich dieses Ich wie ein leerer Fleck anfühlt. Denn Menschen sind kein Ameisenstaat, in dem jeder das gleiche Erbgut hat und in dem es keine Individuen gibt. Die Kraft menschlicher Zivilisation erwächst immer nur dort, wo Verschiedene beisammen sind, kooperieren und die antisozialen Regungen der dummen dummen Psyche zurückweisen, und die Kraft menschlicher Zivilisation wird vernichtet in dumpfem Konformismus und gewaltsamer Gleichmacherei.

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