Es ist schon faszinierend, wie schnell außerordentlich viele Erwachsene bereit dazu sind, sich mit dem zurzeit noch leicht und relativ risikolos zu öffnenden Mund mit demonstrierenden und schulstreikenden Kindern zu solidarisieren, wie vollständig nichtvorhanden aber andererseits ihre Bereitschaft ist, einfach selbst als klare Geste der Unterstützung und Zustimmung am Freitag die Arbeit niederzulegen und solidarisch mitzudemonstrieren. Einer der wichtigsten Gründe für dieses zutiefst selbstwidersprüchliche Verhalten dürfte es sein, dass Schulen ihren Schülern keine existenzbedrohende Kündigung aussprechen können, ganz im Gegensatz zu jenen, die den abhängig Beschäftigten im Hartz-Fear-Staat BRD ein Gehalt auszahlen. In dieser Kombination aus offenem Begrüßen des gleichermaßen recht wirkungs- und risikolosen „Widerstandes“ jener Menschen, die ihre Zukunft noch vor sich haben und dem ängstlichen Vermeiden jeder eigenen, möglicherweise etwas wirksameren Unterstützung spiegelt sich die ängstliche und ergebene Gleichgültigkeit dieser mit dem Mundwerk so engagierten Erwachsenen, die übrigens keine Spur weniger lächerlich und kinderverachtend wirkt, wenn sie ihren Kindern auch noch beim Malen hübscher Demoschilder helfen und sie mit dem Auto zur Klimademo fahren. Und weil dort auf den Demonstrationen die professionell-wohlaufgenommenen Fotos und Filmchen demonstrierender Kinder so niedlich sind, ist der Journalist mit aller seiner publizistischen Kraft beim niederträchtigen und vernunftwidrigen Heucheln dabei, es ist ja clickträchtiger Content und gut für die Vermarktung von Reklameplätzen, dem eigentlichen Geschäft des stinkenden Mitmenschen von Journalisten. Alle diese Leute hätten vor ein paar hundert Jahren auch Ablasszettel gekauft, um sich von ihrer eigenen, selbst empfundenen Verantwortung freizukaufen — und gleichermaßen bang wie ungebremst weitergemacht. Jedes Mal, wenn Kinder politisch instrumentalisiert werden, wird es scheußlich, dumm und kalt.