„Die bloße Idee der Demokratie löst nicht ein einziges Problem in einer Gesellschaft“, sagte der Vorübergehende zu seinem staatsgläubigen Begleiter. „Selbst, wenn sechzig Millionen Menschen etwas Dummes und Falsches für wahr und richtig halten, wird es dadurch nicht wahrer und nicht richtiger, sondern bleibt dumm und falsch. Wahrheit ist keine Frage von Mehrheitsentscheiden, Moden und Moralvorstellungen, sondern folgt aus der Tatsächlichkeit dessen, was ist; ob es uns nun gefällt oder nicht. Das Dumme und Falsche wird auch dann nicht richtiger und schlauer, wenn sechzig Millionen Menschen ihre Wahlentscheidungen daran ausrichten und mit ihrer zur Herrschaft und Gewalt des Dummen und Falschen werdenden politischen Mehrheit ihre dumme und falsche Auffassung einer ganzen Gesellschaft und jedem einzelnen Menschen aufdrücken“. Als sein Begleiter etwas entsetzt guckte, ungefähr so, wie ein wirklich frommer Mensch, der gerade ein fieses lästerliches Wort gehört hat, und als er nach einer Sekunde der Erholung von dieser Zumutung zu einem Widerwort ansetzen wollte, kam ihm der Vorübergehende gekonnt zuvor und setzte fort: „Woher kommt eigentlich deine unhinterzweifelte Gewissheit, dass diese Demokratie nicht selbst dumm und falsch ist und allem Sozialkundeunterricht zum Trotze niemals etwas anderes war. Bislang zeigte es sich ausnahmslos und überall: Wo immer man diese Demokratie auch einführt, spült sie ein dummes, korruptes, menschenverachtendes und gesetzloses Geschmeiß in die Herrschaftsämter, und damit das auch so bleibt, gibt es in demokratischen Gesellschaften monströse mediale Apparate, damit auch stets eine große Mehrheit der Bevölkerung dem Dummen und Falschen verhaftet bleibe; die druckerschwärze-bleiernen journalistischen Säulen der Demokratie, hochgeschätzt von denen, denen sie zum Amt verhelfen, das Schießpulver, mit dem der Geist gemordet wird“.